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2021 ist für die Völker an der Ostsee ein Jahr der Erinnerungen. 1621, 1721 und 1991 spielen sich in dieser Region Ereignisse von weitreichender Bedeutung ab. Vor 400 Jahren schickt sich Schweden an, die alleinige Ostseeherrschaft und darüber hinaus die Stellung einer europäischen Großmacht zu erringen, büßt aber genau ein Jahrhundert später beides wieder ein. 1721, mit dem Ende des Nordischen Kriegs, stößt Rußland im Zuge der westwärts gerichteten Politik Zar Peters des Großen erstmals auf breiter Front zur Ostsee vor und baut die gewonnene Stellung nach und nach weiter aus, bis hin zur absoluten sowjetischen Dominanz in den Jahrzehnten nach 1945. 1991, mit dem Zusammenbruch des europäischen Kommunismus, ändern sich jedoch auch an der Ostsee die politischen Verhältnisse grundlegend: Nicht nur die Ukraine und Weißrußland, sondern auch alle drei baltischen Staaten werden unabhängig, und Rußland verliert außerdem seinen Einfluß auf die südliche Ostseeküste, den es bis dahin über seine mitteleuropäischen Satellitenstaaten, Polen und die DDR, ausübte. Die Russen sehen sich damit auf ihre frühneuzeitliche Ausgangsposition zurückgeworfen.
Von Dr. Ulrich March
Für den Ostseeraum bedeutet dies das Ende eines historischen Ausnahmezustands. Die Region ist geographisch stark gegliedert, durch Inseln und Meeresbuchten, Haffs und Förden. Das hat die Entstehung und Entwicklung kleinerer Völker und Staaten begünstigt, unter denen nach Gebietsgröße und Bevölkerungszahl zunächst nur Schweden etwas herausragt; Polen, Deutsche und Russen haben ursprünglich keinen Anteil an der Ostseeküste. Die Ostseeregion steht zunächst und zumeist auch späterhin im Zeichen eines polyzentrischen Mächtesystems, das weder durch einen der Anliegerstaaten noch von außen her in Frage gestellt wird.
An der Südküste der Ostsee siedeln wie im gesamten östlichen Mitteleuropa seit dem 6./7. Jahrhundert kleinere slawische Völker, in Ostholstein die Wagrier, in Mecklenburg Abodriten und Lutizen, in Vorpommern die Ruanen und in Hinterpommern Pomoranen und Kaschuben, östlich davon die Pruzzen, die nicht der slawischen, sondern der baltischen Völkerfamilie angehören. Im südlichen und mittleren Baltikum sind Litauer, Letten, Liven und Kuren ansässig, von denen die beiden letzteren im Laufe der Zeit mit den Letten zusammenwachsen. Südlich und nördlich des Finnischen Meerbusens siedeln Esten und Finnen, die nicht der baltischen, sondern der finno-ugrischen, also einer nicht-indoeuropäischen Völkergruppe angehören. Alle diese Völker bestehen bis heute, werden aber zeitweilig von anderssprachigen Minderheiten beherrscht: die Finnen von den Schweden, Esten und Letten von Deutschen, Litauer von Polen, alle drei baltischen Völker seit dem 18. Jahrhundert außerdem auch von Russen. In Finnland gibt es nach wie vor eine kleine schwedische, in den baltischen Ländern eine große russische Minderheit. Übersichtlicher stellten und stellen sich die Verhältnisse an der westlichen Ostseeküste dar. Seit den Zeiten der indoeuropäischen Wanderung sind hier nur zwei Völker ansässig, Schweden und Dänen. Allerdings ist das dänische Siedlungsgebiet zunächst etwas größer als heute; es umfaßt bis Beginn des 13. Jahrhunderts auch den Landesteil Schleswig des heutigen Bundeslandes Schleswig-Holstein, noch bis ins 17. Jahrhundert hinein auch die Gebiete östlich des Öresunds, also den äußersten Süden Schwedens.
Ungeachtet dieser Vielfalt gibt es von Anfang an auch Gemeinsames. Verbindend wirken vor allem das Meer und die mit ihm gegebenen Möglichkeiten des Verkehrs und des Handels. Auch ursprüngliche Binnenstaaten, die diese Möglichkeiten nutzen möchten, streben daher einen Zugang zur Ostsee an und errichten dann als erstes einen Hafen, wie die Gründung von St. Petersburg durch Peter den Großen oder der schnelle Ausbau des Fischerdorfs Gdingen zum polnischen Haupthafen der Zwischenkriegszeit zeigen. Noch die DDR faßt ihr Küstengebiet administrativ zusammen und bemüht sich, die Bezirkshauptstadt Rostock zum „Welthafen“ zu entwickeln. In den Jahrhunderten des Mittelalters verdichten sich nicht nur Handel und Verkehr um die Ostsee herum beträchtlich, die Anrainer kommen einander und zugleich den übrigen Europäern auch in geistig-kultureller Hinsicht näher. Ursächlich dafür sind zunächst die seit dem 9. Jahrhundert vom Erzbistum Hamburg-Bremen ausgehende Christianisierung, seit dem 13. Jahrhundert dann die deutsche Ostsiedlung, die Hanse und der Deutsche Ritterorden. Skandinavier, Finnen und Balten wachsen unter deutscher Vermittlung in die Gemeinschaft der abendländischen Völker hinein, und auch in der Folgezeit stehen Nord- und Mitteleuropa in besonders enger Beziehung zueinander.
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Im 13. Jahrhundert werden deutsche Bürger und Adlige auch im mittleren und nördlichen Baltikum, in Estland und Lettland, ansässig, wo sie bis ins 20. Jahrhundert hinein die gesellschaftliche Führungsschicht bilden. Über lange Zeit hinweg steht damit das gesamte Küstengebiet zwischen Flensburger Förde und Finnischem Meerbusen, angesichts der nach Norden hin abnehmenden Siedlungsdichte der mit Abstand bevölkerungsreichste Teil der Küste, unter deutschem Einfluß.
Die Deutschen treten jedoch in politischer Hinsicht nicht einheitlich in Erscheinung, so daß das polyzentrische Mächtesystem erhalten bleibt. Anstelle der früheren slawischen Stammesverbände etablieren sich weitgehend unabhängige deutsche Territorien, nämlich das Herzogtum Schleswig, die Grafschaft Holstein, die Freie Reichsstadt Lübeck und die Herzogtümer Mecklenburg und Pommern, beide zumeist nicht einheitlich, sondern von mehreren Dynastien regiert. Lediglich weiter östlich, auf dem Siedlungsgebiet der Pruzzen, entsteht mit dem Ordensstaat eine stärkere Macht, die schon bald nicht nur die späteren Provinzen West- und Ostpreußen, sondern auch die Mitte und den Norden des Baltikums beherrscht. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts sieht es allerdings zeitweilig so aus, als werde die Zukunft im Ostseeraum den damals weit nach Süden und Osten expandierenden Dänen gehören. Um 1220 erstreckt sich das Königreich Dänemark auch über Schleswig, Holstein, Hamburg, Lübeck, große Teile Mecklenburgs und Pommerns und außerdem über Estland. Kurze Zeit später beendet jedoch eine Koalition norddeutscher Fürsten, der sich auch die Bürger von Hamburg und Lübeck und die freien Bauern der Republik Dithmarschen anschließen, durch ihren Sieg bei Bornhöved (1227) auf einen Schlag die dänische Machtstellung und schafft damit die Voraussetzung für den Aufstieg der Hanse und des Ordensstaats.
Mit der „Goldenen Bulle von Rimini“ hat ein Jahr zuvor der Hohenstaufenkaiser Friedrich II. dem Hochmeister des Ordens, Hermann von Salza, Hoheitsrechte in fast schon absolutistischem Sinn über das noch zu erobernde Gebiet der heidnischen Pruzzen übertragen. Auf diese Ermächtigung gestützt, errichten die Ordensherren, zugleich mönchischen und ritterlichen Idealen folgend, in Preußen und im Baltikum ein Gemeinwesen, das, da dynastische und familiäre Bindungen wegfallen, auf einer abstrakten Dienst- und Staatsidee beruht und insoweit in die Neuzeit weist. Entgegen seinem Auftrag, heidnisches Gebiet zu erobern und zu missionieren, entwickelt der Ordensstaat auch unverblümt weltliche Herrschaftsgelüste und eignet sich längst christianisierte Gebiete im Westen an, nämlich Westpreußen mit Danzig, Teile Hinterpommerns und Ostbrandenburgs, schließlich sogar die Insel Gotland. Nachdem sich das damals von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer reichende Litauen 1386 mit Polen vereinigt hat, gerät der nun von Nordosten, Osten und Süden umklammerte Ordensstaat in die Krise und verliert seine Westgebiete. Der verbleibende Rest, der größte Teil der späteren Provinz Ostpreußen, wird 1525 ein weltliches Herzogtum, das bis 1618 einer Linie des Hauses Hohenzollern untersteht. Die Hanse, zunächst eine Interessenvereinigung norddeutscher Kaufleute, dann ein weitverzweigtes, von Flandern bis Estland reichendes Städtebündnis, dem alle größeren Küstenorte der Nord- und Ostsee, aber auch tief im Binnenland gelegene Städte wie Köln und Breslau angehören, verfolgt nicht politische, sondern wirtschaftliche Ziele. Die Hanse hat daher das im Ostseeraum bestehende polyzentrische Mächtesystem nicht nur nicht beeinträchtigt, sondern eher gestützt; Handel gedeiht nun einmal unter ausgeglichenen und stabilen Verhältnissen am besten. Aus Kriegen hält sich die Hanse daher strikt heraus, es sei denn, es stehen elementare Wirtschaftsinteressen auf dem Spiel, so etwa, als der dänische König Waldemar IV. in den sechziger Jahren des 14. Jahrhunderts die Kontrolle des Öresunds und damit des Handels zwischen Nord- und Ostsee beansprucht. Als die Ostsee im Entdeckungszeitalter in eine geographische Randlage gerät und die europäischen Handelsströme sich auf die Weltmeere verlagern, verliert die Hanse schnell ihre frühere Bedeutung.
Die Hanse hat wesentlich zur wirtschaftlichen und kulturellen Verdichtung im Ostseeraum beigetragen, aber auch dazu, daß die Ostseeländer zu einer eigenständigen Region zusammenwuchsen, die bis ins 20. Jahrhundert in enger Verbindung zu Mitteleuropa stand und heute wieder steht. Seit mehr als sechseinhalb Jahrhunderten gleichen sich Waren und Handelswege: Holz, Pelzwerk und andere Rohstoffe werden nach Süden, Wein, Druckerzeugnisse und Industrieprodukte nach Norden gebracht, etwa über die Bernsteinstraße und die alte Salzstraße, die durch Polen beziehungsweise durch Hessen und Niedersachsen zur Ostsee führen, über den Hamburg mit Nordjütland verbindenden Ochsenweg oder über die großen Städte an den Strommündungen, insbesondere über Lübeck, Danzig und Riga. Die kulturelle Einheit des Ostseeraums fällt jedem Besucher noch heute ins Auge durch die gotische Backsteinarchitektur, die sich im Spätmittelalter von Norddeutschland aus überall verbreitet und immer noch viele Stadtbilder prägt. Verkehrssprache der Region ist bis zum 16. Jahrhundert mittelniederdeutsch, danach bis Mitte des 20. Jahrhunderts neuhochdeutsch. Auch in wissenschaftlicher und religiöser Hinsicht bestehen enge Verbindungen einerseits unter den Ostseeländern, andererseits auch zu Mitteleuropa, insbesondere zu Norddeutschland. Austauschplätze für geistige Güter, für Lehre und Forschung, sind seit dem 13. Jahrhundert die Universitätsstädte Rostock, Greifswald, Lund, Upsala und Dorpat, bis 1945 auch Königsberg. Eine weitere Klammer bilden seit der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts protestantische Lebensformen, denn alle Ostseeländer mit Ausnahme Polens schließen sich, wie der weitaus größte Teil Norddeutschlands, der lutherischen Lehre an. Es entwickeln sich nicht nur vergleichbare Lebensverhältnisse in Kirchengemeinden und Pfarrhäusern, die gemeinsame Grundorientierung auf die Bibel befördert auch die Verbreitung der Schriftkultur.
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Ungeachtet all dieser Gemeinsamkeiten bleibt die politische Vielfalt bis zum 17. Jahrhundert erhalten. 1621 jedoch, vor vierhundert Jahren, beginnt der Aufstieg Schwedens zur Großmacht, mit dem sich erstmals eine Alleinherrschaft im Ostseeraum abzeichnet. Den Auftakt bildet König Gustav Adolfs Feldzug gegen Polen, in dem Schweden die ihm noch nicht gehörenden Teile des Baltikums und der östlichen Ostseeküste gewinnt. Den Anstoß zur Expansion auch in Richtung Süden gibt der Verlauf des Dreißigjährigen Kriegs bis Ende der zwanziger Jahre. 1628 stoßen habsburgisch-katholische Heere zur Ostseeküste und bis Jütland vor; der kaiserliche General Wallenstein, „Admiral des Oceanischen wie auch des Baltischen Meeres“, belagert die Stadt Stralsund, die enge Beziehungen zu Schweden unterhält. Damit geraten nicht nur der Protestantismus, sondern auch die sich anbahnende Ostseeherrschaft Schwedens in Gefahr, und Gustav Adolf entschließt sich aus politischen und religiösen Gründen zu einer Gegenoffensive großen Stils. Daß es ihm nach seiner Landung auf Usedom (1630) nicht nur um die Gegenküste Schwedens geht, zeigt sein spektakulärer Siegeszug durch Deutschland, der die schwedischen Truppen in kurzer Zeit bis Augsburg und München führt. Schweden ringt mit dem Habsburgerreich und Frankreich um die Vorherrschaft in Europa.
Der Westfälische Friede bestätigt 1648 sowohl Schwedens Großmachtstellung als auch seine Alleinherrschaft rund um die Ostsee. Das Königreich, längst im Besitz der gesamten West- und Ostküste, dehnt sich nun auch an der westlichen Südküste aus. Es gewinnt neben einigen Gebieten in Mecklenburg ganz Vorpommern einschließlich Stettins und der Odermündung, darüber hinaus die ehemaligen Bistümer Bremen und Verden, also tief im deutschen Binnenland gelegene Territorien. Das angestrebte Ziel, das „Dominium maris Baltici“, ist erreicht, die Ostsee praktisch zu einem schwedischen Binnenmeer geworden. Hauptstadt von Schwedisch-Pommern wird Stralsund, das sich mit schwedischer Hilfe gegen Wallenstein behauptet hat, obwohl dieser geschworen hatte, er werde die Stadt nehmen, auch wenn sie mit Ketten an den Himmel gefesselt wäre. Stralsund ist als „Vorort“ des „Wendischen Quartiers“, einer einflußreichen hansischen Städtegruppe, schon im Mittelalter neben Lübeck eine der bedeutendsten Hansestädte, wie ihre im Zweiten Weltkrieg unzerstört gebliebenen spätgotischen Kirchen und vor allem die prächtige Rathausfassade heute noch erkennen lassen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg, der den bereits zuvor einsetzenden Niedergang der meisten Hansestädte noch beschleunigt, gewinnt Stralsund als administratives Zentrum Schwedens auf deutschem Boden erneut Bedeutung für die Beziehungen zwischen Nord- und Mitteleuropa.
Schwedens neue Machtstellung, die erste Alleinherrschaft eines Staates über den Ostseeraum, hat nicht lange gedauert. Wie so oft in der europäischen Geschichte ruft auch hier geballte Machtkonzentration den Widerstand anderer Staaten hervor. Neben dem alten Rivalen Dänemark und einigen kleineren Staaten treten jetzt an der Ostsee zwei neue Mächte auf den Plan, Brandenburg-Preußen und Rußland. Schwedens „Heldenkönig“ Karl XII. begegnet der gegen ihn gerichteten Koalition offensiv und schlägt die Russen bei Narwa, doch im weiteren Verlauf des Kriegs scheitert die schwedische Armee – wie später noch andere Invasoren – an den Weiten Rußlands und wird 1709 bei Poltawa, unweit von Stalingrad, vernichtet. 1721, genau 100 Jahre nach dem Beginn des schwedischen Aufstiegs, beendet der Friedensschluß von Nystad sowohl die Großmachtstellung als auch die Ostseeherrschaft des Königreichs. Von seinen Eroberungen behält es nur das nördliche Vorpommern, das erst 1815 als Regierungsbezirk Stralsund an Preußen fällt.
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Hauptsieger ist das Zarenreich, das sich jetzt im Zuge der westwärts gerichteten Politik Peters des Großen neben Ingermanland und Teilen Kareliens auch das Baltikum aneignet und damit zur neuen Ostseemacht wird. Hatte Rußland bis dahin nur über den innersten Winkel des Finnischen Meerbusens direkten Zugang zum Westen, gewinnt es jetzt nicht nur ein vergleichsweise hochentwickeltes Gebiet, sondern kann auch dessen enge Verbindungen zu Nord- und Mitteleuropa nutzen. So bleibt beispielsweise Riga bis 1914 der größte Hafen des gesamten russischen Reiches.
Die 1721 gewonnene Position an der Ostsee baut Rußland in der Folgezeit weiter aus. Bei den polnischen Teilungen und auf dem Wiener Kongreß erhält es nicht nur das südöstliche Hinterland seiner baltischen Provinzen, sondern auch das westliche Polen und schiebt damit seine Grenzen weit nach Mitteleuropa vor, bis zur Warthe und bis in die Nähe von Krakau. Nachdem der Wiener Kongreß 1815 auch die Personalunion mit Finnland bestätigt hat, hat Rußland die gesamte Ostküste der Ostsee in der Hand; es ist der mit Abstand größte Anrainerstaat. Die Machtbalance in der Region bleibt gleichwohl noch lange gewahrt, da mit dem etwa gleichzeitigen Aufstieg Preußens und vollends dann mit der Gründung des Deutschen Reichs ein Gegengewicht entsteht.
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1618 stirbt die im Herzogtum Preußen, dem ehemaligen Ordensstaat, regierende Hohenzollernlinie aus, und das Gebiet fällt auf dem Erbweg an Brandenburg, das damit zum Ostseestaat wird und bereits 30 Jahre später im Westfälischen Frieden mit Hinterpommern einen weiteren Teil der Küste erwirbt. Nach der Königskrönung Friedrichs I., die 1701, also vor 320 Jahren, in Königsberg stattfindet, geht der Name „Preußen“ auf den Gesamtstaat über, der sich in der Folgezeit Vorpommern mit Ausnahme des Gebietes um Stralsund (1721), Schlesien (1741), Danzig-Westpreußen (1772), Westfalen, das Rheinland und das restliche Vorpommern (1815) einverleibt und sich damit auch an der Küste weiter ausbreitet.
Mit Preußen betritt ein weiterer aufstrebender Staat die historische Bühne an der Ostsee. Das aus ganz unterschiedlichen Gebietsteilen zusammengesetzte, von der Memel bis zur Saar reichende Staatswesen knüpft nicht nur dem Namen nach an den mittelalterlichen Ordensstaat an. Das moderne Preußen steht ebenfalls im Zeichen des – nunmehr säkular begriffenen – Dienstgedankens und einer abstrakt-rational begründeten Staatsvorstellung, die bei einem Gemeinwesen mit so unterschiedlichen Gebieten, Traditionen und Mentalitäten durchaus naheliegend und sinnvoll ist. Es verwundert auch nicht, wenn in einem solchermaßen fundierten Staat politisch und geistig führende Personen dem Ideengut der Aufklärung zuneigen. Beispiele dafür sind Friedrich der Große, Immanuel Kant und die Reformer der Ära Stein-Hardenberg, die den Weg in das demokratische Zeitalter bereiten, aber anders als die französischen Revolutionäre unter Beibehaltung und Fortentwicklung des überkommenen Staatswesens. Da es zwischen den beiden größeren Ostseemächten Preußen und Rußland im 18. und 19. Jahrhundert zumeist keine ernsthaften Interessengegensätze gibt und sowohl Schweden als auch Dänemark nach 1721 eine zurückhaltende Politik betreiben, bleibt die Lage im Ostseeraum während des 18. und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts recht ruhig; man hat denn auch im Hinblick auf diese Zeit von der „Ruhe des Nordens“ gesprochen. Auch die Wirtschaft belebt sich wieder. Nach der Entdeckung Amerikas war die Ostsee in geographischer und wirtschaftlicher Hinsicht zu einem Randmeer geworden. Nicht nur der Handel, sondern auch der Fischfang waren weniger ergiebig als in der Blütezeit der Hanse, da sich die Heringsschwärme in Richtung Nordsee verlagert hatten. Weil aber das Russische Reich, dessen Außenhandel weitgehend über die Ostsee abgewickelt wurde, während des 18. und 19. Jahrhunderts immer mehr wirtschaftliche Bedeutung gewonnen hat und 1871 auch noch das Deutsche Reich als aufstrebende Wirtschaftsmacht hinzukommt, erlebt der Ostseeraum bis 1914 eine anhaltend günstige Wirtschaftsentwicklung. 1895 wird der Kaiser-Wilhelm-Kanal, der heutige Nord-Ostsee-Kanal, eröffnet, seither die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt. Die Ostsee erhält dadurch eine günstigere Verbindung zum Atlantik, da die Fahrt quer durch Schleswig-Holstein bequemer, zeitlich kürzer und ungefährlicher ist als die um die Nordspitze Jütlands.
Etwa seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wird die „Ruhe des Nordens“ gestört durch den allmählich aufkommenden Nationalismus, der nicht nur das Zusammenleben der Völker in national gemischten Staaten verändert, sondern bald auch größere außenpolitische Auswirkungen zeitigt. Als sich die Schleswig-Holsteiner 1848 gegen die Dänen auflehnen und den seit vier Jahrhunderten bestehenden Gesamtstaat in Frage stellen, werden sie zunächst von Preußen und vom Frankfurter Paulskirchenparlament unterstützt, bevor sich Rußland, England und Frankreich gegen die deutsche Einigungsbewegung wenden. Am Deutsch-Dänischen Krieg von 1864, der zur Loslösung Schleswig-Holsteins von Dänemark führt, nimmt auch Österreich teil – kurz vor dessen Ausscheiden aus dem deutschen Staatenverband. Auch nachdem Schleswig-Holstein 1866 preußisch geworden ist, kommt es wiederholt zu Mißhelligkeiten zwischen Deutschen und Dänen wegen der beidseitigen Minderheitenprobleme, die erst nach dem Zweiten Weltkrieg vorbildlich geregelt werden.
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Wegen der ethnischen Gemengelage an der Ostküste der Ostsee wirkt sich das erwachende Nationalbewußtsein dort noch stärker und nachhaltiger aus als im Westen. Die zaristische Regierung begnügt sich von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an nicht mehr mit der bloßen Oberherrschaft über das Baltikum, sondern beginnt, es zu russifizieren, zunächst in sprachlich-kultureller Hinsicht, aber auch bereits durch Ansiedlung von Russen – eine Siedlungspolitik, die dann in der Sowjetzeit, ab 1940, erhebliche Ausmaße annimmt und auf eine planmäßige Verdrängung der einheimischen Bevölkerung hinausläuft. Der russische Nationalismus irritiert nicht nur die deutschen Adeligen und Großbürger in Estland und Lettland, die sich der russischen Regierung gegenüber bis dahin ebenso loyal verhalten haben wie zuvor gegenüber derjenigen Schwedens und des Ordensstaates. Er stößt vor allem auf das diametral entgegengesetzte Bestreben der baltischen Völker, ihre nationale Eigenständigkeit zu behaupten und weiter zu stärken, ein Bestreben, das sich nicht nur gegen die politische Herrschaft der Russen, sondern auch gegen die jeweilige fremdsprachige Oberschicht richtet, in Litauen gegen die Polen, in den beiden nördlichen Baltenländern gegen die Deutschen. Nach dem Ersten Weltkrieg erlangen Esten, Letten und Litauer die politische Unabhängigkeit; in den Jahren 1939 bis 1941 verlassen nahezu alle Deutschen das Baltikum, nachdem sie dessen Entwicklung über sieben Jahrhunderte hinweg maßgeblich bestimmt haben.
Polen, seit 1795 unter Rußland, Österreich und Preußen-Deutschland aufgeteilt, wird 1918 ebenfalls unabhängig und erhält an der Danziger Bucht Zugang zur Ostsee. Das Verhältnis zu den Nachbarstaaten ist jedoch belastet durch die Art und Weise, in der die Warschauer Regierung mit den sehr starken russischen, litauischen und deutschen Minderheiten im Land umgeht. Das Deutsche Reich hat im Versailler Vertrag den größten Teil der Provinz Westpreußen verloren, obwohl deren 1,7 Millionen Einwohner zu mehr als zwei Dritteln Deutsch sprechen. Ostpreußen wird dadurch vom übrigen Deutschland getrennt, die Verbindung dorthin in der Folgezeit ständig durch Polen behindert. Die Stadt Danzig mit Umgebung, zu mehr als 95 % deutschsprachig, wird als „Freie Stadt“ ein selbständiger Staat unter polnischer Zollhoheit. Wie im Fall Österreichs, des Sudetenlandes oder Südtirols wenden die Westmächte auch hier das vor ihrem Sieg proklamierte Nationalitätenprinzip nicht an.
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Die Zeit des Sowjetkommunismus und des Nationalsozialismus, vor allem die des Zweiten Weltkriegs, stellt für fast alle Ostseevölker eine Epoche fortwährender Katastrophen dar, wie sie die Region bis dahin noch nicht erlebt hat. Zwischen 1939 und 1945 kommen 20,6 Millionen Russen, 5,25 Millionen Deutsche und 4,52 Millionen Polen ums Leben, die meisten Toten aller am Krieg beteiligten Völker. Auch die Opferzahlen der Esten, Letten und Litauer liegen, gemessen an der Bevölkerungszahl, wie die der Polen sehr hoch. Gemeinsam ist diesen vier Ländern auch, daß nur verhältnismäßig wenige ihr Leben infolge von Kampfhandlungen verlieren. Die meisten fallen planmäßiger Verfolgung und Ausrottung größerer Bevölkerungsgruppen zum Opfer, vor allem Juden, „Kapitalisten“, das jeweilige gegnerische Führungspersonal und die Anhängerschaft des jeweils bekämpften Regimes, im Baltikum außerdem zehntausende von Bauern, die sich der Zwangskollektivierung ihrer Höfe widersetzen. Die Bevölkerung Westpolens muß zweimal, 1939 und 1944/45, das Einrücken fremder Truppen und der ihnen folgenden Häscher über sich ergehen lassen, die Ostpolens und des Baltikums sogar dreimal, 1939 beziehungsweise 1940 und erneut 1944/45 das der Roten Armee, 1941 das der deutschen Wehrmacht. Jedes Mal werden zahllose Menschen getötet, verletzt, gequält, drangsaliert, verhaftet und deportiert; allein in den deutschen Konzentrationslagern und in den Straflagern des Archipels Gulag westlich und östlich des Ural kommen Millionen um.
Die kleinen Baltenvölker geraten in der Kriegs- und vor allem in der Nachkriegszeit in existentielle Bedrängnis durch die russische Massenansiedlung, die mit der Notwendigkeit der Industrialisierung begründet wird, und die gleichzeitigen Massendeportationen Einheimischer. 80.000 Esten, 100.000 Letten und 220.000 Litauer werden in das Innere der Sowjetunion geschafft, wobei sich diese Deportationen, die viele nicht überleben, gezielt gegen die einheimische Oberschicht richten. Ende der achtziger Jahre beträgt der Anteil der Balten an der Gesamtbevölkerung in Litauen noch 80 %, in Estland und in Lettland nur mehr 62 und 54 %. In Dänemark kommt es zwar nicht zu Kampfhandlungen, doch hat auch dieses Land eine fünfjährige deutsche Besatzungszeit zu erdulden. Unbehelligt bleibt nur Schweden, halbwegs auch Finnland. Stalin versucht zwar, dieses Land wie die baltischen Staaten der Sowjetunion einzuverleiben, stößt aber im Winterkrieg 1939/40 auf so einhelligen und erbitterten Widerstand, daß er vor allem aus Sorge um die Haltung der westlichen Alliierten angesichts der Bedrohung der Sowjetunion durch Hitler von der Niederwerfung Finnlands Abstand nimmt. Die Finnen verlieren allerdings ihre Ostgebiete und müssen bis 1990 eine Politik des Wohlverhaltens gegenüber ihrem mächtigen Nachbarn betreiben.
Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ändern sich die Siedlungs- und Staatsgrenzen im südlichen Ostseeraum grundlegend. Polen und das polnische Siedlungsgebiet werden bis zur Oder und zur Neiße nach Westen verschoben; Deutschland verliert rund ein Viertel seines Staatsgebiets, die Sowjetunion annektiert die ehemaligen polnischen Ostgebiete. Etwa zwei Millionen Deutsche überleben Flucht und Vertreibung nach Westen nicht. Während die Nordhälfte Ostpreußens als „Oblast Kaliningrad“ an die Sowjetunion fällt, werden der Süden der Provinz, Westpreußen mit Danzig und Hinterpommern einschließlich des Gebiets um die Odermündung und das Stettiner Haff polnisch. Polen gewinnt damit zum ersten Mal in seiner Geschichte einen großen Teil der südlichen Ostseeküste. Der historischen Tragweite dieses Vorgangs ist man sich polnischerseits von Anfang an bewußt. Beim Angriff auf Kolberg, die letzte von der Wehrmacht gehaltene Stadt in Hinterpommern, sind neben der Roten Armee auch zwei polnische Divisionen beteiligt, und nach der Eroberung des Orts findet dort am Strand ein feierlich-symbolischer Akt der „Vermählung“ Polens mit dem Meer statt. Absolute Führungsmacht in Ost-, Südost- und Ostmitteleuropa ist seit Mai 1945 die Sowjetunion. Sie beherrscht direkt oder indirekt über zwei ihrer Satellitenstaaten, Polen und die DDR, auch die gesamte Ostseeküste vom Finnischen Meerbusen bis zur Lübecker Bucht. Die NATO ist lediglich in Schleswig-Holstein und Dänemark präsent; der Auftrag ihrer Seestreitkräfte beschränkt sich darauf, im Ernstfall den Ausbruch der sowjetischen Marine zur Nordsee zu verhindern. Wie zuvor lediglich ein einziges Mal, in Schwedens Großmachtzeit, hat nur mehr eine einzige Macht an der Ostsee das Sagen; fast fünf Jahrzehnte lang ist sie ein „rotes“ Meer.
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Um so einschneidender der Wandel, der sich vor 30 Jahren, 1990 bis 1992, vollzieht. Er kommt, wenn auch in diesen Dimensionen zuvor kaum vorstellbar, nicht ganz überraschend. Spätestens seit den achtziger Jahren mehren sich auch bei den Ostseevölkern die Anzeichen dafür, daß das Bewußtsein nationaler Identität und der Wille zur Selbstbestimmung ungebrochen sind. Während des Pontifikats des polnischen Papstes Johannes Pauls II. wird dies in Polen überdeutlich. Die Gewerkschaftsbewegung „Solidarno??“ trägt maßgeblich zum Wiedererstehen eines freiheitlichen Polen, das Land als Ganzes zur Destabilisierung des Kommunismus in Europa bei. Die baltischen Völker demonstrieren ebenfalls ihren Eigenständigkeitswillen, insbesondere durch bewußte Pflege nationalen Kulturguts, etwa bei den vielen Sängerfesten mit enorm hohen Besucherzahlen. Einen Höhepunkt erreichen die politischen Massendemonstrationen am 28. August 1989, als eine über 600 Kilometer lange Menschenkette die drei baltischen Hauptstädte miteinander verbindet. Auch in der DDR heißt es wenig später: „Wir sind ein Volk!“ Infolge des Zusammenbruchs der Sowjetunion und des Kommunismus verändert sich dann Anfang der neunziger Jahre auch die politische Landschaft an der Ostsee grundlegend. Polen schüttelt wie die übrigen Satellitenstaaten die kommunistische Herrschaft ab, die DDR geht im wiedervereinigten Deutschland auf, und Esten, Letten und Litauer erklären im Frühjahr 1991, vor 30 Jahren, erneut ihre Unabhängigkeit, die im Herbst des gleichen Jahres von Moskau anerkannt wird. Die Ostsee wird wieder zu einem freien Meer mit freiheitlich verfaßten Anrainerstaaten. Die russische Macht, die soeben noch bis vor die Tore Lübecks reichte, fällt in sich zusammen; Rußland scheidet praktisch als Anrainerstaat aus, da es nur noch begrenzte Verbindung zur Ostsee hat, im innersten Winkel des Finnischen Meerbusens und über die Königsberger Exklave. Weil mit dem Baltikum auch die Ukraine und Weißrußland verlorengehen, fällt das Land hinsichtlich seiner Westausdehnung auf den Stand vor Peter dem Großen zurück.
Dies muß allerdings nicht so bleiben. Erstens findet sich die Russische Föderation unter Putin mit der vor 30 Jahren entstandenen Lage nicht ab; sie ist vielmehr, wie ihre Politik gegenüber Georgien, der Ukraine und Weißrußland zeigt, entschlossen, ihren Einfluß auf verlorene Gebiete wiederzugewinnen und, sobald sich die Möglichkeit bietet, ihre Grenzen vorzuschieben. Zweitens stellt die überaus starke russische Minderheit im Baltikum, die in Estland immer noch knapp ein Drittel der Gesamtbevölkerung, in Lettland einen noch höheren Anteil umfaßt, eine politische Hypothek für die drei Staaten dar. Zwar geht es den baltischen Russen heute wesentlich besser als den weiter östlich lebenden, doch noch hat es keine ernsthafte Krisensituation gegeben, in der sich ihre Loyalität gegenüber ihren Staaten und ihre innere Distanz zu dem mächtigen Nachbarn hätten beweisen müssen. Die baltischen Völker und auch die Polen fürchten nach wie vor ein erneutes Vorrücken Rußlands nach Westen, doch ist ihre Lage heute bei weitem günstiger als in der Zwischenkriegszeit. Vor und während des Zweiten Weltkriegs standen Polen, Litauen, Lettland und Estland isoliert da und wurden zugleich von zwei Seiten her von übermächtigen Gegnern bedrängt. Heute dagegen gehören sie in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht, auch im Bewußtsein der Bürger, eindeutig zu Europa, und die Verbindungen insbesondere nach Mittel- und Nordeuropa werden immer enger. Vor allem aber stehen alle vier Staaten unter dem Schutz der NATO.
Zur Zeit jedenfalls besteht im Ostseeraum wieder die gleiche geopolitische Gesamtlage wie zumeist in der Geschichte. Wie schon vor 1000 Jahren ist sie gekennzeichnet durch ein System meist kleinerer Mächte, das weder von einem Anliegerstaat noch von außen her in Frage gestellt wird. Die Ostseeregion läßt sich insoweit mit dem europäischen Kontinent als Ganzes vergleichen. Auch Europa stellt als Halbinsel Eurasiens eine geographische Einheit dar, die durch eine lange, buchtenreiche Küstenlinie in sich gegliedert ist. Auch in Europa sind damit gute Voraussetzungen für die Entwicklung zahlreicher Völker und unabhängiger Staaten gegeben. Auch hier haben Balance-of-Power-Systeme über längere Zeiten hinweg die Bildung von Alleinherrschaft verhindert und damit den freiheitlichen Charakter des Kontinents in Geschichte und Gegenwart begründet. Nach dem Scheitern der römisch-deutschen Reichsidee entsteht im 17. Jahrhundert ein System von zunächst drei (Frankreich, Österreich, Schweden), dann fünf großen Mächten (Frankreich, Österreich, Rußland, Großbritannien, Preußen-Deutschland). Diese „Pentarchie“ etwa gleichstarker Staaten hat in der Folgezeit das Aufkommen einer überstarken Macht verhindert und damit auch die Unabhängigkeit und die Freiheit der kleineren Völker gesichert, wenn man von zwei Ausnahmen absieht: dem napoleonischen Empire nach 1807 und dem „Dritten Reich“ von 1939 bis 1945. Aber auch Napoleon und Hitler wurden durch Koalitionen nahezu aller übrigen Mächte zu Fall gebracht.
Wie in Europa bestimmt auch im Ostseeraum, ebenfalls mit nur zweimaliger Unterbrechung, der Geist der Freiheit und der nationalen Selbstbestimmung den Gang der Geschichte, wie beispielsweise die polnischen und die baltischen Erhebungen oder die Haltung der Finnen im Winterkrieg 1939/40 sehr anschaulich zeigen. Mehrmals gehen von der Ostsee auch freiheitliche Impulse von gesamteuropäischer Bedeutung aus. So breitet sich die Erhebung gegen Napoleon Anfang 1813 zuerst in der Provinz Ostpreußen aus, bevor sich der zunächst zögernde König Friedrich Wilhelm III. mit seinem „Aufruf an mein Volk“ an ihre Spitze stellt. Die Gewerkschaft „Solidarno??“, die wesentlich zum Niedergang des Kommunismus beigetragen hat, wird in Danzig gegründet und von dort geleitet. Geographisch-ethnische Vielgestaltigkeit einerseits, Eigenständigkeits- und Freiheitsbewußtsein andererseits sind sowohl für den europäischen Kontinent insgesamt als auch für den Ostseeraum typisch. Einheit in der Vielfalt, wesentliches Merkmal der Identität Europas, kennzeichnet auch dessen Teilregion an der Ostsee.
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