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Wilhelm von Habsburg, König der Ukraine

In der Ukraine wurde Erzherzog Wilhelm „Wasil Wyschywanij“, also: „der Bestickte“, genannt, weil er gern im bunten ukrainischen Bauernhemd auftrat.
1895 in Pola geboren, verstarb Erzherzog Wilhelm 1948 in Kiew an einer unbehandelten Lungentuberkulose, wegen seiner Tätigkeit für den britischen und französischen Geheimdienst zu 25 Jahren Haft verurteilt. Im letzten Jahr wurde ihm zu Ehren sogar eine Oper geschrieben, die am 1. Oktober 2021 im ostukrainischen Charkiw uraufgeführt wurde. Die Musik hat Alla Zahaykevych geschrieben, das Libretto der berühmte Charkiwer Schriftsteller Serhiy Zhadan. Karl von Habsburg-Lothringen, der als großer Unterstützer der Ukraine auftritt, war bei der Premiere allerdings weder persönlich noch durch eine offizielle Vertretung anwesend.
Der ukrainische Großgrundbesitzer und kaiserlich-russische General Pawlow Petrowitsch Skoropadsky war der antibolschewistische Gegenspieler Erzherzog Wilhelms.

Von monarchischen Plänen am Ende des Ersten Weltkriegs in Osteuropa

Obwohl die Ukraine einer der größten Staaten Europas ist, waren sie und ihre Geschichte bis zum Angriff Putins im Februar 2022 auch den meisten Deutschen nur schemenhaft im Bewußtsein. Ein Land, das sich in einer Volksabstimmung im Jahr nach dem Ende des „Eisernen Vorhangs“ mit rund 90 Prozent für die Trennung von der Sowjetunion und die Souveränität ausgesprochen hatte. Diese Einigkeit gab es in der Geschichte der Ukraine kein zweites Mal. Und damit sind wir bei dem Problem: Gibt es überhaupt eine ukrainische Nation? Ist die Taufe der Kiewer Rus im Jahr 988 die Geburtsstunde der Ukraine, wenn auch Rußland diesen Anlaß als die Gründung des russischen Reiches der Waräger feiert? Ist die ukrainische Sprache nur ein Dialekt des Russischen? Sind die Ukrainer, die jahrhundertelang dem Zarenreich angehörten, am Ende nur die „Kleinrussen“, wie sie oft bezeichnet wurden? In sich ist das Land zudem in zahlreiche ethnische Gruppen gegliedert, der Osten ist mehrheitlich russisch-orthodoxen Glaubens, während die Menschen im Westen der mit der römisch-katholischen Kirche unierten „griechisch-katholischen Kirche“ angehören.

Von Mag. Heinz-Siegfried Strelow

Der erste unabhängige ukrainische Staat entstand während des Ersten Weltkriegs. Nachdem die Mittelmächte erfolgreich die russische Armee zurückgedrängt hatten, bildete sich nach der Februarrevolution in Kiew eine „Zentralna Rada“, die am 25. Januar 1918 eine Ukrainische Volksrepublik ausrief und im „Brotfrieden“ von Brest-Litowsk von Deutschland und Österreich-Ungarn anerkannt wurde. Wenig später eroberten bolschewistische Truppen Kiew. Der Krieg kehrte zurück in die Ukraine, und mit ihm die Frage der künftigen staatlichen Ordnung. Auch ein Königreich stand zur Disposition – und es stand auch ein Thronanwärter aus dem Hause Habsburg bereit. Wilhelm Franz von Habsburg-Lothringen wurde am 10. Februar 1895 als das sechste Kind des k. u. k. Admirals Erzherzog Karl Stephan und der toskanischen Prinzessin Maria Theresia geboren. Seine Namenwahl knüpfte zum einen an den habsburgischen Erzherzog Wilhelm an, der sich 1385 vergeblich um die polnische Königswürde bemüht hatte, und war zum anderen eine Konzession an den deutschen Kaiser Wilhelm II., den der Erzherzog für seine eigenen Ambitionen bezüglich eines künftigen polnischen Königreichs zu gewinnen hoffte. So wurde sein Sohn von Kindesbeinen an auch in der polnischen Sprache unterrichtet – neben Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch.

Der junge Prinz, der nach dem Realgymnasium ab 1909 die übliche militärische Ausbildung absolvierte, zeigte allerdings wenig Begeisterung für Polen. Ihn faszinierten die ruthenische Folklore und der Mythos von den ukrainischen Kosaken mit ihrer Rebellion gegen Polens Adel im 17. Jahrhundert. Wegen seiner Begeisterung für die ukrainische Kultur und Tracht hatte er bald den volkstümlichen Namen „Wasil Wyschywanij“, zu deutsch: „der Bestickte“, bekommen, da er sich gern im bunten ukrainischen Bauernhemd zeigte. Dies war der Nährboden, auf dem später der Gedanke keimen sollte, König der Ukraine zu werden. Diese Frage wurde im Verlauf des Ersten Weltkriegs akut. Als Mitglied des k. k. Herrenhauses, dem er seit 1915 angehörte, unterstützte Wilhelm im Reichsrat die ukrainischen Abgeordneten in ihrem Wunsch nach Autonomie in Galizien. Gleichzeitig arbeitete er ein Konzept zur Umgestaltung der Doppelmonarchie aus. Dieser Plan sah die Schaffung von vier Königreichen vor: Österreich, Ungarn, Böhmen und Polen. Letzterem sollte die Ukraine als eigenständiges Fürstentum angegliedert sein. Der Plan fand die grundsätzliche Billigung seines Cousins Kaiser Karl. So konnte im Brest-Litowsker „Brotfrieden“ auf Betreiben des Habsburgers auch dem ukrainischen Ostgalizien eine gewisse Autonomie zugestanden werden. Langfristig schwebte Karl dessen Vereinigung mit der 1917 ausgerufenen Ukrainischen Volksrepublik zu einem neuen Königreich vor.

In direkter Konkurrenz zu den Habsburgern war mittlerweile aber auch das Deutsche Reich aktiv geworden. Es hatte den ukrainischen Kosaken-Hetman Pawlo Skoropadsky in einem Umsturz gegen die Ukrainische Volksrepublik unterstützt. Aus einer alten Saporoger Kosakenfamilie stammend, hatte der 1873 in Wiesbaden geborene ehemalige zaristische Generalleutnant im August 1917 damit begonnen, während des russischen Bürgerkriegs innerhalb der „Weißgardisten“ im Truppenteil General Kornilows ein ukrainisches Korps aufzubauen. Dieses bot er der „Zentralna Rada“ als Schutztruppe an. Mit deren Politik war der konservative Großgrundbesitzer allerdings nicht einverstanden, und als bolschewistische Truppen in die Ukraine vorstießen, bat er die Mittelmächte um Unterstützung. Am 18. Februar 1918 marschierten deutschen Truppen im Rahmen der „Operation Faustschlag“ in der Ukraine ein.
Der österreichische Kaiser Karl reagierte auf diesen Schritt mit der Bildung einer 4000 Mann starken Militäreinheit namens „Kampfgruppe Erzherzog Wilhelm“. Die in sie inkorporierte „Ukrainische Legion“ firmierte bald unter dem Namen „Ukrainische Sitschower Schützen“ und hatte ihren Aktionsraum vor allem im Süden des Lands. Kaiser Karl beorderte am selben Tag Prinz Wilhelm nach Wien und teilte ihm mit, daß die Truppen sofort gen Osten in Marsch gesetzt würden und Wilhelm deren Kommando zu übernehmen habe. Wilhelm brach Ende März über Odessa zu seinen Truppen auf, die er am 1. April bei Cherson traf.

Sein politisches Ziel war klar: „Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder ein Gegner vertreibt mich und russifiziert, oder ich bleibe und ukrainisiere“, zitierte ihn Timothy Snyder 2009 in seiner Biographie „Der König der Ukraine“: „Wilhelms Politik ähnelte der von Nationsgründern zu allen Orten und allen Zeiten: Fördermaßnahmen, Pressepropaganda und Geschichtsromantik. Beamte suchte er nach Volkszugehörigkeit aus. Mittels der Presse verbreitete er die Botschaft von der Volksbefreiung, und er gründete eine Zeitung, die die Sache der ukrainischen Nation vertrat.“ Vor allem beließ er es bei der 1917 durchgeführten Bodenreform und Enteignung von Großgrundbesitzern, was ihn bei der Landbevölkerung außerordentlich populär machte; er galt als „eine Art königlicher Robin Hood“.
Die beiden Mittelmächte errichteten Gouvernements, wobei Deutschland den Norden, Österreich den Süden verwaltete und sich beide den Hafen Odessa offenhielten. In Kiew, das sich im deutschen Einflußbereich befand, wurde am 29. April 1918 die Regierung der Volksrepublik aufgelöst und ein „Hetmanat“ ausgerufen, an dessen Spitze Skoropadsky trat.

Prinz Wilhelms Politik stand der des adligen Kosakenführers diametral entgegen. Die deutschen Behörden fürchteten, Wilhelm erstrebe den Thron einer unabhängigen Ukraine und wolle Nachfolger des Hetmans werden. „Die Deutschen waren überrascht über die Bedrohung, die Wilhelm nun darstellte. Er war ein roter Prinz, ein Mitglied der herrschenden Klasse, das den revolutionären Moment nutzte, um eine radikale Gesellschafts- und Nationalpolitik durchzusetzen. […] Der Bolschewismus war keine Überraschung. Aber auf einen Monarchismus der Linken waren die Deutschen nicht gefasst, nicht auf einen Habsburger, der zumindest in kleinem Maßstab das brachte, was die Bolschewiken einem kriegs- und besatzungsmüden Land versprachen: Grund und Boden, Frieden und nationale Freiheit“, so Timothy Snyder.
Am 8. August traf Wilhelm im Hauptquartier der deutschen Obersten Heeresleitung in Spa ein, wo ihn Kaiser Wilhelm II. empfing. Dieser beschrieb den Prinzen später als „frischen, jungen Herrn“, der sich angenehm von vielen anderen Mitgliedern des Hauses Habsburg unterscheide. Seine ukrainischen Pläne fanden denn auch die Unterstützung des deutschen Kaisers. Nur einen Monat später machte auch Hetman Skoropadsky seine Aufwartung bei dem deutschen Kaiser und drängte ihn, Prinz Wilhelm zu bewegen, die Ukraine zu verlassen. „Wilhelms Anwesenheit in der Ukraine könne zum Sturz des Hetmanats beitragen und im ganzen Land zu Chaos führen. Wilhelms Rückkehr wäre ein tödlicher Schlag für den Hetman“, betonte Timothy Snyder.

Die für die Mittelmächte aussichtslose Lage auf dem westlichen Kriegsschauplatz richtete dann auch über die beiden ukrainischen Freiheitskämpfer. Wilhelm, der in die Ukraine zurückgekehrt war, gelang auf abenteuerliche Weise die Flucht vor polnischen Nationalisten, wobei er sich zeitweise als Mönch im ostgalizischen Kloster Buchach verbarg. Skoropadsky wiederum rettete sich als Arzt verkleidet mit einem Zug, der deutsche Verwundete in die Heimat brachte. 1919 engagierte sich Wilhelm für die Ukrainische Volksrepublik und hatte im Kiewer Außenministerium die Abteilung für Außenbeziehungen inne, bis er im April 1920 aus Opposition zum ukrainischen Friedensschluß mit Polen das Land verließ und nach München ins Exil ging. Und auch der kurze Frühling der ukrainischen Souveränität hatte ein rasches Ende. Im Osten und im Zentrum des Landes wurde 1922 die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik als Teil der Sowjetunion gegründet, während Galizien und Wolhynien an Polen, die Bukowina an Rumänien und die Karpaten an die Tschechoslowakei fielen.

 

1922 fielen Galizien (die Region von Lemberg/Lviv) und Wolhynien an Polen, Transkarpatien an die Tschechoslowakei sowie die Bukowina mit dem Hauptort Czernowitz/Tscherniwzi an Rumänien. Später kehrten die mehrheitlich ukrainisch besiedelten Teile Wolhyniens, Galiziens und der Bukowina sowie Transkarpatien wieder zur sozialistischen Sowjetrepublik Ukraine zurück. Die Krim wurde erst 1954 von Chruschtschow der Ukraine angegliedert.

Deutsche Prinzen als „Fürstenexport“ gen Osten

Die Planspiele um ein Königreich Ukraine waren nicht die einzigen in den letzten Jahren des Ersten Weltkriegs. Das Deutsche Reich gedachte, einen regelrechten Ring von nordosteuropäischen Pufferstaaten zwischen seinem und dem russischen Territorium zu schaffen. Zu ihnen zählten neben dem erwähnten Hetmanat der Ukraine das Königreich Polen, das Königreich Litauen, das „Vereinigte Baltische Herzogtum“ und das Königreich Finnland. Als Landesherren waren deutsche Prinzen vorgesehen.
Nachdem das vom Zarenreich eroberte Polen im Spätsommer 1915 in ein deutsches und ein österreichisches Generalgouvernement aufgeteilt worden war, hatte es seitens der Doppelmonarchie Überlegungen gegeben, Erzherzog Karl Albrecht von Habsburg-Altenburg als polnischen König ins Spiel zu bringen. Zumal der Sohn des Erzherzogs Karl Stephan fließend Polnisch sprach und auf entsprechende Ambitionen vorbereitet war. Dem kam der deutsche Kaiser Wilhelm II. zuvor, indem er am 5. November 1916 die Gründung eines „Regentschaftskönigreichs“ Polen bekanntgab. Ein König wurde allerdings nicht benannt, der Landesrat blieb machtlos, die Grenzen waren nicht genau definiert, und so blieb das Ganze ein Konstrukt, das 1918 sang- und klanglos unterging.

Bei den Polen sorgte zudem für Verbitterung, daß mit deutscher Unterstützung der litauische Staatsrat, die Taryba, am 16. Februar 1918 die Unabhängigkeit des Landes verkündete. Sie wählte am 4. Juni 1918 den württembergischen Grafen Wilhelm Karl von Urbach zum König, dem man – in Fortführung der Tradition des ersten litauischen Königs Mindaugas – den Namen Mindaugas II. gab. Der Graf nahm die Krone auf Anraten der deutschen Reichsregierung allerdings nicht an. Am 2. November 1918 widerrief die Taryba ihre Entscheidung.
Am weitesten gediehen war das finnische „Königsabenteuer“, wie es Anders Hulden in seiner Biographie des hessischen Prinzen Friedrich Karl bezeichnete. Finnland, das seit 1809 als Großfürstentum zum Zarenreich gehörte, hatte am 6. Dezember 1917 seine Unabhängigkeit erklärt. Der Streit darüber, ob das Land Republik oder Monarchie würde, verband sich mit einem blutigen Bürgerkrieg zwischen „Roten“ und „Weißen“, in den schließlich die deutsche Ostseedivision unter General Rüdiger v. Goltz eingriff. Er und der weiße Führer, der ehemals zaristische General Carl Gustav v. Mannerheim, errangen den Sieg, und am 15. Mai 1918 wählte das finnische Parlament Pehr Evind Svinhufvud zum Reichsverweser. Eine finnische Delegation traf Anfang September den hessischen Prinzen Friedrich Karl, Sohn des letzten Landgrafen von Hessen (der 1866 im preußisch-österreichischen Krieg seinen Thron verloren hatte), in seiner Frankfurter Stadtwohnung. Der Prinz sagte zu, die Krone anzunehmen, wenn ihm die Garantie gegeben würde, daß seine Wahl im finnischen Parlament eine sichere Mehrheit finde.

Am 9. Oktober trat der finnische Landtag zusammen und stimmte mit 58 gegen 44 Stimmen für die Wahl des Königs. Die Bevölkerung Helsinkis reagierte mit Freudenstimmung, und der deutsche Gesandte Brück telegraphierte nach Berlin: „Stadt reich beflaggt. Allgemeine Zufriedenheit über Königswahl. Auf dem Senatsgebäude weht neue Fahne mit Königskrone.“ Die allgemeine Entwicklung auf dem europäischen Kriegsschauplatz machte es Friedrich Karl allerdings unmöglich, sein Reich zu betreten. Die Westmächte ließen Finnland auch sofort wissen, daß sie einen deutschen Prinzen nicht als finnischen König anerkennen würden. Die deutsche Niederlage und der Rücktritt des Kaisers am 9. November machten alle monarchistischen Hoffnungen zunichte, und am 14. Dezember 1918 erklärte Friedrich Karl seinen Verzicht auf die finnische Krone.

Das kurzlebigste osteuropäische Staatsprojekt war das „Vereinigte Baltische Herzogtum“, in dem Lettland und Estland unter Führung der deutschen Ritterschaft zusammengefaßt werden sollten. Dieser Staat fand im September 1918 den Segen Kaiser Wilhelms II., und am 5. November rief die Livländische Ritterschaft in Riga das Herzogtum aus. Seine Krone wurde Adolf Friedrich von Mecklenburg angetragen. Der Mecklenburger war seit 1912 Gouverneur der Kolonie Togo gewesen und befand sich bei Kriegsausbruch gerade auf Heimaturlaub, entging also der Internierung durch die Ententemächte, die rasch die kleine afrikanische Kolonie eroberten. Zunächst war Adolf Friedrich Aspirant auf den finnischen Königsthron, worin er auch vom späteren Reichskanzler Prinz Max von Baden und dem populären Asienforscher Sven Hedin öffentlich unterstützt wurde. Allerdings war er für den Kaiser kein geeigneter Kandidat. Auch er betrat sein Großherzogtum nie und verzichtete am 28. November auf die Krone.

Im Mai 2021 wurde in Kiew auch ein Denkmal für Erzherzog Wilhelm enthüllt, bedauerlicherweise ebenso ohne Anwesenheit des Chefs des Hauses Habsburg in Person oder durch eine offizielle Vertretung.

Prinz Wilhelms Ende

Im April 1920 hatte Wilhelm v. Habsburg-Lothringen die Ukraine verlassen. Sein weiterer Weg führte von Wien nach München, von wo aus er eine „Ukrainische Befreiungsarmee“ aufzustellen versuchte. Der Vertrag von Rapallo zwischen dem Deutschen Reich und der neu gegründeten Sowjetunion im Jahr 1922 zerschlug diese Pläne. Wilhelm wechselte nach Spanien und Frankreich, wo er ein eher zweifelhaftes Leben im homo- wie heterosexuellen Rotlicht- und Revuemilieu führte, was von der Sensationspresse begierig ausgeschlachtet wurde.

Im Jahr 1935 kehrt er nach Wien zurück, wo er Kontakt mit der „Organisation Ukrainischer Nationalisten“ (OUN) aufnahm. Diese stand in Konkurrenz zur Organisation „Hromada“, in der sich die Anhänger seines alten Konkurrenten Skoropadsky versammelten. Obwohl Wilhelm in Verbindung zum deutschen Außenminister Joachim v. Ribbentrop und dem NS-Ideologen Alfred Rosenberg stand und diese von der Idee einer unabhängigen Ukraine zu überzeugen versuchte, schützte ihn dies nicht vor einer Überwachung durch die Gestapo nach dem „Anschluß“ Österreichs 1938. Bei Ausbruch des Kriegs mit der Sowjetunion 1941 wurden denn auch die in Deutschland lebenden OUN-Führer in Konzentrationslagern interniert, während die Gruppe um Skoropadsky weiter unbehindert auftreten konnte.

In den letzten Kriegsmonaten und danach arbeitete Wilhelm von Habsburg als Spion für westeuropäische Geheimdienste, wobei er Informationen sowohl über das nationalsozialistische Regime wie auch über die Sowjetunion lieferte. Am 26. August 1947 wurde der Erzherzog vor dem Wiener Südbahnhof von KGB-Agenten auf offener Straße entführt, in einen Wagen gezogen und nach Kiew verschleppt, wo ihm der Prozeß gemacht wurde. Das rote Tribunal erkannte ihn für schuldig, „1918 den ukrainischen Thron angestrebt, 1921 die freien Kosaken angeführt und nach dem Krieg dem britischen und französischen Geheimdienst zugearbeitet zu haben“, so Snyder. Das Strafmaß betrug 25 Jahre Haft. Im Krankenhaus des Kiewer Lukjaniwska-Gefängnisses soll Prinz Wilhelm am 18. August 1948 an einer unbehandelten beidseitigen Lungentuberkulose gestorben sein. Seine Grabstätte ist unbekannt.

 
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