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Hatten die Germanen ein Gemeinschaftsbewußtsein?

Wikingerzeitliche nordische Halle mit Längsfeuer.

Identität und Abgrenzung

Von Andreas Vonderach

Im Jahr 2013 wurde im Bremer Focke-Museum die Ausstellung „Graben für Germanien – Archäologie unterm Hakenkreuz“ gezeigt. In diesem Zusammenhang konnte man in der Presse Frauke von der Haar, die Direktorin des Focke-Museums, mit der Aussagen lesen: „Die Germanen haben in Wirklichkeit nie existiert. Sie sind ein Mythos …“1 In ähnlicher Weise hieß es anläßlich der Eröffnung der neuen Dauerausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle, die Germanen hätten sich nicht als ethnische Einheit verstanden und seien eine römische Erfindung. Caesar, Tacitus und andere römische Schrift­steller hätten sie „erfunden“.2 „Kein Germane brüstete sich nach der Quellenlage je gegenüber anderen damit, dass er „Ger­mane“ war“, schreibt der Hamburger Historiker Hans-Werner Goetz, „weil ihm das nämlich gar nicht bewusst war.“3 Was ist von solchen Aussagen zu halten? Was ist ihr wissenschaftlicher Hintergrund, und wie berechtigt sind sie? – Gab es „Germa­nen“?

Richtig ist, daß der uns heute geläufi­ge Namen „Germanen“ in der Anti­ke nie die allgemeine Selbstbezeichnung der Germanen war. Die erste Erwähnung eines Stammes oder Volkes mit dem Na­men Germanen gibt es in den Trium­phalfasten – der Liste der siegreichen Feldherren vom Senat bewilligten Tri­umphe – für das Jahr 222 v. Chr., nach denen der Consul Claudius Marcellus in Norditalien die Germ(ani) besiegt hat. Es handelte sich wahrscheinlich nicht um Germanen im eigentlichen Sinne, son­dern um einen namensgleichen, viel­leicht keltischen Stamm oder möglicher­weise um eine Abteilung der erst später ins Licht der Überlieferung tretenden Germani cisrhenani in Nordostgallien. Die nächste Nennung findet sich im Jahr 80 v. Chr. in den Historien des Poseidonios (135 – 51 v. Chr.). Der spricht von Germa­noi in Gallien. Die genaue Lokalisierung ist unklar, möglicherweise in der Belgica, möglicherweise aber auch als Grenz­nachbarn der Kelten auf dem rechten Ufer des Rheins.

Die etymologische Herkunft des Na­mens „Germanen“ ist seit jeher umstrit­ten. Man hat keltische und sogar illyri­sche Ursprünge in Betracht gezogen. Nach der zur Zeit am meisten akzeptier­ten Theorie von Günter Neumann hat der Name einen germanischen Ur­sprung. Er bedeutete ursprünglich soviel wie „die Erwünschten“ oder „die das Er­wünschte haben/bringen“. Der Stamm des Wortes ist in frühmittelalterlichen westfränkischen Personennamen wie Germenberga, Germenildis, Germeningus, Germentrada, Germenulfus, Girminburg enthalten.4

Der erste Autor, der die Germanen als eigene Großgruppe den Kelten gegen­überstellte, war Caesar (100–44 v. Chr.) in seinem Werk über den Gallischen Krieg 58–50 v. Chr. Gemäß Caesar bilde­te der Rhein die Grenze zwischen den Kelten (Galliern) und Germanen. Aller­dings berichtete Caesar auch von Germa­nenstämmen westlich des Rheins, den sogenannten Germani cisrhenani im heuti­gen Rheinland und Belgien. Ebenso er­wähnt er die Kelten östlich des Rheins, die tectosagischen Volkern (Volcae Tecto­sages) im Hercynischen Wald (Mittelge­birge einschließlich Schwarzwald). Taci­tus (58 – um 120 n. Chr.) schließlich ver­wendet in seiner Germania den Namen Germanen für alle germanischen Stäm­me einschließlich des südlichen Skandi­navien und des östlichen Mitteleuropa. In seinem berühmten „Namenssatz“ schrieb Tacitus unter Berufung auf seine Gewährsleute:

„Die Bezeichnung Germanien selbst sei übrigens neu und erst vor kurzem aufgekommen. Die nämlich, welche zu­erst den Rhein überschritten und die Gal­lier vertrieben hätten – jetzt heißen sie Tungrer – seien damals Germanen ge­nannt worden. So sei der Name eines ein­zelnen Stammes, nicht ein Volksname allmählich zur Geltung gekommen. Es wäre also die Gesamtbezeichnung Ger­manen zuerst vom Sieger ausgegangen, weil er Furcht erregte, nachdem nämlich der Name einmal gefunden war, hätte ihn dann auch die Gesamtheit des Volkes für sich selbst gebraucht.“ (Germania I, 2)

Der Name Germanen haftete ur­sprünglich also nur an einem kleinen Stamm und wurde dann auf alle anderen germanischen Stämme übertragen.

Spätestens seit Caesar war der Germa­nenname in seiner heutigen Bedeutung im Römischen Reich verbreitet, daran zweifeln auch seine Kritiker nicht. Es gibt Grabsteine von in der kaiserlichen Leib­garde dienenden Germanen, auf denen neben ihrer engeren Stammesherkunft auch ex collegio Germanorum steht (das collegium war ein Begräbnisverein). Zu ihm gehörten vor allem Bataver, Ubier und Friesen, aber auch Sueben und ost­germanische Peukiner sind überliefert. Ähnliche Belege gibt es auch von ande­ren militärischen Einheiten. So mußte der Germanenname zumindest den im Römischen Reich lebenden Germanen ein Begriff gewesen sein.5
Wenn wir Caesar und Tacitus glauben können, verwendeten auch die Germa­nen den Germanennamen für sich, so et­wa der Suebenkönig Ariovist und der Cheruskerfürst Arminius. Ariovist wies unmäßige Forderungen der Gesandten Caesars damit zurück, Caesar werde er­kennen, was die unbesiegten Germanen an Tapferkeit vermögen.6 Und in der Un­terredung mit Caesar trat er als Vertreter einer gesamtgermanischen Sache auf.7 Arminius kämpfte nach Tacitus nicht nur für die Freiheit der Cherusker, sondern die aller Germanen.8 Auch der Bataver- Fürst Civilis sprach nach Tacitus wäh­rend des Bataveraufstandes, dem sich weitere Stämme anschlossen, von den Germanen, ebenso wie die Ubier in Köln.9 Für die modernen Kritiker sind diese Zeugnisse eines gemeingermani­schen Selbstverständnisses und eines Ge­meinschaftsgefühls der Germanen alle­samt Unterstellungen des Caesar und des Tacitus.
Sie behaupten, erst die Römer hätten die Germanen „erfunden“ und damit gleichsam eine neue Wirklichkeit er­schaffen. „Wer fortan östlich des Rheins siedelte“, schreibt der Mainzer Ur- und Frühgeschichtler Hermann Ament (geb. 1936), „befand sich damit von selbst in einem germanischen Milieu, galt der Welt als germanisch, empfand sich schließlich selbst so und war es demzu­folge auch.“10
Herwig Wolfram und andere Kritiker des Germanenbegriffs verweisen immer wieder darauf, daß die spätrömischen Autoren, wie zum Beispiel Prokop (um 500 – um 562 n. Chr.), die ostgermani­schen Völker der Goten, Vandalen, Gepi­den und die mit ihnen ziehenden nicht­germanischen Alanen nicht mehr Ger­manen, sondern nur noch die „gotischen Völker“ nennen. In der Spätantike habe es auch bei den Römern keinen übergrei­fenden Germanenbegriff mehr gegeben. Lediglich die westlichen Germanen, die Franken, Burgunder und Alemannen, seien noch als Germanen angesehen wor­den. Die Goten und Vandalen habe man nicht mehr zu den Germanen gezählt, und natürlich hätten diese auch selber nicht von ihrem Germanentum ge­wußt.11

 

 

Das Grabmal des Theoderich in Ravenna.

Die politische Mission des neuen Volksbegriffs

Wer die Schriften der Historiker Herwig Wolfram und Walter Pohl aufmerksam liest, kann nicht übersehen, daß es diesen nicht nur um wissenschaftliche Belange geht. Insbesondere ihre populärwissen­schaftlichen Publikationen sind voll von Hinweisen auf den „Mißbrauch“ des Volksbegriffs in der Vergangenheit und durch den Nationalsozialismus. Bewußt verallgemeinern sie ihren aus den Zu­ständen der Völkerwanderung an wan­dernden und kämpfenden Völkern ge­wonnenen Volksbegriff auf alle anderen historischen Epochen einschließlich der Gegenwart. Sie sehen in ihm den wissen­schaftlichen Beweis, daß Völker ganz all­gemein keine Herkunfts- und Abstam­mungsgemeinschaften seien, sondern le­diglich fiktive Konstrukte.

Der von Herder geprägte Volksbegriff, so schreibt Pohl, sei ein historischer Rückfall, ein Stück „Gegenaufklärung“ gewesen. Besonders verwerflich ist für Pohl und Wolfram die traditionelle Vor­stellung, daß Völker so etwas wie ein „Wesen“, einen Volkscharakter haben, das heißt, daß sie sich auch in ihrer psy­chischen Struktur unterscheiden. „Volk, Kultur, Religion und Staat können sol­cherart [im traditionellen Volksbegriff] als zumindest in der Wurzel identisch beschrieben werden. Sozialer Kontext und politische Folgen dieser Gegenauf­klärung unter Rückgriff auf die Frühge­schichte sind wohlbekannt.“12 Auch heu­te bestehe „die Gefahr, daß die Zuord­nung zu den Germanen [.] überschießen­de Interpretationen mobilisiert und Ger­manenbilder hervorruft, die immer noch zur Verselbständigung neigen.“13

Mit ihrem Kampf gegen den traditio­nellen Volksbegriff vermeinen Wolfram, Pohl und ihre Anhänger, eine aufkläreri­sche und humanitäre Mission zu erfül­len. Sie sehen im Volksbegriff die Ursa­che für die großen Übel der Menschheits­geschichte, für Intoleranz, Krieg und Völkermord. Insbesondere der traditio­nelle Germanenbegriff und die mit ihm verbundene „völkische Germanenideo­logie“ hätten zum Nationalsozialismus und seinen Verbrechen geführt.

Der spätantike Germanenbegriff: Waren die Goten Germanen?

Herwig Wolfram und Walter Pohl ver­weisen immer wieder darauf, daß die spätantiken Ethnographen die nach 238 n. Chr. plötzlich in der heutigen Ukraine auftauchenden Goten nicht Germanen nannten. Nur die germanischen Völker im Westen, die Franken, Burgunder und Alemannen, seien noch als Germanen be­zeichnet worden. Die Autoren der Spätantike sprachen von den „gotischen Völkern“, wenn sie die in Südrußland le­benden Germanen (Goten, Gepiden) und iranischen Alanen meinten, wenn sie die­se nicht gleich als „Skythen“ bezeichne­ten. Wegen der Namensähnlichkeit setz­ten sie außerdem die Goten mit den „Ge­ten“ gleich, einem thrakischen Volk, das schon Herodot gekannt hatte.

Hintergrund des Begriffs der „goti­schen Völker“ in der Spätantike ist zwei­erlei. Zum einen unterschieden sich die südrussischen Germanen von den Ger­manen in der bisherigen Germania in Mitteleuropa durch ihre geographische Lage und durch viele Merkmale, die sie von den Steppenvölkern ihrer neuen Heimat übernommen hatten, insbeson­dere das Reiterkriegertum. Hinzu kam, daß sie dem arianischen Glauben anhin­gen, anders als die noch heidnischen und bald katholischen westlichen Germanen. Der Arianismus war eine christliche Leh­re, die nur Gott Göttlichkeit zusprach, nicht jedoch Christus. Der Gegensatz zwischen arianischen (Ost-)Germanen und katholischen Römern beherrschte lange Zeit den Konflikt zwischen Germa­nen und Römern.

Der andere Punkt ist die Neigung der griechischen, spätantiken und byzantini­schen Ethnographen, die fremden Völker ihrer Gegenwart mit denen gleichzuset­zen, die sie aus der Literatur der klassi­schen Zeit Griechenlands kannten. So nannten sie nicht nur die Goten und Hunnen, sondern auch die türkischen Petschenegen und Kumanen „Skythen“, und noch bis an die Grenze zur Neuzeit hin die Seldschuken und Osmanen „Per­ser“, die Rumänen „Daker“, die Russen „Sarmaten“, die Bulgaren „Myser“ oder „Thraker“, die Ungarn „Päonen“ und die Serben „Triballer“.14

Die Gemeinsamkeiten wie das Reiter­kriegertum, das erst sehr viel später von den westlichen Germanen übernommen wurde, und der arianische Glaube waren politisch und militärisch so wichtig, daß sich ein neuer, gemeinsamer Name an­bot.

Daraus läßt sich aber keineswegs schließen, daß den spätantiken Römern das Germanentum der Goten unbekannt gewesen sei. Noch um 250 n. Chr. nennt der römisch-griechische Historiker Hero­dian in der Schilderung eines Feldzugs Kaiser Maximinus bei Sirmium (nahe Belgrad) die Goten Germanen.15 Und wo der griechische Historiker Zosimos (um 500 n. Chr.) die Goten irrtümlich östlich des Rheines lokalisiert, nennt er sie eben­falls Germanen.16 Derselbe Autor nannte einmal auch die Alemannen Skythen.17 Die Burgunder wurden gelegentlich auch zu den gotischen Völkern gezählt, so von Agathias, wohl weil sie mehrheit­lich Arianer waren.18

Wie der Würzburger Germanist und Mittelalterforscher Norbert Wagner (geb. 1929) schreibt, ist es „schwer vorstellbar, daß man sich in Anbetracht der militäri­schen und politischen Praxis der sprach­lichen Nähe weiterer germanischer Stäm­me sowohl zu den Ostgermanen wie un­tereinander [.] nicht bewußt geworden sein sollte. [.] [Es] kann den Angehörigen germanischer Stammesverbände noch weniger als der Spätantike verborgen ge­blieben sein, daß sich trotz der dialekta­len Verschiedenheiten, die während die­ser Periode [4.–6. Jh.] gewiß noch nicht bis zur wechselseitigen Verständnislosig­keit gediehen waren, untereinander zu verständigen vermochten, ein Faktum, das durch die zahlreichen Kontakte un­tereinander immer wieder aktualisiert wurde.“19

Die Goten selbst wußten aus ihrer von Jordanes um 550 n. Chr. in seiner Getica überlieferten Stammessage, daß sie von der Insel Scandza (Skandinavien) kamen. Unter ihrem König Berig hätten sie diese mit drei Schiffen verlassen und seien an der baltischen Küste gelandet, wo sie die Rugier und die Vandalen besiegt hätten und von wo sie nach drei Generationen in den südrussischen Raum aufgebro­chen seien.20

Dafür, daß in der Spätantike und dem frühen Mittelalter das Germanentum der Goten bekannt war, spricht auch die Tat­sache, daß der Langobarde Paulus Diaco­nus in seiner um 770 n. Chr. verfaßten Historia gentis Langobardorum (Geschichte der Langobarden) davon wußte, daß Go­ten, Vandalen, Langobar­den, Rugier, Heruler und andere Stämme aus der Ger­mania stammten.21 Desglei­chen wußte der Reichenauer Abt Walafrid Strabo (808/9– 849) noch im 9. Jahrhundert, daß die Goten einst „unsere, das heißt die deutsche [theo­diske] Sprache sprachen“.22 Und der fränkische Bischof Frechulf von Lisieux schrieb in seiner 830 verfaßten Welt­chronik, die Franken hätten ihren Ursprung in Skandi­navien, das ein Schoß der Völker (vagina gentium) sei, von dem auch die Goten und die übrigen deutschen Stämme (nationes theotiskae) ausgegangen seien, wovon ihre Sprache Zeugnis able­ge.23

Vielfach setzte man in der Spätantike „barbarisch“ mit „germanisch“ gleich. Laut dem Gallorömer Sidonius Apollinaris (431/2 – nach 479) sind Barbaren riesen­haft, blond und blauäugig und tragen enge Hosen so­wie Waffen. Eine Beschreibung, die auf die Germanen zutraf, aber wohl kaum auf Hunnen oder Sarmaten.24 Der oströ­mische Kaiser und Verfasser eines Mili­tärhandbuches Maurikios (539–602) sprach von den „blonden Völkern“, wo­bei er die Franken und Langobarden na­mentlich nannte.25

Ganz allgemein muß man davon aus­gehen, daß die Zeitgenossen wohl besser über die ethnographischen Verhältnisse ihrer Zeit Bescheid wußten, als in den wenigen erhaltenen Quellen überliefert ist. Der Würzburger Germanist und Mit­telalterforscher Norbert Wagner ist der Meinung: „Über ihre [der Germanen] sprachliche und kulturelle Zusammen­gehörigkeit muß an pragmatischen Ein­sichten erheblich mehr bekannt und ge­läufig gewesen sein, als in den erhaltenen Quellen fixiert ist und als sich in begriff­licher Etikettierung erhalten hat.“26

Der Runenstein von Jellinge, Jütland.
Germanischer Fürst, Relief an der Trajanssäule in Rom.

Der Mannus-Stammbaum

Wenn den Germanen ein gemeinsamer Name fehlte oder uns zumindest nicht überliefert ist, waren sie sich ihrer Ge­meinsamkeiten überhaupt bewußt? Die­se Gemeinsamkeiten jedenfalls sind un­bezweifelbar, sie umfassen die gemeinsa­me Sprache, Kultur und Religion, die sie von ihren keltischen, slawischen und fin­nischen Nachbarn unterschieden. Hatten sie ein Bewußtsein ihrer völkischen Ge­meinsamkeiten und Zusam­mengehörigkeit?
Als erstes Zeugnis eines solchen Zusammengehörig­keitsgefühls kann der Man­nus-Stammbaum gelten. Ta­citus berichtet in seiner „Germania“ von der Ab­stammungssage der Germa­nen. In alten Liedern wür­den sie von dem erdgebore­nen Gott Tuisto erzählen und von dessen Sohn Mannus, der drei Söhne gehabt habe, von denen sich die Stam­mesgruppen der Germanen herleiteten, die Ingaevonen, die Herminonen und die Is­taevonen. Die Ingaevonen wohnten an der Meereskü­ste, die Herminonen in der Mitte, und die Istaevonen seien die übrigen.
Plinius nennt diese drei Gruppen genera, Abstam­mungsgemeinschaften. Da es sich offensichtlich um ei­ne alte Überlieferung und nicht um zur Zeit des Tacitus noch aktuelle Stammesna­men handelt, bezeichnet man die drei Gruppen in der Forschung allgemein als „Kultbünde“. Da ihre Na­men staben, gehen sie in die Zeit der er­sten Lautverschiebung zurück.27
Es ist offensichtlich, daß der Mannus- Stammbaum den Anspruch erhob, die Abstammung aller Germanen zu erklä­ren.28 Umstritten ist allerdings, ob er wirklich für alle Germanen galt oder ob es sich um eine Überlieferung handelt, die nur bei einem Teil der Germanen be­kannt war oder möglicherweise sogar nichtgermanischen Ursprungs war.

Bei Plinius gibt es genauere Angaben zu den drei Kultbünden. Danach gehör­ten zu den Ingaevonen die Chauken, die Kimbern und die Teutonen, Stämme, die an der Nordseeküste und in Jütland leb­ten, die Kimbern sogar im äußersten Norden Jütlands. Sicherlich ist seine Auf­zählung nicht vollständig. Zu den Her­minonen gehörten die Cherusker, die Sueben, die Hermunduren und die Chat­ten, also Stämme im südlichen Nieders­achsen, an der Elbe, in Thüringen und in Hessen. Von diesen waren die Sueben selbst eine große Stammesgemeinschaft, zu der die Semnonen in der Mark Bran­denburg, die Langobarden in der Lüne­burger Heide, die Hermunduren in Thü­ringen und die Markomannen und Qua­den in Böhmen, Mähren und der Slowa­kei gehörten. Über die Istaevonen erfah­ren wir bei Plinius nur, daß sie am Rhein wohnten.

Es fehlen die nordgermanischen Stäm­me in Skandinavien und die ostgermani­schen Stämme östlich der Oder. Wenn nicht alle Stämme im Mannus-Stamm­baum enthalten sind, liegt das sicher nicht nur an den mangelnden Kenntnis­sen der Römer. Sicher hatten auch die Stämme im Westen keinen Überblick über das ganze Siedlungsgebiet, kannten nicht alle entfernteren Stämme.

Man hat vermutet, daß die Stammes­bünde die Namen der drei Söhne des Mannus tragen, also eines Ing, eines Er­min oder Irmin und eines Ist. Tatsächlich findet sich in der nordseegermanischen und skandinavischen Überlieferung ein Ing. Umstritten ist, ob es einen Irmin gab, dem z.B. die Irminsul bei Höxter geweiht war und der im Stammesnamen der Her­munduren vorkommt. Widukind von Corvey schrieb in seiner um 967 n. Chr. verfaßten „Sachsengeschichte“, die Sach­sen hätten im Jahr 530 dem Mars, der bei ihnen Hirmin heiße, die nach ihm ge­nannte Säule errichtet.29 Heute hat sich allerdings die Deutung durchgesetzt, daß die Irminsul soviel wie „gewaltige Säule“ bedeutet und Widukind den Gott Irmin erfunden habe.30 Von einem Ist der Istaevonen fehlt dagegen jede Spur, was angesichts der Quellenlage seine Exi­stenz natürlich nicht ausschließt.

Vieles spricht dafür, daß die skandina­vischen Germanen zu den Ingaevonen gehörten. Im angelsächsischen Beowulf- Epos (geschrieben nach 700 n. Chr.) wird der Name Ingwine, „Freunde des Ing“ gleichbedeutend mit Dänen gebraucht. Im ebenfalls angelsächsischen Runenlied heißt es, bei den Ost-Dänen (Heardingas) sei Ing unter den Menschen zuerst er­schienen. In Schweden gab es ein Kö­nigsgeschlecht, das sich Inglinger nannte, und auch norwegische Könige wurden so bezeichnet.31 Der bei den Nordgerma­nen besonders verehrte Gott Freyr, er wurde auch Svia god, Schwedengott ge­nannt (nicht zu verwechseln mit der Göt­tin Frija), hieß im Norwegischen auch In­gvifreyr, im Dänischen Ingunarfreyr und im Angelsächsischen Frea Ingwina, was „Herr der Ing-Freunde“ oder auch „Herr der Ingaevonen“ heißt.32 Vielfach wird Freyr sogar als identisch mit Ing angese­hen.33

Sind die Nordgermanen so recht plau­sibel in den Mannus-Stammbaum inte­griert, fehlen noch die Ostgermanen. Reinhard Wenskus erklärt das Fehlen der Ostgermanen damit, daß diese erst seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. auf das Fest­land übersiedelten, zu einer Zeit, als das Gedicht bereits bestanden haben dürf­te.34 Der Stammesforscher Ernst Schwarz (1895–1983) verweist darauf, daß die Ost­germanen ursprünglich Nordgermanen (und damit Ingaevonen) gewesen sei­en.35 Alles in allem war der Mannus- Stammbaum nicht nur auf das westliche Grenzgebiet, sondern wahrscheinlich über die ganze Germania verbreitet. Der Althistoriker Alexander Demandt sieht in dem Mannus-Stammbaum einen Be­leg für ein germanisches Zusammenge­hörigkeitsgefühl.36 Ich denke, wenn es sich wirklich um eine alte germanische Abstammungssage handelt, wofür man­ches spricht, dürfen wir dem zustimmen, selbst wenn die Sage zur Zeit des Tacitus nur noch eine blasse Erinnerung und wo­möglich nicht mehr bei allen germani­schen Stämmen bekannt war

Germanische Krieger, nach einem Relief an der
Markussäule in Rom.

Selbstabgrenzung gegenüber anderen Völkern

Ein indirekter Nachweis eines germani­schen Zusammengehörigkeitsgefühls können auch die gemeinsamen Namen für fremde Völker sein, in denen sich ein ethnisches Distanzgefühl diesen gegen­über ausdrückt. Ein solches gemeinsa­mes Gefühl ethnischer Andersartigkeit kam schon früh in den Ausdrücken welsch für die Kelten und deren romani­sierte Nachkommen, wendisch für die öst­lichen, slawischen Nachbarn und finnisch für die nördlichen Nachbarn, die Finnen und Lappen zum Ausdruck.

Das Wort welsch geht auf den Namen eines keltischen Stammes, die Volcae zu­rück, der bis zum 3. Jahrhundert vor Christi seinen Sitz irgendwo im mittel­deutschen Raum hatte. Der Name wurde von den Germanen bereits vor der ersten Lautverschiebung übernommen und dann als *Walhoz, Walche und schließlich Welsche auf alle keltischen Nachbarvöl­ker übertragen.37 Zur Zeit Caesars besaß es auf jeden Fall schon seine umfassende Bedeutung.38 Das Wort ist bei Südgerma­nen, Nordgermanen, Angelsachsen, Bur­gundern und vereinzelt auch den Lango­barden nachgewiesen, während ein Be­leg von den Goten fehlt. Es ist bezeich­nend, daß es bis ins hohe Mittelalter hin­ein nur für die romanisierten Kelten be­nutzt wurde, nicht für die eigentlichen Römer im Mittelmeerraum. Die Angel­sachsen benutzten es für ihre britischen Nachbarn, der Name der Waliser leitet sich von ihm her. Heute ist der Ausdruck Welsche vor allem noch in der Schweiz für die französischen Schweizer in Ge­brauch.

Ganz ähnlich war die Entwicklung des Namens der Wenden. Dieser geht auf ein indogermanisches Volk im heutigen Po­len zurück, die Veneter. Diese sprachen eine indogermanische Sprache, waren aber keine Slawen, Balten, Kelten oder Germanen. Inwieweit diese mit den vor­römischen Venetern in Nordostitalien verwandt sind, ist umstritten. Auch der Name der Wenden ist bereits vor der Lautverschiebung von den Germanen übernommen worden. Über das noch unverschobene Winida ist es dann über Venethi zu Wenden geworden. Die Germa­nen verwendeten den Namen für alle ih­re östlichen Nachbarn, nicht nur für die bald in den Slawen aufgegangenen Vene­ter, sondern auch für die Slawen und wahrscheinlich auch für die Balten.39 Die Übertragung des Namens auf alle östli­chen Völker muß vor der Einwanderung der späteren Ostgermanen aus Skandina­vien in das heutige Polen im 2. Jahrhun­dert v. Chr. erfolgt sein.40

Germanischer Spangenhelm aus der Völkerwanderungszeit.
Gotische Adlerfibel, um 500 n.Chr.

Den Namen Finnen verwendeten die Germanen für ihre teilweise noch wild­beuterisch als Rentierzüchter, Jäger und Fischer lebenden Nachbarn im Norden, die Lappen und Finnen. Der Name leitet sich von dem Wort finthan für „finden“ her und ist möglicherweise noch älter als die Begriffe welsch und wendisch. Er ist wahrscheinlich von Anfang an mit einem Überlegenheitsgefühl gegenüber den rückständigen Sammlervölkern verbun­den gewesen. 41 Das Distanzgefühl der Germanen zu ihren nichtgermanischen Nachbarn be­ruhte auf Gegenseitigkeit. Ein solches Di­stanzgefühl den Germanen gegenüber kam zum Beispiel in der Übertragung des Germanennamens von einem einzel­nen Stamm auf die ganze rechtsrheini­sche Bevölkerung durch die Kelten zum Ausdruck.42
Wichtig ist in diesem Zusammenhang, daß es bis zur Wikingerzeit kein nach­weisbares ethnisches Fremdheitsgefühl der Germanen untereinander gab.43 Es ist offensichtlich, daß man die gemeinsame, von den anderen Völkern verschiedene Eigenart deutlich empfand und zum Ausdruck bringen wollte.

Germanisches Gemeinschaftsgefühl in der römischen Kaiserzeit

Die Autoren der römischen Kaiserzeit be­richten immer wieder von einem germa­nischen Gemeinschaftsgefühl im Kampf gegen die Römer. Ein solches wird zum Beispiel dem Arminius unterstellt, wenn er die Germanen aufrief, für ihre Freiheit und ihre angestammten Sitten zu kämp­fen, oder dem Römerfreund und Verräter des Arminius, Segestes, wenn er sich ge­gen den Vorwurf, ein Verräter Germani­ens zu sein, verwahrte.44 Nach Tacitus berief sich während des Bataveraufstan­des 69 n. Chr. der Bataver Civilis, um sei­nen Stammesangehörigen im Kampf ge­gen die Römer Mut zu machen, auf die Blutsverwandtschaft der anderen Ger­manen, die sie nicht im Stich lassen wür­den.45 Desgleichen haben laut Tacitus die Ubier in Köln die aufständischen Stäm­me der Bataver, Kaninefaten, Brukterer, Tenkterer und Cugerner ihre germani­schen Blutsverwandten genannt.46

Die Römer setzten nach der Schlacht im Teutoburger Wald wie selbstverständ­lich die Existenz einer germanischen Ein­heits- und Freiheitsidee voraus. Au­gustus verfügte auf die Nachricht von der Schlacht im Teutoburger Wald hin als erstes die Entlassung seiner germani­schen Leibgarde, weil er deren Empö­rung fürchtete und offensichtlich bei ihr ein germanisches Gemeinschaftsgefühl voraussetzte.47

All diese Zeugnisse werden von den Kritikern des Germanenbegriffs als eine Interpretation der Römer angesehen, die ihrem Denken, nicht aber dem der Ger­manen entsprochen habe. Diese hätten keine über die einzelnen Stämme hinaus­gehende Identität gehabt. Allerdings wird auch von Fakten berichtet, die ohne ein germanisches Gemeinschaftsgefühl nicht erklärbar sind. So gibt es zahlreiche Beispiele dafür, daß sich unbeteiligte Stämme den aufständischen Germanen anschlossen oder sogar germanische Truppenteile der Römer im Kampf gegen die Germanen zu diesen übergingen, auch wenn sie einem ganz anderen Stamm angehörten.
Als Caesar die Usipeter und Tenkterer geschlagen hatte, nahmen die Sugambrer die Flüchtenden bei sich auf und weiger­ten sich, die Besiegten an Caesar auszu­liefern.48
Nach der Varusschlacht ging nach dem Bericht der römischen Schriftsteller eine Welle der Begeisterung durch ganz Germanien. Segimund, der Sohn des Rö­merfreundes Segestes, der Priester am Augustus-Altar im römischen Köln war, zerriß bei der Nachricht von der Erhe­bung der Germanen seine priesterliche Binde und eilte zu seinem Volk.49 Selbst einige der linksrheinischen Germanen­stämme wurden wankend in ihrer Treue gegenüber Rom.50 Als der Markoman­nen-König Marbod die Aufforderung des Arminius, sich dem Aufstand anzuschlie­ßen, ausschlug, verweigerten ihm die zu seinem Herrschaftsbereich gehörigen Semnonen und Langobarden die Gefolg­schaft und liefen zu den Aufständischen über.51 Noch zur Zeit des Tacitus, 90 Jah­re nach dem Geschehen, besangen die Germanen die Taten des Arminius in ih­ren Liedern.

Während der Kämpfe im Jahr 47 n. Chr. ging der Kaninefate Gannascus – die Kaninefaten waren ein Stamm in den westlichen Niederlanden –, der längere Zeit im römischen Heer gedient hatte, zu den Chauken über.52

Nicht nur der Aufstand des Arminius, auch der Aufstand der niederländischen Bataver im Jahr 69 n. Chr. unter Civilis hatte, wenn auch nicht in seinem Anfang, durchaus germanisch-nationalen Cha­rakter. Zahlreiche Stämme schlossen sich den Batavern an. Im Kampf ging eine Ko­horte der Tungerer zu den Aufständi­schen über, und auch die ubischen und treverischen Hilfstruppen der Römer schlugen sich auf die Seite der Bataver.53 Tacitus berichtet in seinen Historien, daß sich der Ruhm der Bataver als Freiheits­helden durch ganz Germanen verbreitete und daß zahlreiche Germanenstämme ihnen sogleich Gesandte und Hilfstrup­pen schickten.54 Nachdem während des Bataveraufstandes der größte Teil der germanischen Hilfstruppen der Römer zu den Batavern übergelaufen war, gin­gen die Römer dazu über, ihre germani­schen Einheiten nur noch in entfernten Provinzen einzusetzen.55 Daß sich germanische Stämme den Aufständischen anschlossen und sogar germanische Hilfstruppen der Römer die Seite wechselten, gehört in den Bereich des faktischen Geschehens und wird kei­ne Erfindung der Römer sein. Es ist nur erklärbar, wenn man eine Art germani­schen Zusammengehörigkeitsgefühls annimmt. Die Aussagen der römischen Au­toren über ein solches gewinnen dadurch einen hohen Grad an Glaubwürdigkeit. Es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln, daß es zur Zeit des Arminius wie auch zu der des Civilis eine nicht nur auf einzelne Stämme beschränkte germanische Frei­heitsbewegung gab.

 

Wodan mit seinen beiden Raben Hugin und
Munin, Relief auf einer Helmplatte des 7. Jahrhunderts.
Völkerwanderungszeitliche Fibel aus Dänemark.

Gemeinschaftsgefühl der Germa­nen in der Völkerwanderungszeit

Auch in der Völkerwanderungszeit ge­schah es immer wieder, daß in römi­schem Dienst stehende Germanen die Seiten wechselten und sich auf die Ver­wandtschaft aller Germanen beriefen. Als sich 350 n. Chr. der in römischem Dienst stehende Franke Magnentius als Gegenkaiser gegen Kaiser Constans er­hob, so berichtet Julian (der spätere Kai­ser Julian Apostata), leisteten ihm auf­grund ihrer Blutsverwandtschaft nicht nur die Franken, sondern auch die Sach­sen und andere germanische Stämme Gefolgschaft. Julian betont zweimal, daß dafür die Stammesverwandtschaft aus­schlaggebend gewesen sei.56 Als 399 n. Chr. der oströmische Heerführer Tribi­gild, ein Ostgote, mit seinen germani­schen Truppen gegen Kaiser Arcadius rebellierte, liefen die immer neu gegen ihn ins Feld geschickten germanischen Truppen der Oströmer nacheinander zu ihm über.57 Im Jahr 408 n. Chr., nach der Ermordung des römischen Heermeisters Stilicho – des Sohns eines Vandalen und einer Römerin – durch die nationalrömi­sche Partei, gingen Tausende von Germa­nen aus dem römischen Heer zu den Westgoten Alarichs über.58 Ein Jahr spä­ter, 409 n. Chr., wechselten die germani­schen Soldaten des Gegenkaisers Kon­stantin III., die die Pyrenäenpässe gegen die Vandalen verteidigen sollten, zu die­sen über.59 Als sich die Ostgoten 552 n. Chr. in Italien in der Endphase ihres Kampfes gegen die Oströmer nach Un­terstützung umsahen, appellierten sie, so der oströmische Historiker Agathias (536–582 n. Chr.), an den Frankenkönig, ihnen als „einem verwandten und be­freundeten Volke, das sich in höchster Gefahr befände, völlig vernichtet zu wer­den“, zu Hilfe zu kommen.60 Nach der Schlacht am Vesuv und dem Tod ihres Königs Teja erbaten sich die Reste der Goten von dem Oströmer Nar­ses, nicht Untertanen des Kaisers zu wer­den, sondern Italien zu verlassen und sich bei irgendwelchen anderen Barba­ren, womit nur ein anderes germanisches Volk gemeint gewesen sein kann – das Hunnenreich war längst untergegan­gen –, niederzulassen und nie wieder die Waffen gegen Rom zu erheben. Narses willigte ein.61 Als wenig später die in Ligurien und der Aemilia wohnenden Ostgoten sich dem fränkisch-alemannischen Heer von Leutharis und Butilin anschlossen, spricht Agathias von einem (germani­schen) Zusammengehörigkeitsgefühl, das sie dazu bewog. „Die Goten aber, [.] brachen offen das Bündnis und schlossen sich den Barbaren an, denen sie sich ver­wandt fühlten“. 62

Kurz nach 600 n. Chr., als der Franken­könig Theuderich II. westgotische Ge­sandte festhielt, verlangte der westgoti­sche Graf Bulgar in einem Brief ihre Frei­lassung und berief sich auf die Blutsver­wandtschaft (affinem sanguinis gentem) von Westgoten und Franken.63 Und etwa um 620 n. Chr. beklagte der Westgoten­könig Sisebut in einem Brief an den Lan­gobardenkönig Adaloald, daß ein bluts­verwandtes Volk wie die Langobarden (cognoscentes affinitanem sanguinis nostri) noch im Arianismus befangen sei.64 Die­se letzten beiden Belege sind besonders wichtig, weil es direkte Zeugnisse von Germanen sind, nicht nur Berichte römi­scher Historiker, die den Germanen das Gemeinschaftsgefühl bloß unterstellt ha­ben könnten.

 

Gemeinsames Herkunftsbewußtsein im frühen und hohen Mittelalter

Der Name Germanien (Germania) wurde im frühen Mittelalter allgemein als geo­graphischer Begriff für das rechtsrheini­sche Deutschland oder das Ostfränkische Reich gebraucht.
Auf den Britischen Inseln indes war der Volksname Germanen in der Mero­wingerzeit nicht nur Gelehrten bekannt. Der Angelsachse Beda schreibt um 700 n. Chr., die Angeln, Sachsen und Jüten sei­en von den Völkern der Germania ge­kommen. Sein Stammesgenosse Aldhelm (um 640–709/10) nennt sich sogar selbst einen Germanen.65 Der in Deutschland tätige Missionar Bonifatius, ein gebürti­ger Angelsachse, gebraucht den Begriff Germania in einem Brief auch für Eng­land; er wußte also um den gemeinsa­men germanischen Charakter der beiden Länder.66 Er überliefert uns auch, daß die Angelsachsen von den norddeutschen Sachsen sagten, sie seien „de uno san­guine et de uno osse sumus“ (aus einem Blut und einem Bein).67 Zumindest den gebildeten Zeitgenos­sen war die gemeinsame Herkunft der germanischen Völker auch im frühen und hohen Mittelalter noch bekannt. Paulus Diaconus schreibt in seiner um 770 verfaßten Geschichte der Langobar­den davon, daß Goten, Vandalen, Lango­barden, Rugier, Heruler und andere Stämme aus der Germania stammen.68 Seit dem 8. Jahrhundert gab es das Wort diutisc (deutsch), meist lateinisch überliefert als theodisk, als Bezeichnung für die germanischen Sprachen und Völ­ker. Das Wort selbst ist aber sicher we­sentlich älter und gemeingermanisch. Ei­nen ersten einzelnen Beleg gibt es schon in Wulfilas (um 311 – 383) gotischer Bi­belübersetzung aus dem 4. Jahrhundert. Der Begriff wurde zunächst für alle ger­manischen Völker gebraucht, engte sich aber seit etwa 900 n. Chr. auf die Deut­schen ein.69 So zählte noch Karl der Gro­ße die Langobarden zu den theodisken Völkern.70 Walafried Strabo (gest. 849), Abt der Reichenau, rechnete auch die Sprache der Goten zum Theodisken.71
Abt Raban von Fulda (um 780 – 856) schreibt, daß alle, die die theotiske Spra­che sprechen, ihre Herkunft von den Normannen ableiten. Und der schon er­wähnte westfränkische Bischof Frechulf von Lisieux schrieb 830 in seiner Welt­chronik, die Franken hätten ihren Ur­sprung in Skandinavien, das ein Schoß der Völker sei, von dem auch die Goten und die übrigen deutschen Stämme (na­tiones theotiskae) ausgegangen seien, wo­von ihre Sprache Zeugnis ablege.72 Die Auffassung, daß die Franken aus Skandi­navien stammten – sie konkurrierte da­mals mit der gelehrten Fabel ihrer Ab­kunft von den Trojanern – ist zwar nicht ganz richtig, zeigt aber das Wissen um ihren gemeinsamen Ursprung mit den anderen germanischen Völkern.
Der Dichter Ermoldus Nigellus (gest. um 838 n. Chr.) preist in einem Lobge­dicht auf Kaiser Ludwig den Frommen anläßlich von dessen Zusammenkunft mit dem Dänenkönig Harald im Jahr 826 auf der Synode in Ingelheim die gemein­same Herkunft der Franken und der noch heidnischen Dänen. Beide seien ei­nes Stammes.

„Schön von Gestalt und Gesicht und stattlich zu schauen von Wuchse

Kommt es, von wannen im Lied stam­met der Franken Geschlecht.

Voll der Liebe zum Herrn, sich erbar­mend der alten Verwandtschaft,

Suchet der Kaiser auch sie Gott zu ge­winnen mit Fleiß.

Längst schon schmerzte es ihn tief, daß ohne Belehrung verdorben

So viel Volk seines Stammes, Herden des Herren so viel.73

„Seines Stammes“ kann hier nur ger­manischen Stammes heißen. Es ist ein Be­leg für die Möglichkeit einer gemeinsa­men germanischen Identität von Süd-und Nordgermanen selbst noch zur Wi­kingerzeit!
Das Wissen von dem gemeinsamen Ursprung der germanischen Völker war auch im Hochmittelalter vorhanden. Wil­liam von Malmesbury (um 1080/95 – um 1143), der Sohn eines Normannen und einer Angelsächsin, zählt Angeln, Sach­sen, Jüten, Vandalen, Franken, (West-) Goten und Normannen zu den Germa­nen.74

Germanische Reiter im Kampf, Darstellung aus
dem späten 19. Jahrhundert.
Germanischer Angriff, Darstellung aus dem späten 19. Jahrhundert.

Die Germanen wußten, wer sie waren

Es ist festzuhalten, daß es eine ganze An­zahl mehr oder weniger eindeutiger Be­lege für ein gemeingermanisches Ge­meinschaftsgefühl gibt. Das kommt zum Ausdruck in der gemeinsamen Her­kunftssage, in der gemeinsamen Abgren­zung von den keltischen-römischen, sla­wisch-baltischen, finnischen und hunni­schen Nachbarn, in den Aufständen ge­gen Rom, in germanischen Truppentei­len der Römer, die immer wieder zu ih­ren Landsleuten überwechselten, in zahl­reichen von römischen Autoren überlie­ferten Äußerungen und sogar in ein paar Bekundungen von Germanen selbst. Selbstverständlich merkten es die Ger­manen, wenn sie es mit einem germani­schen Stamm zu tun hatten und nicht mit einem ethnisch fremden. Selbstverständ­lich konnten die Germanen unterschei­den zwischen anderen germanischen Stämmen, die aussahen wie sie, die spra­chen wie sie und dieselben Götter und Gebräuche hatten wie sie, und fremden Völkern, mit denen sie sich nur schwer verständigen konnten, die anders aussa­hen und von ihnen abweichende Sitten hatten. So gab es für sie natürlich auch einen Unterschied zwischen germanisch und nichtgermanisch, selbst wenn sie da­für kein Wort hatten, beziehungsweise uns keines überliefert ist. Diese Funktion hatte im römischen Machtbereich zunächst das Wort „ger­manisch“, wie die Grabinschriften der germanischen Soldaten bezeugen, dann in der Völkerwanderungszeit das Wort „barbarisch“, das von den Germanen oh­ne negativen Akzent, ja sogar mit einem gewissen Stolz gebraucht wurde, und dann ab dem 8. Jahrhundert das Wort „deutsch“.

Reinhard Wenskus spekuliert darüber, daß ein solcher gemeinsamer Volksname ursprünglich Mannen (Menschen, Män­ner) gewesen sein kann. Mannus war der legendäre Stammvater der Germanen, und das Wort ist Bestandteil germani­scher Stammes- und Völkernamen wie Markomannen, Alemannen und Nor­mannen („Männer von der Grenze“, „Al­le Männer“, „Nord-Männer“). Die Skan­dinavier nannten ihr Land später, nach­dem sie sich aus den südgermanischen Zusammenhängen gelöst hatten, Mann­heimr, „der Menschen Heimat“.75 Nun, wenn es einen solchen Gesamtnamen ge­geben haben sollte, so war er in der Rö­merzeit bereits verblaßt und ist uns je­denfalls nicht überliefert worden. Wenn die Lautverschiebung so spät zu datieren ist, wie es einige Quellen nahe­legen, dann ist es wahrscheinlich, daß die Begriffe welsch, wendisch und finnisch, die ein ethnisches Distanzgefühl zu nicht­germanischen Völkern ausdrücken, älter sind als die Lautverschiebung. Das heißt, daß es ein Germanentum im Sinne eines ethnischen Selbstgefühls schon vor der Lautverschiebung gab. Ja, es ist sogar für die Bronzezeit schon denkbar.  Grundsätzlich ist dem Germanisten Norbert Wagner zuzustimmen, wenn er sagt, es müsse den Zeitgenossen erheb­lich mehr über die sprachliche und kul­turelle Zusammengehörigkeit der Völker und Stämme bekannt und geläufig gewe­sen sein, als in den erhaltenen Quellen überliefert ist.76  So haben manche Historiker auch ein­geräumt, daß es ein germanisches Ge­meinschaftsgefühl gegeben haben kann. Der Freiburger Mittelalter-Historiker Gerd Tellenbach (1903–1999) sagt für die Merowinger- und Karolingerzeit: „Man kann sogar der Vorstellung von einem ‚germanischen Gemeinschaftsgefühl‘ vorsichtig zustimmen.“77 Und der Ger­manist Piergiuseppe Scardigli, mögli­cherweise von deutschen geschichtlichen Erblasten weniger bedrängt, geht sogar noch weiter: „Ein Gefühl der Zusammen­gehörigkeit (Kohärenz) bei den Völker­schaften zwischen Nord- und Ostsee ist mindestens seit der späten Bronzezeit (13.-8. Jh. vor Chr.) anzunehmen.“78

Anmerkungen

1 Nordwest-Zeitung 8.3.2013.

2 Mitteldeutsche Zeitung 19.2.2015.

3 Hans Werner Goetz: Lingua. In: Walter Pohl (Hg.). Sprache und Identität im frühen Mittelalter. Wien 2012, S. 61–74, S. 63.

4 Günter Neumann: Die Deutung des Eth­nonyms „Germani“. In: Reallexikon der Ger­manischen Altertumskunde. 2., völlig neu bearbeitete und stark erweiterte Auflage, Bd. 11, Berlin 1998, S. 259–265.

5 Karl Wührer: Germanische Zusammen­gehörigkeit. Jena 1940, S. 31; Heinz Bellen: Die germanische Leibwache der römischen Kaiser des julisch-claudischen Hauses. Wies­baden 1981.

6 Caesar, Bellum Gallicum, 1, 36.

7 Caesar, Bellum Gallicum, 1, 44.

8 Tacitus, Annalen 2, 88.

9 Tacitus, Historien 4, 14 und 4, 65.

10 Hermann Ament: Unterwegs zu höhe­rer Zivilisation – Die Germanen. In: Her­mann Ament u. a.: Frühe Völker Europas. Darmstadt 1997, S. 44–73, S. 45.

11 Herwig Wolfram: Die Goten und ihre Geschichte. München 2001.

12 Walter Pohl: Vom Nutzen des Germa­nenbegriffes zwischen Antike und Mittelal­ter: Eine Forschungsgeschichtliche Perspektive. In: Dieter Hägermann, Wolfgang Haubrichs, Jörg Jarnut (Hg.): Akkulturation. Probleme einer germanisch-romanischen Kultursynthese in Spätantike und frühem Mittelalter. Berlin 2004, S. 18–34, S. 20.

13 Walter Pohl: Der Germanenbegriff vom 3. bis zum 8. Jahrhundert – Identifikation und Abgrenzung. In: Heinrich Beck (Hg.): Zur Geschichte der Gleichung „germanisch – deutsch“. Berlin 2004, S. 163–183, S. 170.

14 Herwig Wolfram: Die Goten und ihre Geschichte. München 2001, S. 14 u. 23; Klaus E. Müller: Geschichte der antiken Ethnogra­phie und ethnologischen Theoriebildung. Teil II, Wiesbaden 1980, S. 439; ders.: Ge­schichte der antiken Ethnologie. Reinbek 1997, S. 569 f.

15 Ludwig Schmidt: Geschichte der deut­schen Stämme bis zum Ausgang der Völker­wanderung. Bd. 1: Die Ostgermanen. Zweite, völlig neubearbeitete Auflage, München 1941, S. 203 (Herodian VII 2,9).

16 Walter Pohl: Der Germanenbegriff vom 3. bis zum 8. Jahrhundert – Identifikation und Abgrenzung. In: Heinrich Beck (Hg.): Zur Geschichte der Gleichung „germanisch – deutsch“. Berlin 2004, S. 163–183, S. 172.

17 Joachim Herrmann (Hg.): Griechische und lateinische Quellen zur Frühgeschichte Mitteleuropas bis zur Mitte des 1. Jahrtau­sends u.Z., 4. Teil, Berlin 1992, S. 385.

18 Herwig Wolfram: Die Germanen. Mün­chen 1995, S. 99 (Agathias I, 3).

19 Norbert Wagner: Der völkerwande­rungszeitliche Germanenbegriff. In: Heinrich Beck (Hg.): Germanenprobleme in heutiger Sicht. Berlin 1986, S. 140–154, S. 148 u. 151 f.

20 Herwig Wolfram: Die Goten und ihre Geschichte. 2., durchgesehene Auflage, Mün­chen 2005, S. 14 f.; Ernst Schwarz: Die Her­kunftssage der Goten. In: Ders. (Hg.): Zur Germanische Stammeskunde. Darmstadt 1972, S. 286–308.

21 Norbert Wagner: Der völkerwande­rungszeitliche Germanenbegriff. In: Beck, Germanenprobleme, S. 140–154, S. 150; Ru­dolf Buchner: Kulturelle und politische Zu­sammengehörigkeitsgefühle im europä­ischen Frühmittelalter. In: Historische Zeit­schrift 207, 1968, S. 562–583, S. 576; Müller, Geschichte der antiken Ethnographie, S. 343.

22 Erich Zöllner: Die politische Stellung der Völker im Frankenreich. Wien 1950, S. 52.

23 Rudolf Buchner: Das Geschichtsbe­wußtsein der Germanen. In: Mannus 29, 1937, S. 459–477, S. 470.

24 Oliver Schipp: Römer und Barbaren: Fremde in der Spätantike und im Frühmittel­alter. In: Altay Coskun, Lutz Raphael (Hg.): Fremd und rechtlos? Zugehörigkeitsrechte Fremder von der Antike bis zur Gegenwart. Ein Handbuch. Köln 2014, S. 145.

25 Wagner, Der völkerwanderungszeitli­che Germanenbegriff, S. 143.

26 Wagner, Der völkerwanderungszeitli­che Germanenbegriff, S. 154.

27 Ernst Schwarz: Germanische Stammes­kunde. Heidelberg 1956, S. 38.

28 Wenskus, Stammesbildung und Verfas­sung, S. 237.

29 Karl Helm: Altgermanische Religions­geschichte. Erster Band, Heidelberg 1913, S. 339.

30 Rudolf Simek: Lexikon der germani­schen Mythologie. Stuttgart 1984, S. 210.

31 Helm, Altgermanische Religionsgeschichte, S. 337.

32 Richard M. Meyer: Alt­germanische Religionsge­schichte. Leipzig 1910, S. 196 ff.; Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mytholo­gie. Stuttgart 1984, S. 472.

33 Die Germania des Ta­citus. Erläutert von Rudolf Much. Dritte, beträchtlich erweiterte Auflage, unter Mitarbeit von Herbert Jan­kuhn, S. 53; Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie. Stuttgart 1984, S. 472.

34 Reinhard Wenkus: Stammesbildung und Verfassung. Köln 1961, S. 237.

35 Schwarz, Germanische Stammeskun­de, S. 38.

36 Alexander Demandt: Das frühgermani­sche Heerkönigtum. In: Ders.: Antike Staats­formen. Eine vergleichende Verfassungsge­schichte der Alten Welt. Berlin 1995, S. 475– 500 S. 479.

37 Ernst Schwarz: Germanische Stammes­kunde. Heidelberg 1956, S. 29 u. 35. Das * be­deutet, daß das Wort durch Rekonstruktion erschlossen wurde und nicht durch Quellen belegt ist.

38 Wenskus, Stammesbildung und Verfas­sung, S. 211.

39 Ebd., S. 228 f.

40 Ebd., S. 233.

41 Ebd., S. 242.

42 Ebd., S. 387.

43 Wolfgang Mohr: Rezension von Karl Wührer, Germanische Zusammengehörig­keit. Jena 1940. In: Historische Zeitschrift 164, 1941, S. 559–563, S. 560.

44 Tacitus, Annalen, I, 58–59.

45 Tacitus, Historien 4, 14.

46 Tacitus, Historien 4, 65.

47 Sueton, Leben des Augustus, De vita Caesarum , II/49; Wührer, Germanische Zu­sammengehörigkeit, S. 13.

48 Plutarch, Heldenleben, Caesar.

49 Tacitus, Annalen I, 57.

50 Velleius Paterculus, Historia Roma­na II, 120.

51 Tacitus, Annalen, II, 45.

52 Tacitus, Annalen, XI, 18.

53 Frank M. Ausbüttel: Germanische Herrscher. Von Arminius bis Theoderich. Darmstadt 2007, S. 44.

54 Tacitus, Historien, IV, 17,

55 Tacitus, Historien, IV, 15, 16 u. 19.

56 Wührer, Germanische Zusammenge­hörigkeit, S. 27, (Julian, Rede I).

57 Zosimos, Neue Geschichte, V, 15.

58 Zosimos, Neue Geschichte, V, 35.

59 Wührer, Germanische Zusammenge­hörigkeit, S. 36.

60 Agathias, Historien, I, 5.

61 Prokop, Gotenkrieg, IV, 35.

62 Agathias, Historien 1, 15; vgl. Norbert Wagner: Der völkerwanderungszeitliche Germanenbegriff. In: Heinrich Beck (Hg.): Germanenprobleme in heutiger Sicht. Berlin 1986, S. 140–154, S. 143.

63 Epistolae Visigoticae 13, S. 681, zit. n. Dietrich Claude: Gentile und territoriale Staatsideen im Westgotenreich, in: Frühmit­telalterliche Studien 6, 1972, S. 1–38, S. 20 f.

64 Epistolae Visigoticae 9, S. 672, zit. n. Claude, Gentile und territoriale Staatsideen im Westgotenreich, S. 20; Wagner, Der völ­kerwanderungszeitliche Germanenbegriff, S. 151.

65 Wagner, Der völkerwanderungszeitli­che Germanenbegriff, S. 150.

66 Gerd Tellenbach: Zur Geschichte des mittelalterlichen Germanenbegriffs. In: Jahr­buch für internationale Germanistik 7, 1975, S. 145–165, S. 156 f.

67 Reinhard Wenskus: Die deutschen Stämme im Reiche Karls des Großen. In: Hel­mut Beumann (Hg.): Karl der Große. Lebens­werk und Nachleben. Bd. 1. Düsseldorf 1965, S. 178–219, S. 179 (Bonifatius, Epistolae Nr. 46).

68 Wagner, Der völkerwanderungszeitli­che Germanenbegriff, S. 150; Rudolf Buch­ner: Kulturelle und politische Zusammenge­hörigkeitsgefühle im europäischen Frühmit­telalter. In: Historische Zeitschrift 207, 1968, S. 562–583, S. 576; Müller, Geschichte der an­tiken Ethnographie und ethnologischen Theoriebildung. Teil II, S. 343.

69 Thomas Klein: Zum Alter des Wortes „deutsch“. In: Zeitschrift für Literaturwis­senschaft 94, 1994; Heinz Thomas: Der Ur­sprung des Wortes Theodiscus. In: Histori­sche Zeitschrift 247, 1988, S. 295–331; Wil­helm Schmidt: Geschichte der deutschen Sprache. 10. Auflage. Stuttgart 2007, S. 89 ff.

70 Wolfram, Sprache und Identität im Frühmittelalter mit Grenzüberschreitungen, S. 51.

71 Ebd., S. 43.

72 Buchner, Das Geschichtsbewußtsein der Germanen, In: Mannus 29, 1937, S. 459– 477.

73 Ermoldus Nigellus: Lobgedicht auf Kaiser Ludwig und Elegien an König Pippin. Nach der Ausgabe der Monumenta Germa­niae übersetzt von Th. G. Pfund. Berlin 1856, S. 66, Kap. IV, 17–22.

74 Wolfram, Sprache und Identität im Frühmittelalter mit Grenzüberschreitungen, S.45.

75 Wenskus, Stammesbildung und Verfas­sung, S. 245.

76 Wagner: Der völkerwanderungszeitli­che Germanenbegriff, S. 154.

77 Gerd Tellenbach: Zur Geschichte des mittelalterlichen Germanenbegriffs. In: Jahr­buch für internationale Germanistik 7, 1975, S. 145–165, S. 163.

78 Piergiuseppe Scardigli: Der Weg zur deutschen Sprache. Von der indogermani­schen bis zur Merowingerzeit. Bern 1994, S. 76.

 
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