Liegt auch seine Zeit schon drei Jahrhunderte zurück, so ist doch die Erinnerung an ihn lebendig. Prinz Eugen von Savoyen bleibt nicht nur durch seine Statue auf dem Wiener Heldenplatz im Gedächtnis der Menschen, sondern ebenso durch sein Schaffen als Feldherr, Politiker, Baumeister und Mäzen. Er, der ein Multitalent in Reinkultur war, kam am 18. Oktober 1663, also vor 355 Jahren, zur Welt. Doch bis in unsere Gegenwart hinein ist es keinem noch so eifrig wühlenden Biographen geglückt, Eugens fürwahr komplexe, vielschichtige Persönlichkeit vollkommen zu dechiffrieren. Denn sein wahres Ich hielt er stets hinter einem für die Öffentlichkeit bestimmten, mit viel Sorgfalt gepflegten Bild seiner Person verborgen. Insofern treffen auch auf ihn die Worte zu, die Friedrich Schiller seinen illustren Vorgänger als Generalissimus des Hauses Habsburg, Albrecht von Wallenstein, in „Die Piccolomini“ (2. Akt, 5. Auftritt) sprechen läßt: „Kennst Du mich so gut? Ich wüßte nicht, daß ich mein Innerstes Dir aufgetan“1.
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Die Hauptursachen für die „Verstellung“ Eugens (wie es in einem zeitgenössischen diplomatischen Bericht an Frankreichs König Ludwig XIV. wenig schmeichelhaft heißt) liegen nach der Einschätzung seiner Biographen Konrad Kramar und Georg Mayrhofer2 in der Kindheit und der Jugend des späteren Feldherrn. Wir wollen uns hier aber nicht in schmutzigen Details oft wilder Spekulationen verlieren, wie das bereits so viele mit Blick auf diese Lebensphase des Prinzen getan haben, sondern zunächst einmal einen Blick auf die Anfänge Eugens werfen.
Der am 18. Oktober 1663 in Paris geborene Eugen Franz, Prinz von Savoyen- Carignan, war Sohn einer Geliebten König Ludwigs XIV., Olympia Mancini. Sie wiederum war die Nichte Kardinal Mazarins, der als Nachfolger des Kardinals Richelieu in den Jahren von 1642 bis 1661 als Leitender Minister die Politik Frankreichs gelenkt hatte. Eugen, der in nahem Verwandtschaftsverhältnis sowohl zu den Bourbonen als auch zu den Habsburgern stand, hatte es am Hof des „Sonnenkönigs“, der ihn in positiver wie negativer Hinsicht prägte, nicht leicht. Denn im Kampf um die Kontrolle über Versailles, der immer auch ein Machtkampf um die Gunst des Frauenliebhabers Ludwig war, hatte Eugens Mutter Olympia Mancini den Bogen überspannt. Bis 1665 Geliebte des „Allerchristlichsten Königs“, wurde sie 1679 in einen Giftmischerskandal verwickelt, weswegen sie Anfang 1680 aus Paris floh und in die Spanischen Niederlande ins Exil ging. Der Vater Eugens, Eugen Moritz von Savoyen-Carignan, war ein angesehener hoher Beamter und General Ludwigs XIV., dazu Graf von Soissons und Dreux, seit 1657 mit Olympia Mancini verheiratet, verstarb jedoch bereits im Jahr 1673. Immerhin hatte er – den vergiftet zu haben Olympia verdächtigt wurde – seine militärischen Talente in hohem Maße an seinen Sohn Eugen Franz vererbt, der sie zu wahrer Meisterschaft weiterentwickeln sollte.3
Im Anschluß an eine eher freudlose Kindheit verbrachte Eugen (wie wir ihn ab jetzt nur noch kurz nennen) als Jugendlicher seine Tage in Paris ohne größere Zukunftsperspektiven. Leider pflegte er hierbei einen schlechten Umgang, denn durch seine Exzesse und Verirrungen sah sich Ludwig XIV. – selbst „kein Kind von Traurigkeit“ – zum Einschreiten genötigt. Prinz Eugen stand in dem Ruf, eine unordentliche, wenn nicht gar unwürdige Existenz zu führen. Elisabeth Charlotte („Liselotte“) von der Pfalz, Ludwigs XIV. Schwägerin, meinte harsch, Eugen werde es zu nichts bringen.4
Doch das wollte der so hart Gescholtene nicht auf sich sitzen lassen und aktivierte die vielen guten Kontakte, über die er verfügte. Zu seinen engsten Freunden gehörte auch Louis Armand Prinz Conti. Er war mit Ludwigs illegitimer, offiziell jedoch anerkannter Tochter Mademoiselle de Blois verheiratet und konnte Eugen eine Audienz beim König verschaffen. Ihm trug der Prinz seinen Wunsch nach einer Karriere beim Militär vor – und wurde vom Monarchen abgewiesen. Erst später – zu spät – erkannte König Ludwig XIV., daß er sich damit einen herausragenden Staatsdiener hatte entgehen lassen. Denn statt seine Talente weiter in der Dekadenz des französischen Hofes verkümmern zu lassen, wechselte der gerade einmal 20 Jahre junge Eugen einfach
Den Wunsch, nach Osten zu gehen, um dort gegen das höchst bedrohliche Osmanische Reich zu fechten, teilte Eugen mit vielen jungen Aristokraten jener Zeit. Weil aber Ludwig XIV. ihn trotz der Ablehnung für die französische Armee nicht an den Kaiser in Wien verlieren wollte, floh der Savoyer zusammen mit Prinz Conti. Natürlich ließ der allgewaltige Sonnenkönig die beiden renitenten Adligen verfolgen, denn zumindest seinen Schwiegersohn konnte er auf gar keinen Fall dem habsburgischen Rivalen Leopold I. überlassen. In Frankfurt am Main eingeholt, ließ sich Conti zur Rückkehr bewegen, überließ aber dem mittellosen Eugen immerhin die Reisekasse. Dieser traf im kaiserlichen Lager zu Passau ein, wohin der Hof Leopolds I. vor den Türken geflüchtet war, die bereits vor Wien lagen, um endlich den „Goldenen Apfel“ (so hieß die Stadt bei ihnen) zu pflücken. Prinz Eugen setzte alles auf den Sieg über die Türken und damit auf das Haus Habsburg, was seinen Bruch mit Ludwig XIV. ganz und gar irreversibel werden ließ.6
Durch den spanischen Gesandten am Kaiserhof, den Marchese di Borgomanero, bei Leopold I. eingeführt, hatte Eugen das Dragonerregiment seines im Kampf gefallenen Bruders Ludwig Julius von Savoyen für sich selbst erhofft, wurde darin aber zunächst enttäuscht. So konnte er nur als Freiwilliger im Heer des Herzogs Karl von Lothringen an der für den Kaiser und seine Verbündeten so siegreichen Schlacht am Kahlenberg zum Entsatz Wiens am 12. September 1683 teilnehmen. Bei diesem absolut unerwarteten Triumph der aus verschiedenen Kontingenten zusammengesetzten Armee Leopolds I. über die schier erdrückende osmanische Übermacht und auch bei deren Verfolgung muß sich Eugen ausgezeichnet haben. Denn schon am 14. Dezember 1683 empfing er vom Kaiser das Patent als Oberst eines neu aufgestellten Dragonerregiments.7 Zwar erwog Eugen in den folgenden Jahren auch noch die Möglichkeiten einer Versorgung in savoyischen oder spanischen Diensten und erreichte nach einem Besuch in Madrid im Frühjahr 1686 sogar seine Erhebung zum spanischen Granden sowie die Verleihung des Goldenen Vlieses. Aber die von seiner Mutter Olympia Mancini verfolgten Pläne, ihn mit einer Tochter aus reichem spanischem Hause zu verheiraten, scheiterten. Außerdem ließ ihn sein rascher Aufstieg im kaiserlichen Heer zu der Entscheidung gelangen, das Angebot in die Tat umzusetzen, welches er in seinem 1683 Leopold I. überreichten Gesuch gemacht hatte: nämlich all seine Kräfte zu Wohlfahrt und Wachstum des Kaisers und seines Hauses einzusetzen.8
So nahm Eugen an der ersten Phase des Großen Türkenkriegs (1683–1699) teil, wobei er auf der Karriereleiter rasch hinaufstieg. Im Oktober 1685 zum Generalfeldwachtmeister (Generalmajor) befördert, wurde er im Januar 1688 Feldmarschall-Leutnant, 1690 General der Kavallerie und im Mai 1693 Feldmarschall. An den Türkenschlachten des Herzogs Karl von Lothringen und seines Vetters Ludwig Wilhelm von Baden („Türkenlouis“) beteiligt, wurde Eugen 1687 die Ehre zuteil, die Kunde vom Sieg über die Türken am Berg Harsan bei Mohacs (12. August 1687) nach Wien zu überbringen. 1688 bei der Belagerung von Belgrad, 1689 in dem mittlerweile ausgebrochenen Krieg Spaniens und des Kaisers gegen Ludwig XIV. vor Mainz erheblich verwundet, erhielt Eugen 1690 das Kommando über ein österreichisches Korps, das den auf die Seite Leopolds I. übergetretenen Herzog von Savoyen unterstützen sollte. Zwar konnte Eugen hierbei keine Großtaten vollbringen, rechtfertigte aber das von Wien in ihn gesetzte Vertrauen in einem solchen Maße, daß ihn Rüdiger Graf von Starhemberg, 1683 Verteidiger Wiens und jetzt Präsident des Hofkriegsrats, 1697 für die Übernahme des Oberbefehls im Türkenkrieg empfahl.9 Eugen kam es sehr zustatten, daß er sich als schneller, listenreicher, furchtloser, bald zurückhaltender, bald verwegener Anführer hervorgetan hatte. Nicht umsonst heißt es in dem alten Lied „Prinz Eugen, der edle Ritter“ u.a.: „Prinz Eugenius auf der Rechten / thät als wie ein Löwe fechten.“10 Fast während der ganzen Zeit, in der Prinz Eugen im Feld das Kommando führte, waren seine Entscheidungsstärke und Kompromißlosigkeit sein großer Vorteil, der, wenn es hart auf hart ging, den Ausschlag gab. Wenn ein namentlich nicht genannter Zeitgenosse schrieb, „entschiedenes Handeln“ in der Schlacht sei nicht Eugens Stärke gewesen, so greift das natürlich zu kurz. Seine Kriege jedenfalls bereitete er gründlich und gewissenhaft vor, kümmerte sich oft um Einzelheiten. Er traf Vorsorge für den Nachschub, die geeigneten Ingenieure, die ihm den Weg über die Flüsse oder durch schwieriges Gelände bahnen konnten, studierte gründlich das Terrain, auf dem die Schlacht stattfinden sollte. Der Prinz war in der Tat ein genialer Taktiker, und weil er stets ganz vorne mit von der Partie war, konnte er seine Taktik in den entscheidenden Augenblicken des Kampfes auch komplett umstellen. Aber die große Strategie, die langfristige Planung für die Zukunft einer Armee, war seine Sache nicht. Das galt zumindest insofern, als seine ersten massiven Angriffe auf die Netzwerke der Macht in Wien – an denen auch schon Wallenstein gescheitert war – ohne Erfolg blieben. Eugen, der Feldherr, der in den kritischsten Momenten einer Schlacht die meisten Kräfte mobilisieren und seine Soldaten auch in vermeintlich aussichtslosen Lagen mitreißen konnte, wurde des zähen Ringens mit der Bürokratie in Wien schnell überdrüssig.11
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Eugen war keiner jener für die damalige Epoche typischen Adligen, die bloß einen kleinen Abstecher in die Welt des Heldentums unternehmen wollten, um später bei den Hofdamen Eindruck zu machen. Nein, er wollte tatsächlich kämpfen und militärischen Ruhm erringen, und hierfür nutzte er jede sich ihm bietende Chance, wie nun auch das erste eigenständige Kommando, das er führte. Im Türkenkrieg setzte er auf imponierende Weise alle seine Stärken als militärischer Befehlshaber ein. Sein erster großer Sieg, den er mit seinem reorganisierten und bei Peterwardein zusammengezogenen Heer über die am Fluß Theiß nach Norden vormarschierenden Türken bei Zenta errang (11. September 1697), war für ihn charakteristisch. Dieser Sieg war das Ergebnis eines raschen taktischen Manövers, mit dem er den Feind einfach überrumpelte: Er erwischte die türkische Armee dabei, wie sie gerade die Theiß überquerte, was sie – sonst so überlegen – höchst verwundbar machte. Unter den Türken brach Panik aus, und sie verloren rund 30.000 Mann, eine Vielzahl von Waffen sowie einen großen Teil ihres Kriegsschatzes. Der bei dem Heer befindliche Sultan Mustafa II. – er wurde 1703 gestürzt und durch seinen Bruder Ahmed III. ersetzt – wäre in dem ganzen Chaos beinahe umgekommen.12
Unmittelbar nach Zenta nahm Eugen Sarajewo ein, was die Osmanen endgültig zum Frieden geneigt machte – um so mehr, als sie auch von Venezianern, Polen und Russen angegriffen wurden. Im Frieden von Karlowitz (26. Januar 1699) wurde die Herrschaft der Habsburger über Siebenbürgen und Ungarn (wiewohl ohne das Temesvarer Banat) bestätigt. Dies war das Ende der Türkengefahr und der Aufstieg Österreichs zu einer Großmacht von eigenem Gewicht. In Wien, wo man solche Erfolge gar nicht gewohnt war, kannte die Begeisterung für Eugen keine Grenzen mehr und steigerte seine Popularität immens.13 Der junge Feldherr, den Kaiser Leopold I. 1700 in seinen Geheimen Rat berief, konnte sich nun schmeicheln, als einer der ersten Paladine des Monarchen zu gelten. In Wien hatte Prinz Eugen in der Himmelpfortgasse ein Palais erworben und ausgestalten lassen, und das Lustschloß Belvedere am Rennweg ließ er nach den Plänen der zwei großen Barockarchitekten Johann Bernhard Fischer von Erlach und Johann Lukas von Hildebrandt errichten. Letzterer vollendete das Schloß im Jahr 1724.14 Übrigens gibt es in Ráckeve südlich von Budapest ein weiteres Schloß Prinz Eugens und darüber hinaus noch eines in Hof östlich von Wien nahe der slowakischen Grenze.15
Vor dem Ausbruch des Spanischen Erbfolgekriegs (1701–1713/14) politisch noch kaum eine Rolle spielend, konnte Eugen auf die Entscheidungen Leopolds I. keinen Einfluß nehmen. Es ist allerdings Eugens Drängen zuzuschreiben, daß noch vor dem Abschluß von Österreichs Allianz mit England, den Niederlanden, Preußen und Portugal der Kampf in Oberitalien begonnen wurde. Als Oberbefehlshaber auf diesem Kriegsschauplatz besiegte er 1701 die vollkommen überraschten französischen Truppen in den Schlachten bei Carpi (9. Juli) und Chiari (1. September). Im Jahr 1702 gab es den Handstreich von Cremona (1. Februar) und die unentschiedene Schlacht bei Luzzara (15. August). Da Wien jedoch bei der Nachführung von Truppen und Material versagte, konnte Eugen in Oberitalien keinen vollen Sieg erringen. So eilte er um die Jahreswende 1702/03 selbst nach Wien, um einen Wechsel auf den für die Kriegführung maßgebenden Posten durchzusetzen. Damit hatte er Erfolg, und Ende Juni 1703 machte ihn Leopold I. zum Präsidenten des Wiener Hofkriegsrats. Jetzt besaß Eugen die Verfügung über das gesamte Heerwesen und war zugleich an eine zentrale Stelle der politischen Führung gelangt.16 Eugen hatte damit die Kontrolle über die kaiserliche Kriegsführung in einem Maße in der Hand, von dem im Dreißigjährigen Krieg Generalissimus Albrecht von Wallenstein nur träumen konnte. Denn der mußte ununterbrochen gegen seine zahlreichen Feinde am Wiener Hof ankämpfen, sich mit dem nicht durch ihn selbst geleiteten Hofkriegsrat herumschlagen und zudem noch den oft trägen, von vielen Gegnern Wallensteins beeinflußten Kaiser Ferdinand II. in die gewünschte Richtung zu lenken versuchen. An dieser Stelle sei eine bemerkenswerte Äußerung Prinz Eugens wiedergegeben, mit der er Wallenstein späte Gerechtigkeit widerfahren ließ. Weitaus glücklicher als der Herzog von Friedland zu seiner Zeit, schrieb der Savoyer über ihn und den Hofkriegsrat folgende Sätze: „Das Haupthindernis des österreichischen Kriegswesens war bisher die üble Organisation des Hofkriegsrates. Nicht nur die Bildung einer ordentlichen Armee, selbst die ersten Generale und die siegreichsten Feldzüge wurden dadurch aufgehalten, wovon die Behandlung des großen Wallenstein und meine eigene Beweise sind. Als ich endlich Präsident davon wurde, bestand er zum Teil aus neidischen Menschen, deren Eifersucht alle meine vorigen Operationen zu tadeln wußte, oder aus überklugen Theoretikern, welche, obwohl sie nicht einmal ein Detachement anführen konnten, doch alles besser wissen wollten […].“17
Seit 1704 im Westen die verbündeten Truppen gegen Frankreich kommandierend, errang der Prinz von Savoyen in kongenialem Zusammenwirken mit dem Herzog von Marlborough, dem Führer der alliierten englischen Streitkräfte, den triumphalen Sieg bei Höchstädt an der Donau (13. August 1704). Es war die wohl schwerste Niederlage, die Ludwig XIV. jemals erlitt. 1705 wieder kaiserlicher Oberbefehlshaber in Oberitalien, mußte Eugen einen ersten Vorstoß zum Entsatz seines in Bedrängnis geratenen Vetters Viktor Amadeus II. von Savoyen nach der sehr blutigen Schlacht von Cassano (16. August 1705) abbrechen. Doch 1706 führte Eugen in einem gewagten Umgehungsmarsch sein Heer südlich des Po nach Piemont und erkämpfte zusammen mit dem Herzog von Savoyen bei Turin am 7. September einen großartigen Sieg über die Franzosen. Danach mußten diese ganz Oberitalien räumen, und der Einfluß Ludwigs XIV. auf der Apenninenhalbinsel war gebrochen.18
Nachdem Leopold I. 1705 gestorben und Joseph I. sein Nachfolger geworden war, hatte Eugen in Wien einen leichteren Stand, denn der neue Kaiser ließ ihm weitgehend freie Hand. Unterstützung fand Habsburgs erster Soldat dabei durch den Diplomaten Johann Wenzel Wratislaw von Mitrowitz, der sein außenpolitischer Berater und Freund wurde. In erneutem Zusammenwirken mit Marlborough konnte Eugen, der noch 1707 Toulon vergebens belagert hatte, bei Oudenaarde am 11. Juli 1708 einen großen Sieg über die Franzosen erringen. Mit der Ende 1708 erfolgenden Eroberung von Lille wurde das Tor nach Frankreich selber aufgestoßen, so daß Anfang 1709 für den stolzen Ludwig XIV. nur die Unterwerfung unter den Willen der Alliierten die Rettung seines Staats zu ermöglichen schien. Auch Eugens und Marlboroughs neuer Sieg gegen Ludwigs Truppen bei Malplaquet am 11. September 1709 deutete in diese Richtung.19 Bereits nach dem Sieg bei Oudenaarde hatte Eugen als der Vertreter des Kaisers mit den Franzosen in Den Haag über einen Frieden verhandelt und Ende Mai 1709 zusammen mit Marlborough und dem niederländischen Ratspensionär Heinsius einen Friedenspräliminarvertrag unterzeichnet. Dieser Vertrag verlangte Ludwig XIV. außer dem Verzicht auf die komplette spanische Monarchie auch noch die Rückgabe von Straßburg an das Reich ab.20
Dennoch konnten alle Siege Eugens Frankreich nicht in die Knie zwingen, denn durch Josephs I. Tod (1711) und die Thronbesteigung Karls VI., der bislang als spanischer König von Barcelona aus gegen Philipp V., Frankreichs Schützling, gefochten hatte, brach die Koalition gegen Ludwig XIV. auseinander. Das hieß für England und die Niederlande: Im Falle eines Sieges würde es letzten Endes zu einem Großreich der Habsburger statt zu einem solchen der Bourbonen kommen. Beides lag nicht in ihrem Interesse, und so nahm England insgeheim Kontakt zu Ludwig XIV. auf. Selbst Prinz Eugen konnte das Auseinanderfallen der Koalition nicht abwenden, denn angesichts von Marlboroughs Sturz und Englands Rückzug aus dem Krieg (1711) wurde der Durchhaltewille der Niederlande ebenfalls in arge Mitleidenschaft gezogen.21
Eugen hatte auch durch sein persönliches Auftreten in London nicht verhindern können, daß England Kaiser Karl VI. im Stich ließ und daß in Utrecht im Januar 1712 Friedensunterhandlungen begannen. Diese endeten schließlich am 11. April 1713 mit der Unterzeichnung des Friedensvertrages durch Frankreich, die Seemächte England und Niederlande, Preußen, Portugal und Savoyen. Hiermit war die Koalition gegen Frankreich zerfallen, und gegen dieses stand einzig noch Österreich im Felde, denn Karl VI. weigerte sich, den Friedensschluß von Utrecht zu ratifizieren. Doch ohne die Hilfe seiner abtrünnig gewordenen Verbündeten lag ein Sieg Österreichs in unerreichbarer Ferne. Auch der an die Spitze der Reichsarmee getretene Prinz Eugen vermochte es im Feldzug des Jahres 1713 nicht zu verhindern, daß die Franzosen die Festungen Landau und Freiburg eroberten. Das alles bewies, wie wenig Sinn eine Fortsetzung des Kampfes für Karl VI. noch hatte. Eugen und der zum französischen Verhandlungsführer bestimmte Marschall Claude-Louis-Hector de Villars trafen am 26. November 1713 im Schloß zu Rastatt zu Verhandlungen zusammen. Diese wurden zwar temporär unterbrochen, führten jedoch letzten Endes am 7. März 1714 zur Unterzeichnung des Friedens zwischen dem Kaiser und Frankreich. Zwar wurden hier in wesentlichen Zügen die Bestimmungen des Friedens von Utrecht übernommen, doch konnte Eugen für den Habsburger ein paar Verbesserungen erreichen. So wurden Karl VI. außer der Lombardei, Neapel und Sardinien noch die Spanischen Niederlande zugesprochen. Dies war natürlich kaum ein Ausgleich dafür, daß Spanien nunmehr bourbonisch geworden war, doch die Sicherung und Verstärkung der Großmachtstellung Österreichs muß Eugens Wirken zugeschrieben werden. Übrigens verhandelte Prinz Eugen mit Villars noch einige Zeit in Baden in der Schweiz über den Reichsfrieden, dessen „Instrument“ (so sagte man damals) am 7. September 1714 erneut von den beiden Feldherren unterzeichnet wurde. Gegenüber den Vereinbarungen von Rastatt aber waren die Unterschiede nur von geringer Bedeutung.22
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So wenig der Wiener Hof mit dem Ausgang des Spanischen Erbfolgekriegs zufrieden war, so deutlich war doch Österreichs Machtausdehnung durch die ihm zugefallenen Teile von Spaniens Monarchie. In fast unmittelbarem Anschluß an den Frieden konnte sich das Haus Habsburg darüber hinaus weitere Gebietsgewinne verschaffen, die keine leicht angreifbaren Außenposten wie Neapel oder die ehemals Spanischen Niederlande waren, sondern seinen Länderblock in Südosteuropa abrundeten. Seit Ende 1714 versuchte das Osmanische Reich, durch Angriffe auf das venezianische Morea eine Revision des Friedens von Karlowitz einzuleiten. Karls VI. Anfang 1716 gefaßter Entschluß zur Unterstützung der so von den Osmanen attackierten Republik Venedig ging in erster Linie auf Prinz Eugen zurück. Der Savoyer wollte bei dieser Gelegenheit das Reich der Habsburger im Südosten endgültig stabilisieren und sollte in der Folge den Gipfel seines Ruhmes erklimmen.23
Zuerst brachte der in den Dienst Venedigs übernommene ehemals sächsische, dann kaiserliche General Graf Schulenburg die sich über den Peloponnes ergießende Welle der Türken durch eine zähe Verteidigung der Insel Korfu zum Stehen.24 Danach griff Eugen, der wieder den Oberbefehl über die kaiserliche Armee übernommen hatte, am 5. August 1716 ein auf Peterwardein vorgerücktes Heer der Türken aus der Festung heraus an. Erneut von der Defensive, in der viele schon eine Niederlage sahen, in die Offensive wechselnd, schlug der Prinz mit ca. 80.000 Mann die ca. 150.000 Streiter des Feinds. Von diesen fielen an die 30.000 Mann (worunter sich auch der Großwesir Damat Ali Pascha befand), und gerade einmal 50.000 Mann konnten sich nach Belgrad retten. Kaum zwei Monate vergingen, und Eugen, der sich nach dem Banat gewandt hatte, nötigte das befestigte Temesvar zur Kapitulation (12. Oktober 1716).25 Den Höhepunkt seines Kriegsruhmes aber erreichte Eugen im Jahr 1717, als er an der Spitze einer von Bayern und anderen Truppen aus dem Reich verstärkten Armee Belgrad belagerte. Nachdem er sie östlich der Stadt über die Donau und in den Rücken der Festung geführt hatte, kam er durch das Erscheinen eines türkischen Entsatzheeres in eine überaus kritische Lage. Denn nun waren mit einem Schlag die Belagerer die Belagerten und verbrachten die nächsten Wochen in einer Art Kessel unter permanentem Beschuß. Wieder befand sich Eugen in der Defensive, und wieder sahen viele bereits die Niederlage kommen. Seuchen brachen aus und ließen die miserabel ernährten Soldaten wie die Fliegen sterben. Da die Türken beinahe jeden Transport – ob auf dem Landweg oder auf der Donau – kaperten, drohte eine Hungersnot. Als die Osmanen dann auch noch auf jener Brücke, die für Eugens Truppen die einzige Rückzugsgelegenheit aus dem Kessel bildete, vorzurücken begannen, schien der Untergang der christlichen Streitmacht vor Belgrad beschlossene Sache zu sein.26
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Doch Eugen warf – wie so oft in seiner Karriere – im August 1717 seinen gesamten Kriegsplan über den Haufen, indem er eine noch längere Belagerung aufgab und eilends mit den Vorbereitungen für einen Sturmangriff aus dem Lager heraus begann. Dieser fand in der Nacht auf den 16. August 1717 statt und überraschte das türkische Entsatzheer völlig, denn ein Nachtangriff war zu damaliger Zeit etwas gänzlich Neues. Einen bei einsetzender Helligkeit geführten türkischen Gegenangriff auf eine Lücke im Zentrum der Kaiserlichen konnten diese schließlich zurückwerfen, so daß sie um ca. 10 Uhr die Schlacht gewonnen hatten. Angesichts dessen kapitulierte die Besatzung Belgrads und durfte unter freiem Geleit aus der Stadt abziehen. Die Verluste der Osmanen beliefen sich auf etwa 20.000 Mann und einen großen Vorrat an Kanonen, Munition und Proviant. Unmittelbar nach dem Belgrader Sieg entstand das berühmte Soldatenlied, das den Prinzen Eugen als edlen Ritter feierte.27
Eugen, der auch vor Belgrad wieder verwundet wurde, hatte zum wiederholten Mal alle seine Stärken ausgespielt. Er war nun der meistverehrte Feldherr Europas und schrieb mit seinem Sieg wie auch mit den geschickt geführten Verhandlungen, die am 21. Juli 1718 zum Frieden von Passarowitz führten, wahrhaftig Geschichte. Dieser Friedensvertrag dehnte mit dem Erwerb des in der Folgezeit zum Teil mit deutschen Bauern besiedelten Banats, des nördlichen Teils von Serbien mit Belgrad und der Kleinen Walachei den Habsburgerstaat weit über die Grenzen Ungarns nach Südosten aus.28 Doch es wurde zwischen Österreich und dem Osmanischen Reich nicht bloß der politische Vertrag, sondern auch ein Handelsabkommen geschlossen, das den Habsburgern den Balkan tatsächlich öffnete. Dieses Abkommen konnte nur deshalb Wirklichkeit werden, weil Prinz Eugen bei den Verhandlungen immer wieder darauf drängte, nicht „auf überflüssige und gar zu harte Begehren zu beharren und dadurch den Gegner übermäßig in Desperation zu bringen“29. Bereits ein Jahr nach dem Sieg von Belgrad reisten österreichische Kaufleute, denen der türkische Sultan völlige Freiheit des Handels und der Schiffahrt konzediert hatte, in das Osmanische Reich. Eugen hatte bewiesen, daß er auch in Verhandlungen das am besten beherrschte, was ihn auf dem Schlachtfeld auszeichnete – nämlich im richtigen Moment und ohne unangebrachte Vorbehalte zu agieren.30
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Im Spanischen Erbfolgekrieg fügte Prinz Eugen den französischen Truppen gemeinsam mit demHerzog von Marlborough so schwere Verluste bei, dass Ludwig XIV. bereit war, auf die komplettespanische Monarchie zu verzichten und Straßburg an das Reich zurückzugeben. Der BündniswechselEnglands führte jedoch zum Friedensvertrag von Rastatt 1714, aufgrund dessen nur dieöstlichen Teile der Spanischen Monarchie – die Spanischen Niederlande, die Herzogtümer Mailandund Mantua sowie das Königreich Neapel-Sardinien – an Kaiser Karl VI. fielen.
Doch auf den militärischen Höhenflug, den Eugen beinahe ganz alleine und oft gegen die Opposition mächtiger Kreise vollzogen hatte, folgte in den Jahren danach der erneute Niedergang der kaiserlichen Armee. Diesen hatte auch der Prinz maßgeblich mit zu verantworten, denn das Ungestüm, mit dem er in seinen frühen Jahren in Führungspositionen gegen die Defizite der kaiserlichen Armee, Korruption, Vetternwirtschaft und Geldmangel gekämpft hatte, verflüchtigte sich in seiner Spätzeit. Als nach dem Sieg von Belgrad eine relativ lange Phase des Friedens herrschte, während der sich die Monarchie gut konsolidieren konnte, wären Reformen leicht möglich gewesen. Und Eugen hätte die Autorität und vor allem die Macht gehabt, sie durchzusetzen. Er hatte die Armee in der Hand und konnte dank der Zentralisierung alles von Wien aus steuern. Doch von ihm kam keine wirkliche Initiative mehr, und als es dann zumindest in der Finanzierung der Truppen zu einer Reform kam, war es Eugens Gleichgültigkeit, die diese Reform nur Stückwerk bleiben ließ. Dazu kam, daß der Prinz niemals herausragende Männer neben sich akzeptiert hatte, sondern nur mittelmäßige Köpfe. Als er sich aus der Führungsrolle zurückzog, blieben nur diese durchschnittlichen Gestalten übrig – und mit ihnen die nicht weiterentwickelte Armee. Als alter Mann sollte er im Polnischen Erbfolgekrieg (1733-1735) seine Haltung bitter bereuen, aber da besaß er schon nicht mehr die Kraft, wirklich noch etwas zu verändern.31
Doch noch war es nicht soweit. Bevor wir uns diesem eher tragischen Ausklang seines sonst so erfolgreichen Lebens zuwenden, blicken wir bei Prinz Eugen kurz auf andere Seiten als die des Feldherrn und Bauherrn. Er vollzog nämlich Weichenstellungen, die bis heute nachwirken. So unterstützte er die Vorläufer der Akademie der Wissenschaften, und seine immense Büchersammlung verkörpert den Grundstock der Österreichischen Nationalbibliothek. Als wahrhaft vorbildlich galten seine Hofführung und seine Manier des Umgangs mit Geschäfts- und Vertragspartnern; sein Geschäftssinn war legendär. Sogar die österreichische Beamtenschaft kann darauf verweisen, einen bedeutenden Teil ihrer Wurzeln im Mitarbeiterstab des Prinzen aus Savoyen zu haben. Seine Sekretäre und deren Arbeitsweise waren ein Vorbild für die Verwaltungsreformen, die Maria Theresia und ihre Nachfolger durchführten.32
Offiziell von 1716 bis 1724 Statthalter in den Österreichischen Niederlanden, konnte Eugen in der Außenpolitik nicht mehr ohne die Einmischung anderer handeln. Von Nachteil war für ihn auch, daß sein persönliches Verhältnis zu Kaiser Karl VI. eher distanziert blieb. Als mit dem Tod Augusts des Starken (1. Februar 1733) der Polnische Erbfolgekrieg ausbrach und zu einem europäischen Krieg ausuferte, hieß Österreichs Hauptgegner – wie so oft – Frankreich. Jetzt stellte sich heraus, daß bei der seit den Türkenkriegen so sehr gelobten kaiserlichen Armee aus den genannten Gründen Führung und Truppe nicht mehr auf der einstigen Höhe standen. Prinz Eugen, trotz seiner angegriffenen Gesundheit mit dem Oberbefehl am Rhein betraut, konnte im Jahr 1734 nicht den Fall der Festung Philippsburg verhindern. Da in Italien der Kriegsverlauf für die Österreicher noch unglücklicher war – sie mußten Neapel-Sizilien und den größten Teil der Lombardei räumen –, sah sich der Kaiser gezwungen, unmittelbar mit Frankreich über ein ruhmloses Ende dieses Kriegs zu verhandeln.33
Unter dem Einfluß des Eugen feindlich gesonnenen Johann Christoph von Bartenstein hatte Karl VI. den Savoyer nicht einmal zu Rate gezogen, bevor er den für Österreich beschämenden Wiener Präliminarfrieden mit Frankreich schloß (3. Oktober 1735). Schon auf diese Weise bloßgestellt und gedemütigt, wurde Eugen nach seiner Rückkehr an den Kaiserhof zwar wie stets mit allen Ehren empfangen und übernahm auch wie vorher alle seine Ämter. Aber von nun an wurde der kurz zuvor noch so Mächtige mit Entscheidungen konfrontiert, die er gar nicht selber getroffen hatte, zu denen er nicht einmal gehört worden war. Was ihm noch blieb, war lediglich die Ausführung von Anweisungen aus der Feder anderer – wie etwa die Umsetzung des Friedens mit Frankreich. Also gab er die Befehle zur Einstellung der Feindseligkeiten und holte die letzten noch im Felde stehenden Einheiten zurück. De facto hatte Prinz Eugen von Savoyen seine Macht verloren und war zu einer Randfigur am Wiener Hof geworden. Wenn der Kaiser noch seinen Rat einholte, so passierte das eher aus Höflichkeit als aus dem Grund, daß er sich wirklich dafür interessierte. In Wien hatte eine neue Zeitrechnung begonnen, und die kometenhafte Karriere Eugens war an ihrem Ende angelangt.34
Der Ausklang seines Lebens läßt all die Größe und Erhabenheit vermissen, die seine Jahre als siegreicher Feldherr in Europa gekennzeichnet hatten. Ehrlich erschüttert von diesem Niedergang, schrieb der Fürst von Liechtenstein nach einem Besuch bei dem vereinsamten alten Eugen: „Das war der größte Mensch seines Jahrhunderts, und er wird sterben, vielleicht sehr wenig bedauert von einer Armee, die unter seinen Befehlen so viele Siege errungen hat.“35 Und der Tod – ein lästiger Gast, der, einmal gekommen, nicht mehr geht – ließ nicht sehr lange auf sich warten.Nachdem sich in den ersten Monaten des Jahres 1736 die täglichen Treffen Eugens mit Freunden, Beratern und Würdenträgern primär auf Höflichkeiten beschränkt hatten, erkrankte er im April an Lungenentzündung. Am 21. April 1736 endete das Leben von Prinz Eugen von Savoyen. Kaiser Karl VI. konnte seine Erleichterung über den Tod des Prinzen, den er nie besonders gemocht hatte, in seiner Tagebuchnotiz dazu nicht verbergen. Er schrieb, jetzt „sehe ich alles sich recht einrichten, in besserer Ordnung“.36 Aber der Kaiser sollte sich gewaltig irren: Denn als er 1737, nur ein Jahr nach Eugens Tod, als Bundesgenosse Rußlands in einen neuen Krieg gegen die Türkei eintrat, verlief dieser für ihn überaus unglücklich. Im Frieden von Belgrad 1739 verlor Österreich die 1718 in Passarowitz gewonnenen Gebiete südlich von Donau und Save unter Einschluß Belgrads wieder an die Türken. Das bedeutete für das habsburgische Imperium einen schweren Verlust an Macht und Prestige, und es machte einen wichtigen Teil der einstmals von Eugen erkämpften Eroberungen zunichte.37 Für den Augenblick war sein Ruhm verblaßt, doch je mehr Jahre ins Land gingen, desto deutlicher traten die außergewöhnlichen Leistungen, die Eugen vollbracht hatte, wieder in das Bewußtsein der Menschen. Und so blieb bis heute – ungeachtet aller zeitgeistigen Entzauberung von Helden – das Bild vom edlen Ritter, vom großen Feldherrn bestehen.
Deutlich wie kaum sonst wird dies bei Eugens wohl berühmtestem Schüler: Friedrich II. von Preußen. Während des Polnischen Erbfolgekriegs war er im Sommer 1734 als junger Mann in Eugens Feldlager gekommen und hatte dort nur noch einen altgewordenen Helden angetroffen, der sich ganz unzweifelhaft selbst überlebt hatte „und nur noch ein Schatten seiner selbst, vor allem aber seines übergroßen Ruhmes war“38. Erst ein Vierteljahrhundert danach, auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn als Heerführer, erinnerte sich Friedrich (jetzt bereits „der Große“) ganz anders an Eugen von Savoyen, der mittlerweile zu einer Figur von historischer Größe geworden war. Erst jetzt nannte sich Friedrich selbst den Schüler Eugens und rühmte dessen „Belehrungen, Richtlinien und Grundsätze“ als wahrhaft „erleuchtet“ und „unvergeßlich“. Friedrichs Resümee über Eugen von Savoyen lautete, „mit einer erhabenen Einsicht in all seine Handlungen, im Kriege und in der Politik verband er überlegene Fähigkeiten, teils die Dinge zu seinem Vorteil zu wenden, teils seine Fehler wiedergutzumachen“.39
1 Friedrich Schiller, Wallenstein. Ein dramatisches Gedicht, Bd. I der Taschenbuchausgabe: Wallensteins Lager. Die Piccolomini, Stuttgart 1977, S. 71.
2 Konrad Kramar / Georg Mayrhofer, Prinz Eugen. Heros und Neurose, Salzburg 2013.
3 Ebenda, S. 19.
4 Vgl. dazu Peter Roos, Prinz Eugen: Der bittre Ritter. Haudrauf, Millionärmilitär, europäisches Fabeltier: Vor 350 Jahren kam in Paris der Prinz Eugen zur Welt. Ein Lobgesang, ein Abgesang, in: DIE ZEIT 43/2013 vom 18. Oktober 2013, URL: www.zeit. de/2013/43/prinz-eugen-350-geburtstag
5 Kramar / Mayrhofer, a.a.O. (Anm. 2), S. 19–21.
6 Ebenda, S. 22–25.
7 Eugen Prinz von Savoyen, in: Deutsche Biographie, URL: www.deutsche-biographie.de/sfz52925.html
8 Ebenda.
9 Ebenda.
10 Zitiert nach: Roos, a.a.O. (Anm. 4).
11 Kramar / Mayrhofer, a.a.O. (Anm. 2), S. 125 f.
12 Ebenda, S. 105 f.
13 Ebenda, S. 106.
14 Eugen Prinz von Savoyen, a.a.O. (Anm. 7).
15 Roos, a.a.O. (Anm. 4).
16 Eugen Prinz von Savoyen, a.a.O. (Anm. 7).
17 Zitiert nach: Golo Mann, Wallenstein. Sein Leben, Frankfurt am Main 1971, S. 364 f.
18 Max Braubach, Vom Westfälischen Frieden bis zur Französischen Revolution (= Gebhardt, Handbuch der Deutschen Geschichte, Bd. 10 der Taschenbuchausgabe), Stuttgart 31978, S. 90–93.
19 Ebenda, S. 93 f.
20 Eugen Prinz von Savoyen, a.a.O. (Anm. 7).
21 Braubach, a.a.O. (Anm. 18), S. 95.
22 Ebenda, S. 95–97.
23 Ebenda, S. 101; Eugen Prinz von Savoyen, a.a.O. (Anm. 7).
24 Braubach, a.a.O. (Anm. 18), S. 101.
25 Ebenda.
26 Kramar / Mayrhofer, a.a.O. (Anm. 2), S. 119 f.
27 Ebenda, S. 120–122.
28 Braubach, a.a.O. (Anm. 18), S. 102.
29 Zitiert nach: Kramar / Mayrhofer, a.a.O. (Anm. 2), S. 119.
30 Ebenda.
31 Ebenda, S. 123, 126.
32 Ebenda, S. 11 f.
33 Braubach, a.a.O. (Anm. 18), S. 125 f.
34 Kramar / Mayrhofer, a.a.O. (Anm. 2), S. 230 f.
35 Zitiert nach: ebenda, S. 240.
36 Zitiert nach: ebenda, S. 241.
37 Braubach, a.a.O. (Anm. 18), S. 127.
38 Kramar / Mayrhofer, a.a.O. (Anm. 2), S. 224.
39 Zitiert nach: ebenda, S. 244 f. (Der Name des Vertrauten Friedrichs II. wird dort nicht genannt.)