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Kaiserliche Hoheit, lieber Karl!

Leider muß ich Dir widersprechen als Großmeister des Ordens, dem ich als Ritter angehöre, wie als Autor unseres Verlages. Und zwar gleich doppelt. Erstens hast Du behauptet, daß es sich bei vielen der Parteien in der Fraktion „Patrioten für Europa“, der auch die FPÖ angehört, um brutale Nationalisten handeln würde, die die EU zerstören wollen. Diese Aussage halte ich für parteipolitisches Geplänkel. Es ist mir schon klar, daß der europäische Gedanke die zentrale Botschaft sein muß, weil die europäischen Völker und Kulturen ihre Identität in Zukunft nur dann bewahren können, wenn Europa zur Einheit findet. Doch kann man die Augen vor der Tatsache nicht verschließen, daß die in Brüssel herrschenden politischen Kräfte den Europa-Gedanken sehr oft mißbräuchlich zur Durchsetzung ihrer eigenen ideologischen Ziele instrumentalisieren, wogegen ein entschiedener Widerstand seitens der rechten Opposition absolut legitim ist. Freilich besteht die Gefahr, daß die Parteien der rechten Opposition in ihrem politischen Kampf gegen die herrschenden Kräfte in der EU diese nicht reformieren, sondern zerstören zum Schaden für ihre eigenen Völker und Länder. Das muß klar angesprochen werden und davor muß in aller Deutlichkeit gewarnt werden. Die Bewahrung der eigenen Identität steht für die rechten oppositionellen Kräfte im Zentrum, wie sie auch im Zentrum jedes wahrhaften Europäers und Patrioten stehen muß.

Nichts aber gefährdet diese Identität mehr als die Masseneinwanderung aus anderen Kulturkreisen, wie sie von den europäischen „Eliten“ seit Jahrzehnten betrieben wird, was in der unseligen Grenzöffnung durch Frau Merkel im Jahre 2015 einen vorläufigen Höhepunkt gefunden hat. Schon zuvor reiste der deutsche Bundespräsident Gauck nach Indien, um dort zu verkünden, es gebe genug Platz für Zuwanderer in Deutschland und die Deutschen würden voll Freude auf Zuwanderer warten. Eine Botschaft, die sich in Windeseile im ganzen Nahen Osten mit seinen überfüllten Flüchtlingslagern, in denen Menschen unter schrecklichsten Bedingungen dahinvegetieren, verbreitet hat. Eine Behauptung, wie sie falscher nicht sein könnte und die doch dazu angetan war, trügerische Hoffnungen bei Millionen verzweifelter Menschen zu wecken. Das war Hochverrat an Deutschland, Hochverrat an Europa. Millionen haben sich auf den Weg gemacht, im Irrglauben hier willkommen und benötigt zu sein. Und so verständlich die Motive aller dieser Menschen auch waren, so tadellos der Charakter der aller-allermeisten (wenngleich leider nicht aller) auch war, ihr Kommen in dieser Überzahl mußte sich verderblich auf die Zukunft unserer Völker, unserer Kulturen, unseres Kontinents auswirken. Wer dazu geschwiegen hat, hat doppelten Hochverrat begangen, Hochverrat an Europa und Hochverrat am eigenen Volk und Land. Und die Paneuropa-Bewegung hat geschwiegen. Seit diesem Herbst 2015 kann ich sie jedenfalls nicht mehr als pro-europäische Initiative wahrnehmen.

Zweitens hast Du den Parteien der Fraktion „Patrioten für Europa“ vorgeworfen, eine Dritte Kolonne Rußlands zu sein und daher doppelte Hochverräter zu sein, Hochverräter am eigenen Land und Hochverräter an Europa. Auch das ist, meiner Auffassung nach, falsch. Es ist natürlich klar, daß es Rußland war, das angegriffen und unendliches Leid über die Ukrainer gebracht hat und nach wie vor bringt. Es ist ebenso wenig zu leugnen, daß es die Ukrainer sind, die unter unfaßbaren Opfern für ihr Land, um ihre Freiheit und ihre Identität kämpfen. All das anzuerkennen und zu unterstützen ist selbstverständlich.

Dennoch darf dies nicht dazu führen, daß die Augen vor Fehlentwicklungen in der Ukraine verschlossen werden, wie ich sie immer wieder in dieser Zeitschrift anzuprangern versucht habe:

  • ist der übersteigerte, haßtriefende Nationalismus vieler Ukrainer, der sich gegen alles russische und die russische Kultur als solche wendet und der als ganz und gar antieuropäisch abgelehnt werden muß. Ein Nationalismus, unter dem zunehmend die russischen und russischsprachigen Ukrainer im Osten des Landes leiden, die doch die Hauptlast des Krieges tragen und unter schwersten Opfern bewiesen haben, wie unzweifelhaft loyal sie zu ihrem Vaterland stehen. Ein Nationalismus, der sogar die Gefahr eines Bürgerkrieges in naher Zukunft möglich erscheinen läßt.
  • Da ist die unfaßbare Korruption, die in einem Land, in dem der Durchschnittslohn bei gerade einmal € 300,00 pro Monat liegt, Tausende Menschen zu Multimillionären werden läßt. Von Ukrainern, die im Krieg ihre patriotische Pflicht erfüllen, habe ich – und kein heimisches Medium hat darüber berichtet – von den Organhändlern gehört, die auf den Schlachtfeldern ihr Unwesen treiben, ausgestattet mit besonderen Uniformen, und die junge Ukrainer, die durch einfache Operationen zu retten wären, sterben lassen, um ihnen rechtzeitig die passenden Organe zu entnehmen. Ihre Tätigkeit ist nur möglich, weil höchste ukrainische Kreise daran sehr viel Geld verdienen. Mit dieser von ukrainischen Soldaten stammenden Information habe ich den mir befreundeten Generalsekretär einer mit Dir eng verbundenen NGO privatim konfrontiert und ihn gefragt, was von dieser zu halten sei. Nachdem er selbst Informationen eingeholt hatte, gab er mir zur Antwort, ich sei russischer Propaganda aufgesessen. Doch das bin ich eben nicht. Meine Information stammt von ukrainischen Soldaten und nicht von russischen Propagandisten.
  • Letztlich ist auch völlig klar, daß Rußland zu einem gemeinsamen Europa gehört oder diesem doch eng verbunden sein muß. Unbestreitbar groß ist der Anteil Rußlands an der europäischen Kultur und ebenso unbestreitbar wird Rußland, so viel Schuld es sich durch den Ukrainekrieg auch aufgeladen haben mag, nach diesem weiterhin eine bedeutende Macht im östlichen Europa sein. Die Politik Viktor Orbáns und anderer erschließt sich nur durch die Anerkennung dieser Tatsache.

Ich bin überzeugt, daß diese Feststellungen nicht den Prinzipien des Georgs-Ordens widersprechen, auch wenn ich selbstverständlich anerkenne, daß Du eine weit kritischere Position bezüglich beider von mir angesprochener Punkte einnimmst.

 
Mit ordensbrüderlichen Grüßen:
Wolfgang Dvorak-Stocker

 
Neue Ordnung, ARES Verlag, A-8010 Graz, EMail: neue-ordnung@ares-verlag.com