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Die grüne Lüge

Von Mag. Wolfgang Dvorak-Stocker

The Green Lie ist ein Film von Werner Boote (dem Macher von „Plastic Planet“), in dem er die grünen Lügen der Konzerne widerlegen will, die Behauptung, wir müssten nur die richtigen Produkte kaufen, um die Erde zu retten. Tenor: Nachhaltigkeit ist nur ein Schlagwort, die Konzerne betreiben „Green-Washing“, um die Konsumenten zu beruhigen und mehr ihrer teureren Produkte zu verkaufen. Das wird an einigen wenigen Beispielen exemplifiziert, den größten Raum nimmt das Palmöl ein, das sich in den meisten industriellen Lebensmitteln findet, von Schokolade bis hin zu Nudeln. Und da hat er, ohne Frage, recht: Nachhaltiges Palmöl gibt es nicht, die Palmölproduktion läuft immer auf ein Niederbrennen des Regenwaldes hinaus und hat fatale Auswirkungen auf die indigene Bevölkerung. […]

Werner Boote hat auch recht, dass die Konsumgesellschaft, die immer alle Waren günstig verfügbar halten will, systemimmanent zu einer Umweltkatastrophe führen muss. Dennoch weist der Film in die falsche Richtung. Da verkündet ein Noam Chomsky, dass nicht nur die Macht der multinationalen Konzerne gebrochen werden muss, sondern die Macht aller Konzerne, ja aller Hierarchien! Und am Ende des Films sieht man, dass Boote seine Hoffnung auf die Zivilgesellschaft, auf die NGO’s und Demonstrationen setzt. „Kapitalismus zerstören, nicht das Klima“, lautet der Slogan der vor die Kamera gehaltenen Plakate. Doch ist wirklich der Kapitalismus schuld? Waren es nicht die sozialistischen Staaten, die die größten Umweltkatastrophen verursachten, das Waldsterben in Mitteleuropa etwa oder die völlige Vernichtung des viertgrößten Sees der Welt, des Aralsees in der Sowjetunion? […] Was also ist die Lösung?
Sie wird in der Mitte des Films von einem amerikanischen Professor angedeutet: Es kann nicht sein, sagt er, dass die Frage einer ökologisch und sozial vertretbaren Produktionsweise der Kaufentscheidung der Konsumenten überlassen bleibt. Dies sicherzustellen, sind die Staaten da. Recht hat er! „Markt, Arbeitsteilung, Kommerzialisierung, Konkurrenz, ökonomische Rationalität – sie haben mit anderen Dingen gemein, dass es für ihre Anwendungen ein Optimum gibt, von dem ab der Schaden den Nutzen zu übersteigen beginnt“, schreibt Erik Lehnert in der „Sezession“ vom Februar 2018. Die Nationalstaaten sind gefordert – und die EU wäre es, wenn sie nicht schon längst die Beute der multinationalen Konzerne geworden wäre. […] Wenn es nun eine von den USA ausgehende Bewegung gegen den unbeschränkten Freihandel gibt: Gut so! Denn auch für den Freihandel gilt das oben gesagte: Es gibt ein Optimum, bis zu dem er wohlstandsvermehrend wirkt und ab dem er mehr schadet als nutzt. […] Das Konzept der ökosozialen Marktwirtschaft, einst propagiert von Vizekanzler Josef Riegler, wäre hier ähnlich zielführend, wie in den 1950er Jahren die soziale Marktwirtschaft die Armutsfrage lösen konnte. Schade, dass diese richtige Idee zu einem bloßen Mobilisierungsslogan für ÖVP-Funktionäre verkommen ist. Sie wäre geeignet, ein neues Paradigma zu begründen, auf das sich die verschiedensten Parteien von Grün bis Blau einigen könnten und zugleich beinhaltet sie den einzigen funktionierenden Schlüssel für einen nichtkatastrophischen Umbau unseres Wirtschaftssystems hin zu einer tatsächlich nachhaltigen, nicht umwelt- und naturzerstörenden Produktionsweise!“

 
Neue Ordnung, ARES Verlag, A-8010 Graz, EMail: neue-ordnung@ares-verlag.com