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Krieg um Bergkarabach – vom Westen nichts Neues

Krieg um Bergkarabach – vom Westen nichts Neues

Von Maximilian Dvorak-Stocker, MA

Armeniens liberaler und westfreundlicher Premierminister Paschinjan stimmte am 10. November dem Friedensdiktat Aserbaidschans zu, das im offenen Krieg um die autonome Region Bergkarabach seit dem 27. September große Erfolge erzielt hatte. Seither kommt es zu Protesten in Armenien.

Mit besonderer Aggressivität wurde die islamische Expansion in diesem Großraum seit dem türkischen Völkermord an den Armeniern 1915/16 mit 1,5 Millionen Toten vorangetrieben. Die Bolschewiki teilten das jahrhundertelang umstrittene, aber fast vollständig christlich besiedelte Bergkarabach jedenfalls der islamischen Sowjetrepublik Aserbaidschan zu. Daher lieferte das Unabhängigkeitsreferendum von 1991 bei einem Bevölkerungsverhältnis von ~ 20 % Aserbaidschanern (Aseris) und ~ 80 % Armeniern ein klares „Ja“. Den daraufhin folgenden Krieg gewann Armenien, welches Bergkarabach auf den Wunsch der Bewohner hin de facto eingliederte. Die wenigen noch verbliebenen Muslime mußten das Land verlassen. In weiterer Folge kam es immer wieder zu Konflikten zwischen beiden Ländern mit zahlreichen Toten, bis die Lage vor wenigen Monaten vollends eskalierte. Von Seiten der Aseris wurde in Stepanakert, der Hauptstadt der 146.000 Einwohner zählenden Autonomen Republik Bergkarabach, gezielt Streumunition gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt. Angeblich verwendeten die Aseris auch Phosphorbomben und Natomunition, was von Armenien mit dem Beschuß ziviler muslimischer Gebiete beantwortet wurde. Durch den Einsatz jihadistischer Gruppen aus Syrien und massive Hilfeleistung der Türkei wurde die Unterlegenheit des vom verbündeten Rußland kaum unterstützten Armenien derart groß, daß es den Krieg verloren gab. Etwa 50 % Bergkarabachs mußte somit eines der ältesten christlichen Länder an eine schiitische Diktatur abtreten. Armeniens militärische Verluste beliefen sich nach offiziellen Angaben auf 1344 Mann neben 46 getöteten Zivilisten, wobei diese Zahlen stark untertrieben sein dürften. Aserbaidschan machte keine offiziellen Angaben, aber internationale Beobachter schätzen dessen Verluste als deutlich geringer ein.

In den besetzten Gebieten wurden viele Kirchen geschändet und zerstört sowie armenische Häuser geplündert und in Brand gesteckt, was die Täter stolz auf Video dokumentierten. Auf Intervention Putins hin, der Friedenstruppen in das Gebiet entsandte, erklärte sich der aserbaidschanische Präsident Aliyev jedoch bereit, solches in Zukunft zu unterbinden. Daß dieser Konflikt nicht nur religiös und ethnisch bedingt ist, sondern auch andere Faktoren beinhaltet, zeigt sich etwa am feindseligen Verhalten des christlichen Georgien gegenüber Armenien, während der Iran eher auf Seiten Bergkarabachs stand. Geopolitische Fragen spielen also zusätzlich eine wichtige Rolle, wobei auch bemerkenswert ist, daß Israel einen der wichtigsten Waffenlieferanten für Aserbaidschan darstellte.

Die Berichterstattung über den Krieg fiel hierzulande jedoch überaus spärlich aus und schaffte es kaum auf die Titelseiten oder in die Hauptnachrichten. Die ethnischen Säuberungen im Kaukasus scheinen unsere Mainstreammedien nicht wirklich zu interessieren. Es haben sich zwar einzelne EU-Staaten, darunter sogar die BRD, verbal an die Seite Armeniens gestellt, es dann aber gänzlich an Taten fehlen lassen. Europa hat seine weltpolitische Zwergenrolle einmal mehr bewiesen und deutlich gezeigt, wie egal ihm der Überlebenskampf eines christlichen Volkes vor der eigenen Haustür ist.

 
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