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Haßerfüllt und menschenverachtend

Von Mag. Wolfgang Dvorak-Stocker

„Zu viele Ausländer in Deutschland, und das muß sich ändern!“ Solche Aussagen habe ich als Jugendlicher oft gehört: Zu Anfang der 1980er Jahre, als die „Ausländer“ vor allem noch Türken waren und Gastarbeiter hießen. Auch ungustiöse rassistische Witze haben die bundesdeutschen Jugendlichen, mit denen ich sprach – samt und sonders CDU- oder SPD-Anhänger –, von sich gegeben. In der Art: „Was ist der Unterschied zwischen einem Unglück und einer Katastrophe? Ein Unglück ist es, wenn ein Schiff mit 1000 Türken sinkt, eine Katastrophe ist es, wenn alle gerettet werden.“

Daran mußte ich denken, als vor einigen Monaten betrunkene Jungdeutsche im schicken Kampen „Ausländer raus!“ sangen. Nicht wenige von ihnen werden vor einigen Jahren Grün gewählt haben, weil es „in“ war.

Damals, vor mehr als 40 Jahren, hat sich wohl niemand vorstellen können, wie das Land heute aussieht. Die Parteien, denen die damaligen Jugendlichen „noch eine Chance geben“ wollten, und die mit ihnen verbündeten Massenmedien haben den heutigen Zustand sehenden Auges, willentlich herbeigeführt.

Saskia Eskens Aussage, aus dem Messermassaker beim „Fest der Vielfalt“ in Solingen nichts lernen zu können, war daher zumindest eines: ehrlich. Auch aus 1000 islamistischen Anschlägen bei 1000 „Festen der Vielfalt“ würde das politisch-mediale Establishment in Deutschland nichts lernen. Wenn Herr Scholz oder Herr Merz das Gegenteil verkündet, ist es nur gelogen. Seit Jahrzehnten werden in Vorwahlzeiten strengere Zuwanderungskontrollen, mehr Abschiebungen und ähnliches gefordert und versprochen. In Vorwahlzeiten. Danach herrscht Funkstille. Wer heute noch der CDU „eine Chance geben“ will oder gar der SPD, dem ist wohl nicht zu helfen.

Durch meinen üblen Ruf glauben viele, mir gegenüber aus ihrem Herzen keine Mördergrube machen zu müssen. „Nur a toter Ruß’ is a guter Ruß’!“ hörte ich nicht nur einmal beifallheischend nach dem Angriff auf die Ukraine. Mein merkbares Entsetzen hat die Gesprächspartner verunsichert, aber nicht zum Nachfragen gebracht.

Menschenverachtende, rassistische Äußerungen habe ich da und dort zwar auch von sogenannten Rechten gehört, weit öfter aber von Leuten, die sich im immer noch warmen Gefieder der Systemparteien geborgen fühlen. Und das ist wohl auch der Grund, warum die Lüge des politisch-medialen Establishments von der angeblichen „Geheimkonferenz“ in Potsdam, bei der „Deportationspläne“ von Martin Sellner verbreitet worden wären, weithin geglaubt wurden. Ich kenne (leider) viele Menschen, die zwar politisch korrekt wählen, im Grunde ihres Herzens aber haßerfüllt und ausländerfeindlich sind. Sie alle schließen „messerscharf“: „Wenn ich schon so empfinde, um wieviel haßerfüllter muß ein Martin Sellner sein!“ Die Wahrheit ist jedoch: Mit Martin Sellner und anderen führenden „Identitären“ saß ich in den letzten Jahren oft privat und sehr privat an einem Tisch, sie mußten „kein Blatt vor den Mund nehmen“, und auch die Zunge lösender Alkohol wurde bei diesen Gelegenheiten reichlich genossen. Haßerfüllte Aussagen, rassistische Aussagen, ausländerfeindliche Aussagen habe ich dabei aber nie vernommen. Das habe ich vor einigen Jahren (als man solches noch schreiben durfte) auf Facebook deutlichgemacht. Geglaubt hat man mir nicht, mich sogar der Lüge bezichtigt. Nur: Eine Lüge war es eben nicht. Martin Sellner ist, soweit ich das beurteilen kann, alles andere als haßerfüllt oder rassistisch, er sieht und analysiert nur die Zukunft, auf die wir uns zubewegen, klarer als andere. Das gilt auch für Björn Höcke, den ich zwar nur zweimal im privaten Rahmen traf und der als gewiefter Politiker sicher genau überlegt, wann und wem gegenüber er welche Aussagen trifft. Aber auch bezüglich Björn Höcke gilt mein persönlicher Eindruck: Haßerfüllte oder rassistische Aussagen habe ich von ihm nie gehört, nur von Wählern der Systemparteien.

Das gibt zu denken, was die Zukunft betrifft. Ein kluger Mann hat gesagt, der Nationalsozialismus habe die platonische Idee des Staats verwirklicht – auf das Niveau des 20. Jahrhunderts heruntergebrochen. Was steht uns bevor, wenn wir nicht auf Persönlichkeiten wie Sellner und Höcke hören, sondern darauf warten, daß sich der Haß und das Ressentiment der Wähler der leider immer noch mehrheitsbeschaffenden Parteien CDU und SPD, ÖVP und SPÖ Bahn brechen? Die platonische Idee des Staats auf das Niveau des 21. Jahrhunderts heruntergebroch

 
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