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Irrgänge der österreichischen Geschichte?

Vor einigen Jahren kam ich dank eines Besuchers aus Wien an eine dickleibige Buchreihe über die österreichische Geschichte. Nachdem ich ihm mein lebhaftes Interesse an diesem Sachgebiet brieflich mitgeteilt hatte, nahm mein Freund dieses zentnerschwere Mitbringsel in einer Schachtel mit auf seine lange, durch etliche Aufenthalte unterbrochene Reise in meinen US-Bundesstaat Pennsylvania. Sobald das Geschenk zum Vorschein kam, schlug ich hingerissen den ersten, das Frühmittelalter umfassenden Band der zwölfteiligen Reihe auf. Von der straff ausgelegten Bearbeitung der verschiedenen Geschichtsfelder wurde ich angeregt, mich weiter hineinzulesen. Während ich über die nächsten paar Jahre hinweg die aufeinanderfolgenden Bände durchstudierte, fiel mir auf, daß die geschichtlichen Schilderungen immer befangener und einseitiger anmuteten, je näher ich an das letzte Jahrhundert heranrückte. Diesen Eindruck bestätigte der letzte, von dem angesehenen Historiker Ernst Hanisch verantwortete Wälzer.

Von Univ.-Prof. Paul Gottfried

Hanisch bemängelt insbesondere, daß den Österreichern nie der Segen einer grundsätzlichen Umerziehung zuteil geworden sei wie den Bundesdeutschen, weshalb sie in einer kleinkarierten Untertanenmentalität verharrten. – Genial dargestellt hat diesen Typus von Österreicher der Schauspieler und Kabarettist Helmut Qualtinger als „Herr Karl“.
Der besondere Haß Hanischs gilt der Habsburgermonarchie, die er, ohne echte Fakten und Belegstellen anführen zu können, beständig schmäht. Die Fülle bürgerlicher Kultur, die damals in den Groß- und Mittelstädten Österreich-Ungarns florierte, wird hingegen nicht erwähnt. – Festschrift zum 60jährigen Regierungsjubiläum Kaiser Franz Josephs 1908.

Dieser Geschichtswissenschaftler ist ein schon seit 2004 im Ruhestand befindlicher emeritierter Professor für Neuere Österreichische Geschichte an der Universität Salzburg und verdiente sich die ersten Sporen als Verfasser einer wohlrecherchierten Studie über den Austrofaschismus. Als ich in seinen Band „Der lange Schatten des Staates“ einstieg, der die österreichische Gesellschaft und deren wechselnde Regierungen seit 1890 thematisiert, trat das thematische Steckenpferd des zeitgemäß gestimmten Autors immer deutlicher in Erscheinung. Hanisch beklagt in seinem einleitenden Kapitel die Rückständigkeit der österreichischen Bevölkerung und ihr Versäumnis, den Deutschen bei ihrer Vergangenheitsbewältigung gleichzukommen. Dem Leser wird eingetrichtert, daß den Österreichern nie der Vorteil zugefallen sei, eine grundsätzliche Umerziehung durchzumachen; deswegen seien sie der Aufgabe nicht gewachsen gewesen, ihre „Untertanenmentalität“ und ihren eingewurzelten „Konformismus“ abzulegen. Im Klartext: „Als Erklärung liegt die Hypothese nahe, daß in der BRD der Bruch mit der eigenen Vergangenheit, mit dem Faschismus offenbar tiefer reichte als in Österreich, wo man aus vielerlei Gründen lieber auf den Habsburgermythos auswich, als die eigene autoritäre Vergangenheit zu thematisieren.“ Da diese Rückschlüsse aus mehreren „Studien“ hergeleitet sind, die in der BRD nach 1945 durchgeführt wurden, mutet Hanisch seinem gewogenen Leser zu, diese Behauptungen einfach hinzunehmen. Sinnvoll wäre hingegen, die zugrundeliegenden Quellen zu berücksichtigen, ehe wir die aufgeworfene „Hypothese“ akzeptieren. Leider gibt es vom Autor keinen Hinweis, wo wir seine Gewährsleute und ihre Forschungsergebnisse nachprüfen könnten.

Im Gegensatz zu den kleinkarierten Österreichern haben sich die Deutschen – dieser Auslegung zufolge – zu einem politisch weiterentwickelten, demokratischen Volk ausgewachsen. Es erübrigt sich die Feststellung, daß keine Anhaltspunkte für die Mustergültigkeit der heutigen Deutschen in diesen gepriesenen Qualitäten vorliegen. Mit Blick auf Merkels Deutschland und seine eintönige politische Korrektheit scheint mir dieses überschwängliche Lob deplaziert. Zurückzuweisen ist auch die Behauptung, daß die Österreicher sich vor dem Ersten Weltkrieg nicht als Demokraten oder Individualisten hervorgetan hätten. Der magere Beweis dafür soll sein, daß sie nur wenige Bürgerinitiativen in die Wege leiteten. Warum aber soll diese Aktivität als alleiniges Maß einer authentischen politischen Beteiligung gelten? Meines Wissens haben die österreichischen Bürger sich um 1910 herum regelmäßig in die Wahllokale begeben und ihre Stimmen abgegeben, gerade auch bei Reichsratswahlen. Man muß sich hingegen keineswegs den Kopf zermartern, um zu ahnen, was Deutschlands „Wutbürgern“ passieren würde, wenn sie gegen die Einwanderung aus der Dritten Welt, für die Wiederumbenennung einer beliebigen ehemaligen Hindenburgstraße oder für den Erhalt ihres Rechts, die kaiserliche Reichsflagge zu schwenken, einträten. Wer so naßforsch zu handeln wagte, würde seine berufliche Zukunft tödlich gefährden. Und wenn ich am gleichen Punkt einhaken darf: Warum sollten Mitteleuropäer verpflichtet sein, alle vergangenen Zeitalter über den gleichen Leisten zu schlagen, nämlich das Ausmaß ihrer Angleichung an die massendemokratische Gegenwart in ihrer – aus Amerika importierten – therapeutischen Ausprägung? (Hans-Dietrich Sander würde, wenn er noch lebte, die gleiche rhetorische Frage vorbringen.)

Hanisch deutet auch den Widerwillen der Österreicher von vor 120 Jahren gegenüber Streiks und zivilem Ungehorsam als Demokratiedefizit. Seiner Sichtweise nach zeigt dieser fehlende Einsatz die autoritäre Gesinnung seiner damaligen Landsleute auf, ein Geschichtsproblem, das immer noch nicht völlig „abgebaut“ ist. Man stelle sich nur einmal vor, wie die „freiheitliche“ BRD, an der sich die Österreicher ein Beispiel nehmen sollen, mit AfD-Aktivisten umspringen würde, die gegen links einen Aufstand anzettelten. Es liegt auf der Hand, daß die von Hanisch geforderten Widerstandsakte sich ausschließlich gegen die „rechtslastige“ Seite des politischen Spektrums richten sollen. Mehr als 50 Seiten (über den Daumen gepeilt) widmet Hanisch einer Bekrittelung der k.u.k. Monarchie von den 1890ern bis zum Kriegsende. An dieser traditionsreichen Organisation läßt er nicht ein einziges gutes Haar. Die Monarchie sei unverbesserlich „autoritär“ gewesen und habe es versäumt, den fortschrittlichen Übergang von einer „konstitutionellen“ zu einer „parlamentarischen“ Regierungsform zu vollziehen. Die Habsburger waren im Unterschied zu Hanisch der Ansicht, daß politische Macht nie dem Volk entspringe; sie beharrten auf dem Grundsatz, daß die Verfassung von oben nach unten den Untertanen zu geben sei. Aus dieser folgenschweren Position sei – Hanitsch zufolge – zu schlußfolgern, daß die kaiserlichen Herrscher sich befugt wähnten, einmal gemachte Zugeständnisse unvermittelt wieder zurückzuziehen, obgleich sie dies, außer in Kriegsnot, niemals getan haben. Darüber hinaus hat auch Englands Generationen überspannende ungeschriebene Verfassung die Regierung als ein Zusammenwirken des Königs mit seinen Adligen, Beamten und dem Unterhaus begriffen. Man sucht vergeblich Anhaltspunkte für die Annahme, daß England seine beispielhafte parlamentarische Regierung anhand von Hanischs Blaupause erstellt hätte. Ebenso wie Österreich-Ungarn war auch England Anfang des 20. Jahrhunderts mit abgestuften Ständen sowie vormodernen Bräuchen und Institutionen in Hülle und Fülle versehen.

Seinen weitschweifigen Verriß der Monarchie spickt Hanisch mit Erinnerungen sozialistischer Abgeordneter, die sich über ihnen zugefügte Belästigungen und Brüskierungen seitens k.u.k. Staatsbeamter und Polizisten beschwerten. Hanisch zieht gar nicht in Erwägung, daß diese subjektiven Zeugnisse nicht uneingeschränkt gültig sein könnten, ganz einfach weil er mit diesen Gewährsleuten auf der gleichen Wellenlänge liegt. Das soll nicht heißen, daß solche Erinnerungen grundsätzlich von der Hand zu weisen seien. Vielmehr ist darauf zu achten, daß ein verbissener Parteikämpfer sein Ringen selbst stets auf eine besondere Weise darstellt. Die Gegenseite erinnert sich an die gleiche Begebenheit oft ganz anders. Hier stellt sich die Frage: Warum sollte man zu einem Anhänger der k.u.k. Herrschaft (etwa Joseph Roth, Ludwig von Mises oder Hugo von Hofmannsthal) weniger Vertrauen fassen als zu einem Sozialisten, der zäh gegen die kaiserliche Regierung gekämpft hat? Da Hanisch sich für eine mühevolle Analyse zu schade ist, hat die Sache damit ihr Bewenden. Ebenso irreführend ist die Gleichstellung von Eigenmacht und hergebrachten Obrigkeitsfiguren. Nie kommt Hanisch der Gedanke, daß auch „demokratische“ Verwaltungsstaaten dem Volk den von ihnen bevorzugten „Willen“ aufzuzwingen geneigt sind. In der Nachkriegszeit haben sich sowohl die Besatzungsmächte wie auch die antifaschistische deutsche Intelligenz eine angebliche „Willensbildung“ der Deutschen aus den Fingern gesogen, um dem geschlagenen Volk ein „demokratisch“ attestiertes, verwestlichtes Staatsgefüge angedeihen zu lassen. Mittel und Wege wurden ausgeklügelt, um die erwünschte ideenpolitische Bekehrung zu bewirken, während eine inländische Bespitzelung und Zensur unter verschiedenen Etiketten eingerichtet wurde, um die Andersgesinnten auszusondern und im Notfall strafrechtlich gegen sie vorzugehen.

Die zulässige Parteienstruktur, das „demokratisierte“ Erziehungswesen und die Medien wurden feierlich beauftragt, die „streitbare Demokratie“ aufrechtzuerhalten und „jugendgefährdende“ Unangepaßte aus dem planmäßig verengten Meinungskorridor herauszuhalten. Im Vergleich mit den „Überzeugungsinstrumenten“, mit denen unsere „demokratische“ Herrscherklasse waltet und schaltet, sind die von Hanisch herangezogenen Beispiele aus der Zeit der Monarchie geradezu museumsreif. Merkwürdigerweise zetert Hanisch über die Feierlichkeiten, mit denen die Einberufung diensttauglicher Jugendlicher zur k.u.k. Armee begleitet wurden. Da deren Regierung Hanisch offensichtlich mißfällt, verwirken die Dörfler ihr Recht, lustig und vergnügt zu sein, wenn ihr Nachwuchs dem Reich als Soldaten dienen wollte. Nirgendwo findet sich eine gebührende Anerkennung der Tatsache, daß der Militärdienst einen der wenigen Wege darstellte, wodurch ein ansonsten zersplitterter Vielvölkerstaat ein Einheitsempfinden herstellen konnte.

Westliche Apokalyptik

Hanischs Gewohnheit, den demokratischen, zeitgeistigen Weizen von der kaiserlichen Spreu zu sondern, erinnert an die von Eric Voegelin und Hans Jonas vorgelegten Erkundungen des gnostischen Denkens vom Altertum bis in die politische Moderne hinein. Dieser Auslegung nach mauserte sich die ältere Apokalypse-Lehre der Gnostiker, die der Auslöschung einer sündhaften Welt entgegenfieberten, zu einer Vielfalt von neuzeitlich geprägten Ideologien. Grundlegend für die modernen Multiplikatoren der Gnostiker sind gewisse Axiome. Zu diesen zählen in erster Linie die unverzeihliche, alle Lebewesen durchziehende Lasterhaftigkeit des vordemokratischen Zeitalters und auf der anderen Seite die glänzende Zukunft, die anbrechen werde, sobald die geforderte Verwandlung des menschlichen Wesens auf dem Weg des „Social engineering“ abgeschlossen sei. In der heutzutage in Deutschland gängigen Glaubenslehre, daß die Bevölkerung mit der „besten deutschen Regierung aller Zeiten“ beglückt sei, findet man eine plumpe Neuausgabe der gnostischen Denkweise. Bis zur vermeintlich wohlverdienten deutschen Niederlage sollen sich Deutsche und Mitteleuropäer in einem verpesteten Sumpf gesuhlt haben. Nicht nur seien die betroffenen Deutschen dadurch infiziert worden, auch benachbarte Länder sollen von der Ausdünstung der deutschen Erkrankung in Mitleidenschaft gezogen worden sein.

Wie das gnostische Paradies nur auf dem Leidensweg zu erreichen ist, so mußten auch die Deutschen und Österreicher eine verlängerte Epoche schwerster Prüfungen durchmachen, um auf den Weg nach Westen gebracht zu werden. Was unter diesem Aufbruch zu verstehen sein soll, hängt davon ab, wie die Herrscherklasse „Verwestlichung“ nach ihrem eigenen Gutdünken jeweils interpretiert. Dazu gehören die Anbetung von Schwulen, Lesben und den aus der Dritten Welt Zugezogenen, der bevorzugte Zugang der Frauen zu Fachberufen sowie die Verbannung der Deutschnationalen (oder ihrer bis zur Unkenntlichkeit verkommenen Ableger) aus der legitimen Politik. Wer dazugehören will, muß auf die Medien achten und der nicht mehr abzulösenden politischen Klasse gehorchen. Mit traditionellen Staats- und Herrschaftssystemen (wie sie auch im Westen eine lange Geschichte haben) haben diese zeitgeistigen Muster nichts zu tun. Die Grundhaltungen der um 1850 im englischen Parlament sitzenden Gutsherren oder die geschätzten Prinzipien des amerikanischen Großbürgertums um 1900 haben mit dieser Art der „Verwestlichung“ rein gar nichts gemeinsam. Im Gegenteil wird diese durch ein Sammelsurium wechselnder Anliegen und Werte, die seit dem Zweiten Weltkrieg von einer postbürgerlichen Herrscherklasse zur Unfehlbarkeit erhoben wurde, geprägt. Entlang der vorgegebenen Rangordnung und nach dem Willen ihrer Durchsetzer wird die Abgrenzungslinie zwischen dem Reich der Verdammten und dem Reich der Heiligen gezogen.
Es ist nicht zu leugnen, daß Hanischs Band eine Menge Geschichtswissen hergibt; das trifft insbesondere auf seine Behandlung der industriellen Modernisierung zu. Besonders aufschlußreich ist Hanischs vergleichende Analyse der den Engländern und Deutschen hinterhinkenden Industrialisierung Österreich-Ungarns im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert. Zu den Hauptgründen für dieses Gefälle zählen – Hanisch nach – der relative Mangel an Anlagenkapital, die Abhängigkeit von fremden und vorzüglich deutschen Investitionen, die stellenweise Rückständigkeit der Agrarwirtschaft zumal in Tirol sowie die Schwierigkeiten dabei, Rohstoffe und verfertigte Produkte über Berge und sonstige Naturhindernisse hinweg zu Häfen und Absatzstellen zu befördern. Infolge der unebenen Topographie fiel es in Österreich schwerer, eine gedeihliche modernisierte Wirtschaft aufzubauen, obwohl Böhmen und Niederösterreich in diesem Feld anderen Reichsgebieten voranschritten. Auch beim Aufstieg der mechanisierten Landwirtschaft lagen Österreich und umso mehr Ungarn hinter den führenden westlichen Ländern zurück. Als eine Ursache dafür führt Hanisch sein Prügelkind, die Monarchie, an, aber in Ermangelung von Belegen für diese Unterstellung (statt heruntergeleierten Klagen) besteht kein Grund, diese ehrwürdige Organisationen dafür verantwortlich zu machen. Ebenso unbewiesen bleibt, daß ohne die Zerrüttungen des Ersten Weltkriegs die unterstellte Fehlentwicklung nicht nachgeholt worden wäre. Die Doppelmonarchie hat später als das Deutsche Reich ihre wirtschaftliche Modernisierung in Angriff genommen, und es gibt keinen Grund, diese relative Rückständigkeit als einen Dauerzustand zu begreifen.

Hanischs Ideal ist die massendemokratische Gegenwart in ihrer aus Amerika importierten therapeutischen Ausprägung, die ihre Staatsbürger in einer Weise „erzieht“ und mit Mitteln „abrichtet“, denen gegenüber die Versuche der Massenbeeinflussung und Meinungskontrolle aus der Zeit der Monarchie nur mehr naiv und museumsreif erscheinen. Doch die Grundhaltungen der um 1850 im englischen Parlament sitzenden Gutsherren oder jene des amerikanischen Großbürgertums um 1900 haben mit der von Hanisch angestrebten Art der „Verwestlichung“ rein gar nichts gemein. Gerade in Britannien überdauern vormoderne Bräuche und Institutionen in Hülle und Fülle bis zur Gegenwart. – Das „House of Lords“ ist das Oberhaus des englischen Parlaments.

Kulturelle Blüte in der „Reaktion

Was dahingehend frappant auffällt, ist die Fülle der bürgerlichen Kultur, die damals in den k.u.k. Groß- und Mittelstädten florierte, ganz gleich, wie begrenzt die Wirtschaftsmodernisierung bei den Mitteleuropäern im Verhältnis zu jener der wegweisenden Reichsdeutschen oder Engländer erscheint. Es gibt keine stets gleichbleibende Beziehung zwischen unterschiedlichen Modernisierungsebenen und der kulturellen Ergiebigkeit einer bestimmten Nation oder eines Staatswesens. Von unserer eingleisigen Intelligenz abgesehen, entstand aus der Verstädterung und Verbürgerlichung des dahindämmernden Habsburgerreichs eine eindrucksvolle Weltkultur. Am Werk waren dabei erkennbar bestimmende Faktoren, wie ein einendes Reichsbewußtsein, umfangreiche geistige und künstlerische Traditionen sowie die kulturellen Nährböden von Wien, Budapest und Prag. Auch die in Kriegsnot ausklingende Habsburgermonarchie waltete über eine herausragende Konstellation von Denkern, Komponisten, Künstlern und Dichtern, die das Jahrhundert kulturell und wissenschaftlich zutiefst prägten. Es stimmt den Leser nachdenklich, daß eine von Hanisch als reaktionär beurteilte Gesellschaft und Staatsform so viele wegweisende, geniale Persönlichkeiten hervorgebracht hat. Übrigens haben die meisten dieser schöpferischen Giganten die Monarchie hochleben lassen und ihren Verfall nachweislich bedauert.

 
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