Von Wolfgang Dvorak-Stocker
Meine 10jährige Tochter ist weiter als die meisten Journalisten: Wenn sie einen Satz nicht versteht, fragt sie: „Wie meinst du das?“
Das „Wie meinst du das?“ ist die Grundlage unserer politischen Kultur. Wenn wir etwas nicht verstehen, fragen wir nach und verlassen uns darauf, daß der Gesprächspartner die Wahrheit sagt. Gingen wir davon aus, daß er lügt, würden wir gar nicht mit ihm sprechen.
Viele Journalisten gehen genau umkehrt vor: Sie reißen Satzfetzen aus dem Zusammenhang, die ursprünglich verständlich waren, so aber unverständlich werden müssen. Dann stellen sie einen falschen, erfundenen Zusammenhang her und tun so, als ob sie nicht wüßten, wie der Satz in Wirklichkeit gemeint war. Sie wollen ihren Lesern und Hörern nicht beim Verstehen helfen, sondern machen dieses im Gegenteil unmöglich. Das ist nun – zum wiederholten Mal – Björn Höcke passiert. Zwei Satzfetzen aus seinem Buch „Nie zweimal in denselben Fluss“ wurden aus dem Zusammenhang gerissen und dann so getan, als ob diese von Herrn Hitler stammten.
Das ist eine leichte Übung. Es wird kaum Politiker-Bücher geben, bei denen solches nicht möglich wäre. Daß damit die Grundlage unserer politischen Kultur nachhaltig beschädigt wird, merken die Journalisten nicht. Daß genau das Hetze ausmacht, leugnen sie. Daß gerade solche Aktionen die gegenseitige Verständnislosigkeit der beiden längst existierenden politischen Lager in Deutschland bis hin zum geistigen Bürgerkrieg steigern, wollen sie nicht wahrhaben.
Unsere politische Kultur gründet auf der Frage: „Wie meinst du das?“