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Adam und Eva waren im 1. Buch Mose (Kapitel 2–5) das erste Menschenpaar und nach biblischer Erzählung somit die Stammeltern aller Menschen. Adam und Eva, Mann und Frau, die natürliche Zweigeschlechtlichkeit der menschlichen Natur, biologisch und religiös begründet, wird durch rot-grüne Politakteure zunehmend in Frage gestellt. Angeblich sei das Geschlecht ein „soziales Konstrukt“; es gebe nicht zwei, sondern viele Geschlechter. Manche LGBTQI-Vertreter sprechen von 72, wobei mit der Abkürzung „LGBTQI“ „lesbisch, gay [schwul], bi, trans, queer oder intersexuell“ gemeint ist, also von der Norm abweichende sexuelle Orientierungen. Die Vertreter dieser neuen Ideologie versammeln sich symbolisch unter der Regenbogenfahne. Joachim Paul, medien- und bildungspolitischer Sprecher der AfD-Landtagsfraktion in Rheinland-Pfalz, sieht diese Entwicklung kritisch. Er hat in Bonn, Mainz und Boston (USA) Geschichte, Politik und Soziologie studiert und unterrichtete an einem Gymnasium und einer Berufsschule.
Mit Joachim Paul sprach Bernd Kallina
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) will offenbar als „Regenbogenbürgermeister“ in die Geschichte eingehen, so kann der Koalitionsvertrag von CDU und SPD jedenfalls interpretiert werden. Ein Christdemokrat, der seine Großkommune sozusagen als „Regenbogenhauptstadt“ vollenden möchte. Damit steht er für eine Zeitgeistströmung des maßgeblichen Parteienkartells in der Bundesrepublik Deutschland. Wie ordnen Sie das politische Hauptstadtgeschehen ein?
Während meiner Zeit im Bundesvorstand der Alternative für Deutschland (AfD) bin ich oft aus der sogenannten Provinz von Rheinland-Pfalz nach Berlin gependelt. Unter den europäischen Metropolen und insbesondere ihren Hauptstädten – und hier ziehe ich einmal den Vergleich zu Warschau, Breslau, Laibach oder Budapest heran – gibt es wohl keine zweite, die ich so verdreckt, verkommen und unsicher erleben mußte wie das heutige Berlin. Nahezu nichts funktioniert, die einstige deutsche Vorzeigestadt ist inzwischen massiv mit kaputten Typen bevölkert, die einen mitunter auf der Straße anspucken, bedrohen, brabbelnd hinterherlaufen oder vorbeigehende Bürger anderweitig belästigen. Von einigen Straßenzügen abgesehen, hat die Stadt ihr kulturelles Gesicht in den letzten Jahrzehnten fast völlig verloren – nahezu alles hat sich ins Negative verändert. Das erschreckende Ergebnis nennt sich dann „weltoffen“. Wenn der Niedergang also förmlich mit den Händen zu greifen ist, man bundesweit in den Ruf eines Shit-hole oder Failed state geraten ist, man nicht zuletzt 600.000 Bezieher eines leistungslosen Einkommens alimentieren muß und damit eigentlich Bürgergeldhauptstadt ist, dann muß man sich eben anders profilieren. Da liegt es nahe, zum Regenbogen zu greifen, immerhin ist man sich so des Wohlwollens der linken Hauptstadtmedien sicher. Auf sie schielt auch Kai Wegner, der eigentlich wegen der prekären Sicherheitslage gewählt worden ist, weil er den Eindruck erweckte, sie verbessern zu wollen. Das ist jedoch nicht geschehen, dafür hat er sich jetzt aber in den prekären Verhältnissen zeitgeistkonform eingerichtet. Damit hat er sich, typisch für einen großen Teil der CDU, auf den linken Anpassungskurs der Merkel-Union begeben.
Das Geschlecht, so die Akteure der Regenbogenpropaganda, sei ein „soziales Konstrukt“, keineswegs sei die Mann-Frau-Konstellation ein biologisches Faktum. Haben Sie sich auch schon einmal morgens beim Aufstehen gefragt – Achtung, „Satire“ –, mit welchem Geschlecht Sie tagsüber auftreten werden, z.B. als Frau?
Nein (lacht), das wäre wirklich eine absurde Vorstellung. Aber ich habe starke Frauen als Vorgesetzte, Kollegen und Gefährten im politischen Kampf schätzengelernt. Die einander ergänzende Polarität der Geschlechter ist schließlich ein wunderbares Fundament unserer Kultur. Und ich lege großen Wert darauf, zu betonen, daß in unserer Gesellschaft Frauen zu keiner Zeit vom sozialen Leben ausgeschlossen waren, sondern selbst zu jenen Zeiten, in denen noch keine umfassende Gleichberechtigung verwirklicht war, gesellschaftlich mitunter großen Einfluß hatten. Das gilt im übrigen schon für das angeblich „finstere“ Mittelalter, das so finster gar nicht war, sondern eine Epoche der Hochkultur.
Seit dem 1. August 2024 gilt das vom Deutschen Bundestag beschlossene „Selbstbestimmungsgesetz“. Das hat semantisch zunächst keinen schlechten Klang: Liberale Selbstbestimmung in Geschlechterfragen, das verströmt den Wohlgeruch von individueller Orientierung, von Freiheit und Wahlfreiheit. Doch was verbirgt sich hinter den wohlfeilen Worten?
Daß der Staat übergriffig wird. Wenn die Regierungsparteien der Berliner Ampel davon reden, Vielfalt schützen zu wollen, dann bedeutet das eigentlich: Sie wollen die Gesellschaft im Sinne der Regenbogenideologie verändern und diese Veränderung daraufhin per Gesetz zementieren. Lassen Sie mich das an bizarren und zugleich autoritären Regelungen des Gesetzes beispielhaft erläutern: Das eine ist das sogenannte Offenbarungsverbot. Es verbietet, den Geschlechtseintrag einer Person oder ihre Vergangenheit in einem anderen Geschlecht öffentlich – z.B. im Kollegenkreis – anzusprechen. Das gilt auch für einen früheren Namen. Selbst dann, wenn das ohnehin alles allgemein bekannt ist. Wenn jemand dagegen verstößt und man ihm – wie auch immer! – eine Absicht nachweisen kann, gilt das als Diskriminierung oder Belästigung und ist bußgeldbewehrt. Wie soll so eine Gesetzgebung eigentlich alltagstauglich sein, frage ich mich.
Ihre Antwort? Wozu wird die Gesetzgebung konkret führen?
Sie wird zu vielen (überflüssigen) Spannungen und Zerwürfnissen führen, da bin ich sicher, und darüber hinaus: Wenn Minderjährige im Alter zwischen 14 und 17 Jahren ihr Geschlecht amtlich ändern möchten, sollen sie die Änderungserklärung selbst abgeben können, benötigen aber auch künftig noch die Zustimmung der Eltern. Letztere werden im Gesetz nur mehr als „Sorgeberechtigte“ benannt. Doch was passiert, wenn sich Eltern nicht einigen können? Im Extremfall kann dann das Sorgerecht auf dem Spiel stehen. Die Zustimmung der Eltern soll in solchen Fällen nämlich durch eine Zustimmung des Familiengerichts ersetzt werden können. Maßstab dabei soll – wie im Familienrecht üblich – das „Kindeswohl“ sein. Das müßte hier aber erst einmal definiert werden, und dann stellt sich noch die weitere Frage: Wie sollen Richter eine solche tiefgreifende Entscheidung ernsthaft treffen können? Eine solche „Übernahme“ der Zustimmung zu einer Geschlechtsänderung durch ein anonymes und lediglich nach Aktenlage entscheidendes Gericht ist ein klarer Eingriff in das Recht der Eltern, das bislang verfassungsrechtlich geschützt war. Kinder und Jugendliche können künftig ihr Geschlecht wechseln, weil es gerade „in“ ist oder sie von außen beeinflußt werden – und die Eltern, die ihre Kinder nun einmal am besten einschätzen können, haben es deutlich schwerer, diesen Launen zu trotzen.
Hedwig von Beverfoerde, die Leiterin der „Aktion für Ehe & Familie – Demo für Alle“, meinte unlängst zum Selbstbestimmungsgesetz, daß es Kinder und Jugendliche, die in einer sensiblen Entwicklungsphase mit ihrem biologischen Geschlecht hadern, schutzlos den Fängen der Translobby und der Pharmaindustrie ausliefere.
Es liegt auf der Hand, daß neben der Translobby vor allem die Pharmaindustrie von diesem Gesetz zukünftig stark profitieren wird, insbesondere wenn diese Geschlechtsumwandlungen – Transitionen genannt – auf Rezept möglich sind und die Entwicklung so weitergeht. Die Zahl der Transitionen steigt ja von Jahr zu Jahr explosionsartig an, gerade unter Jugendlichen, die fast noch Kinder sind. Ich rede hier von 15jährigen! Die Omnipräsenz des Themas in Bildung, Kultur und Medien, die in keinem Verhältnis zur Zahl der wirklich Betroffenen steht, kann man nur als Transwerbung verstehen. Die propagierende Aufklärung staatlicher Stellen kommt noch hinzu. Sie ist aber nicht differenziert, wie sie sein sollte, weil Gefahren, Risiken und kritische Stimmen ausgeblendet werden, sondern affirmativ. In der Gesamtschau sehen wir uns also einer gesellschaftsverändernden Kampagne für die Regenbogenideologie und linke Identitätspolitik gegenüber.
Herr Paul, Sie kommen beruflich aus dem Schuldienst und widmen sich als Abgeordneter und bildungs- sowie medienpolitischer Sprecher Ihrer AfD-Fraktion in Rheinland-Pfalz den vielfältigen Fehlentwicklungen der Regenbogenideologie. Was sticht dabei besonders ins Auge?
Ich mache mir große Sorge um unseren Nachwuchs. Junge Leute haben in der Wachstumsphase und Pubertät schon immer mit ihrer Identität gerungen, sich glücklich oder unglücklich verliebt, mit Zurückweisungen umgehen müssen und sich von den Eltern abnabeln wollen. Sie fragten sich dabei immer wieder: Wer bin ich eigentlich? Was soll aus mir werden? Wie sieht meine Zukunft aus? Nun besteht die Gefahr, daß ihnen in diesem schwierigen und sensiblen Lebensabschnitt die Geschlechtsumwandlung als einfache Antwort auf ihre Fragen präsentiert wird. Ohne, daß man sich hinreichend Gedanken über die weitreichenden und vor allem unabänderlichen Folgen macht. Die Art und Weise, wie die rot-grünen Akteure dieser Regenbogenideologie ihre Umerziehung von oben vorantreiben, führt zu einer Gedankenlosigkeit und Leichtfertigkeit, die man angesichts der Konsequenzen für uns alle sehr kritisch sehen muß, gerade aus der Sicht eines Pädagogen.
Können Sie Beispiele aus dem Schulalltag benennen? Was haben Sie erlebt?
Gern. Ich habe z.B. eine Schule erlebt, die sich als „Regenbogenschule“ profilieren will. Im Gespräch mit der Schulleitung hat mich die Anmaßung, mit der man sich moralisch über konservative Kritiker erhoben hat, sehr irritiert. Dieser blinde Eifer ist mit dem „Beutelsbacher Konsens“, der eine Selbstverpflichtung der Lehrer darstellt, kontrovers diskutierte Themen im Unterricht auch als solche darzustellen, unvereinbar. Naheliegende Verwerfungen und absehbare Konflikte kündigen sich geradezu als unvermeidbar an: Ich stelle mir gerade vor, wann es zu größeren Zusammenstößen mit islamistisch-fundamentalistisch geprägten Eltern kommen wird. Erste gibt es schon, weitere werden folgen.
In einem Zeitschriftenbeitrag schilderten Sie die Begegnung mit einem Schüler, der nach zwei Jahren Hormontherapie zum Mann wurde, aber als Mädchen zur Welt kam. Das klingt nach einem wahren Wunder. Aber geht das so einfach? Und vor allem: mit welchen Folgen?
In diesem Fall hat eine Lateinlehrerin einen ihrer Schüler darauf gebracht, daß er vielleicht – wie man mal eben so sagt – im falschen Körper geboren worden sein könnte. Auf Deutsch, wenn auch nur indirekt formuliert: Er solle doch einmal eine Geschlechtsumwandlung zur Frau erwägen. Da stellt sich doch die Frage: Welche Qualifikation besitzt diese Pädagogin eigentlich für eine derartig folgenreiche Einschätzung, die als Anbahnung zur Transition verstanden werden kann? An der besagten Schule fand dann eine Podiumsdiskussion zu diesem Thema statt, und ich nahm als AfD-Vertreter daran teil. Dort kam es dann zu einem Wortwechsel mit dem Schüler, der die übliche Frage stellte, was mir als Heteromann denn fehlen würde, wenn mehr Menschen sich für Geschlechtsumwandlungen entschieden. Eine Frage, die einem in Debatten immer wieder begegnet. Sie zeugt von einem angemaßten Totalanspruch des Individuums gegenüber der Gesellschaft. Dieser negiert, daß es ein großes Ganzes gibt, ein Allgemeinwohl, das aber nur gesichert ist, wenn sich jeder einzelne seiner Verantwortung bewußt ist. Konkret: reflektiert, welche Folgen die Regenbogenideologie und die Art und Weise, wie sie der Gesellschaft aufgezwungen wird, für alle haben kann. Der erste Schritt wäre, Konservativen zuzuhören und ihre Vorbehalte zu berücksichtigen.
Sie denken vermutlich an den tragischen Fall von Keira Bell: Sie gehört zu den bekanntesten Beispielen, die es inzwischen bereuen, sich als 16jährige einer „geschlechtsangleichenden“ Behandlung unterzogen zu haben. Was lehrt dieser Vorgang?
Erstens muß man sich weder operieren lassen, noch Medikamente nehmen, um zu sich selbst zu finden – davon bin ich überzeugt. Es ist ja gerade in unserer Kultur seit jeher möglich, als Mann auch feminine Seiten auszuleben und damit zu spielen, oder als Frau maskuline. Denken Sie an bekannte Schauspieler oder die zahlreichen Vorbilder in der europäischen Kunst und Literatur. Der Regenbogenideologie ist ein fragwürdiges Paradox zu eigen: Einerseits treibt sie die Auflösung der Geschlechter voran, also die Veruneindeutigung, andererseits aber postuliert sie, daß junge Menschen nur nach einer körperlichen Umwandlung, der Vereindeutigung also, zu ihrer wahren geschlechtlichen Identität finden und glücklich werden könnten. Dieses Paradoxon rückt den Regenbogen grundsätzlich ins Zwielicht. Hinzu kommt: Wir werden uns in der Zukunft wohl mit vielen Opfern, vielen Keira Bells also, beschäftigen müssen. Menschen, die unrettbar unglücklich geworden sind, weil sie sich fragwürdigen Behandlungen unterzogen haben. Sollte es dann zu einer schonungslosen Debatte um die Verantwortung für die Folgen kommen, haben wir alle einen sehr hohen Preis gezahlt.
Auch fallen Medienberichte auf, in denen davon die Rede ist, daß sich junge Mädchen im Zuge solcher Behandlungen sogar die Brüste abschneiden lassen. Sind Ihnen solche Fälle bekannt, oder sind das Horrormeldungen aus Verschwörungskreisen?
Nein, leider nicht. Betroffene junge Mädchen posten sogar ihre Selbstverstümmelungen auf Instagram. Das ist natürlich auch ein Schrei nach Aufmerksamkeit und Anerkennung. Diesen Mädchen machten Regenbogenideologen weis, sie seien Pioniere der von ihnen ausgerufenen Befreiung und damit etwas Besonderes. Ein für viele junge Menschen verlockendes Angebot. Wie werden sich aber viele von ihnen fühlen, wenn sie nach einigen Jahren diese Bilder sehen? Später erkennen, was sie sich angetan haben? Und zur bitteren Erkenntnis kommen, daß sie weder befreit worden sind, noch zu sich selbst gefunden haben? Ein einziges Drama!
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Schon in der Bibel ist von nur zwei Geschlechtern die Rede, beginnend mit Adam und Eva. Eigentlich müßten unsere christlichen Kirchen, ob katholisch oder evangelisch, im Kampf gegen die Trans-Regenbogen-Ideologie an vorderster Front stehen. Bekommen Sie von ihnen merkliche Unterstützung, offiziell oder inoffiziell?
Nein, die christlichen Amtskirchen ducken sich auch in dieser elementaren Frage weg. Oder sie haben sich der grünen bzw. Regenbogenideologie angenähert oder in die Arme geworfen. Ich bin bereits vor Jahren aus der katholischen Kirche ausgetreten. Denn selbst im katholischen Rheinland ist diese Kirche – früher gesellschaftlich prägende Kraft im konservativen Sinne – auf dem Rückzug, die massenhaften Austritte machen alle paar Jahre sogar die Zusammenlegung der Sprengel notwendig.
Auch ist das Ansehen der Amtskirche durch die systematischen Fälle von Kindesmißbrauch, die in die Hunderte oder Tausende gehen, und die zahllosen Vertuschungsversuche – zum Beispiel in den Bistümern Trier und Köln – schwer angeschlagen. Aus Opportunismus hat man wohl strategisch auf die Jugend gesetzt, ausgehend von der Fehleinschätzung, diese sei für alle Zeiten linksgrün orientiert. Welch ein Irrtum! Angesichts der Wahlergebnisse der AfD unter den Jugendlichen – 37 Prozent allein in Thüringen pro AfD bei den Landtagswahlen im September 2024 – steht man vor einem Scherbenhaufen, wurde von der gesellschaftlichen Entwicklung überrascht und überrollt. Fazit: Diese toxische Mischung aus versteinerten, für Machtmißbrauch anfälligen Strukturen und Hierarchien sowie der Anbiederung an die linke Politik läßt die Zukunft der Amtskirchen trübe aussehen. Richtiger wäre es für sie gewesen, sich nicht nur für die Bewahrung der Schöpfung u.a. in Gestalt des Umweltschutzes einzusetzen, der frei von linker Hysterie fundamental ist, sondern beispielsweise auch Partei für den Lehrer Enoch Burke im erzkatholischen Irland zu ergreifen. Denn Burke mußte ein hohes Bußgeld zahlen und soll beruflich vernichtet werden, weil er als tiefgläubiger Katholik an der biblischen Überzeugung festhält, daß es nur zwei Geschlechter gibt.
Es gibt aber auch erfreuliche Tendenzen von unerwarteter Seite. Überraschenderweise hat sich z.B. die Altfeministin Alice Schwarzer gegen die Mehrgeschlechterideologie positioniert, was ihr heftigen Widerspruch im linken Lager bescherte. Auch sieht sie die fortschreitende Islamisierung sehr kritisch, vor allem in bezug auf Frauenrechte. Ein Hoffnungsschimmer?
Ja und nein! Alice Schwarzer ist sich bewußt, daß die Regenbogenideologie und der mit ihr verbundene politische Furor das gefährdet, wofür sie jahrzehntelang gekämpft hat: die Rechte der Frauen. Sie stehen bereits jetzt im Sport zur Disposition – ein Blick auf die vergangenen olympischen Spiele reicht diesbezüglich ja aus! Auch sie dürfte die traurigen Bilder der zusammengeschlagenen italienischen Boxerin Angela Carini vor Augen gehabt haben. Nur: Frau Schwarzer, im linken Lager inzwischen isoliert, ist heute nicht mehr so politisch relevant wie vor 20 Jahren. Konsequent müßte sie eingestehen, daß es die Konservativen in unserem Land waren, die immer als Verteidiger der Frauenrechte auftraten. So weit will sie aber nicht gehen.
Die totalitären Linksideologien des 20. Jahrhunderts, beginnend 1917 in der Sowjetunion bis hin zum unrühmlichen Ende der DDR 1989, versprachen eine umfassende Befreiung der Arbeiterklasse von materieller Not. Die trete insbesondere durch die Beseitigung des Kapitalismus, sprich: durch die Vergesellschaftung der Produktionsmittel wie von selbst ein. In einem Stufenprozeß des Fortschritts sollten alle Menschen gleichgestellt werden und in einer historischen Endphase ein kommunistisches Paradies auf Erden erleben. Wie das Experiment endete, ist bekannt. Sehen Sie in der voranschreitenden Regenbogenideologie eine ähnliche Gefahr?
Zweifellos haben wir es bei fast allen Aspekten der Regenbogenideologie mit einer neuen Variante linker Irrlehren zu tun. Das kann man durchaus in Zusammenhängen mit anderen linksideologischen Fehlorientierungen früherer Epochen bringen. Auch hier steht ein falsches Menschenbild am Anfang, das zu fatalen Folgen führt oder geführt hat. Ob allerdings die LGBTQI-Ideologie als weiteres Verblendungsbeispiel direkt in Verbindung mit der großen totalitären Ideologie des Weltkommunismus des 20. Jahrhundert steht, da möchte ich doch eher ein Fragezeichen setzen. So weit würde ich heute noch nicht gehen! Zwar sind die bisher bekannten Folgen unserer Regenbogenakteure, wie hier geschildert, schlimm genug. Ein Millionenheer von Opfertoten können sie – Gott sei Dank – jedoch (noch) nicht aufweisen.
Worin besteht dann die eigentliche Gefahr linksideologischer Weltbilder, z.B. der hier thematisierten Regenbogenakteure?
Jede Anthropologie hat politische Konsequenzen. Falsche Grundannahmen vom Menschen, z.B. die sozialistische Gleichheitslehre oder aktuell, daß es mehr als zwei Geschlechter gebe, führen in verhängnisvolle Entwicklungen. Das ist der Kern der politischen Gefahr. Darauf hat auch der Mitbegründer der einstmals einflußreichen linksliberalen „Humanistischen Aktion“ in der Bundesrepublik Deutschland der 1970er Jahre, Gerhard Szczesny, hingewiesen, wenn auch in einem anderen Zusammenhang, denn die modische Transideologie von heute gab es damals noch nicht. Er sah, in seinen älteren Tagen eher konservativ geworden, die Geschichte des Abendlands vom Wirken eines realitätsfremd eingestellten Geists gekennzeichnet. In sich selbst befangen, jage dieser utopischen Welt- und Gesellschaftsmodellen nach. Die wirkliche Gefahr des linken Radikalismus liege im emotionalen Sog, den er seit den Tagen der Französischen Revolution auf die politisch engagierten Intellektuellen, die Studenten und die große Masse von Halbgebildeten aus allen Schichten ausübe, so Szczesny in seinem Buch „Das sogenannte Gute“. Und weiter, wörtlich: Dieser Geist „entzieht damit einen quantitativ nicht unerheblichen und qualitativ nicht unerheblichen Teil der Intelligenz der produktiven Teilnahme am politischen Leben“.
Welche Gegenmaßnahmen schlagen Sie vor, mit welchen Konzepten will die AfD der Regenbogenherausforderung begegnen, und von welchen anthropologischen Prämissen realpolitischer Natur gehen Sie dabei aus?
Die AfD muß sich in Aktionseinheit mit anderen konservativen Gruppierungen nicht nur als Partei mit sachorientierter Lösungskompetenz einen guten Ruf erarbeiten, sondern diesen Kampf um unsere Kultur und gegen linke Elitenprojekte verstärkt annehmen. Dann werden wir feststellen, daß wir unsere Wähler- und Sympathisantenbasis massiv erweitern. Denn: Viele enttäuschte und verärgerte Bürger sind unter uns, die nur aus Angst und Opportunismus gute Miene zum bösen Spiel machen. Vorerst. Und natürlich müssen wir im Zuge unserer Bildungspolitik immer wieder laut werden, wenn die Schule zur Projektionsfläche und zum Experimentierfeld umgestaltet werden soll und der demokratische „Beutelsbacher Konsens“ links liegengelassen wird. Es gibt sozusagen „viel zu tun, packen wir es an“!