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Naturschutz und Umweltschutz

Die Naturschutzbewegung hat rechte Wurzeln. Der Darwinist Ernst Haeckel (links) prägte den Begriff „Ökologie“.
Ernst Rudorff (Mitte) war der Gründer des „Bundes Heimatschutz“. Vor dem Ersten Weltkrieg entstand eine vielfältige „Lebensreformbewegung“, die bis hin zu FKK-Kultur und Vegetarismus alle Bereiche der Alltagskultur verändern wollte.
Im Bild rechts der Maler Karl Wilhelm Diefenbach mit seinen Kindern.

Aspekte des Politischen

Von Thorsten Seifter

Naturschutz ist eine der zentralen Fragen unserer Tage, auch wenn der politische Alltag noch nicht in gebührendem Ausmaß davon geprägt ist. In ihm laufen notwendigerweise viele Fäden zusammen, weil Menschen ohne Natur nicht zu denken sind. In Zeiten der totalen Entgrenzung und Entwurzelung bedarf es kluger Antworten, die sich im Diskurs zwischen den Antipo­den „global“ und „national“ bewegen.

Zunächst drängt sich eine terminolo­gische Klärung auf: Die Begriffe Na­turschutz und Umweltschutz sind nicht notwendigerweise synonym, da mit „Umwelt“ mehr umfaßt ist als alleine die Natur, also das Nicht-Menschliche. Die Umwelt schließt sehr wohl die Menschen mit ein und fragt oft auch nach sozialen Belangen. Die Umwelt als etwas, das „um einen/etwas herum“ existiert oder stattfindet, kann schwerlich gleichbedeu­tend sein mit der Natur, die zwar vom Menschen beeinflußt ist, jedoch keine so­zial konnotierte Frage erhebt wie: „Lärm­schutzwände ja oder nein?“ Lärmschutz­wände an Autobahnen mögen für in der Nähe befindliche Bewohner Relevanz haben, die Natur an sich hat davon aber nichts Positives. Sie wird in diesen und in anderen Fällen noch weiter entstellt, also negativ beeinflußt. Mit anderen Worten geht es beim Umweltschutz, dem sich vor allem die in Österreich poli­tisch schwer getroffenen Grünen ver­schrieben haben, weniger um die Argu­mentation von der Seite der Natur her, sondern stärker um den Standpunkt des Menschen bzw. um das Predigen eines allgemein (menschlich und natürlich) verträglichen Lebensstils, insbesondere im urbanen Gebiet.

Eine rechte Angelegenheit

Die Politisierung von Natur und Kultur, die von politisch linker Seite betrieben wird, offenbart zeitgleich aber das Aus­bleiben derselben auf heutiger rechter Seite. Dabei zeigt die Geschichte des Um­weltschutzes allein, daß der Wind aus konservativ-rechter Richtung wehte, was auch nicht verwundert, da die Zunei­gung zu Volk und Land jene zur Natur als Heimaterde impliziert. Die Natur prägt den Menschen, und ein Leben in möglichem Einklang mit ihr bildet den Grundstock für die kulturellen Aus­drucksformen eines Volkes. Die politi­sche Linke dagegen, die seit jeher an so­zialen Fragen, sprich der Veränderlich­keit von gesellschaftlich-wirtschaftlichen Zusammenhängen, interessiert war und für das Ewige und Ruhende nichts übrig hatte (und hat), müßte auf diesem Felde eigentlich deplaziert sein. Doch weit ge­fehlt: Ihr gelang es, den sogenannten Umweltschutz politisch zu vereinnah­men. In politischen Debatten werden den Grünen von Journalisten Rosen gestreut, sie hätten den Umweltschutz in breite Kreise der Bevölkerung getragen. Das ist allerdings sehr schmeichelhaft und eine historisch schlecht fundierte Position, im Prinzip also eine Gefälligkeit gegenüber der linksliberalen Schickeria in Grün.

Der Begriff der „Ökologie“ wurde nämlich vom großen deutschen Natur­forscher und überzeugten Darwinisten Ernst Haeckel geprägt, der im 19. Jahr­hundert wirkte. In dieser Zeit ermöglich­ten zahlreiche technische Erneuerungen die umwälzende Industrialisierung, was eine vielfältige, antimoderne Gegenbe­wegung Fuß fassen ließ, die zudem von der Romantik beeinflußt wurde. Die Grundüberlegung bzw. Diagnose war ei­ne wahrzunehmende Disharmonie zwi­schen Mensch und Umwelt. Durch die Industrialisierung und menschliche Zivi­lisation würden beide Entitäten degene­rieren. Der eigentliche Beginn der Natur­schutzbewegung in Deutschland war die Gründung des „Bundes Heimatschutz“ durch Ernst Rudorff im Jahre 1904. Diese antikapitalistische Bewegung trat für die Wahrung bzw. Wiederherstellung tradi­tioneller Gesellschafts- und Wirtschafts­verhältnisse vom Brauchtum bis zum klein strukturierten Handwerk ein. Par­allel dazu entstand die Lebensreformbe­wegung, die sich in einer FKK-Kultur ebenso ausprägte wie im Vegetarismus. Also durchwegs Elemente, die bis in die heutige Zeit weiterwirken. Der Ansatz war ein holistischer, da Mensch, Kultur, Land und Tier miteinbezogen wurden.

National gegen global

Nach 1945 war die Anschlußfähigkeit des Heimatschutzes oder der Lebensre­formbewegung gering, da man in den Nationalsozialismus eingemündet hatte. Zwar schafften es Einzelne wie Herbert Gruhl, Baldur Springmann oder August Haußleiter, heimatschützende Ideen bei den neuentstandenen Grünen zu kanali­sieren, jedoch hatten sie dort einen schweren Stand. Waren die Grünen in den 1980er Jahren anfangs personell und ideologisch heterogen, wurde innerhalb weniger Jahre damit Schluß gemacht. Sehr bald setzten sich u.a. kommunisti­sche Gruppen durch, denen die Natur oder gar die Heimat kein Anliegen war. Das Endprodukt bilden (Ex-)Politiker wie Eva Glawischnig, die opportuni­stisch von Windrädern und „Green Jobs“ schwärmen, im wesentlichen aber – ne­ben Xenophilie und Quoten aller Art – mit ihrem Haß gegen rechts Politik be­treiben (Glawischnig arbeitet seit ihrem Ausscheiden aus der Politik übrigens in der Glücksspielindustrie). 
Das ist die eine Seite ihrer „Umweltpo­litik“. Die andere ist ihr globalistischer Eifer, die Welt zu retten: „Wir wissen, welche Hoffnungen auf uns projiziert werden. Daß wir diesen Planeten unse­ren Kindern in einem besseren Zustand übergeben werden, als wir ihn vorgefun­den haben“, sagte Cem Özdemir, ehema­liger Bundesvorsitzender der deutschen Grünen. Doch wer sprichwörtlich alle retten will, rettet niemanden. Heimat­schutz kann nur dort entstehen und eine Größe sein, wo sich Menschen finden, denen ihre gemeinsame Heimat am Her­zen liegt. Es ist kein Wunder, daß Län­der, die innerlich zerrüttet sind, keinen starken Naturschutz aufweisen. Dann nämlich sind Partikularinteressen wie die pure Ausbeutung für den eigenen Vorteil die logische Folge. Heimatschutz ist also nicht zufällig ein nationales Un­ternehmen und weist nicht zufällig die besprochenen konservativ-rechten Wur­zeln auf. In einem globalen Maßstab kann in der Thematik ferner nur dann gedacht werden, wenn sich möglichst viele Nationen finden, die ihre jeweiligen natürlichen Gegebenheiten schätzen und zu schützen gedenken. Ansonsten han­delt es sich um politische Tagträumerei rund um die Ideologie einer angeblich vereinten Welt, die so schlicht nicht exi­stiert. Somit ist auch auf diesem Gebiet der vielfach totgesagte Nationalstaat das probateste Mittel zur Bewahrung hei­matlicher Erde.

In ihrer Anfangsphase waren die Grünen eine ideologisch heterogene Bewegung, mitbegründet von verschiedenen Persönlichkeiten, die sich selbst eher als politisch rechts verorteten, wie Herbert Gruhl (oben) und Baldur Springmann (unten).

Ressourcenhunger, Überbevölkerung und Scheuklappen

Wenn nun aber politisch einschlägige Or­ganisationen und Parteien zur vorgebli­chen Menschheits- und Umweltrettung antreten, wird in Wahrheit jede Diskussi­on aufgrund unüberwindlicher ideologi­scher Hürden ad absurdum geführt. Wer zum Beispiel aus einem humanitaristi­schen Impetus heraus jegliche Debatte über die (sich weiter verschärfende) Überbevölkerung der Erde als „men­schenfeindlich“, „rassistisch“, „euge­nisch“ brandmarkt, kann redlich nicht die Eine Welt in wirtschaftlicher und eth­nischer Hinsicht predigen, da sie massive Auswirkungen auf die Natur zeitigt. Au­ßer, es ist bei diesen Gruppen mit dem Naturschutz nicht weit her.

Da die größte demographische Wachs­tumszone auf der Welt Afrika ist, müssen die potentiellen Auswirkungen auf die Natur, nicht nur in Afrika, sondern ge­wiß auch durch die aktuelle und wohl noch stark zunehmende (illegale) Zu­wanderung am europäischen Kontinent ausgeleuchtet werden. Dort wie da geht es um Ressourcen, um Öl, Wasser und andere wichtige Rohstoffe, vor allem für die mobile und vernetzte moderne Welt. Doch diese sind allesamt endlich und auf der Erde nicht überall im gleichen Aus­maß zu finden bzw. abzubauen. In Anbe­tracht der relativen Zunahme an Wohl­stand in der Dritten Welt ist es möglich geworden, daß etwa Westafrikaner aus Ghana oder Nigeria nicht nur vermehrt einen westlichen Lebensstil pflegen kön­nen, sondern auch die erforderlichen Mittel zur Auswanderung in die EU auf­bringen können1. Das bedeutet erhöhten Ressourcenverbrauch in den afrikani­schen Ländern und – bei gelungener Auswanderung in die EU – aufgrund des noch höheren Lebensstandards einen steigenden Bedarf an Öl, Wasser, Strom etc. sowie eine Zunahme des jetzt schon nicht mehr zu bewältigenden Müllauf­kommens, die gnadenlose Verbauung und Bodenversiegelung und dergleichen mehr. Bekannt ist weiters, daß gerade die konsumistischen Realitäten des kapitali­stischen Westens besonders anziehend sind für Einwanderer aus aller Welt. Wer nun den Weg in den Westen geschafft hat, will am Konsum vollends partizipie­ren. Dieser energiegeladene Strom schleudert die wenigen abtrünnigen Schiffe konsumkritischer, alternativer Bürger mit Leichtigkeit hinfort.

Ökofaschisten und andere Übeltäter

Solche Betrachtungen werden von Lin­ken mit Argwohn beäugt, schimmert für sie doch hier der „Ökofaschismus“ durch – ein beliebtes, einschlägiges Wort zur Denunziation nichtlinker, wiewohl rich­tiger Überlegungen. Ihr Faible für die Zweite und Dritte Welt läßt sie immer wieder in den typischen antiweißen Ras­sismus verfallen, der besagt, daß die Wei­ßen die Welt ausplünderten und die Ärmsten zwar in der Zahl mehr seien, je­doch weniger Ressourcen verbrauchten. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Sie sehen nicht, daß potentiell jedes Land der Erde ein Ziel für kapitalistische Inter­essen ist oder sein könnte. Mit der Idee „Wohlstand durch Wachstum“, dem glo­balistischen Exportschlager, wurden schon einige asiatische Länder verwestlicht, und mit wachsendem „Wohl­stand“ steigen auch je­weils der Ressourcen­hunger und die Natur­zerstörung. Südostasiati­sche Länder mit dem Vorreiter China2 bilden denn auch laut WWF Deutschland den Schwer­punkt, wenn es um in die Gewässer abgesonderten Plastikmüll geht3. Durch eine mangelnde Samm­lung und Wiederverwer­tung von Plastikabfällen werden Flüsse und in der Folge auch die Meere mit dem Rohölprodukt zuge­müllt, was nicht nur eine ästhetische Frage darstellt, sondern die Meeresbewohner oftmals qualvoll veren­den läßt. Mikropartikel, die bei dem langsamen Abbauprozeß von Plastik in die Futterkette der Tiere gelangen (z.B. von Fischen), finden so den Weg über die Nahrung zurück zum Menschen. Die Auswirkungen auf den menschlichen Organismus können noch gar nicht rich­tig abgeschätzt werden. Jährlich werden 78 Millionen Tonnen Plastikverpackun­gen verbraucht, wovon satte 32 Prozent unkontrolliert in die Natur gelangen4. Nun verhält es sich nicht so, daß in der Nordsee vor Deutschland kein Müll schwämme, jedoch befinden sich die gro­ßen Sünder eben außerhalb Europas. Das ist nicht nur ein argumentatives Mittel gegen plumpe antiweiße oder antieuro­päische Agitation, sondern auch realpoli­tisch relevant. Weil die europäischen Staaten aufgrund des Preisdrucks dein­dustrialisiert werden, wird in fernen Ge­filden produziert, wo es allerdings mit diversen Aspekten des Naturschutzes – nicht nur dem Recycling –Probleme gibt (Stichwort: Filteranlagen bei Produkti­onsbetrieben).
Gegenüber einer solchen Betrach­tungsweise ist es weitaus einfacher und angenehmer, politisches Kleingeld zu machen und statt dessen in einem identi­tätspolitischen Furor auf jene einzuschla­gen, die derartige Ansichten ventilieren. Dabei es ist nicht nur die oben genannte Überbevölkerung, die tabuisiert wird (insbesondere ihre Eindämmung), was aus pseudo-humanistischer Perspektive zumindest noch nachvollziehbar wäre, sondern der Bereich des Naturschutzes insgesamt, wenn er denn in den Geruch von „rechts“ kommt. Die deutsche Bun­deszentrale für politische Bildung subsu­miert die einschlägigen Kategorisierun­gen „Ökologie von rechts“ und „Grüne Braune“ vorsorglich unter der Rubrik „Rechtsextremismus“5. Es besteht schlicht kein Interesse an inhaltlicher Zu­sammenarbeit im Sinne der Natur, son­dern es herrscht einzig der blindwütige „Kampf gegen rechts“. Politologen wie Gudrun Heinrich sprechen in dem Zu­sammenhang von „brauner Ökologie“6. Heinrich stellte gegenüber dem „Deutschlandfunk“ am 17. Jänner 2017 nachdrücklich fest, daß umweltbewußte Rechte – man glaubt es kaum – im „Be­reich der biologischen Landwirtschaft“ oder „in ganz normalen Vereinen“ tätig seien. Es sei bedenklich, daß „unsere Freunde, Leute von nebenan, die wir ei­gentlich total sympathisch finden und in vielen Dingen mit ihnen übereinstim­men, dann doch an der einen oder ande­ren Stelle ein Gedankengut vertreten, was deutlich problematisch ist“. Und die Politikwissenschaftlerin hat auch ein Er­kennungsmerkmal herausdestilliert, um Rechte zu identifizieren: „In der Argu­mentation merken wir aber auch schon, dass es ganz andere Begrifflichkeiten sind als andere, die im Natur- und Um­weltschutz engagiert sind, verwenden würden. Da würde es nicht um das deut­sche Volk gehen beispielsweise.“ Man rettet also die Welt, aber nicht Deutsch­land.

Elektroautos als Mobilitätslösung der Zukunft?

Es läge nunmehr an der Rechten, dem politischen Kontrahenten in Sachen Na­turschutz den Spiegel vorzuhalten. Heu­tige Linke spüren keine volklichen Ban­de, sie sind international und multikultu­rell ausgerichtet. Die Auseinanderset­zung ist auch hier, wie generell in unse­ren Tagen, zwischen national und global angesiedelt. Die Rechte braucht auch auf diesem für sie eigentlich so wichtigen, je­doch sträflich vernachlässigten und der Linken überlassenen Thema dringend Geländegewinne. Diese wird man jedoch durch Ideen wie jene des österreichi­schen Verkehrsministers Nobert Hofer (FPÖ), dem von sogenannten Umweltak­tivisten attestiert wird, in Sachen Natur­schutz „radikaler als die meisten Grü­nen“ zu sein7, abschnittsweise Tempo 140 auf Autobahnen zu fahren, nicht er­zielen können, da damit der Lärm und die Verschmutzung ansteigen würden. In der Diskussion tritt erwartungsgemäß parteipolitisch zu erklärende Heuchelei zutage, wenn ausgerechnet grüne Politi­ker gegen Hofers Vorstoß, Elektroautos im Straßenverkehr zu bevorzugen, aus schwer nachvollziehbaren Gründen zu Felde ziehen. Jahrelang wurden alterna­tive Fortbewegungsmittel propagiert, wurden – wie könnte es anders sein – Verbote, Mautgebühren für den Stadt­verkehr etc. vorgeschlagen, um nun über Details streiten zu wollen, ob denn z.B. die Öffnung der Busspuren für E-Fahr­zeuge den Verkehr zum Erliegen brächte oder nicht.

Allerdings sind beim Elektroauto auch ernsthafte Fragen offen. Da wäre einmal die Herstellung der Batterien, die viel Energie benötigt; in der Folge die Wie­derverwertbarkeit derselben, die trotz erfolgter Markteinführung der elektrisch betriebenen Autos noch in den Kinder­schuhen steckt. Dann die Möglichkeit ei­ner flächendeckenden Lademöglichkeit aus rein „nachhaltigem“ Strom (auch bei einer starken Zunahme an Fahrzeugen). Drittens das grundsätzliche Problem, daß die Tendenz der Elektroautos bereits in Richtung steigenden Gewichts weist, was für die Natur keinen Nutzen bringt. Experten8 sagen, die Wagen müßten leichter, kleiner und für kürzere Strecken ausgerichtet werden. Dem aber laufe die Prahlerei mit einer großen Reichweite, Beschleunigung und Höchstgeschwin­digkeit zuwider. Zuletzt das Faktum, daß – abhängig von der Größe der Batte­rien etc. – E-Autos mehrere zehntausend Kilometer fahren müssen, um die her­kömmlichen Fahrzeuge an oft zitierter Nachhaltigkeit überhaupt zu übertrump­fen. Bei ihrer Herstellung belasten Elek­troautos die Umwelt deutlich stärker als gewöhnliche Kfz. Wohin die Forschung mittelfristig auch führen wird, um eines dürfte der moderne Mensch nicht um­hinkommen: den für ihn schmerzlichen Verzicht auf Annehmlichkeiten und Lu­xus.

Im Bereich der Mobilität müssen trotz­dem Veränderungen herbeigeführt wer­den. Nicht zuletzt auf Österreichs Auto­bahnen findet durch den transnationalen Transport Tag für Tag eine Verschmut­zung der Natur statt; sie sind überfüllt mit ausländischen Lastwägen aus EU- und Nicht-EU-Staaten. Irrsinnige Transi­trouten über den halben oder ganzen Globus sind auch aus Gründen der endli­chen Ressourcen absolut wahnhaft und irrational, alleine, wenn an das maßgebli­che Öl gedacht wird. Die Welt wird durch Öl angetrieben; die Alternativen sind zumeist keine, häufig werden die fossilen Energieaufwände, die z.B. die Herstellung von Windrädern oder Pho­tovoltaikanlagen benötigt, nicht bedacht. Doch gehen die Öl-Fördermengen be­reits zurück, der Bedarf wird dennoch weiter steigen. Ein weiterer negativer Nebeneffekt der ölbetriebenen interna­tionalen Warenverschiebung sind invasi­ve Pflanzen oder fremde Tierarten, die in beachtlicher Zahl eingeschleppt werden und zunehmend das hiesige Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringen. Im Au­gust 2017 hieß es z.B. auf ORF.at, daß in der österreichischen Stadt Tulln sowie in Korneuburg und Klosterneuburg ein massives Eschensterben vor sich gehe. In einem beliebten Naherholungsgebiet in Tulln müsse jede der 2200 Eschen gefällt werden, das sei jeder zweite Baum. Schuld trage ein aus Asien eingeschlepp­ter Pilz, der die Baumkronen auslichte und in der Folge auch die Wurzeln an­greife. Derartige Berichte gibt es seit Jah­ren über ganz Österreich verstreut, und eine Trendumkehr ist nicht in Sicht. Die Schuld daran tragen der Kapitalismus, die Gier des einzelnen und die Globali­sierung. Dagegen haben linke Umwelt­politiker nichts einzuwenden, weil sie andernfalls fürchten müßten, plötzlich als Abtrünnige zu gelten, die gegen „Eu­ropa“ stünden. Grüne haben schlichtweg andere Prioritäten als die Natur, die sie beizeiten betonen, wenn es opportun erscheint.

Der globalistische Exportschlager „Wohlstand durch Wachstum“ hat vor allem asiatische Länder von Grund auf verändert, was nicht nur zu einer weitgehenden Beseitigung von Hunger und drückender Armut, sondern auch zu zunehmendem Ressourcenhunger und Naturzerstörung geführt hat. 32 % der jährlich erzeugten 78 Millionen Tonnen Plastikverpackungen landen unkontrolliert in der Natur, vorzugsweise in südostasiatischen Staaten.

Wirtschaftsliberale an den Schalthebeln

Die Rechte, sei sie verkörpert durch FPÖ oder partiell ÖVP, zeigt aber ebenfalls keine großen Anstrengungen, dem Na­turschutz den Vorrang zu geben. Das Primat haben bei den aktuellen Konser­vativen oder Rechten die Wirtschaftslibe­ralen, wie sich ja auch in der Zuwande­rungsdebatte zeigt. Einen faktischen Zu­wanderungsstop gibt es in Österreich nämlich nach wie vor nicht, sei es, weil EU-Recht dagegensteht, oder weil Wirt­schaftsvertreter, auch aus der Wirt­schaftskammer oder der Industriellen­vereinigung, ohne Unterlaß intervenie­ren9.

Glaubhafter Naturschutz wird unter diesen Vorzeichen ebensowenig zu reali­sieren sein, was eine thematische Flanke offenläßt, in die nach wie vor andere Gruppen hineinstoßen. Die Frage ist auch, ob und in welchem Ausmaß eine Rechte und ihre Vertreter willens sind, eine antimoderne Haltung einzunehmen, die durch Maßhalten und Verzicht geprägt ist. Es braucht eine an­dere Geisteshaltung, die mit den Golde­nen Kälbern kurzen Prozeß macht. Und die Goldenen Kälber sind nun wirklich keine zierlichen, sondern widerspensti­ge, bockige Tiere: Der schrankenlose Handel als Beispiel kann nur durch eine stärkere regionale bzw. nationale Rück­bindung, also: Produktion und Konsum aus heimischer Fertigung, eingedämmt werden. Aber nicht nur das, es wird auch um Verzicht gehen: Der Fleischkonsum etwa hat sich in Österreich innerhalb we­niger Jahrzehnte fast verdoppelt, der Ei­erverbrauch stieg sogar noch stärker an. Zugleich sank der Verzehr von Getreide hierzulande erheblich. Bekanntermaßen benötigt die Fleischproduktion viel Was­ser und große Futtermengen.

Als nachhaltige Alternative für die Ei­weißzufuhr wird deshalb immer häufi­ger Insektenverzehr angepriesen, einer­seits als Futtermittel für Tiere, anderer­seits aber auch als Ernährungsmöglich­keit für den Menschen, wie Wolfgang Dvorak-Stocker in der Neuen Ordnung 2/18 schrieb. Insekten zu essen, ist tat­sächlich gewöhnungsbedürftig und für viele gar ekelhaft; somit wäre zumindest eine Reduktion des Fleischkonsums als sinnvolle Maß­nahme zu deklarieren und auf die Agenda zu setzen.

Geradlinigkeit und das Aufflammen der Ästhetik

Wenn die Zukunft noch einigerma­ßen politisch gestaltbar ist, sollte sich die Rechte nicht mit jenen Kräf­ten aufhalten, die die verfahrene Si­tuation zu verantworten haben. Ge­rade von linker Seite ist ohnehin keine Kollaboration in der Sache zu erwarten, zu wichtig ist der Linken die Polarisierung gegen rechts als konstitutives Selbstbild. Der Natur­schutz kann nur in einen gesamtge­sellschaftlichen Wandel eingebettet funktionieren. Globalisierung und Technisierung sind Widerstreiter des Naturschutzes. Auf Seiten der Konservativen und Rechten finden sich, wie oben gezeigt, historisch ausreichend Anknüpfungspunkte im eigenen Lager für ein nachhalti­ges, politisch umzusetzendes Na­turschutzprogramm. Doch müssen sich ÖVP und FPÖ zu einer ideolo­gischen und realpolitischen Richtungs­entscheidung durchringen. Derzeit ste­hen die Zeichen insgesamt nicht auf eine Abkehr vom Status quo, der in Sachen Naturschutz eine typisch österreichische Lösung darstellt: Wirtschaft und Gesell­schaft die Möglichkeiten zu geben, in die Umwelt einzugreifen, dabei jedoch auf diese Rücksicht zu nehmen und Maß zu halten.

Die ÖVP-FPÖ-Koalition tendierte zu­letzt aber stärker in die wirtschaftslibera­le Richtung, was sich im Versuch äußer­te, „Wirtschaft“ als Staatsziel in der Ver­fassung zu verankern, wofür am Ende aber die Mehrheitsbeschaffer fehlten10. Laut Aussage der mitverhandelnden li­beralen NEOS war in der ersten Formu­lierung der Regierung überhaupt kein Bezug zur Natur gegeben, dann fand sich immerhin das Wort „nachhaltig“. Ein Bekenntnis zum Naturschutz sieht in der Tat anders aus. Wie lange soll der all­gegenwärtigen Akkumulation von Ge­winnen um jeden Preis noch der Vorrang eingeräumt werden? Eine echte Wende­regierung muß auf allen Ebenen inhaltli­che Kontrapunkte setzen und sollte nicht vor dem Schutz der Natur und damit der Heimat haltmachen.

In der ÖVP und sogar in der FPÖ sitzen die Wirtschaftsliberalen an den Schalthebeln. Ohne hinreichende Bereitschaft zu Verzicht und Wohlstandsbegrenzung wird echter Naturschutz aber nicht zu haben sein. In der Natur spiegelt sich das ewig Schöne und Absolute; nur wenn dies wieder in den Fokus der Betrachtung rückt, wird die Natur den ihr zukommenden Stellenwert zurückerhalten. – Landschaft auf Island.

Denn diese ist nicht nur schützens-, sondern auch bewun­dernswert. In der Natur spiegelt sich das ewig Schöne und Absolute. Die Gat­tungsmalerei des 19. Jahrhunderts oder das Besingen der heimatlichen Umge­bung sind Ausdruck dessen. Man ver­gleiche dazu die Versuche heutiger Re­gierungen, dem Klimawandel u.a. mit riesigen, metallenen Ungetümen zu be­gegnen. Die Rede ist von den Windrä­dern, die Berg und Tal in Beschlag neh­men. Unvorstellbar, daß diese Vorlagen für Landschaftsmalerei böten, Ansichts­karten oder Briefmarken zierten. Was al­so sollen unsere Kinder einmal essen, in welcher Umgebung sollen sie aufwach­sen und: Was soll im 21. Jahrhundert das Schöne symbolisieren, wo doch im post­modernen Zeitalter der Relativismus al­les erstickt? Wenn keine Debatte über das Schöne geführt wird, darf der Stellen­wert der Natur nicht verwundern.

 

Anmerkungen

1 www.welt.de/politik/ausland/article174796884/Millionen-Fluechtlinge-aus-Afrika-Zweite-Phase-der-Migration-hat-laengst-begonnen.html

2 de.statista.com/infogra­fik/14944/jaehrliche-plastikverschmutzung-im-meer-pro-land/

3 www.wwf.de/plastikflut/

4 www.wwf.de/themen-projekte/meere-kuesten/plastik/unsere-ozeane-ver­sinken-im-plastikmuell/

5 www.bpb.de/politik/extremis­mus/rechtsextremismus/211923/

6 www.deutschlandfunk.de/na­zis-in-der-umwelt-szene-der-naturschutzge­danke-ist-ein.697.de.html

7 diepresse.com/home/wirt­schaft/economist/4992173/Norbert-Hofer-der-verhinderte-Gruene

8 www.ndr.de/ratgeber/verbrau­cher/Wie-umweltfreundlich-sind-Elektroautos,emobilitaet266.html

9 kurier.at/politik/inland/abschie­bung-von-lehrlingen-uneinigkeit-in-wirt­schaftskammer/400085549

10 www.sn.at/wirtschaft/oester­reich/staatsziel-wirtschaft-in-der-verfas­sung-vorerst-abgesagt-45899830

 
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