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Athanasius Schneider wurde 1961 in Tokmak (Kirgisien in der damaligen Sowjetunion) geboren und ist Weihbischof im Erzbistum Astana in Kasachstan. Er stammt aus einer schwarzmeerdeutschen Familie und war schon im Alter von 12 Jahren davon überzeugt, Priester werden zu wollen. In Österreich trat er dem Orden der Regularkanoniker vom Heiligen Kreuz bei, danach studierte er Theologie und Philosophie in Brasilien, wo er insgesamt sieben Jahre lang wirkte. Die Priesterweihe erhielt er 1990, 1997 wurde er in Rom promoviert. Schneider war Generalrat der Ordensleitung in Rom, Studiendirektor des Priesterseminars von Karaganda und ist seit 2006 Weihbischof für das Bistum Karaganda. Er beherrscht außer seiner Muttersprache Deutsch zehn weitere Sprachen, darunter Italienisch, Englisch, Russisch, Lateinisch, Griechisch und Portugiesisch. Schneider veröffentlichte Beiträge für die Online-Magazine kath.net und kreuz.net, in denen er sich u.a. kritisch zur Entwicklung der katholischen Kirche äußerte. Seiner Meinung nach befindet diese sich in der vierten großen Krise seit ihrem Entstehen. Außerdem publiziert er Bücher über die Kommunion. Im unlängst im Ares-Verlag erschienenen Sammelwerk „Nation, Europa, Christenheit. Der Glaube zwischen Tradition, Säkularismus und Populismus“ ist Schneider mit einem eigenen Beitrag vertreten.
Mit Athanasius Schneider sprachen Mag. Wolfgang Dvorak-Stocker und Bernd Kallina
Euer Exzellenz, Sie sind ein hoher katholischer Würdenträger mit internationalen Erfahrungen und Einblicken in das religiöse Leben vieler Völker und Nationen. Inwiefern hebt sich die heutige Lage des Christentums in Deutschland von der in anderen Ländern ab?
Was einem als erstes äußeres Merkmal im kirchlichen Leben in Deutschland ins Auge springt, das ist der materielle, finanzielle Reichtum. Durch das Kirchensteuersystem macht die deutsche Kirche den Eindruck einer Art Staatskirche, und durch ihren finanziellen Reichtum ist sie gleichsam ein großer Arbeitgeber geworden. Wenn es auch zweifellos aufrichtige Christen gibt, die in den Strukturen der deutschen Kirche als bezahlte Arbeiter tätig sind, so gibt es erwiesenermaßen viele bezahlte Christen, die eher als Funktionäre ihre Aufgaben ausüben, und zwar immer mehr als „Parteifunktionäre“ und Funktionäre des neuen Totalitarismus der Gender-Ideologie, der Klimareligion und des Kults der Erde. Leider muß man zu solchen gutbezahlten und von den gleichgeschalteten öffentlichen Medien protegierten kirchlichen Arbeitern auch nicht wenige Pfarrer und sogar Bischöfe zählen. Man erkennt heute in Deutschland unter den Kirchenmännern eine immer größer werdende Zahl von Kollaborateuren mit der Ideologie der herrschenden Meinungsdiktatur. Wie leuchtend und heroisch hebt sich dagegen das Beispiel des Muts und des Widerstands des katholischen Klerus in der Zeit des Kulturkampfs unter Reichskanzler Bismarck und unter der nationalsozialistischen Diktatur ab. Die deutsche Kirche und das deutsche Christentum brauchen dringend neue mutige Bekenner.
Trotz materiellen Wohlstands erscheint Europa religiös ausgehöhlt und innerlich schwach. So werden gerade Kinder, die doch das Fundament der Zukunft sind, von vielen als Bedrohung der Gegenwart und als Einschränkung der Lebensqualität gesehen. In Ihrem „Mahnwort an die Christen Deutschlands“ sprechen Sie von einem „Siegeslauf der Anti-Kind-Mentalität“ und haben durch Ihre Teilnahme beim 6. „Marsch für das Leben“ ein Zeichen der Hoffnung gesetzt. Mit Erfolg?
Wenn man sich für die Wahrheit und für den Respekt vor Gottes Geboten und damit für die Würde des Menschen und das wahre und beständige Wohl der Gesellschaft einsetzt, dann ist „Erfolg“ ein zweitrangiges Kriterium. Das Gute wird in der Regel unter Mühen und Opfern gesät und bringt oft erst nach langen Jahren und nach einigen Generationen Frucht. Wir erleben heute die Schaffung der Gesellschaft eines gnadenlosen Egoismus, der alles aus dem Weg räumt, was das Ausleben der eigenen und immer maßloser werdenden Wünsche auch nur im Geringsten einschränkt. Die Losung lautet hier: „Ich, und nur ich!“
Das erste Opfer der Gesellschaft des Egoismus ist das schwächste und schutzloseste Wesen, nämlich das ungeborene Kind. Der Genozid der ungeborenen Mitbürger vollzieht sich unter zynischem Applaus der Mehrheit der politisch Verantwortlichen und der Volksvertreter. Der Genozid der Abtreibung wird als eine monströse Schandtat der Völker des 20. und 21. Jahrhunderts in die Geschichte eingehen. „Märsche für das Leben“ sind ein Hoffnungszeichen und ein Licht inmitten der Barbarei der Unmenschlichkeit. In einer Gesellschaft der Menschlichkeit opfern sich die Erwachsenen und die Starken, damit die Schwächsten, d.h. die ungeborenen und die geborenen Kinder, leben. In der Gesellschaft, die die Abtreibung legalisiert, werden die Schwächsten und die ungeborenen Kinder geopfert, damit die Erwachsenen und die Starken leben. Hoffnung und Zukunft gibt es nur dort, wo die Hingabe und der Schutz für die Schwächsten Vorrang hat. Mögen sich in Deutschland die „Märsche für das Leben“ immer mehr
ausweiten und zu einem nationalen Widerstand werden, der sagt: „Wir werden zum Genozid der Ungeborenen nicht mehr schweigen! Wir protestieren!“ Bedenkenswert bleibt die Aussage von Julius Fu?ík, eines tschechischen Widerstandskämpfers gegen den Nationalsozialismus: „Fürchte nicht deine Feinde, schlimmstenfalls können sie dich töten. Fürchte nicht deine Freunde, schlimmstenfalls können sie dich verraten. Fürchte die Gleichgültigen, weil mit deren schweigender Zustimmung die schändlichsten Verbrechen auf der Welt verübt werden.“
Ein Blick auf die politischen Einigungsbestrebungen in Europa kann keineswegs optimistisch stimmen. Die EU-Verfassung blendet bewußt ihre christlichen Wurzeln aus. Dieses säkulare Brüssel-Europa besteht offenbar nur aus rein ökonomischen und administrativen Strukturen. Ist es da verwunderlich, daß sich eine starke „populistische Gegenströmung“ bemerkbar gemacht hat?
Das säkulare Brüssel-Europa besteht sicherlich nicht nur aus rein ökonomischen und administrativen Strukturen. Solch eine Sicht wäre zu naiv. Es handelt sich um eine wesentlich ideologische Struktur. Das Brüssel-Europa ist in der Tat ein mächtiger politischer Arm für die gesellschaftliche Verwirklichung der letzten Phase der marxistischen Kulturrevolution. Dies zeigt sich hauptsächlich in drei Totalitarismen: in einem Totalitarismus der Materie, wo die Materie, etwa das Klima und die sogenannte Mutter Erde, alles bestimmend ist, in einem Totalitarismus der Gleichheit, der die Evidenz der zwei biologischen Geschlechter von Mann und Frau ausschließt, sowie in einem Totalitarismus des Atheismus, der die Materie und den Menschen zu einem „Gott“ erhebt. Der Ausdruck „populistische Gegenströmung“ ist eine tendentiöse und polemische Parole, um jeden Widerstand gegen die alles beherrschende Partei der „Gleichschaltung“ von vornherein zu diskreditieren. Das erinnert an ähnliche Methoden der Sowjetdiktatur, wo Kritiker gegen Kommunismus und Marxismus des Delikts der „antisowjetischen Propaganda“ und, wenn die Kritiker Katholiken oder Priester waren, des Delikts der „vatikanischen Spionage“ beschuldigt wurden.
Sehen Sie im „Populismus“, wie er abschätzig von den alten säkularen Eliten benannt wird, vielleicht auch mögliche Ansatzpunkte einer Neubelebung traditionell christlicher Werte?
Die Formierung eines gesellschaftlichen und politischen Widerstands gegen das Monopol des Einheitsdenkens der sogenannten säkularen politischen Eliten ist lobenswert und notwendig. Eine säkulare Gesellschaftsordnung führt von ihrem Wesen her zu einer Gesellschaft ohne Gott, weil darin alles Religiöse aus dem öffentlichen Leben ausgeschaltet wird. In erster Linie wird dabei der Einfluß der einzigen übernatürlichen Offenbarungsreligion, und das ist das Christentum, systematisch auf die rein private Sphäre reduziert und der Mensch, nicht der sich offenbarende Gott, zum Schöpfer und Richter von Wahr und Falsch, von Gut und Böse erklärt. Diese Sichtweise gehört übrigens zum Wesenskern des Freimaurertums.
Das Christentum hat durch die von ihm geförderte harmonische Verbindung und das Zusammenwirken von Natur und übernatürlicher Offenbarung eine in der Menschheitsgeschichte einmalige Kultur geschaffen. Aus dem Chaos des Zerfalls der griechisch-römischen Kultur haben die christlich gewordenen Barbaren die europäische Kultur geschaffen. Ohne die europäische Kultur der traditionell christlichen Werte hätte die Menschheit keine kulturellen Errungenschaften wie beispielsweise die einmalige musikalische Schönheit des Gregorianischen Chorals und der Architektur der Gotik, Genies wie Albertus Magnus, Thomas von Aquin, Kopernikus, Leonardo da Vinci, Leibniz, die bekanntesten christlichen Maler und Musiker. Ohne das Christentum, d.h. die traditionell christlichen Werte, könnte die Menschheit heute die Musik beispielsweise eines Mozart und Beethoven nicht hören. Die Mönche des Mittelalters haben die Werke der heidnischen griechischen und römischen Schriftsteller und Philosophen vor der Zerstörung durch die Wirren der Völkerwanderungszeit gerettet. Das Christentum hat in Europa auch die ersten Universitäten sowie die ersten allgemeinen Schulen und Krankenhäuser geschaffen. Unsere Gesellschaft ist auf dem Weg in den Abgrund der Barbarei, d.h. der Unkultur. Europa kann nur durch die traditionell christlichen Werte auf Dauer erneuert werden, und zwar durch die Förderung der treuen und monogamen Ehe, der Familie – und möglichst der kinderreichen Familie –, die Verteidigung des unschuldigen und des schwächsten menschlichen Lebens, die Ehrfurcht und Achtung vor den Kranken und Alten, die Erziehung der Jugend zu den Tugenden der Nächstenliebe, der Dankbarkeit, der Treue, der Keuschheit.
Viele besorgte Christen betrachten die wachsende Islamisierung in Europa als ernste Gefahr. Eine unaufhaltsame Entwicklung?
Die wachsende Islamisierung Europas hängt hauptsächlich von zwei Faktoren ab. Der entscheidende Faktor dabei ist politischer Natur. Die großen Ströme von islamischen Einwanderern in den letzten Jahren wurden vom „Politbüro“ in Brüssel aktiv gefördert und von den EU-Mitgliedstaaten ihre Aufnahme verlangt. Staaten wie z.B. Ungarn, Polen und die Slowakei, die die Aufnahme von christlichen statt islamischen Einwanderern beschlossen, wurden daraufhin von Brüssel gemaßregelt und mit Sanktionen bedroht. Der andere Faktor besteht in der Verbreitung des religiösen Relativismus, d.h. der Theorie, daß alle Religionen von Gott positiv gewollt und vor ihm gleich seien. Diese Theorie wird in unserer Zeit leider von maßgeblichen Vertretern des Heiligen Stuhls und von den meisten Episkopaten der katholischen Kirche in Europa gefördert.
Hinzu kommt ja, daß in islamisch geprägten Staaten grausame Christenverfolgungen stattfinden. Müssen wir nicht damit rechnen, daß sich bei steigendem Einfluß des Islam bei uns die Gefahr ähnlicher Konstellationen ergibt?
Eine Diskriminierung und verschiedenartige Verfolgung der Christen findet dort statt, wo der Islam ein Land politisch und sozial regiert. Der Islam hat von seiner Natur her einen totalitären Anspruch, denn die soziale Idealform des Islam besteht in der Verwirklichung der Scharia in allen Bereichen des öffentlichen Lebens. Wie sollen die europäischen Bürger damit umgehen? Es ist notwendig, die Öffentlichkeit auf jene Elemente der Scharia aufmerksam zu machen, die z.B. Frauen und Nichtmuslime diskriminieren und heute in nicht wenigen vom politischen Islam beherrschten Ländern – leider ohne Einspruch der sogenannten europäischen Demokraten – praktiziert werden.
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Zur Migrationsfrage ganz generell: Viele katholische Funktionäre, Priester, ja sogar Bischöfe meinen, daß die christliche Nächstenliebe offene Grenzen verlange und die Europäer geradezu verpflichtet seien, all jene, die sich mit Booten über das Mittelmeer zu uns aufmachen, auch aufzunehmen. Aber gibt es nicht eine Grenze dieser propagierten „Fernstenliebe“, vor allem dann, wenn sie zu desaströsen Verwerfungen in den Aufnahmeländern führt, die wir tagtäglich beobachten können?
Das Prinzip der offenen Grenzen wird früher oder später zu Unordnung im sozialen und politischen Leben eines jeden Staates führen und sogar anarchische oder bürgerkriegsähnliche Zustände hervorrufen. Mit Unordnung und Chaos ist niemandem geholfen, weder der einheimischen Bevölkerung noch den Immigranten. Es wäre gegen das Naturrecht und auch gegen die Tugend der Klugheit, wenn ein Vater unkontrolliert Leute in sein Haus aufnähme, die dann seinen eigenen Kindern an Leib und Seele Schaden zufügen.
Der westafrikanische Kardinal Robert Sarah hat sich in der Migrationsfrage sehr restriktiv festgelegt: Europa drohe durch fortgesetzte Immigration sogar der Untergang. Er sagte weiter, daß Gott kein Propagandist für Migration war und ist. Wenn Priester und Bischöfe sich auf das Wort Gottes beriefen, um illegale Massenmigration zu unterstützen, würden sie die Bibel falsch auslegen. Teilen Sie diese Aussage?
Gott hat alles in der Schöpfung mit Weisheit und rechter Ordnung geregelt. Wenn Gott in der Heiligen Schrift auch dazu mahnt, Fremde und Flüchtlinge aufzunehmen und ihnen Nächstenliebe zu erweisen, so beziehen sich diese Worte nicht auf Massen, sondern eher auf individuelle Fälle. Gott hat nicht die Akzeptanz der Invasion Fremder unter dem Namen von der Liebe zu den Fremden befohlen. Das wäre gegen den Sinn der Gerechtigkeit und gegen die Vernunft.
In Ihrem Beitrag für das Buch „Nation, Europa, Christenheit“ unter dem Titel „Die Hoffnungslosigkeit einer Stadt des Menschen ohne Gott. Mahnworte an die Christen Deutschlands“ weisen Sie auf Hunderte von Brandanschlägen in katholischen Kirchen in Frankreich hin. Höhepunkt: der Brand der Kathedrale Notre-Dame in Paris. In der Symbolik des negativen Geschehens sehen Sie auch positive Zeichen. Welche meinen Sie?
Ein beeindruckendes positives Zeichen war z.B. das spontane Gebet von mehreren Hundert Menschen, die sich angesichts der brennenden Kathedrale Notre-Dame auf das Straßenpflaster oder den Gehsteig knieten, den Rosenkranz beteten und Lieder sangen. Unter ihnen sah man viele junge Menschen. Eine Situation von Verfolgung, und das sind die systematischen Brandanschläge auf sakrale Gegenstände der katholischen Kirche im Grunde genommen, erzeugt eine heilsame Gegenreaktion in den Reihen der noch glaubenden Menschen. Manche, wenn auch nicht so viele, fühlen sich dann zum Bekennermut aufgerufen. In solchen Situationen leuchtet dann vor Gott das Licht des Muts der Christen, die furchtlos ihren Glauben bekennen und gegen den Strom schwimmen, heller als die Feuerflammen der Brandanschläge.
Themenwechsel zu Fragen der Liturgiereform: Als Argument für die Liturgiereform wurde oft ins Treffen geführt, daß die Gemeinde nicht in der Messe beten, sondern die Messe beten solle. Daher die Zelebration in der Volkssprache und das vernehmliche Beten des Kanons durch den Priester. Andererseits hat Kardinal Sarah, der Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst, „die Kraft der Stille“ (so der Titel seines Buchs) gerade bei der Zelebration der Heiligen Messe hervorgehoben. Lassen sich diese Anliegen zusammenbringen?
Zunächst sollte man klären, in was das Gebet eigentlich besteht. Nach der traditionellen, allgemeinen Definition heißt Gebet das „Erheben der Seele zu Gott“. Das ist das, was die Gläubigen im Zentrum der Meßliturgie auf den Zuruf des Priesters „Empor die Herzen!“ (Sursum corda!) antworten: „Wir haben sie [d.h. unsere Herzen] beim Herrn!“ (Habemus ad Dominum!). Das grundlegende Wort hier ist „beim Herrn“. Es gibt verschiedene Mittel, die uns helfen, unsere Herzen, unsere Gedanken, unser innerstes Streben und Wollen zu Gott zu erheben. Das kann das mündliche Gebet sein, das kann einfach ein gesammeltes Schweigen sein, ein Betrachten, Schauen und Zuhören voll Glauben und Liebe und Staunen. Die Seele des mündlichen Gebets ist allerdings das innere Gebet, das Gebet ohne Worte, die inneren Akte der Liebe zu Gott, des Danks und der Anbetung. Gott schätzt in besonderer Weise das innere Gebet, wie es uns die Heilige Schrift in der Geschichte der Anna im 1. Buch Samuel 1,12 lehrt, oder wo Gott die Menschen davor warnt, nur mit den Lippen zu beten und das Herz weit weg von Ihm zu haben (vgl. Jes. 29,13 und Math. 15,8). Die Meßliturgie ist natürlich das offizielle und feierlichste öffentliche Gebet der Kirche. Man soll jedem die Freiheit lassen, in der Weise daran teilzunehmen, wie er sein Herz am besten zu Gott erheben kann. Für nicht wenige Menschen ist dafür ein innerliches, schweigendes Teilnehmen hilfreich oder die Verrichtung der anbetenden Körpergesten wie Verneigung und Knien, oder auch ein schweigendes Betrachten und Hören dessen, was der Priester, die Altardiener und der Chor an äußeren Gesten, mündlichem Gebet und Gesängen Gott zum Lobe darbringen. Das Zweite Vatikanische Konzil hat das Schweigen sogar als eine der Formen der tätigen Teilnahmean der Meßliturgie genannt (vgl. „Sacrosanctum Concilium“, 30).
Ein wesentliches Anliegen der Messe ist die Förderung von Andacht und Ehrfurcht. Nun wurde der Empfang der Heiligen Kommunion sowohl stehend als auch in die ausgestreckte Hand ermöglicht. Verschleiert dies nicht die Bedeutung des Akts der Kommunionsspendung? Führt dies nicht zu einem Verlust der Gottesfurcht?
Auf Dauer gesehen führt solch eine Geste bei den meisten Menschen, vor allem auch bei Kindern und Jugendlichen, zum Verlust zunächst des vollen Glaubensbewußtseins von der realen Gegenwart des Herrn und der Wesensverwandlung, aber dann auch zum allmählichen Verlust der äußeren Ehrfurcht, so daß der Kommunionsempfang leicht zu etwas Gewöhnlichem wird. Die beschriebene Geste enthält nämlich das Minimum an äußerer Anbetung und Erhabenheit und gleicht eher der Geste, wie man gewöhnliche Nahrung zu sich nimmt, nämlich indem man die Speise mit der Hand anfaßt und sich selbst zum Mund führt. Ferner steht man.Niemand würde eine gewöhnliche Speise kniend einnehmen oder sie sich von einem anderen in den Mund legen lassen. Das ist nur bei Kleinkindern der Fall, die darauf angewiesen sind, daß die Erwachsenen ihnen die Speise in den Mund legen. Allerdings hat der Herr zu allen, und an erster Stelle zu den Erwachsenen, gesagt: „Wenn ihr das Reich Gottes nicht wie ein Kind aufnehmt, kommt ihr nicht in das Himmelreich“ (Lk. 18,17). Ist die Aufnahme der Heiligen Kommunion, des wahren Leibes und Blutes des Herrn mit Seiner Gottheit, nicht mehr als das Himmelreich? Deshalb ist die innere, aber auch die äußere Geste des Kindes und des demütigen Zöllners im Augenblick des Kommunionsempfangs eben die jahrhundertelang bewährte Geste des Kniens und der direkten Mundkommunion. Für den heiligsten Augenblick des Kommunionsempfangs gilt in besonderer Weise die Aussage des Heiligen Thomas von Aquin: „Was du kannst, das sollst du wagen!“ (Quantum potes, tantum aude!), d.h. was du an Ehrfurcht und Liebe dem Herrn innerlich und äußerlich geben kannst, das sollst du wagen.
Kritiker der Liturgiereform wenden ein, daß die Änderung der Zelebrationsrichtung um 180 Grad den Opfercharakter der Messe gegenüber dem Mahlcharakter aufgegeben habe und daß in den neuen, zusätzlich zum römischen Kanon eingeführten Hochgebeten wesentliche Glaubenswahrheiten nicht mehr vorkämen. Dennoch ist der Novus Ordo Missae die gültige, ordentliche Form des römischen Ritus. Auch Benedikt XVI. hat von zwei Anwendungsformen des einen römischen Ritus gesprochen. Sind diese Kritikpunkte also falsch oder nicht wichtig?
Die Kritikpunkte am Novus Ordo Missae sind natürlich berechtigt, weil darin unbestreitbar Elemente enthalten sind, die den Opfercharakter schwächen und eher den Mahlcharakter im protestantischen Sinne begünstigen, wie z. B. die neuen Opferungsgebete, die eigentlich Tischgebete aus der jüdischen Sabbathfeier sind. Das Zweite Eucharistische Hochgebet enthält sehr schwache Ausdrücke hinsichtlich des Opfercharakters. Diese Tatsache führte dazu, daß mehrere protestantische Pastoren erklärten, mit den neuen Opferungsgebeten und dem Zweiten Eucharistischen Hochgebet ohne weiteres das protestantische Abendmahl feiern zu können, jedoch niemals mit den alten Opferungsgebeten und dem Römischen Meßkanon. Der ganze rituelle Ablauf der Neuen Messe ist eher als eine Gemeindeversammlung gestaltet, so daß der Priester gleich zu Beginn wie bei einer weltlichen Veranstaltung die Gemeinde begrüßt und dann auch im Verlauf der Feier persönliche Kommentare nach eigenem Ermessen einbauen kann. Was für ein diametraler Gegensatz ist das zum überlieferten Ritus, wo zu Beginn der Priester mit der ganzen Gemeinde durch Gebete, Psalmen, das Schuldbekenntnis und gegebenenfalls das Gloria sich zunächst und sogar visuell ganz Gott zuwendet. Erst danach wendet sich der Priester mit dem liturgischen Gruß „Der Herr sei mit euch“ den Gläubigen zu. Der Ablauf der Neuen Messe hat im Gegensatz zur überlieferten und konstanten Meßform eine Tendenz zum Anthropozentrismus, was am anschaulichsten durch die „Versus-populum“-Zelebration zum Ausdruck kommt, eben wie in einem geschlossenen Kreis.
Ganz wesentlich ist aber doch die Verfälschung der Wandlungsworte. Christus ist zwar für alle gestorben, aber seine Erlösungskraft ist nur wirksam, wenn der einzelne Mensch sie annimmt. Daher muß es bei der Kelchkonsekration „für viele“ und nicht „für alle“ heißen, wie dies in allen Sprachen und allen Zeiten auch immer der Fall war. Nur in der Neuen Messe lautet die Formel anders. Papst Benedikt XVI. hat daher die Rückkehr zu den richtigen Wandlungsworten angeordnet. Zumindest im deutschen Sprachraum haben ihm die Bischöfe aber keinen Gehorsam geleistet. Was ist zu tun?
In der Neuen Messe im lateinischen Original waren die Wandlungsworte korrekt wiedergegeben, nämlich „für viele“, ebenso in anderen Sprachen wie im Französischen und in den slawischen Sprachen. Neuerdings sind sie auch im Englischen und Spanischen korrekt wiedergegeben. Die unkorrekte Übersetzung ist noch im Italienischen, im Portugiesischen und im Deutschen verblieben. Leider hat Papst Franziskus das Anliegen Papst Benedikts XVI. in diesem Punkt nicht unterstützt und erlaubt den genannten Sprachregionen, weiterhin bei der unkorrekten Übersetzung zu verbleiben.
Den Baum soll man nach den Früchten erkennen, heißt es im Matthäus-Evangelium. Nun hat sich zumindest im katholischen Europa die Zahl der Gottesdienstbesucher in den letzten Jahrzehnten um mehr als 70 % verringert. Hat die Liturgiereform dazu beigetragen oder einfach ihre Ziele nicht erreicht, weil der Zeitgeist stärker war?
Meines Erachtens haben beide Faktoren mitgewirkt: der Zeitgeist und die unglückliche Liturgiereform mit ihren entsakralisierenden Elementen. Wenn im Gottesdienst das Heilige, Erhabene, Übernatürliche nicht mehr deutlich genug zum Ausdruck kommt, spüren die Menschen eine Langeweile und sagen sich, daß sie anderswo bessere Unterhaltung haben können; vor allem ist es die Jugend, die so reagiert. Man verkennt die Tatsache, daß die menschliche Seele, und auch die der Jugendlichen, sich nach Hohem und eindeutig Heiligem sehnt.
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Mit dem Motu proprio „Summorum Pontificum“ hat Papst Benedikt XVI. im Jahr 2007 die tridentinische Messe als „außerordentliche Form des Römischen Ritus“ wieder zugelassen. Welchen Stellenwert hat die „alte“ Messe heute in der Kirche, welchen Stellenwert soll sie in Zukunft haben?
Ich würde von der Sache her vorschlagen, daß die „alte“ Messe nicht „außerordentliche Form des Römischen Ritus“, sondern „überlieferte“ bzw. „beständige Form des Römischen Ritus“ genannt wird. Außerordentlich sollte eigentlich die Neue Messe heißen, weil deren Gestalt, so wie sie ist, vor 1969 nie existiert hat und am grünen Tisch von Theoretikern und liturgischen Revolutionären fabriziert worden ist. Die „beständige“ Form des Römischen Ritus ist dagegen organisch und fast unbemerkbar ohne wahrnehmbare Brüche über mehr als 1500 Jahre gewachsen (soweit dokumentarisch feststellbar), und zwar nicht durch den Beitrag von verkopften Akademikern, sondern aus einem intensiven Glaubens- und Gebetsleben mehrerer Generationen und großer, heiliger Bischöfe und Päpste. Ohne Zweifel wird die heute sogenannte alte Messe mit geringen, sinnvollen und nützlichen Änderungen in den Meßrubriken, Meßformularien und dem Kalender die Messe der Zukunft sein. Das sieht man schon an der Tatsache, daß die „alte“ Messe auf der ganzen Welt vor allem Kinder und Jugendliche anzieht. Das ist wiederum ein Beweis dafür, daß das Wahre, das Heilige und das Schöne eine mächtige übernatürliche Anziehungskraft hat für jene Seelen, die Gott aufrichtig suchen.
Ist eine neue Liturgiereform überhaupt denkbar? Im 1988 von Johannes Paul II. zugelassenen Zairischen Meßritus werden etwa im Wortgottesdienst außer den Heiligen auch die Vorfahren angerufen.
Es gab im Laufe der Kirchengeschichte immer wieder Reformen in der Liturgie. Allerdings waren sie so vorsichtig, daß man die Reformen kaum wahrnahm. Die Heilige Messe, die z.B. im 13. Jahrhundert gefeiert wurde, war in ihrem äußeren Ablauf beinahe die gleiche wie die Messe nach dem Konzil von Trient, so daß der einfache gläubige Katholik nach diesem Konzil von einer Reform kaum etwas merkte. Das ersieht man an den Ausgaben des „Missale Romanum“ und den Meßkommentaren aus den Jahrhunderten vor dem Konzil von Trient und danach, und zwar, was den Meßritus selbst betrifft. Grundlegend bleibt der vom Zweiten Vatikanischen Konzil aufgestellte Grundsatz: „Schließlich sollen keine Neuerungen eingeführt werden, es sei denn, ein wirklicher und sicher zu erhoffender Nutzen der Kirche verlange es. Dabei ist Sorge zu tragen, daß die neuen Formen aus den schon bestehenden gewissermaßen organisch herauswachsen“ („Sacrosanctum Concilium“, 23). Dieser Grundsatz wurde leider bei der nach dem Konzil stattgefundenen Liturgiereform weitgehend nicht beachtet, mit den bedauerlichen Folgen, die wir alle feststellen. Die Kirche wird aus der verkehrten Vorgehensweise bei der nachkonziliaren Liturgiereform sicherlich eine Lehre ziehen und in Zukunft bei einer Liturgiereform so vorgehen, wie sie es zu allen Zeiten tat: ohne Brüche, vorsichtig und organisch.
Reinheit der Liturgie hängt mit Reinheit des Glaubens zusammen
Die Gemeinschaften der Tradition, wie im deutschen Sprachraum die Priesterbruderschaft St. Petrus und das „Institut Christus König und Hoherpriester“, halten nicht nur an der „alten“ Messe fest, sondern verurteilen auch bestimmte Entwicklungen in der Kirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Das gilt in besonderem Maße für die Priesterbruderschaft St. Pius X., die zwar außerhalb der Kirche steht, jedoch ohne schismatisch oder gar häretisch zu sein, und der auch der gegenwärtige Papst weitgehende Zugeständnisse gemacht hat. Die Pius-Bruderschaft wirft Papst Franziskus aber eine völlig neue Anwendung des Begriffs der Barmherzigkeit vor, die die Notwendigkeit einer echten Bekehrung, auf die es eigentlich ankomme, zumindest verschleiere. Welche Rolle sollen die Gemeinschaften der Tradition in der Zukunft spielen?
Zunächst muß ich einwenden, daß die Pius-Bruderschaft nicht außerhalb der Kirche steht. Die Vollmachten, die Papst Franziskus den Priestern der Pius-Bruderschaft erteilte, nämlich allgemeine Beichtvollmacht und Möglichkeit der Assistenz bei Eheschließungen, versetzt die Bruderschaft in eine wesentlich andere kanonische Position als in den Jahren davor. Es würde sicherlich gegen den gesunden Menschenverstand und die pastorale Sensibilität der Kirche verstoßen, die Gläubigen auf der einen Seite das Bußsakrament von den Priestern der Pius-Bruderschaft empfangen zu lassen und dann denselben Gläubigen, die gerade von diesen Priestern von ihren Sünden losgesprochen wurden, zu verbieten, für die Heilige Messe zu bleiben, die die gleichen Priester anschließend feiern werden. Eine solche Auslegung des Gesetzes wäre äußerst antipastoral.
Bedenkenswert bleiben hierzu die folgenden weisen Worte Papst Benedikts XVI.: „In der Rückschau auf die Spaltungen, die den Leib Christi im Lauf der Jahrhunderte verwundet haben, entsteht immer wieder der Eindruck, daß in den kritischen Momenten, in denen sich die Spaltung anbahnte, von Seiten der Verantwortlichen in der Kirche nicht genug getan worden ist, um Versöhnung und Einheit zu erhalten oder neu zu gewinnen; daß Versäumnisse in der Kirche mit schuld daran sind, daß Spaltungen sich verfestigen konnten“ (Brief an die Bischöfe anläßlich der Publikation des Apostolischen Schreibens motu proprio data „Summorum Pontificum“ vom 7. Juli 2007). Die Reinheit der Liturgie hängt unzertrennlich mit der Reinheit des Glaubens zusammen. Deswegen sollten jene Gemeinschaften, die den überlieferten Ritus pflegen, sich auch öffentlich in der Kirche mit mutigen und respektvollen Maßnahmen für die Verteidigung und Wiederherstellung der Reinheit des katholischen Glaubens und der Apostolischen Disziplin einsetzen.
Erst vor wenigen Wochen zu Ende gegangen ist die Amazonassynode, mit der sich große Erwartungen ebenso wie große Befürchtungen verbunden haben. Wie bewerten Sie, Exzellenz, die Ergebnisse?
Die Ergebnisse der Amazonassynode waren eigentlich schon von vornherein beschlossen. Darauf weisen mehrere Fakten hin: Bischof Erwin Kräutler, der emeritierte Bischof der Prälatur Xingu im brasilianischen Amazonasgebiet, bekannte öffentlich, daß er bei einer Privataudienz bei Papst Franziskus vor einigen Jahren jene Vorschläge machte, die nun in der Amazonassynode mehrheitlich befürwortet wurden, vor allem die Einführung eines verheirateten Klerus, mehr liturgische Befugnisse für Frauen (evtl. Diakoninnen), Einbeziehung der indigenen religiösen heidnischen Riten in die katholische Liturgie, zentrale Stellung der Umweltfragen im Leben der Kirche. Der Papst habe ihm damals gesagt, daß diese Ziele gut seien.
Ein anderes Faktum ist, dass Papst Franziskus in auffallender Weise gezielt extrem liberale Kardinäle, Bischöfe und Theologen zu Mitgliedern der Synode ernannte, welche dann im Falle von bischöflichen Teilnehmern durch ihre beschließende Stimme und im Falle von Theologen und Laien durch deren massive Lobbyarbeit in den Arbeitsgruppen das vorher erwünschte Ergebnis zustande brachten. Die Ergebnisse der Synode sind der Ausdruck einer ganz im Zeitlichen, Naturalistischen, Materialistischen, Diesseitigen aufgehenden Kirche ohne den Blick auf das Übernatürliche, ohne die wahre Sorge um das ewige Heil der Seelen und das Reich des Himmels. Man gewann den Eindruck einer Kirche, die nicht das Reich des Himmels, sondern fieberhaft das Reich der Erde sucht, sich in ihm einrichten und in ihm aufgehen will. Ein Beweis dafür war das Ärgernis der Akte der religiösen Verehrung der heidnischen Pachamama-Figuren und die religiöse Verehrung der Materie im Bild der „Mutter Erde“, die während der Synode sogar in Kirchen, d.h. im Petersdom und der Kirche Santa Maria in Traspontina, vollzogen wurden. Der in den letzten Jahrzehnten im Gefolge des Zweiten Vatikanischen Konzils im Leben der Kirche vorherrschende Anthropozentrismus erreichte auf der Amazonassynode seinen Höhepunkt im Ausdruck eines extremen Naturalismus mit einer Tendenz zur Gnosis und zur Gleichstellung aller Religionen. Die Ergebnisse der Amazonassynode werden sicherlich keinen dauerhaften Bestand haben. Sie wurden nämlich nicht auf Christus, den Felsen der Wahrheit, sondern auf Sand gebaut und werden wie die im Tiber versenkten Pachamama-Götzenbilder vom Winde verweht werden. Christus, die Wahrheit, wird siegen und der unveränderliche reine katholische Glaube.
Euer Exzellenz, unser Gespräch erscheint im Dezember, d. h. zum Jahreswechsel 2019/2020. Die Leser werden Ihre Worte in dieser besinnlichen Zeit lesen, sozusagen zwischen Christmette und Silvesterfeier. Welche Botschaft möchten Sie ihnen mit auf den Weg geben?
Die erschütterndste und zugleich froheste Nachricht, die je auf dieser Erde verkündet wurde, war die: Gott ist Mensch geworden und hat unter uns gewohnt (vgl. Joh. 1,14). Seither ist diese Erde, die voll von Gewalt und Elend ist, heller und das Tal der Tränen erträglicher geworden, denn Gott selbst hat auf dieser Erde gewohnt als wahrer Gott und Mensch in Jesus Christus. Er ist ein kleines Kind geworden, hat mit uns alle Unannehmlichkeiten, Sorgen und Leiden dieses Lebens und sogar noch den Tod und das Grab geteilt. Deshalb ist Sein schönster Name „Gott-mit-uns“, „Emmanuel“. Gott ist die Liebe und die Wahrheit. Auf dem Grab von Warren Carroll, dem Gründer des Christendom College in Front Royal, Virginia (USA) steht dieser tiefsinnige und treffende Satz geschrieben: „Truth exists, Incarnation happened“, d.h.: „Die Wahrheit existiert, also ist Gott Mensch geworden“. Seit der Menschwerdung Gottes ist nicht nur der Raum hier auf Erden, sondern auch die Zeit geheiligt. Deshalb werden die Jahre der Geschichte sowie die Jahre unseres Lebens „nach Christi Geburt“ gezählt. Früher schrieb man auch: „im Jahre des Heils“ oder „im Jahre des Herrn“. Bei jedem Jahreswechsel sollten wir immer daran denken, daß Gott Mensch geworden ist, für mich persönlich ist ER Mensch geworden. Jedes neue Jahr meines Lebens soll noch mehr ein Jahr des Heils, ein Jahr des Herrn werden, dann wird unser Leben immer Sinn und Segen haben.
Exzellenz, vielen Dank für dieses Interview.
In die große Auseinandersetzung unserer Zeit – „Volk“ gegen „Eliten“ – sind auch die Kirchen involviert. Eine Klarstellung zum Verhältnis des Christen zu Volk, Abendland und Tagespolitik.
Aus dem Inhalt:
l Ein kurzer Blick auf die Bedeutung des Christentums in aktuellen politischen Debatten (von Felix Dirsch / Volker Münz / Thomas Wawerka)
l Biblisch-theologische Grundlegung I: Nächstenliebe und Barmherzigkeit (von Thomas Wawerka)
l Biblisch-theologische Grundlegung II: Volk und Nation (von Godehard Michaelis)
l Linkes und rechtes Christentum im Widerspruch einer globalisierungsaffinen und einer heimatnahen Variante (von Felix Dirsch)
l Geisterstunde über Deutschland: Eugen Rosenstock-Huessys Analyse aus dem Jahr 1919 (von Lothar Mack)
l Das christliche Europa – Kontinent der Säkularisierung (von Daniel Zöllner)
l Das Kreuz ist die Grenze: Auf dem Weg von Athen nach Jerusalem (von André Thiele)
l Katholischer Traditionalismus in Europa (von Marc Stegherr)
l Chrislam: Wie der christlich-islamische Dialog zur Islamisierung unserer Gesellschaft führt (von Jaklin Chatschadorian)
l Zwischen Globalismus und Extremismus: Populismus als Lösung? (von Volker Münz)
l Vernunftgemäßes Ordnungsdenken und aktuelle Gefahren seiner Deformierung (von Daniel Führing)
l Die Hoffnungslosigkeit einer Stadt des Menschen ohne Gott: Mahnwort an die Christen Deutschlands (von Athanasius Schneider)