Ein Musterbeispiel dafür, wie die angeblichen „Qualitätsmedien“ hierzulande arbeiten, wie Ereignisse „geframed“ und umgedeutet werden, ist die Auseinandersetzung zwischen Selenskyj einerseits und Trump und Vance andererseits im Weißen Haus am 28. Februar 2025. Während bei uns generell von einer „Falle“ die Rede war, die Selenskyj gestellt wurde, von einem allein von Donald Trump verschuldeten „Eklat“, liefert das 40-minütige Video des Treffens – wenn man sich die Mühe macht, es zur Gänze anzusehen – ein völlig anderes Bild.
Geplant war ein gemeinsames Pressegespräch der Staatsoberhäupter, bei dem vor laufenden Fernsehkameras Höflichkeiten ausgetauscht und Fragen der zugelassenen Pressevertreter in diplomatischer Weise beantwortet werden sollten. Motto: Seht her, wie gut wir uns verstehen, wir ziehen an einem Strang! Doch als Donald Trump behauptete, die USA habe die Ukraine mehr unterstützt als alle europäischen Staaten zusammen, widersprach ihm Selenskyj direkt und mehrfach. Schon allein das ein Fauxpas, denn Trump liebt es sicher nicht, wenn ihm öffentlich widersprochen wird. Ohne sich auf Zahlenstreitigkeiten einzulassen, hätte Selenskyj nur hervorheben müssen, wie unverzichtbar wichtig die Hilfe der Staaten der EU für die Ukraine war, und dem unzweifelhaft größten Einzel-Unterstützer USA tausend Rosen streuen. Doch dazu war Selenskyj nicht bereit.
Er betonte auch, daß es bei Friedensverhandlungen keinerlei Kompromisse mit dem „Killer Putin“ geben dürfe, doch gibt es nur zwei Möglichkeiten für Friedenschlüsse: einen Kompromiß oder ein Diktat. Trotz aller westlichen Hilfe ist die Ukraine von einem Sieg weit entfernt, und ohne diese würde Rußland die Bedingungen ziemlich einseitig diktieren können. So bleibt ein Kompromiß – der für die Ukraine sicher schmerzhaft ist – die einzige realistische Möglichkeit. In unseren Medien wurde hervorgehoben, daß niemand den Ukrainern die Bedingungen eines Friedens vorschreiben könne. Stimmt, doch kann auch niemand den Amerikanern (oder den Europäern) vorschreiben, die Ukraine weiterhin im selben Maße wie bisher zu unterstützen.
Als Vance dann vom Waffenstillstand sprach, schloß Selenskyj einen solchen seinerseits aus, weil Putin alle Abkommen in der Vergangenheit gebrochen habe. Auch als Trump hervorhob, daß dieser kein mit ihm getroffenes Abkommen jemals gebrochen habe und er daher davon ausginge, daß dies auch bei einem Waffenstillstand nicht der Fall wäre, blieb Selenskyj bei seiner Ablehnung. In der Folge eskalierte das Gespräch dann endgültig, Selenskyj fiel Trump mehrfach ins Wort und versuchte, ihn wie in einer schlecht moderierten Fernsehdiskussion zu überschreien. Dann erst beendete Donald Trump das Gespräch, und dann erst fiel der berüchtigte Satz, das alles wäre großes Fernsehen gewesen, der von unseren Medien undifferenziert so interpretiert wurde, als hätten die beiden Amerikaner Selenskyj gezielt vorführen wollen.