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Mit dem am 7. März 1714 unterzeichneten Frieden von Rastatt fand der Spanische Erbfolgekrieg (1701–1713/14) ein Ende. Dadurch wurde der Friede von Utrecht, dem die österreichischen Habsburger[i] ein Jahr zuvor nicht hatten zustimmen wollen, vom Frankreich König Ludwigs XIV., des „Sonnenkönigs“, und vom Österreich Kaiser Karls VI. in seinen wesentlichen Inhalten bestätigt. Ein Krieg, in den halb Europa verwickelt und der dort ein wahrhaftiger Weltenbrand gewesen war, endete damit nach langen Jahren blutiger Auseinandersetzungen.
Von Dr. Mario Kandil
Der Tod des schwächlichen letzten Habsburgers Karl II. auf dem spanischen Königsthron – er starb am 1. November 1700 ohne Kinder – hatte zur Folge, daß sich die Großmacht Spanien, deren Einfluß über Sardinien, Sizilien, Teile Italiens bis hin zu den Spanischen Niederlanden reichte, ohne legitimen Thronfolger befand. Ansprüche auf das immense Erbe erhoben sowohl der römisch-deutsche Kaiser Leopold I. als auch „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. Bemühungen der Spanier, ihre Monarchie im ganzen Umfang zusammenzuhalten und einen Krieg durch Ernennung eines Erben zu vermeiden, hatten sich mit dem Tode des bayerischen Kurprinzen Joseph Ferdinand, des einzigen Nachkommens des Kaisers aus seiner ersten (spanischen) Ehe, zerschlagen. Stattdessen hatte Karl II. von Spanien vor seinem Ende mit Philipp von Anjou den Enkel seiner Halbschwester Maria Theresia und Ludwigs XIV. zu seinem Nachfolger bestimmt.[ii]
Dies aber bedeutete, daß die Krone Spaniens an das französische Königshaus gefallen wäre. In der Folge wären neben Frankreich selbst auch Spanien, halb Italien und ein Teil der Niederlande unter der Herrschaft der französischen Bourbonen vereinigt gewesen. Sie hätten nicht nur die französischen, sondern auch die spanischen Kolonien in Übersee zu ihrer Verfügung gehabt. Genau das aber wollten der Kaiser, England und die Republik der Vereinigten Niederlande[iii] unbedingt verhindern, und so war der Spanische Erbfolgekrieg unvermeidlich geworden.
Die eine Partei bildeten Kaiser Leopold I. als Haupt der österreichischen Habsburger, Preußen, England, die Niederlande sowie Portugal. Die Gegenpartei stellten das Frankreich Ludwigs XIV., die Kurfürstentümer Köln und Bayern sowie das Herzogtum Savoyen. Es war das Ziel der Allianz um den Kaiser Leopold I., dessen jüngeren Sohn, Erzherzog Karl, statt Philipp von Anjou auf Spaniens Thron zu installieren. Mittels dieses Schachzuges sollte ein französisches Imperium verhindert werden.
Gleich nach dem Eintreffen der Kunde vom Tode Karls II. von Spanien in Versailles proklamierte der französische König seinen Enkel als Philipp V. zum spanischen Monarchen. Der wurde zwar in Spanien selbst, in den Spanischen Niederlanden und in Mailand anerkannt, doch marschierten unter Führung von Prinz Eugen von Savoyen eiligst österreichische Truppen in Oberitalien ein. Wilhelm von Oranien, einer der Hauptantipoden Ludwigs XIV., unterstützte sie dabei energisch. Die Haager Allianz, zu der sich der Kaiser, Preußen, England, die Niederlande sowie Portugal am 7. November 1701 vereinigten, erkannte zwar nicht vollständig den Rechtsstandpunkt des Habsburgers an, aber entscheidend war zunächst, daß Österreich Unterstützung durch die Alliierten erfuhr. Daran änderte auch der Tod Wilhelms von Oranien (19. März 1702) nichts: In den Niederlanden setzte Ratspensionär Heinsius seine Politik fort, und Anna, Wilhelms jetzt den englischen Thron besteigende Schwägerin, ließ sich vom Herzog von Marlborough für eine resolute Führung des im Frühjahr 1702 an Frankreich erklärten Kriegs gewinnen. Und auch das Heilige Römische Reich Deutscher Nation trat – mit der erwähnten Ausnahme der Kurfürsten von Köln und von Bayern – in den Krieg gegen Ludwig XIV. ein.[1]
Als österreichischer Oberbefehlshaber auf dem Kriegsschauplatz in Oberitalien besiegte Prinz Eugen von Savoyen 1701 die vollkommen überraschten französischen Truppen in den Schlachten bei Carpi (9. Juli) und Chiari (1. September). Im Jahr 1702 gab es den Handstreich von Cremona (1. Februar) und die unentschiedene Schlacht bei Luzzara (15. August). Da Wien jedoch bei der Nachführung von Truppen und Material versagte, konnte Eugen in Oberitalien keinen vollen Sieg erringen. So eilte er um die Jahreswende 1702/03 selbst nach Wien, um am Hof seinen Wechsel auf den für die Kriegsführung maßgebenden Posten durchzusetzen. Damit hatte er Erfolg, und Ende Juni 1703 machte ihn Leopold I. zum Präsidenten des Wiener Hofkriegsrates. Jetzt besaß Prinz Eugen die Verfügung über das gesamte Heerwesen und war zugleich an eine zentrale Stelle der politischen Führung gelangt.[iv] Er hatte damit die Kontrolle über die kaiserliche Kriegsführung in einem Maße in der Hand, von dem im Dreißigjährigen Krieg Generalissimus Albrecht von Wallenstein nur träumen konnte. Denn dieser mußte ununterbrochen gegen seine Feinde am Wiener Hof kämpfen, sich mit dem nicht durch ihn selbst geleiteten Hofkriegsrat herumschlagen und außerdem noch den oft trägen, von vielen Gegnern Wallensteins beeinflußten Kaiser Ferdinand II. in die gewünschte Richtung zu lenken versuchen.
Seit 1704 im Westen die verbündeten Truppen gegen Frankreich kommandierend, erfocht der Prinz von Savoyen in kongenialem Zusammenwirken mit dem Herzog von Marlborough, dem Führer der alliierten englischen Streitkräfte, den triumphalen Sieg bei Höchstädt an der Donau (13. August 1704). Es war die wohl schwerste Niederlage, die Ludwig XIV. jemals erlitt. Sein bayerischer Alliierter war genötigt, aus seinem Stammland zu flüchten, das von den Kaiserlichen besetzt wurde. 1705 wieder kaiserlicher Oberbefehlshaber in Oberitalien, mußte Eugen einen ersten Vorstoß zum Entsatz seines in Bedrängnis geratenen Vetters Viktor Amadeus II. von Savoyen nach der überaus blutigen Schlacht von Cassano (16. August 1705) abbrechen. 1706 jedoch führte Eugen in einem gewagten Umgehungsmarsch sein Heer südlich des Po nach Piemont und erkämpfte gemeinsam mit dem Herzog von Savoyen bei Turin am 7. September einen glänzenden Sieg über die Franzosen. Danach mußten diese das gesamte Oberitalien räumen – der vormals noch so große Einfluß Ludwigs XIV. auf der Apenninenhalbinsel war mit einem Schlag zerstoben.[v]
Die Front des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation am Oberrhein war fast nur durch Kontingente der vorderen Reichskreise besetzt, während die militärstarken Reichsfürsten es vorzogen, ihre Regimenter den Seemächten zu vermieten. Nachdem die Reichsarmee am 4. Januar 1707 mit dem Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden, dem „Türkenlouis“, ihren bewährten Anführer verloren hatte, vermochte sie einen französischen Durchbruch im Schwarzwald nicht zu verhindern. Zu derselben Zeit hatte der schwedische König Karl XII., der „letzte Wikinger“, bei der Verfolgung des ihm persönlich sehr verhaßten Polenkönigs August des Starken in dessen Kurfürstentum Sachsen Quartiere bezogen. Eine für die Alliierten hochgefährliche Verbindung von Franzosen und Schweden – eine solche hatte es im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) gegeben – vermochte der Herzog von Marlborough durch einen persönlichen Besuch bei Karl XII. in Altranstädt zu verhindern. Der Herzog vermittelte zwischen Karl XII. und dem Kaiser einen Vertrag, der die protestantischen Rechte in Schlesien sicherte (1. September 1707), und hiernach zog der kriegerische Schwedenkönig wieder aus Sachsen ab – was der Koalition gegen Ludwig XIV. sehr zum Vorteil gereichte.[vi]
Nachdem 1705 Leopold I. gestorben und Joseph I. sein Nachfolger geworden war, hatte Eugen in Wien einen leichteren Stand, denn der neue Kaiser ließ ihm meistens freie Hand. In einem erneuten Zusammenwirken mit Marlborough konnte Eugen, der noch 1707 Toulon vergebens belagert hatte, bei Oudenaarde am 11. Juli 1708 einen großartigen Sieg über die Franzosen erringen. Mit der Ende 1708 stattfindenden Eroberung von Lille wurde das Tor nach Frankreich selber aufgestoßen, so daß Anfang 1709 für den stolzen Ludwig XIV. einzig die Unterwerfung unter den Willen der Alliierten die Rettung seines Staates möglich zu machen schien. Auch Eugens und Marlboroughs neuer Sieg gegen Ludwigs Truppen bei Malplaquet am 11. September 1709 deutete in diese Richtung.[vii] Bereits nach dem Sieg bei Oudenaarde hatte Eugen als der Vertreter des Kaisers mit den Franzosen in Den Haag über einen Frieden verhandelt und Ende Mai 1709 gemeinsam mit Marlborough und dem niederländischen Ratspensionär Heinsius den Präliminarvertrag für einen Frieden unterzeichnet. Dieser Vertrag verlangte Ludwig XIV. außer dem Verzicht auf die komplette spanische Monarchie auch noch die Rückgabe von Straßburg an das Heilige Römische Reich Deutscher Nation ab.[viii] Dieses wäre ein exorbitanter Prestigeverlust für den französischen König gewesen, der das gegnerische Ansinnen prompt als zu große Zumutung ablehnte. Die Verbündeten hatten mit ihren Forderungen den Bogen überspannt, und so ging der Krieg weiter.

Im Jahre 1704 war Österreich nicht nur von den Franzosen und den mit ihnen verbündeten Bayern bedroht, sondern auch von den aufständischen Ungarn, den Kuruzen, die immer wieder plündernd und mordend nach Niederösterreich eindrangen und sogar bis nach Wien vorstießen. Prinz Eugen, bereits Hofkriegsratspräsident, ließ zum Schutz der Vorstädte den mit Palisaden besetzten Linienwall errichten, dem der heutige „Gürtel“ fast genau folgt.
Vor der Schlacht von Höchstädt trafen Prinz Eugen und seine österreichischen Truppen mit John Churchill, dem Herzog von Marlborough, und seinen 20.000 Engländern und Holländern, verstärkt durch 12.000 Preußen unter dem Fürsten Leopold von Anhalt-Dessau, zusammen. Mit im Bunde war auch der „Türkenlouis“, Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden.
Prinz Eugen entschloß sich zu einer genialen Operation, teilte die ihm zur Verfügung stehenden 40.000 Mann und verfolgte mit der Hälfte von ihnen die abrückenden Franzosen. Diese griffen mit ihrer Übermacht Prinz Eugen als ihren gefährlichsten Gegner an, doch der vom Prinzen verständigte Herzog von Marlborough kam mit seinen Truppen in Eilmärschen heran und war am 13. August zur Stelle. 52.000 kaiserliche und verbündete Truppen kämpften gegen 56.000 Bayern und Franzosen und errangen einen glänzenden Sieg. Die Franzosen räumten Süddeutschland, und der bayerische Kurfürst Max Emanuel mußte aus seinen Landen fliehen. John Churchill wurde vom Kaiser für seine Verdienste zum deutschen Reichsfürsten ernannt, in England heißt die Schlacht von Höchstädt bis heute „The Battle of Blenheim“. – Prinz Eugen von Savoyen

Die Schlacht von Malplaquet im September 1709 war die blutigste des gesamten 18. Jahrhunderts. 93.000 Österreicher und Briten unter Prinz Eugen und dem Herzog von Marlborough standen 90.000 Franzosen gegenüber, 37.000 von ihnen waren am Ende des Tages verwundet oder tot. Insgesamt fielen im Spanischen Erbfolgekrieg 600.000 Soldaten und Offiziere oder wurden verwundet. – Prinz Eugen in der Schlacht von Malplaquet
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Trotzdem konnten alle Siege Eugens Frankreich nicht in die Knie zwingen, denn durch Josephs I. Tod (17. April 1711) und die Thronbesteigung Karls VI., der bislang als spanischer König von Barcelona aus gegen Philipp V., den Protegé Frankreichs, gekämpft hatte, brach die Koalition gegen Ludwig XIV. auseinander. Karl als römisch-deutscher Kaiser (seit 12. Oktober 1711) und zugleich König von Spanien bedeutete für England und die Niederlande dies: Im Falle eines Sieges würde es letztendlich zu einem Großreich der Habsburger statt zu einem solchen der Bourbonen kommen. Das lag gar nicht in ihrem Interesse, denn eine Vereinigung Österreichs mit Spanien hielten die Seemächte für eine für Europas Gleichgewicht gefährlichere Bedrohung als eine bourbonische Sekundogenitur in Spanien. Und so nahm England insgeheim Kontakt zum „Sonnenkönig“ auf, dessen militärischer Ruhm verwelkt war. Es war vergebens, daß Prinz Eugen von Savoyen persönlich in London erschien, um den Zerfall der Koalition zu verhindern: Die englische Seite verweigerte jede weitere Unterstützung des Kaisers im Felde. Dazu brachte ein glänzender Sieg des französischen Marschalls Villars über ein niederländisches Armeekorps bei Denain (24. Juli 1712) auch den Kampfeswillen der Generalstaaten ins Wanken.
So begannen Ende Januar 1712 in Utrecht Friedensverhandlungen, die am 11. April 1713 mit der Unterzeichnung des Friedensvertrages durch Frankreich, die Seemächte England und Niederlande, Preußen, Portugal und Savoyen endeten. Dieses Abkommen bestimmte, daß Spanien und Frankreich niemals eine bourbonische Personalunion eingehen würden. Die Spanischen Niederlande, Neapel und Sardinien sowie das Herzogtum Mailand sollten an Österreich fallen. Savoyen erhielt Sizilien, und für England waren Gibraltar und die Insel Menorca als Stützpunkte sowie das einträgliche Monopol auf den Sklavenhandel mit den spanischen Kolonien vorgesehen.[1] Der Kaiser jedoch wollte sich dem Frieden von Utrecht nicht anschließen und setzte seinen Kampf gegen Frankreich fort.
Trotz zeitweiliger Unterbrechung der Verhandlungen kam es schließlich am 7. März 1714 in Rastatt zur Unterzeichnung des Friedens zwischen dem Kaiser und Frankreich. In wesentlichen Zügen wurden die Bestimmungen des Friedens von Utrecht übernommen, jedoch hatte Prinz Eugen für den Habsburger die erneute Zuerkennung der bis dahin Spanischen Niederlande von Frankreich erst erkämpfen müssen. Überdies blieb es dabei: Neapel und Sardinien wurden Karl VI. überlassen. Und er erhielt nun nicht bloß das Herzogtum Mailand, sondern die gesamte Lombardei. Zwar sah sich so Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz – er hatte doch zuletzt erfolgreich zwischen Frankreich und Österreich vermittelt – um jeglichen Gewinn gebracht. Doch auch Bayerns Kurfürst Maximilian II. Emanuel, der eine italienische Königskrone im Sinne gehabt hatte, gelangte nicht an das Ziel seiner Träume. Auf der anderen Seite war von Österreichs Tendenzen in Richtung einer Annexion Bayerns lediglich der unbestimmte Hinweis auf Verwendung der Spanischen Niederlande zu Tauschzwecken geblieben.[2] Der Vertragstext wurde nicht – wie dies sonst üblich war – ins Lateinische übertragen, sondern Eugen und Villars einigten sich dahingehend, die in französischer Sprache abgefaßte Reinschrift als Dokument zu gebrauchen.[3] Daraus entstand im 18. Jahrhundert die Gepflogenheit, Französisch als Sprache der Diplomatie zu verwenden – ein Usus, der sich lange Zeit gehalten hat.
Eine Zeitlang wurden in Baden in der Schweiz noch Verhandlungen über den Reichsfrieden geführt, dessen „Instrument“ (so nannte man dies damals) am 7. September 1714 unterzeichnet wurde: erneut von Prinz Eugen und Marschall Villars. Gegenüber den Abmachungen von Rastatt jedoch waren die Unterschiede nur unbedeutender Natur.[4] Der Friede von Baden ist zwar in der Schweiz bekannt, doch weil die Eidgenossenschaft selber keine Vertragspartei war, stellt er in ihrer Nationalgeschichte kein Element dar.[5] Zusammen mit den Friedensschlüssen von Utrecht und Baden war der Friede von Rastatt ein Meilenstein in Europas politischer Geschichte, wenngleich er bei weitem nicht die Bekanntheit des Westfälischen Friedens von 1648 besitzt, der den Dreißigjährigen Krieg beendete. Rastatt bildete die Grundlage des modernen Staatensystems und setzte nicht nur den Kriegshandlungen in Europa ein Ende. Auch die Kämpfe, welche um das spanische Erbe in Nord- und in Südamerika, an Afrikas Küste sowie in asiatischen Gewässern ausgetragen wurden, kamen in der Folge zum Abschluß.[6]
Zwar ging aus dem Spanischen Erbfolgekrieg das Frankreich Ludwigs XIV. nicht geschlagen oder gar gedemütigt hervor, aber doch ganz erheblich geschwächt. Sieger dieses blutigen Ringens war – trotz dessen Zugewinne in Italien und im heutigen Belgien – nicht Österreich, sondern England. Dieses hatte im Grunde genommen sogar den eigenen Alliierten den Frieden diktiert. So spricht es Bände, daß in Rastatt und Baden Prinz Eugen und Villars im Vertrauen die Möglichkeit eines Ausgleichs zwischen Österreich und Frankreich und eines Zusammengehens der beiden katholischen Großmächte gegen den Protestantismus erwogen, der unter der Führung Englands in starkem Aufwind begriffen war. Doch die „alten Vorurteile“ saßen letzten Endes auf beiden Seiten zu tief, als daß eine solche Umgruppierung im europäischen Mächtekonzert bereits eine reale Option dargestellt hätte.[7] Für das „renversement des alliances“, das 1756 die alten Widersacher Österreich und Frankreich gegen das Preußen Friedrichs II. zusammenführen sollte, war die Zeit jetzt noch nicht reif. Jetzt dominierte England mit seinem durch den Sieg über Frankreich etablierten System der „balance of power“ in Europa die Szenerie.
[1] Braubach, a.a.O. (Anm. 2), S. 96; Robert Mandrou, Staatsräson und Vernunft 1649-1775 (=Propyläen Geschichte Europas, Band 3), Frankfurt am Main/Berlin 1992, S. 115 f.
[2] Braubach, a.a.O. (Anm. 2), S. 96 f.
[3] Villars, des Lateinischen nicht sonderlich kundig, hatte befürchtet, beim Abfassen des Vertragstextes in der lateinischen Sprache bei den Details übervorteilt zu werden.
[4] Braubach, a.a.O. (Anm. 2), S. 97.
[5] Alexander Jordan, Vom Krieg zum Frieden, in: Schlösser Baden-Württemberg 01/2014, S. 2–7, hier: S. 4.
[6] Ebenda.
[7] Braubach, a.a.O. (Anm. 2), S. 97; R. Mandrou, a.a.O. (Anm. 9), S. 116.