Von Mag. Wolfgang Dvorak-Stocker
Vor einigen Jahren half mir längere Zeit ein muslimischer Migrant aus Nordafrika mehrere Stunden wöchentlich im Garten. Kein Wunder, werden sich jetzt viele sagen, der kapitalistische Ausbeuter sucht nach einer möglichst billigen Arbeitskraft. Doch der Hintergrund ist ein anderer: Der kollektivvertragliche Mindestlohn in Österreich beträgt je nach Branche ± 1.900,00 Euro brutto im Monat. Rechnet man 14 Monatsgehälter, Dienstgeberbeiträge, vier Wochen Urlaub und ebensolange Zeit für Krankenstände, Feiertage usw., an denen auch kein Geld verdient werden kann, dann kommt man auf einen Stundenlohn von brutto € 22,00–23,00, wobei der Arbeitnehmer natürlich selbst steuer- und versicherungspflichtig ist. Das sollte einen ungefähren Richtwert für Hilfsarbeiter, Reinigungskräfte usw. darstellen.
Ich habe viele Jahre nach einer Gartenhilfe gesucht. Die wenigen Österreicher, die sich auf meine Inserate gemeldet haben, haben nur gelacht, als ich ihnen den Richtwert genannt habe, und das Doppelte verlangt. Südosteuropäer aus Nicht-EU-Staaten haben für das Geld zwar gearbeitet, aber nur so lange, bis sie etwas Besseres gefunden hatten. So bin ich auf Mustafa gekommen.
Ich weiß, daß es mir nicht zusteht, zu sagen: „Uns geht’s zu gut.“ Ich wohne in einem großen Haus, kann mehrfach im Jahr auf Urlaub fahren, teuren Wein kaufen und Hausangestellte beschäftigen. Und ich kenne viele Österreicher, die, wenn sie Kinder haben, mit ihrem Gehalt kaum das Auslangen finden. Aber eines beobachte ich doch: In Nachbars Garten befinden sich zwei Tennisplätze, auf denen vor allem gehobene Kreise, auch der frühere Grazer Bürgermeister, spielen. Als Kind war ich es gewohnt, daß mehrfach täglich bei uns geläutet wurde und Tennisspieler fragten, ob sie einen verschlagenen Ball auf unserem Grundstück suchen dürften. Dies ist schon viele Jahre nicht mehr vorgekommen. Nun gehe ich selbst mit einem Kübel in den Garten und sammle all die bei uns gelandeten Bälle ein.
Doch zurück zu Mustafa. Dieser hat sich als gelehrig, genau, arbeitsam, flink und ehrlich erwiesen. Einmal hatte ich den fälligen Betrag nicht genau und gab ihm einige Euro mehr, die ich in der folgenden Woche abziehen wollte. In dieser aber gingen meine und Mustafas Erinnerungen auseinander, wie lange er gearbeitet und wie viel er bekommen hatte. Ich gab Mustafa schließlich die geforderte Summe und zuckte innerlich mit den Schultern: Vielleicht hatte ich mich ja geirrt. Doch wieder eine Woche später kam Mustafa und sagte, ich hätte Recht gehabt und er hätte irrtümlich zu viel Geld verlangt, was er mir nun zurückgeben wolle: Fünf Euro.
Im ersten Sommer, in dem er für mich arbeitete, fand Mustafa dann auch Anstellung als Hilfsarbeiter bei einer Baufirma. Ausgelastet war er mit dem Hin- und Hertragen verschiedener Gerätschaften und Materialien freilich nicht, mehrere Stunden täglich hatte er nichts zu tun. Doch die Firma wollte dem Bauherrn alle auf der Baustelle anwesenden Arbeiter zur Gänze verrechnen und daher wurde Mustafa angewiesen, sich in diesen „Stehzeiten“ nicht zu entfernen, sondern unauffällig in irgendeiner Ecke mit dem Handy zu spielen. Davon erzählte er mir und sagte: „Das ist haram. Ich will für Arbeit bezahlt werden und nicht fürs Nichtstun!“
Mustafa sprach gut Deutsch, er hat, davon bin ich überzeugt, nie etwas Unrechtes getan, und er hat auch nie Geld vom österreichischen Staat oder von den sozialen Sicherungssystemen bezogen. Denn Mustafa war illegal in Österreich.
Insgesamt befinden sich an die vier Millionen illegaler Zuwanderer auf den Territorien der europäischen Staaten, angelockt durch die lügenhaften Verheißungen bösartiger Gutmenschen wie des ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Gauck, der in Indien behauptet hat, Deutschland wäre ein zu dünn besiedeltes Land, dessen Bevölkerung nur auf Zuwanderer wartete. Diese Gutmenschen haben das Leben vieler Menschen zerstört. Von europäischen Vergewaltigungsopfern, Ermordeten und Terroranschlägen zum Opfer Gefallenen oder gemobbten Schülern, denen die Kindheit genommen wurde. Aber auch von Millionen ehrlichen Armutsmigranten, die zu uns kamen, weil sie sich eine bessere Zukunft erhofften. Auch Mustafa war dabei in jenem Herbst des Grauens 2015. „Was haben Sie sich denn erwartet damals?“, habe ich ihn gefragt. „Daß ich nach zwei Jahren einen guten Job und eine gute Frau gefunden habe“, war die Antwort. Keines von beiden hat Mustafa hier gefunden, auch acht Jahre nach seiner Ankunft in einem Flüchtlingslager, wo er einen falschen Namen angegeben hatte, lebte er von der Hand in den Mund. Im Winter war ich einige Monate sein einziger Arbeitgeber, er kam einige Stunden pro Woche zu mir, um im Haus zu helfen, und ist dann wieder mit € 50,00 in der Tasche abgezogen. Davon hat er gelebt. Eine ganze Woche lang. Schließlich hat ihn die österreichische Polizei geschnappt und in Schubhaft gesteckt. Mustafa trat in Hungerstreik und wurde nach zwei Wochen aus der Schubhaft wieder entlassen. Ausgemergelt wie ein Gespenst kam er zu mir, vor Hunger nicht mehr arbeitsfähig, ja nicht mehr fähig, klar zu denken. Einige Monate später wollte ihn die Polizei wieder verhaften, doch Mustafa gelang es zu fliehen. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Sie abgeschoben werden!“, sagte ich ihm. „Sie müssen zurück nach Marokko, auch wenn das bedeutet, daß Sie wieder bei Null sind!“ Mustafa sah mich traurig an und antwortete: „Aber das ist nicht Null, das ist Minus!“
In Österreich ist es Mustafa dennoch zu heiß geworden, er ist in ein anderes EU-Land – Schengen macht‘s möglich – weitergezogen. Ob er nun an italienischen Stränden Hüte verkauft oder als illegale Arbeitskraft unfreiwillig mithilft, die Profite einer französischen Firma zu steigern, weiß ich nicht. Ich kann nur hoffen, daß es ihm gelingt, ein wenig Geld anzusparen, bevor er, wie so viele andere auch, abgeschoben werden wird.
Es ist mir schon klar, daß sich für Mustafa in seiner Heimat keine Zukunftsperspektive geboten hat. Deshalb ist er auch nach Europa gekommen. Nur hat er hier auch keine Perspektive und hat sie in Wahrheit nie gehabt. Sein Schicksal ist um vieles schlimmer, als es gewesen wäre, hätte er Marokko nie verlassen. Auch sein Leben ist von den falschen Verheißungen unserer bösartigen Gutmenschen zerstört worden. Sie haben Migranten in einer Anzahl in unser Land gelassen, die unsere Sozialsysteme, unser Schulsystem und unser Justizsystem zerstört und insgesamt Kosten in gewaltiger Höhe verursacht, wie Gerald Grosz in seinem Buch „Ab nach Hause“ faktenreich belegt. Die einzig mögliche Antwort, die die europäischen Völker immer lautstärker fordern, ist die erfolgreiche Remigration aller Illegalen, aller derjenigen, die sich nicht integriert und keine europäische Staatsbürgerschaft erworben haben und aller sonstigen, die aus freien Stücken gehen wollen. Für Mustafa wird dies bedeuten, daß er bei weniger als Null anfangen muß, zurückgekehrt nach Marokko.
In ihrer ideologischen Verblendung hat die politische Linke die Natur des Menschen sträflich mißachtet und geglaubt, mittels Massenzuwanderung ihr Ziel der völligen Entortung des Menschen rascher erreichen zu können als durch die jahrzehntelang betriebene mühselige Zerstörung der gewachsenen europäischen Kulturen. Die Migranten waren dabei nicht mehr als Bauern auf einem Schachbrett und die Gutmenschen ihre nützlichen Idioten. Daß sie damit das Leben unzähliger Menschen zerstören würden, von Europäern wie Migranten, wurde als „Kollateralschaden“ kalt lächelnd in Kauf genommen. Im Endeffekt ist durch die völlige Verkennung der menschlichen Natur ihre Strategie jedoch nicht aufgegangen, sondern hat ihre Politik im Gegenteil ihre eigene, jahrzehntelang einzementierte Hegemonie zerstört. Was nun folgt, haben sie dennoch zu verantworten.