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Zum 250. Geburtstag (20. März 2020) hat der Orientalist und Friedenspreisträger des deutschen Buchhandels Navid Kermani eine Auswahl von Gedichten, Aufsätzen, Briefen und Notizen von Friedrich Hölderlin unter dem Titel „Bald sind wir aber Gesang“ herausgebracht und mit einem vielkommentierten Nachwort versehen. In diesem spricht er Hölderlin „die größte Explosion in der deutschen Literatur“ zu. In lediglich elf Jahren, zwischen 1795 und 1806, habe Hölderlin in deutscher Sprache ein Werk geschaffen, „das in einer Reihe mit den großen Offenbarungen der Welt steht“[i].
Von Dr. Friedrich Romig
Substanz und Inhalt dieser Offenbarung lassen sich mit dem Wort „Versöhnung“ auf den Punkt bringen. Die vier Freunde und Zöglinge im Tübinger Stift, Hölderlin, Hegel, Schlegel und Schelling, zu denen dann noch Fichte in Jena hinzustößt – sie haben, jeder auf seine Weise, um die Versöhnung des Gegensätzlichen gerungen und damit nicht nur die deutsche Geistesgeschichte geprägt, sondern den Deutschen ihre Mission in der Welt bewußtgemacht. Sie alle suchten das All-Eine und Einigende, die Übernatur in der Natur, den Ursprung der Schöpfung und des ganzen „Seyns“. „Das geistige Band“ wurde den Freunden „zum Urbild einer neuen Gemeinschaft unter dem Losungswort ‚das Reich Gottes‘“[ii]. Hegel sucht das Absolute durch die Logik zu erreichen, Fichte kommt zum Absoluten durch das sich reflektierende „Ich“, Schelling findet im Mythos den sich Offenbarenden, Schlegel will das Absolute in den Überlieferungen der Völker finden, Hölderlin „im klingenden Wort“.
Von diesem „klingenden Wort“ trifft Eichendorff in einem Vierzeiler den Kern, der Hölderlin auf den Leib geschrieben sein könnte: „Schläft ein Lied in allen Dingen / Die da träumen fort und fort / Und die Welt hebt an zu singen / Triffst du nur das ZAUBERWORT“[iii].
Als Achtzehnjähriger bringt er in der Ode „Die Unsterblichkeit der Seele“ sein ganzes späteres dichterisches Programm zur Sprache. Im Perlenschmuck jauchzt ihm bei Tag und Nacht die ganze Erde entgegen, ob Hain und Flur, Tal und Hügel, der brausende Strom und das tobende Meer. „Doch schöner ist des Menschen Seele, wenn sie […] sich zu Gott erhebet.“ Auch wenn alles wankt, stürzt und zugrunde geht: „Ewig ist, ewig des Menschen Seele.“[iv]
In Diotima findet er die verwandte und geliebte Seele. Hölderlin ist 26 Jahre als, er von dem Bankier Jakob Gontard als „Hausmarschall“ engagiert wird und dort auf dessen Ehefrau Susette de Gontard trifft, die trotz ihrer vier Kinder – betrachtet man heute noch vorhandene Abbildungen – eine hinreißende Schönheit gewesen sein muß[v]. Susette de Gontard musiziert, dichtet, liest beste Literatur und kennt auch philosophische Werke. Sie starb an Schwindsucht im Jahre 1802 im Alter von 32 Jahren, war also nur wenig älter als Hölderlin. Zwischen ihr und Hölderlin dürfte es gleich bei der ersten Begegnung „gefunkt“ haben. Sie ist die „Diotima“ seines Romans „Hyperion“. Schon vor ihrem Zusammentreffen hatte sie das Fragment des „Hyperion“, das 1793 in Friedrich Schillers von gebildeten Bürgern geschätzter Zeitschrift „Thalia“ erschienen war, intensiv gelesen und muß es wohl als Glücksfall empfunden haben, mit dem Autor im eigenen Haus und Familienverband täglichen Umgang pflegen zu können. Wie immer im Sommer, so übersiedelte auch 1796 ein Teil des Haushalts aus dem Zentrum Frankfurts nach dem Vorort Adlerflycht, während der Bankier in Frankfurt blieb und seinen Geschäften nachging. Hölderlin arbeitete hier an der Vollendung seines einzigen zu Lebzeiten erschienen Buches „Hyperion“ weiter und brachte auch zahlreiche Gedichte zu Papier, die hie und da auch in Zeitungen oder Zeitschriften abgedruckt wurden. Noch intensiver werden die Beziehungen ab September 1896 in Driburg im Teutoburger Wald, wo der Bankier seine Familie vor den Truppen Napoleons in Sicherheit wähnt. Von den dort ungestörten Wochen ging für Hölderlin ein „übermächtiges Glück“ aus. Susette wird in dieser Zeit zur „Schlüsselfigur seines Lebens und seiner Dichtung“[vi]. Die Wirkung, die Susette auf ihn ausübte, hat Hölderlin innig in Worte gefaßt:
„Diotima, seelig Wesen!
Herrlich, durch die mein Geist
Von des Lebens Angst genesen
Götterjugend sich verheißt!
Unser Himmel wird bestehen,
Unergründlich sich verwandt,
Hat, noch eh’ wir uns gesehen
Unser Wesen sich gekannt.“[vii]
Die Beziehung zwischen beiden blieb dem Bankier nicht verborgen. Hölderlin, aufgekündigt, mußte bereits nach zwei Jahren die Stelle und Frankfurt verlassen. Sein Freund, der Staatsrat Isaac von Sinclair, führte Hölderlin in den Hof des Landgrafen Friedrich V. Ludwig von Hessen-Homburg ein. Der Landgraf und dessen Tochter, Prinzessin Auguste, kannten das „Hyperion“-Fragment und schätzten die Gesellschaft des Dichters. Hölderlin vollendete während des zweijährigen Aufenthalts in Homburg den zweiten Band seines „Hyperion“, nahm die Empedokles-Übersetzung in Angriff und veröffentlichte gleichzeitig einige Gedichte. Homburg vor der Höhe ist nicht weit von Frankfurt entfernt, und Susette findet immer neue Wege, Hölderlin zu treffen und sich mit ihm auszutauschen. Nur wenige Briefe, die zwischen beiden gewechselt wurden, sind erhalten. Jeder Kontakt wurde schließlich im Frühsommer 1800 abgebrochen. Hölderlin bezieht nach einem kurzen Aufenthalt in seiner Heimatstadt Nörtingen in der zweiten Hälfte des Jahres eine Wohnung im Gartenhaus seines gleichaltrigen Freundes, des wohlhabenden Stoffhändlers Christian Landauer in Stuttgart. Tagsüber kann Hölderlin in Ruhe eine Fülle von Hymnen, Elegien und Gedichten abfassen oder überarbeiten und die Abende gesellig in einem trink- und sangesfreudigen, unterhaltsamen Künstlerkreis verbringen. Anfang 1801 tritt der auf Einkünfte angewiesene Hölderlin wieder eine Stelle als Hauslehrer in Hauptwil im Kanton Thurgau an. Er wird jedoch schon im April gekündigt, weil zwei Schülerinnen nicht wie geplant in die Schweiz zu ihrem Onkel, dem Kaufmann Emanuel von Gonzenbach, der Hölderlin engagiert hatte, einreisen dürfen. Die Eindrücke, welche die gewaltigen Gebirgsstöcke, Felsabstürze, Talschaften, Gebirgsbäche und Seen der Schweiz auf Hölderlin machten, hält der naturverbundene Wanderer in so manchen Gedichten fest. Die lange Elegie, mit der er die Rückkehr in die Heimat beschreibt[viii], wird von Martin Heidegger in einem Festvortrag zum 100. Todestag von Hölderlin ausführlich kommentiert und erläutert[ix]. Zurück in seiner Heimatstadt, nimmt Hölderlin 1801 ein Engagement in Bordeaux an, das er am 1. Januar 1802 anzutreten hat. Bordeaux erreichte er nach einem mehrwöchigen Fußmarsch, den er sich selbst auferlegte, wohl um den Trennungsschmerz von seiner Geliebten zu überwinden und neue Eindrücke von Land und Leuten zu gewinnen. Auch in Bordeaux blieb er nur wenige Monate. Ob er schon in Bordeaux von der Krankheit Susettes erfahren hatte und ihr nahe sein wollte oder ob es ihn zurück nach Deutschland zog, weil er sich in Bordeaux in seiner „Domestikenrolle“ und in einer doch fremden Kultur nicht wohlfühlte, wissen wir nicht. Jedenfalls ist er vom Tod seiner Diotima, von welchem er spätestens im Juli 1802 erfuhr, tief erschüttert.
Nach langen Fußmärschen wieder in Stuttgart angekommen, sieht er schrecklich herabgekommen und ungepflegt aus. Hegel nimmt ihn vorübergehend auf, anschließend begibt sich Hölderlin wieder nach Nörtingen zu seiner Mutter. Von betäubender Arbeitswut befallen, schafft er in den Folgejahren ein literarisches Zeugnis nach dem anderen. Drei Jahre nach dem Tod seiner Diotima trat bei Hölderlin Umnachtung in Form eines als unheilbar diagnostizierten Wahnsinns ein. Aus der Klinik schließlich entlassen, brachte er fast vier Jahrzehnte in Tübingen zu, im Turm des Hauses eines ihn bewundernden Tischlermeisters und seiner freundlichen Familie. Er empfing Freunde und Wohlgesinnte und griff auch immer wieder zur Feder. Manches dort Entstandene gehört zur großen deutschen Lyrik. Von den vielen Gedichten blieben nur wenige erhalten. Trennungsschmerz und Buße kommen häufig zur Sprache. Gerade einmal einundvierzig Jahre alt, zog er 1811 in einem Vierzeiler die erschütternde Bilanz seines Lebens:
„Das Angenehme dieser Welt hab ich genossen,
Die Jugendstunden sind, wie lang! wie lang! verflossen,
April und Mai und Julius sind ferne,
Ich bin nichts mehr, ich lebe nicht mehr gerne.“[x]
Obgleich er nicht mehr gerne lebt, schläft er erst rund drei Jahrzehnte später, am 7. Juni 1843, friedlich ein.
Sich selbst sah er als Dichter „in dürftiger Zeit“[xi]. Die Wertschätzung seines Werkes hat er nicht mehr erlebt. Sein berühmter Roman „Hyperion“ ist durch Vermittlung von Friedrich Schiller in zwei Bänden 1797 und 1798 in der Cottaschen Verlagsbuchhandlung in kleiner Auflage erschienen. Sein Halbbruder Karl Gok kann 1826 eine im selben Verlag herausgegebene Gedichtsammlung zusammen mit der 2. Auflage des „Hyperion“ überreichen lassen. An der Zusammenstellung des Gedichtbandes wirkten Ludwig Uhland, Justinus Kerner und Gustav Schwab mit. Es war der Sohn Gustav Schwabs, Christoph Theodor Schwab, der 1846 eine zweibändige, sämtliche damals bekannten Werke umfassende Hölderlinausgabe sowie eine erste Biographie zusammenstellte. Außer bei einigen Dichterkollegen wie Achim von Arnim oder Clemens von Brentano fand diese Ausgabe nicht viel Aufmerksamkeit. Das an Umbrüchen und unter liberaler Zerrissenheit leidende Deutschland war nicht der geeignete Boden für Hölderlins Dichtungen und Abhandlungen. Hölderlin hat seine deutschen „Volksgenossen“ mit scharfen Worten gegeißelt:
„Barbaren von alters her, durch Fleiß und Wissenschaft und selbst durch Religion barbarischer geworden, tiefunfähig jedes göttlichen Gefühls, verdorben bis ins Mark […] in jedem Grad der Übertreibung und der Ärmlichkeit beleidigend für jede gutgeartete Seele, dumpf und harmonienlos, wie die Scherben eines weggeworfenen Gefäßes […]. Es ist ein hartes Wort und dennoch sag ichs, weil es die Wahrheit ist: ich kann kein Volk mir denken, das zerrißner wäre, wie die Deutschen.“[xii]
Möglicherweise ist solch ein Urteil auf die Begeisterung zurückzuführen, mit der die Zöglinge im Tübinger Stift Rousseau und die Französische Revolution begrüßt hatten. Rousseau, der „die Völker aus dem Schlaf erweckte“ und denen „ein Gott ins Freie [zeigte]“, widmet Hölderlin ein eigenes Gedicht[xiii]. Napoleone Buonaparte, dieser „Weltseele zu Pferde“ (Hegel), wird eine Größe zugebilligt, die „im Gedichte nicht leben und bleiben“ kann. „Er lebt und bleibt in der Welt.“[xiv] Das Strohfeuer der Begeisterung für die Vorgänge in Frankreich wird in den Befreiungskämpfen von „Reden an die Deutsche Nation“ (Fichte)[xv] und von zahlreichen „Vaterländischen Gedichten“ (Hölderlin) abgelöst. Der „Tod fürs Vaterland“ wird gefeiert, „fürs Vaterland zu bluten des Herzens Blut“ wird Ehrensache[xvi]. Hitlers Propagandaminister Joseph Goebbels wird diese Gedichte dem Marschgepäck der deutschen Soldaten des Zweiten Weltkrieges beifügen. Deshalb vom „bräunlichen Hölderlin“ zu reden, blieb allerdings den Ungeistern unserer Zeit vorbehalten[xvii].
Die Zerrissenheit der Deutschen und ihres Vaterlandes zu überwinden, das war und blieb für Hölderlin die Aufgabe seines Lebens. Begriffen wird das erst so richtig in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als im Jahr 1909 ein junger Germanist, Ritter Norbert von Hellingrath, in der Stuttgarter Bibliothek Briefe, späte Hymnen und die Übersetzungen des griechischen Dichters und Sängers Pindar entdeckt. Er verteilt Abschriften an Freunde und Bekannte, darunter auch an Karl Wolfskehl, der sie an Stefan George weitergibt. Fasziniert sucht Stefan George Hellingrath auf und eröffnet diesem seine „Blätter für die Kunst“. Diese Entdeckung und Hellingraths weitere Bearbeitung von Hölderlins Werken hatten enorme Auswirkungen auf die literarische Welt in Deutschland, und das auch nach dem Tod Hellingraths 1916 an der Front und dem Ende des Ersten Weltkrieges. Hölderlin wird in der Zwischenkriegszeit zu einem der wichtigsten geistigen Führer der Konservativen Revolution[xviii] und des „geheimen Deutschlands“, das bis heute noch nicht ganz verschwunden ist.
Ein entscheidendes Verdienst, Hölderlins Rückfall in die Vergessenheit aufzuhalten, kommt Martin Heidegger zu. Seine „Erläuterungen zu Hölderlins Dichtung“ haben in ständig neuen Auflagen sogar nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges unzählige Leser gefunden und auch die Auseinandersetzung mit Hölderlin zu dessen 250. Geburtstag befeuert. Heidegger ist es gelungen, in seinem Norbert von Hellingrath gewidmeten Vortrag über „Hölderlin und das Wesen der Dichtung“, gehalten zum 100. Todestag Hölderlins, mit fünf Hölderlinzitaten als „Leitsätzen“ dieses Wesen der Dichtung in einer für den Laien gut verständlichen Weise einzufangen:
1. Dichten: „… dies unschuldigste aller Geschäfte …“
2. „… und darum ist der Güter Gefährlichstes, die Sprache dem Menschen gegeben … damit er zeuge, was er sei …“
3. „Viel erfahren hat der Mensch / Der Himmlischen viele genannt / Seit ein Gespräch wir sind / Und hören können voneinander.“
4. „Was bleibet aber, stiften die Dichter.“
5. „Voll Verdienst, doch dichterisch wohnet / Der Mensch auf dieser Erde.“[xix]
Vereinfacht, verkürzt und mit eigenen Worten seien der Sinn der Leitsätze und der Argumente hier wiedergegeben:
Zum ersten Leitsatz aus einem Brief an seine Mutter aus dem Jahr 1799: Dichten ist das „unschuldigste“ aller Geschäfte, ein Spiel mit Worten, ohne wirklichen Einfluß auf den täglichen Handel und Wandel[xx].
Im offensichtlichen Widerspruch dazu gleich der zweite Leitsatz: Die Sprache ist eines der „gefährlichsten Güter“ des Menschen, ihr Gebrauch in der Rede kann erheben zum Göttlichen, Schöpfungen hervorbringen, neue Bilder und Welten schaffen, aber auch Menschen und Völker Irrwege einschlagen lassen, zu Verbrechen verleiten und zerstören. Worte und Reden können Frieden stiften, Streit und Kriege auslösen, Liebe bezeugen oder Haß säen. Durch die Sprache hat der Mensch „götterähnliche Macht zu befehlen und zu vollbringen“ und damit zu bezeugen, „was er ist“[xxi].
Zum dritten Leitsatz: Ein Gespräch ist der Mensch, „und hören können [wir] voneinander“.[xxii] Heidegger zitiert hier aus einer immer wieder überarbeiteten Fassung des Gedichtes „Friedensfeier“ die angeführten vier Zeilen[xxiii]. Der nächsten Zeile desselben Gedichtes entnahm übrigens Navid Kermani den Titel seines Hölderlin-Buches „Bald sind wir aber Gesang“. Hölderlins Sprache, die alle Form sprengt, Reim, Metrum, Rhythmus, Syntax, geht „über in Musik“[xxiv]. Die vier oder fünf Zeilen sind ein Schlüssel für das Verständnis von Hölderlin.
Die Einsicht, daß „ein Gespräch wir sind“, gehört zum Erfahrungsschatz des Menschen. Die Mutter spricht mit dem Kinde schon vor seiner Geburt und bringt ihm nach der Niederkunft die ersten Worte der „Muttersprache“ bei. Durch Erziehung und Bildung wird die Sprache, über das bloße Verständigungsmittel hinaus, zum Kulturgut einer Ethnie. Sie gibt Auskunft über die Herkunft und die Zugehörigkeit. Doch das alles erschöpft nicht den Sinn eines „Gesprächs“. „Wo Sprachfähigkeit des Menschen vorhanden ist und ausgeübt wird, da ist noch nicht ohne weiteres das wesentliche Ereignis der Sprache – das Gespräch“, gibt Heidegger zu bedenken. Im Gespräch geht es um Wesentliches, Beharrendes, Bleibendes, um Innerlichkeit, Er-Innerung, um Unvergeßliches. Als „Unvergeßliches“ bezeichnen die Griechen „die Wahrheit“ (Aletheia). Wahrheit geht über die Erscheinungen, die Phänomene der Welt hinaus, sie stößt ins Ewige, ins Numinose, Verzauberte, Heilige und Himmlische vor. Dieses „Himmlische“, Eichendorffs „Zauberwort“, will aufgefunden, ausgesprochen, artikuliert, das heißt „benannt“ werden. Das Gespräch, auch das Streitgespräch, will den Gesprächsgegenstand rückhaltlos und ehrlich „beim Namen nennen“. Dieser Wille verbindet die miteinander Sprechenden und aufeinander Hörenden zu einer Einheit. „Die Einheit eines Gesprächs besteht eben darin, daß jeweils im wesentlichen Wort das Eine und Selbe offenbar ist, worauf wir uns einigen, auf Grund dessen wir uns einig und so eigentlich wir selbst sind. Das Gespräch und seine Einheit trägt unser Denken.“
Und Heidegger weiter: „Das Eine und Selbe aber kann nur offenbar sein im Lichte eines Bleibenden und Ständigen … Seitdem der Mensch sich in die Gegenwart eines Bleibenden stellt, seitdem kann er sich erst dem Wandelbaren, dem Kommenden und Gehenden aussetzen“, standhalten und überleben in der „reißenden Zeit“, ihr entrinnen und sie überwinden. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind für ihn dann nur noch Momente der Geschichte, überwölbt von seinem „Seyn“ im Ewigen.
Im Ewigen „kommen die Götter zu Wort“. Die Götter aber kommen nur dann ins Wort, „wenn sie selbst uns ansprechen und unter ihren Anspruch stellen“. Angesprochen von ihrem Wort, verlangen sie von uns Antwort und Entscheidung, die Zusage, ihr Wort aufzunehmen und zu erfüllen oder uns ihm zu versagen. Die Antwort haben wir zu verantworten, sie wird zu unserem Schicksal. Seit die Götter uns ansprechen und mit ihnen „ein Gespräch wir sind“, ist das Gespräch „existentiell“, es macht unsere Existenz aus.
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Zum vierten Leitsatz: „Was bleibet aber stiften die Dichter.“ Hölderlin gibt uns damit in seiner „sicheren Einfalt“ die Antwort auf die Frage: Wer gibt den Göttern Namen und erfaßt in der „reißenden Zeit“ das bleibende Wort? Für Heidegger besteht „das Wesen des Dichtens“ – das Thema seines Vortrags – in der Stiftung des Bleibenden. Muß das Bleibende gestiftet werden, ist es nicht immer schon da? Heidegger sagt „Nein“: „Gerade das Bleibende muß gegen den Fortriß zum Stehen gebracht werden; das Einfache muß der Verwirrung abgerungen, das Maß dem Maßlosen vorgesetzt werden. Jenes muß ins Offene kommen, was das Seiende im Ganzen trägt und durchherrscht.“ Getragen und durchherrscht wird das Seiende vom „Seyn“. Heidegger legt Hölderlin ganz im Sinne Platons und der Unterscheidung von Seiendem und Sein aus. Das Gute, das Wahre, das Schöne und das Gerechte, das sind die bleibenden Ideen oder „Gedanken Gottes“, die es gegen das andrängende Böse, Unwahre, Häßliche und Ungerechte zu verteidigen gilt. Hölderlin weiß: „So ist schnell vergänglich alles Himmlische“, und er setzt abschließend hinzu: „aber umsonst nicht“[i]. Wahrlich, bitter müssen wir das Vergehen des Himmlischen büßen und bezahlen[ii]. Daß das Himmlische bleibe, ist „Zu Sorg’ und Dienst den Dichtenden anvertraut!“. Hölderlin war es als Katholik und ausgebildetem Theologen nicht entgangen, daß Aufklärung und Laizismus die Rolle der Kirche, das Himmlische zu bewahren, zu unterminieren begannen[iii]. „Just auf dem Gipfel der Aufklärung“, in der Spätphase seines Lebens, „blitzt“ im Werke Hölderlins „etwas Anfängliches, unwiderruflich Zerstörtes darin auf – der Mensch, der sich als Teil der Schöpfung, aber auch darin heillos höheren Mächten ausgesetzt sieht: stolz als ein Ebenbild Gottes und zugleich hilflos wie ein Säugling …“[iv]. Die „unwiderrufliche Zerstörung“ konnte auch der Dichter nicht aufhalten.
Zum fünften Leitsatz: „Voll Verdienst, doch dichterisch wohnet der Mensch auf dieser Erde.“ In der Einleitung zum 5. Leitsatz faßt Heidegger seine Ausführungen über das Wesen der Dichtung noch einmal zusammen, um dann mit der Aussage abzuschließen: „Dichtung selbst ermöglicht erst die Sprache. Dichtung ist die Ursprache eines geschichtlichen Volkes …“ Die Ursprache aber ist die Dichtung als Stiftung des Seins. Sie kommt über den Dichter wie ein Gewitter mit den „Blitzen Gottes“. Heidegger zitiert hier aus dem nie vollendeten Großgedicht der Anfangszeile „Wie wenn am Feiertage …“ die letzte Strophe:
„Doch uns gebührt es, unter Gottes Gewittern,
Ihr Dichter! mit entblößtem Haupte zu stehen,
Des Vaters Strahl ihn selbst mit eigner Hand
Zu fassen und dem Volk ins Lied
Gehüllt die himmlische Gabe zu reichen.“
„Des Vaters Strahl“ sind als „Winke von alters her die Sprache der Götter“. Der Dichter fängt diese Winke auf und reicht sie weiter in sein Volk. Die Stiftung des Seins ist gebunden an die Winke der Götter, die der Dichter auslegt als „Stimme des Volkes“. „So nennt Hölderlin die Sagen, in denen ein Volk eingedenk ist seiner Zugehörigkeit zum Seienden im Ganzen.“ Er „erwirkt […] seinem Volke die Wahrheit“. Heidegger schließt seine Ausführungen mit einer langen Passage aus der Elegie „Brod und Wein“[v]. Es ist diese Elegie, mit der Hölderlin den griechischen Götterhimmel in das Christentum hereinholt, um den geschwächten Glauben an den menschgewordenen Erlösergott zu erneuern und zu festigen. Gott „nahm des Menschen Gestalt an / Und vollendet’ und schloß tröstend das himmlische Fest.“[vi]
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Noch ausgeprägter kommt die Affinität zum Christentum in der Ode „Patmos“ zum Ausdruck, in der der Lieblingsjünger Jesu und die ihm zuteilgewordene „Geheime Offenbarung“ über „das Kommende“ dichterisch verarbeitet werden[1].
Diese Affinität besteht bei Hölderlin von Jugend an. Sie kommt bereits in dem als Bruchstück bei Hegel aufgefundenen „Manifest“ zum Ausdruck, das von Franz Rosenzweig 1922 unter dem Titel „Das älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus“ 1917 publiziert wurde. Verfaßt wurde es von Hegel, Schelling, Hölderlin und Schlegel. Die starke Hervorhebung der Schönheit und der Poesie in diesem Manifest wird Hölderlin zugeschrieben[2].
Heidegger hat mehrere Reden zu Hölderlin gehalten und veröffentlicht und dabei Hölderlins große Dichtungen, Briefe und Anmerkungen ausgelegt, aber auch Ratschläge gegeben, wie man Zugang zu Hölderlin finden könne. Schon Heideggers „Sein und Zeit“ aus dem Jahre 1927, das führende Werk über den Existentialismus und die spätere „Kehre“[3], ist in seinen Unterscheidungen stark von Hölderlins Grundauffassungen über die Folgen des Verschwindens der Götter für die Existenz des Menschen geprägt. Ohne Gott, in „das Nichts geworfen“, wird das Leben sinnlos. Von 1934 an bis 1943 hielt Heidegger Vorlesungen über einzelne Dichtungen Hölderlins, die schon damals als ein Antidot zum Nationalsozialismus verstanden wurden. Dies vor Studenten, die nach Kriegsende im deutschen Sprachraum eine führende Rolle spielen sollten, wie z.B. Hans-Georg Gadamer, Karl Löwith, Hannah Arendt, Hans Jonas und Ernst Tugendhat. Die geistige Verwandtschaft Heideggers mit Hölderlin wird erst recht in dem postum veröffentlichten „Spiegel“-Interview spürbar, das unter dem Titel „Nur noch ein Gott kann uns retten“ 1976 gedruckt wurde. Das Interview wurde 1966 von „Spiegel“-Herausgeber Rudolf Augstein und dem damaligen Kulturredakteur Georg Wolff geführt, von Heidegger jedoch mit einem Sperrvermerk versehen, der die Veröffentlichung vor seinem Tode verbot[4]. Noch fast 50 Jahre danach bezeichnete 2014 die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ dieses Interview als das berühmteste, das je im „Spiegel“ geführt worden sei. Es wurde zur Weltsensation, an der sich selbst noch zum 250. Todestag von Hölderlin zahlreiche Schriftsteller und Journalisten abarbeiteten[5]. Selbst Rüdiger Safranski, dessen gediegene Hölderlin-Biographie jetzt auch in breiteren Leserkreisen das Verständnis für diesen so merkwürdigen Dichter weckt, kann sich die Bemerkung nicht verkneifen, Heidegger habe in sein Denken Hölderlin „hineingezogen“. Und zwar so, daß er, Heidegger, „im Spiel bleibt, als der Einzige, der den Ball, den Hölderlin geworfen hat, auffangen kann“[6]. Mit dem Sperrvermerk wollte sich Heidegger die Vielzahl von Medienprozessen gegen die „Journaille“ – so nannte Heidegger Journalisten – ersparen, die sein Verhalten in der NS-Zeit seiner Ansicht nach wahrheitswidrig entstellten.
Heidegger selbst beurteilte seine „Erläuterung zu Hölderlins Dichtungen“ wie eine „verstimmte Glocke“. Jeder Versuch, Hölderlins Gedichte zu erläutern, „zerbricht“ am Gedichteten: „Der letzte, aber auch schwerste Schritt jeder Auslegung besteht darin“, sich selbst überflüssig zu machen „und vor dem reinen Dastehen des Gedichtes zu verschwinden.“ Die beste Erläuterung ergebe sich aus dem Licht, das jedes Gedicht auf die anderen werfe und durch wiederholtes Lesen zum Verstehen führe[7]. Den Erläuterungen und ihrem Eigensinn „liegt nur das Eine ob“: vor dem Gedicht selbst die Knie zu beugen und zu verschwinden[8].
Diese Haltung zeichnet auch die Biographie von Rüdiger Safranski aus. Er schätzt ganz besonders jene Gedichte, Elegien und Hymnen, welche die griechische Landschaft, Kultur und die griechischen Götter beschreiben und beweinen – „Menons Klagen“, „Mnemosyne“, „Archipelagus“, „Brod und Wein“, ganz abgesehen von den Diotima-Gedichten und „Hyperion“. „Brod und Wein“ hält Safranski für „eines der vollkommensten und schönsten Gedichte Hölderlins“[9]. Es blieb unvollendet, wurde immer wieder überarbeitet. Zu Lebzeiten Hölderlins wurde nur die erste Strophe mit dem Titel „Die Nacht“ abgedruckt. Die aber genügte, um Clemens von Brentano zu dem Urteil hinzureißen: „Niemals ist vielleicht die hohe betrachtende Trauer so herrlich ausgesprochen worden […]. Ich halte sie [d.h. „Die Nacht“] für eines der gelungensten Gedichte überhaupt.“[10] Safranski ist vom Dionysischen in diesem Gedicht besonders angetan: Ein Jahrhundert vor Nietzsche hat Hölderlin die ungeheuer kulturstiftende Bedeutung dieses Gottes erkannt, der das göttliche Feuer der Begeisterung für das Kommende wieder entfacht. In der Schlußstrophe schließt Hölderlin nicht aus, daß dieses Kommende Christus ist, der Gott, der des Menschen Gestalt annahm[11]. Ebensowenig ist auszuschließen, daß dieser Gott vorübergeht und von vielen, die ihrem Tagwerk nachgehen, nicht bemerkt wird:
„Aber weh! Es wandelt die Nacht, es wohnt wie im Orkus,
Ohne Göttliches unser Geschlecht. Ans eigne Treiben
Sind sie geschmiedet allein und sich in der tosenden Werkstatt
Hört jeglicher nur und viel arbeiten die Wilden
Mit gewaltigem Arm, rastlos, doch immer und immer
Unfruchtbar, wie die Furien, bleibet die Mühe der Armen“.
Die „Aufklärung“ hat ganze Arbeit geleistet, gegenwärtig leben wir einer „Götternacht“. Dunkle und helle Zeiten wechseln. Athen, zu seiner großen Zeit, behauptet sich gegen die Perser, wird aber dann doch zerstört und unter Perikles noch schöner wiederaufgebaut. Davon aber zeugen heute nur noch Ruinen[12].
„Die aufgeklärten Zeiten sind nicht die hellen Zeiten.“[13] „Die Götternacht, von der Hölderlin sprach, die gibt es wirklich heutzutage, hierzulande.“[14] Darin ist sich Safranski mit Heidegger ganz einig. Hölderlin ist uns „ferngerückt“[15]. Der Hype, der sich zum 250. Todestag in den Medien abspielte, erwies sich als Strohfeuer. Hölderlin, kaum noch gelesen, ist Gegenstand für ein „Schaulaufen“[16] in der Literaturwissenschaft.
[1] Reclam: „Patmos“, Zweite Fassung, S. 162–168, sowie Bruchstücke der späteren Fassung, S. 169ff. Beide sind mit der Widmung „Dem Landgrafen von Homburg“ versehen.
[2] Quelle: Wikipedia, Lemma: „Das älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus“. Zur Zuschreibung des Hölderlinanteils wird dort als Quelle angeführt die Abhandlung von Ernst Cassirer: „Hölderlin und der deutsche Idealismus“; in: ders.: Idee und Gestalt. Goethe, Schiller, Hölderlin, Kleist. Fünf Aufsätze, Berlin 1921, S. 109–152.
[3] In „Sein und Zeit“ wird Religion, Metaphysik, Kirche, Dogmatik, Platon und Aristoteles noch „Seinsvergessenheit“ vorgeworfen. Nach der „Kehre“ in den 1930er Jahren hat Heidegger, wohl auch unter dem Einfluß seiner intensiven Hölderlin-Studien, eine Hinwendung zur Scholastik eines Thomas von Aquin und zum Platonismus vollzogen. Aus dem Sein wurde das „Seyn“. In dem berühmten Brief an Jean Beaufret aus dem Jahr 1946 über den „Humanismus“ wird die Kehre begründet. Von der französischen Besatzungsmacht in Deutschland wurde Heidegger mit einem Vorlesungsverbot belegt. Von der Universität Tübingen emeritiert, konnte er seine Vorlesungen ab 1951 wieder aufnehmen. Legendär wurden seine Privatseminare, Kurse und öffentlichen Vorträge, besonders auch in Frankreich nach Veröffentlichung des Briefes an Beaufret.
[4] Die „Spiegel“-Nummer mit dem Interview erschien in Großaufmachung (siehe Deckblatt) am 31. Mai 1976, fünf Tage nach dem Tod Heideggers am 26. Mai 1976.
[5] Die Zahl der deutsch- und fremdsprachigen Beiträge in den Medien ist unübersehbar.
[6] Safranski: S. 303f.
[7] Erläuterungen: S. 8.
[8] Vgl. Erläuterungen: S. 196.
[9] Safranski: S. 205.
[10] Safranski: S. 206.
[11] Safranski: S. 210.
[12] Vgl. Safranski: S. 204.
[13] Safranski: S. 206.
[14] Safranski: S. 307.
[15] Safranski: S. 307.
[16] Safranski: S. 304f.: „Die Rätselfigur Hölderlin stachelt bis heute die Literaturwissenschaft zu Höchstleistungen an, und zwar gerade weil Hölderlin im breiten Publikum kaum noch gelesen wird und deshalb das Korrektiv einer unbefangenen, unmittelbaren und nichtakademischen Lektüre fehlt. So wird Hölderlin, zu bedeutsam fürs Vergessen, zum Anlass des Schaulaufens der jeweils aktuellen Methode, sei sie nun geschichtsphilosophisch, immanent, soziologisch, strukturalistisch oder dekonstruktivistisch. Irgendwas lässt sich immer erbeuten.“
17 Harald Klauhs: „Träumen, Dichten, Leben“; in: Die Presse (Spectrum) vom 17. März 2020. Klauhs bezieht sich positiv auf das 5. Kapitel im Buch von Karl-Heinz Ott: Hölderlins Geister, das die Überschrift trägt: „Der bräunliche Hölderlin“.
18 Armin Mohler: Die Konservative Revolution in Deutschland 1918–1932, 2. Aufl., Darmstadt 1972. Mohler verweist S. 403 auf Moeller van den Bruck: Die Deutschen. Unsere Menschengeschichte (Minden i.W. 1904–1910). In einem eigenen Abschnitt (III) zählt Moeller van den Bruck Hölderlin zu den „Verschwärmten Deutschen“, gemeinsam mit Meister Eckehart, Paracelsus, Böhme, Angelus Silesius, Novalis, G. Th. Fechner, Mombert …
19 Erläuterungen: S. 33.
20 Vgl. Erläuterungen: S. 34f.
21 Vgl. Erläuterungen: S. 36ff.
22 Vgl. Erläuterungen: S. 38–41.
23 Reclam: S. 140. In der dort angeführten „Endfassung“ heißt es: „Viel hat von Morgen an / Seit ein Gespräch wir sind und hören voneinander / Erfahren der Mensch; bald sind wir wieder Gesang“ …
24 Kermani: a.a.O., S. 254. Manche Musiker bezeichnen Hölderlin als den Mozart unter den Dichtern, ein Ensemble hat sich in unseren Tagen als „Hölderlin-Streichquartett“ einen Namen gemacht. Hölderlin hat viel mit griechischen Versmaßen experimentiert, zuerst mit dem Hexameter, „sodann mit Formen der alkädischen und asklepiadeischen Strophe […]. Friedrich Beißner hat dargelegt, dass sich in ihnen zwei Tongeschlechter, dem Dur und Moll in der Musik, nachweisen lassen: ‚das ist das alkäische, hellrasche stürmende, das niemals betonte Silben aufeinander folgen lässt (Beispiel Dichterberuf).‘. Und da ist das asklepiadeische Tongeschlecht, das Dunkel-nachdenkliche, Stockende, das fünfmal betonte Silben aufeinanderstoßen lässt (Beispiel Der Abschied)“. (Reclam: S. 211). In seinen Nachbemerkungen zu „Hyperion“ mit dem Titel „Hölderlins Mysterien“ empfiehlt Karl Kerényi, den Text laut zu lesen, denn nur dann erschließt sich „das Melodische seines Klangs“ (Hyperion, S. 235).
25 Reclam: „Friedensfeier 1. Stufe“, S. 136.
26 Durch „die Abschaffung Deutschlands“ (Thilo Sarrazin).
27 Hölderlin läßt durch Hyperion den Deutschen vorwerfen, sie seien „fühllos für alles schöne Leben“, und überall laste „der Fluch der gottverlassenen Unnatur auf solchem Volke“ (Hyperion, S. 225).
28 Navid Kermani: a.a.O., S. 249f.
29 Heidegger, S. 42–48.
30 Reclam: „Brot und Wein“, S. 137. Strophe 6.
31 Reclam: „Patmos“, Zweite Fassung, S. 162–168, sowie Bruchstücke der späteren Fassung, S. 169ff. Beide sind mit der Widmung „Dem Landgrafen von Homburg“ versehen.
32 Quelle: Wikipedia, Lemma: „Das älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus“. Zur Zuschreibung des Hölderlinanteils wird dort als Quelle angeführt die Abhandlung von Ernst Cassirer: „Hölderlin und der deutsche Idealismus“; in: ders.: Idee und Gestalt. Goethe, Schiller, Hölderlin, Kleist. Fünf Aufsätze, Berlin 1921, S. 109–152.
33 In „Sein und Zeit“ wird Religion, Metaphysik, Kirche, Dogmatik, Platon und Aristoteles noch „Seinsvergessenheit“ vorgeworfen. Nach der „Kehre“ in den 1930er Jahren hat Heidegger, wohl auch unter dem Einfluß seiner intensiven Hölderlin-Studien, eine Hinwendung zur Scholastik eines Thomas von Aquin und zum Platonismus vollzogen. Aus dem Sein wurde das „Seyn“. In dem berühmten Brief an Jean Beaufret aus dem Jahr 1946 über den „Humanismus“ wird die Kehre begründet. Von der französischen Besatzungsmacht in Deutschland wurde Heidegger mit einem Vorlesungsverbot belegt. Von der Universität Tübingen emeritiert, konnte er seine Vorlesungen ab 1951 wieder aufnehmen. Legendär wurden seine Privatseminare, Kurse und öffentlichen Vorträge, besonders auch in Frankreich nach Veröffentlichung des Briefes an Beaufret.
34 Die „Spiegel“-Nummer mit dem Interview erschien in Großaufmachung (siehe Deckblatt) am 31. Mai 1976, fünf Tage nach dem Tod Heideggers am 26. Mai 1976.
35 Die Zahl der deutsch- und fremdsprachigen Beiträge in den Medien ist unübersehbar.
36 Safranski: S. 303f.
37 Erläuterungen: S. 8.
38 Vgl. Erläuterungen: S. 196.
39 Safranski: S. 205.
40 Safranski: S. 206.
41 Safranski: S. 210.
42 Vgl. Safranski: S. 204.
43 Safranski: S. 206.
44 Safranski: S. 307.
45 Safranski: S. 307.
46 Safranski: S. 304f.: „Die Rätselfigur Hölderlin stachelt bis heute die Literaturwissenschaft zu Höchstleistungen an, und zwar gerade weil Hölderlin im breiten Publikum kaum noch gelesen wird und deshalb das Korrektiv einer unbefangenen, unmittelbaren und nichtakademischen Lektüre fehlt. So wird Hölderlin, zu bedeutsam fürs Vergessen, zum Anlass des Schaulaufens der jeweils aktuellen Methode, sei sie nun geschichtsphilosophisch, immanent, soziologisch, strukturalistisch oder dekonstruktivistisch. Irgendwas lässt sich immer erbeuten.“