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Sind demographische Veränderungen unumkehrbar? Der Satz „Demographie ist Schicksal“ legt das nahe. Dagegen beweist die Geschichte immer wieder aufs neue: „Demographie ist Politik“. Nach dem Migrationsschock im Jahr 2015 folgte im deutschsprachigen Raum ein Aufschwung patriotischer Politik, der rund vier Jahre lang anhielt. Ab 2019 folgte eine Phase der Stagnation und der enttäuschten Erwartungen. Resignation macht sich seitdem im konservativen Lager breit. Aus einer temporären Krise leiteten einige das Scheitern der Neuen Rechten ab. Nun befindet sich die Rechte wieder im Aufwind. Zwei literarische Niederschläge der Resignationsphase erschienen Anfang 2023 und sind Gegenstand dieses Artikels: „Feindbild Islam als Sackgasse“ von Frederic Höfer und „Das neue Volk“ von Simon Kießling.
Von Martin Sellner
Beide haben unterschiedliche Perspektiven, die Schnittmenge ist ihre „Reconquista-Resignation“. Höfer wie Kießling gehen von der Unmöglichkeit einer patriotischen Wende und einer umfassenden Remigrationspolitik aus. Diese Begriffe stammen aus dem Vokabular der neurechten Bewegung und bedürfen einer Klärung. „Reconquista“ ist eine Chiffre für die „Kulturrevolution von rechts“. Darunter versteht man eine tiefgreifende metapolitische Wende, die über einen bloßen Wahlsieg rechter Parteien hinausgeht. Nach neurechter Strategie können erst mit dieser tektonischen Verschiebung des Diskurses der Rahmen des Sag- und Denkbaren erweitert und patriotische Politik ermöglicht werden. „Remigration“ ist ein populäres Schlagwort für eine alternative Migrationspolitik, die neben Grenzschutz und Einwanderungsstop auch die Rückführung Illegaler und den Abbau von Parallelgesellschaften umfaßt. Voraussetzung für die Remigration ist die Reconquista, und damit die Erringung staatspolitischer Gestaltungsmacht.
Simon Kießling sieht darin ein hoffnungsloses Unterfangen. Dem „identitären Ansatz“, dem es darum geht, „ethnische Homogenitäten zu restaurieren“, stellt er eine angeblich „eiserne Logik des historischen Entwicklungsgangs“ entgegen. Die Völker Europas seien „unwiederbringlich verloren“ (S. 40). Immer wieder betont er die Schicksalhaftigkeit des Bevölkerungsaustauschs: „Gegen die Mühlen der ethnokulturellen Desintegration, den mit naturgeschichtlicher Notwendigkeit erfolgenden Rückbau und Verfall der autochthonen Völker, existiert kein Mittel.“ (S. 37) Daraus schließt er, daß „die Verfechter der Reconquista und der Remigration einen Weg ins Niemandsland der Geschichte“ gingen. (S. 36)
Höfer äußert sich ähnlich. Der „Point of no return“ ist seiner Ansicht nach aufgrund der „irreversiblen multiminoritären Realität“ überschritten. Er findet klare Worte: „Die Vorstellung einer wie auch immer gearteten ‚Reconquista‘ im Sinne einer (auch nur relativen) Re-‚germanisierung‘/-homogenisierung, nach welcher man an dieser Grundtatsache etwas fundamental ändern könne, ist angesichts der demografischen Realitäten absurd. Ein solches Projekt ist potenziell selbstzerstörerisch.“ (S. 13)
Beide Autoren präsentieren Methoden, um sich mit dem „irreversiblen Bevölkerungsaustausch“ zu arrangieren. Kießling träumt von der Verschmelzung zu einem „neuen Volk“ unter einem mobilisierenden Mythos. Er schlägt eine Art „traditionalistisches Nationbuilding“ vor. Höfer setzt dagegen auf Kommunitarismus. Seine Vision ist eine themenbezogene Zusammenarbeit mit konservativen, muslimischen Parallelgesellschaften zur Überwindung der modernen Welt.
Simon Kießlings Buch beginnt mit einer Kritik aller gängigen rechten Strategieangebote. Er sieht in ihnen „eine uninspirierte, biedere, blutleere Verteidigung einer überkommenen Substanz“ (S. 8). Sie alle seien nicht Manns genug, dem Schicksal ins Auge zu schauen. Statt dessen plädiert er für einen neuen Mythos, der nur zu stiften sei, indem man das alte Volk und dessen Kultur fahrenlasse. Kießling fragt sich: „Ist es vorstellbar, daß aus den ringsum zerfallenden Kulissen der Kern eines neuen, sich zusammengehörig empfindenden, politisch handlungswilligen Proto-Volkes mit eigener, neu sich bildender Identität, Kultur und Mythologie entsteht?“ (S. 73). Der Autor beantwortet diese Frage mit „Ja“.
Es gelte, „einen neuen Anfang zu wagen, eine Zukunft zu erkämpfen, eine Idee zu entwickeln, eine neue Welt auszubrüten“. (S. 11) Das neue Volk soll sich „aus Menschen verschiedener ethnokultureller Herkunft zusammensetzen“ (S. 78) und um einen „neuen gemeinschaftsbildenden Mythos“ (S. 73) zu einem „handlungsfähigen Volkszusammenhang [zusammenfinden]“ (S. 77). Dazu bräuchten die altersschwachen weißen Völker ausdrücklich „jüngere und vitalere (‚barbarische‘) Energien“. (S. 55)
Frederic Höfers Ansatz ist weniger revolutionär. Ihm geht es im wesentlichen um eine Kooperation mit muslimischen Parallelgesellschaften. Nach einer profunden und berechtigten Kritik der westlich-liberalen Islamkritik präsentiert er sein Modell. Die Deutschen müßten sich mit der „Realität“ abfinden, die „Deutschland und den Islam nun einmal zusammengewürfelt hat“. (S. 9)
Die Lage sei „nun einmal so […], wie sie ist“. (S. 106) Er tritt für eine scharfe Trennung des Diskurses über Migration und importierte Verbrechen einerseits und über den Islam andererseits ein. Erstere sollen beschränkt bzw. geahndet werden, während man die „Islamkultur im großen Haus der deutschen Nation beheimaten“ könne. (S. 82) Die Islamisierung wird als Problem nicht nur verharmlost, sondern regelrecht geleugnet.
Die islamische Parallelgesellschaft soll dagegen sogar „neue strategische Horizonte“ eröffnen. Höfer plädiert nicht für die Verschmelzung zu einem „neuen Volk“, wohl aber für eine „traditionale Ökumene“ basierend auf einer „gruppentranszendierenden traditionalen Position“. (S. 116) Wo es zu Konflikten zwischen Einheimischen und Neubürgern komme, rät er zur „Segregation“ (S. 86) etwa durch die Schaffung von Inländerschulen. Durch diese kommunitaristische Aufteilung des Staatsgebiets zwischen Einheimischen und Clans könnten diese als Verbündete gewonnen werden. Die „genuin konservative“ Zielgruppe der Moslems müsse von der AfD umworben werden. Alles andere sei „fahrlässig“ und „politischer Irrsinn“. (S. 107) Um das Vertrauen der ethnoreligiösen Ghettos zu gewinnen, fordert Höfer sogar eine „selbstkritische und aufrichtige“ Reue und „Revision der Antiislamagitation“. (S. 89 f.) Die importierten Migranten sollen dann als eine Art „anti-woke Geheimwaffe“ gegen jene in Stellung gebracht werden, die sie importiert haben. Nach dieser knappen Zusammenfassung der beiden Thesen gehen wir nun auf ihre Widersprüche und Lücken ein.
Kießlings „neues Volk“ baut auf seiner Geschichtsphilosophie. Diese pendelt zwischen Hegel, Evola und Spengler, ohne eine Synthese zu bilden oder bewußt zwischen ihnen zu vermitteln. Kießling leitet viele seiner Thesen aus Spenglers vitalistischer Geschichtsmorphologie ab. Kulturen und Völker seien „Lebewesen“. Diese „erreichen ihren Höhepunkt und sterben danach allmählich ab“. (S. 28) Aus dieser Sicht wären die Deutschen ein abgehalftertes Volk, das maximal als Humus für etwas Neues dienen kann. Zugleich verweist Kießling aber regelmäßig auf Evola und Hegel, die eine andere Geschichtsphilosophie vertraten. Wenn Kießling von „historischen Weltsekunden“ und nationalen „Missionen“ schreibt, so ist das mit dem spenglerschen Vitalismus schwer zu vereinen. (S. 57) Hier wäre das Fazit, daß das deutsche Volk seine ideengeschichtliche Mission verfehlt oder abgeleistet hat (Hegel) oder den Kontakt zur Urtradition (Evola) verloren hat. Welchen Standpunkt Kießling genau vertritt, bleibt unklar. In jedem Fall setzt er auf einen neuen Mythos und eine neue Ethnogenese.
Was das multiethnische „kommende Volk“ (S. 78) vereinen soll, sind aber relativ abstrakte Werte wie Religiösität, Verteidigung der privaten Sphäre der Familie, ein starker Rechtsstaat, der Kampf gegen Transhumanismus und den Great Reset sowie die Bewahrung des Mittelstands, der Energiesicherheit und des Lebensstandards.
Es ist meines Erachtens nicht möglich, eine ethnokulturelle Gemeinschaft aus abstrakten Prinzipien wie „Religiosität an sich“ oder „Familiensinn an sich“ zu formen. Weder Religionen noch Familien existieren auf einer abstrakten, ahistorischen Ebene. Die Solidarität mit der eigenen Familie führt oft zum erbitterten Konflikt mit anderen Familien. Zwei Religionen mögen in ihrer Kritik an der Moderne und der woken Ideologie übereinstimmen. Diese Analogien ermöglichen aber keine Fusion! Im Gegenteil: Je authentischer die Religiösität, desto schwieriger gestaltet sich die Koexistenz. Eine Metapher macht den Irrtum Kießlings deutlich. Es mag sein, daß auf einem Schachbrett die weiße und die schwarze Dame viel gemeinsam haben. Gerade das macht sie aber zu den schärfsten Gegenspielern! Welche abstrakte „Religiosität“ soll einen süddeutschen Katholiken mit einem nordafrikanischen Moslem vereinen? Welche abstrakten „familiären Werte“ können aus völkischen Siedlern in Sachsen und dem Remmo-Clan ein Protovolk formen? Gerade ein Zerfall großer Staatsvölker in kleinere Stämme, wovon Kießling ausgeht, würde zu einer starken Retribalisierung führen. Herkunft würde sogar wichtiger als bisher. Ein Stamm ist, verglichen mit einem Staatsvolk, äußerst exklusiv.
Kießlings Vorschlag zur Stiftung eines neuen Mythos bleibt unklar. Er beruft sich auf die „ewigen Quellen des Daseins“, die man „neu erschließen“ müsse. (S. 75) Das „substantiell Ewiggültige“ müsse in „neue Gestalt übersetzt“ (S. 76) werden, um die „Urquellen des Seins auf neue Weise zu mobilisieren“ (S. 72). An anderer Stelle kritisiert der Autor selbst eine programmatische Herangehensweise und schlägt lediglich eine Sammlung all jener vor, die für einen „gemeinschaftsbildenden Mythos empfänglich sind“. (S. 73) Der Mythos müsse sich dann von selbst einstellen. Doch dieser mobilisierende und einigende Mythos müßte der Sammlung eigentlich chronologisch vorausgehen! Er ist doch gerade der starke Kitt, der diverse Ethnofragmente zum „neuen Volk“ formt. Ich vermute, daß man Ursprungsmythen ebenso wie die dazugehörige Ethnogenese von Völkern nicht willentlich erzeugen kann. Daher kann das auch nicht Bestandteil oder gar Kern einer Strategie sein, die alle rechten Alternativen ersetzen soll.
Ein weiterer Kritikpunkt am „neuen Volk“ ist, daß Kießling stets die „Mühlen der ethnokulturellen Desintegration“ als einen „schicksalhaften Alterungs- und Dekompositionsprozeß“ beschreibt. (S. 40) Nicht nur unser Volk ist betroffen. Die „Auflösung ordnender Substanz“ wird weltweit „nicht zur Ruhe kommen“, „bis all jene Hervorbringungen beseitigt sind, die das Individuum über ein basales Menschsein hinaus erheben“. (S. 60) Diese Gefahr ist in der Tat gegeben. Martin Heidegger warnte vor dem „Gestell“, und bereits Nietzsche sah die „Wüste wachsen“. Doch warum sollte ausgerechnet ein „neues Volk“ diesem Auflösungsprozeß dauerhaft widerstehen können?
Folgte Kießling Evola und anderen Traditionalisten und postuliert ein „Kali-Yuga“ als Weltzeitalter des allgemeinen Verfalls, so bliebe nur die „Apoliteia“. Die Gründung elitärer Ordensgemeinschaften, die esoterische und religiöse Tradition durch den Mahlstrom der Geschichte retten, wäre die (a-)politische Konsequenz. Ein solcher Orden könnte in der Tat multiethnisch sein. Er stellte aber keinesfalls ein „neues Volk“ dar. Eines Tages könnten tatsächlich neue Mythen entstehen und sich Ethnogenesen ereignen. Das ist aber nicht plan- oder berechenbar. Es gilt daher, die konkreten ethnokulturellen und religiösen Traditionen zu bewahren, wiederzuentdecken und wiederzubeleben. Sollten eine politische Wende und kulturelle Renaissance ausbleiben, gibt es einen näherliegenden Alternativplan als die Fusion mit fremden, „barbarischen“ Elementen: Jene Einheimischen, die ihre Kultur erhalten und noch „Volk“ sein wollen, sammeln sich in bestimmten Regionen, um dort ihre religiösen und kulturellen Traditionen zu bewahren und zu erneuern.
Frederic Höfers Ansatz ist weniger ambitioniert als der Kießlings. Er befürchtet, daß in einer Multiminoritätengesellschaft die Einheimischen in der „horizontalen Abwehr anderer Ethnogruppen“ ein „letztes Gefecht als ein Stamm im Getümmel der Stammesfehden führen“ würden. Indes würden „Macher und Machthaber der globalisierten Moderne ihr Projekt unbehelligt vorantreiben“. (S. 106) Diese Befürchtung ist nicht unbegründet. Die Transformation der westeuropäischen National- zu Vielvölkerstaaten kann auch als geopolitische Destabilisierung verstanden werden. Doch Höfers Hoffnung, die kommenden ethnischen Konflikte durch eine „gemeinsame höhere Perspektive“ zu „transzendieren“ (S. 116), halte ich für naiv. Eine Kooperation zwischen Völkern und Zivilisationen, die den American Way of Life, den Transhumanismus und die moderne Welt ablehnen, ist sinnvoll. Das umfaßt natürlich auch eine Beziehung auf Augenhöhe mit der islamischen Welt. Aber daraus folgt nicht, die Islamisierung Europas hinzunehmen und sich kommunitaristisch zu arrangieren. Migrantische Clans verfolgen in Deutschland ein knallhartes Eigeninteresse. Sie pflegen enge Verbindungen zur Heimat und agieren oft, ob als Türke in Deutschland oder Algerier in Frankreich, als deren Fünfte Kolonne. Auch ihr Wahlverhalten ist pragmatisch. Das Phänomen der Progressive Muslim vote zeigt weltweit, daß konservative Moslems in ihren Gastländern mehrheitlich linksliberale, progressive Parteien wählen. Zu Hause bevorzugen sie zeitgleich kulturkonservative, patriotische Parteien. Solange man sie mit deutschem Steuergeld „besticht“ und ihre Parallelgesellschaften nicht behelligt, wählen sie linksliberale, liberalkonservative und grünprogressive Parteien. Auf lokaler Ebene gewinnt man die „ethnische Wahl“, indem man ein beliebtes Clanmitglied aufstellt. Hieraus eine multiethnische, „gruppentranszendierende“ (S. 13) politische Front gegen die moderne Welt schaffen zu wollen, wirkt illusorisch. Angehörige einer islamischen Parallelgesellschaft werden keine Partei wählen, die mit Remigration, abendländischer Leitkultur, Grenzschließung wirbt und eine Reconquista samt Remigration fordert. Sollen FPÖ und AfD all diese Forderungen aufgeben, um für die ethnische Wahl attraktiv zu werden?
Höfer behauptet, die Mehrheit der Muslime „bestreiten weder die Existenz des deutschen Volkes, noch möchten sie dieses auflösen“ und seien keine Ursache für „deutsche Schuldkultur und deutschen Ethnomasochismus“. (S. 79) Dagegen ist auf eine neue, politisierte Generation an Migranten zu verweisen – von Sarah Lee Heinrich bis zu Sawsan Chebli. Junge, oft muslimische, antideutsche Afroaraber spielen bereits virtuos auf der Klaviatur des deutschen Schuldkults. Höfer begrüßt die Resilienz der fremden Enklaven gegenüber der westlichen Ideologie, ihren Kinderreichtum und starke Familienbande. Doch ist es wirklich begrüßenswert, daß identitätslose, kinderarme, woke Indigene von „hyperidentitären“, religiösen, nationalistischen Einwanderern verdrängt werden? Länder wie Japan und Ungarn, die unter ähnlichen Symptomen leiden, haben Zeit und Raum, sie zu überwinden.
Uns raubt eine demographische und kulturelle Überfremdung genau das. Sichtbar schadet die Überfremdung auch der heimischen Geburtenrate. Ein zentraler Entscheidungsgrund gegen Kinder ist für Einheimische mittlerweile die Angst, keine geeignete Schule zu finden. Wer will schon in einem islamisierten Stadtviertel seine Kinder großziehen? Von muslimischen Parallelgesellschaften wird sicher kein „traditionalistischer Lebensfunke“ auf unser Volk übergehen – es sei denn, Höfer meint damit die Konversion zum Islam. Die ethnische Fragmentierung Europas mag geopolitisches Kalkül fremder Mächte sein. Daraus folgt aber nicht, daß wir sie als Schicksal hinnehmen müssen oder uns mit der Islamisierung verbünden können.
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Der Abgesang auf das Abendland von Kießling und Höfer ist meiner Ansicht nach verfrüht. Die Lage ist ernst, manchem mag sie gar als hoffnungslos erscheinen. Doch es gibt auch viele Gründe, die für die Möglichkeit einer Reconquista und einer Remigration sprechen. Denn Demographie ist kein Schicksal, sondern immer das Ergebnis von Politik!
Kießling zieht oft Vergleiche zum alten Rom. Der Untergang des Weltreichs, das den Einbruch fremder Barbarenstämme nicht mehr abwehren konnte, ist mit dem politisch gewollten Bevölkerungsaustausch in Europa jedenfalls nicht zu vergleichen. Länder wie Ungarn und Japan, die sich in einer vergleichbaren Lage befinden, widerlegen die Alternativlosigkeit einer „ethnischen Desintegration“. Wenn Höfer feststellt, daß der demographische Kippunkt in vielen westlichen Großstädten überschritten ist, hat er recht. Doch solange das nicht für ganz Deutschland der Fall ist, tut das nichts zur Sache. Ein AfD-Bürgermeister in einer sächsischen Stadt macht auch nicht ganz Deutschland patriotisch. Solange auf Bundesebene eine Migrationswende erreicht werden kann, kann auch die Überfremdung in westlichen Metropolen langfristig abgebaut werden.
Wo liegt der demographische Kipppunkt, ab dem eine politische Wende nicht mehr möglich ist? Statt dem Bauchgefühl zu folgen, sollten wir Zahlen heranziehen. Entscheidend ist nicht die Anzahl der Migranten, sondern vor allem ihr Anteil am Elektorat. Bei der letzten Bundestagswahl machten sie 13,28 Prozent der Wahlberechtigten aus. (2013 waren es noch neun Prozent gewesen). Wenn ein Drittel des Wahlvolks aus nicht assimilierten Migranten besteht, ist meiner Ansicht nach der Point of no return unumkehrbar erreicht. Bis dahin bleibt noch Zeit. Je nach Wachstum des Migrationsanteils handelt es sich um drei bis sechs Wahlperioden, also zwölf bis 24 Jahre. Masseneinwanderung und -einbürgerungen können diesen Prozeß beschleunigen. Denn nur 36 Prozent der Migranten im wahlfähigen Alter besitzen derzeit die deutsche Staatsbürgerschaft. Eine „demographische Bombe“, die, wenn sie gezündet würde, den Faktor der ethnischen Wahl schlagartig vervielfachte.
Gleichzeitig machen europäische Migranten immer noch einen großen Teil des migrantischen Wählerblocks aus. Rußlanddeutsche in der BRD sowie Serben und Kroaten in Österreich wählen im Schnitt rechter als die Einheimischen. Auch sind die nichteuropäischen afroarabischen Clans untereinander heillos zerstritten und weit davon entfernt, eine Einheit zu bilden. All das sind Faktoren, die eine Politik der Remigration begünstigen. Diese ist keine „kalte Bürgerkriegsposition“, wie Frederic Höfer sagt (S. 55). Auf einen langen Zeitraum ausgelegt, wird eine Remigration rechtsstaatlich, geordnet und würdevoll ablaufen. Assimilierte Migranten und integrierte europäische Communities könnten sogar zu wichtigen Befürwortern einer Migrationswende werden. Eine „große Heimkehr“ der Illegalen in Verbindung mit echter Hilfe vor Ort könnte dazu Migrationsursachen teilweise bekämpfen.
Der Bevölkerungsaustausch in Europa ist kein Zufall und kein Schicksal. Er ist das Ergebnis einer spezifischen Bevölkerungspolitik, zu der es viele Alternativen gibt. Mit der Behauptung, sie als schicksalhaft anzuerkennen, stößt Kießling (S. 75) ins Horn der Globalisten. Weder die Ersetzungsmigration noch der Multikulturalismus sollten als „naturnotwendig“ dargestellt und damit der Debatte entzogen werden. Der Bevölkerungsaustausch wäre schließlich ohne massive Zensur, Diskurssteuerung und politische Verfolgung seiner Kritiker nicht in der jetzigen Form durchführbar. Seine Legitimationsbasis ist die herrschende, antideutsche Identitätspolitik. Aus dieser bizarren Mischung von Leugnung der ethnokulturellen Identität einerseits und einem geradezu „völkischen“ Schuldkult andererseits folgt die demographische Selbstauflösung. Zugespitzt könnte man sagen: Die Völker Europas sterben nicht an Altersschwäche oder einer unheilbaren Krankheit – sie werden politisch ermordet. Umfragen ergeben regelmäßig überwältigende Mehrheiten für Grenzschließungen und Rückführungen, gegen Islamisierung und Überfremdung. Die Aufgabe rechter Intellektueller besteht nicht in voreiligen Grabreden, sondern in der politischen Bewußtseinsbildung und Mobilisierung dieser schweigenden Mehrheit. Statt den Bevölkerungsaustausch zu verwalten, gilt es, selbst patriotische Einwanderungspolitik zu gestalten!
Migrationsbewegungen, selbst wenn sie ganze Völker umfaßten und Reiche überrollten, führten nicht notwendig zu bleibenden Veränderungen. Selbst lang währende fremde Landnahmen konnten immer wieder rückgängig gemacht werden. Als leuchtendes Beispiel ragt für uns Europäer die spanische Reconquista aus der Geschichte. Im achten nachchristlichen Jahrhundert begann mit der Schlacht bei Covadonga 722 ein jahrhundertelanges, zähes Ringen mit den moslemischen Besatzern, das mit der Befreiung Granadas durch die Truppen der Königin Isabella I. von Kastilien und León und des Königs von Aragón, Ferdinand II., im Jahre 1492 endete. Das entscheidende Kriterium für die Rückeroberung des Eigenen war die geistige Disziplin, ein unbeugsamer, durch nichts zu erschütternder Wille zur Reconquista. Völker, die den Glauben an eine Wende kollektiv aufgaben und sich mit dem Unrecht arrangierten, konnten nie wieder die nötige Spannkraft für einen Befreiungsschlag aufbauen. Nach der Eroberung Spaniens gab es sicherlich viele, die diese als unumkehrbar und „schicksalhaft“ deuteten. Hätte man den Spaniern nach der Schlacht von Covadonga gesagt, daß eines Tages die gesamte iberische Halbinsel wieder europäisch und christlich sein werde, hätte einige wohl ebenso ungläubig den Kopf geschüttelt, wie es Frederic Höfer und Simon Kießling heute tun. Nur weil diese Stimmen sich nicht durchsetzten, ist die Kathedrale von Córdoba heute keine Moschee.