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Die Kosaken - Der Freiheitskampf eines Volkes

Kosaken, die wilden Reiter des Ostens, sind seit ihrem ersten Auftauchen im 15. Jahrhundert von einem Mythos umgeben. Ihre Geschichte ist reich an unseligen Koalitionen, vernichtenden Niederlagen, Flucht, Vertreibung und Verbannung. Die weitverbreitete Ansicht, wonach es sich bei den Kosaken um Nachkommen von aus Polen-Litauen und dem Moskowiter Ruß­land in die unbesiedelten Steppen geflüchteten leibeigenen Bauern handelt, wird von der kosakischen Geschichtsschreibung entschieden abgelehnt. Die Kosaken sollen ein germanisch-slawisch-skythisches Mischvolk sein, das von Flüchtlingen aus den genannten Gebieten Zulauf erhielt. Erst unter Peter dem Großen und Katharina der Großen wurden die Donkosaken, die Saporoger Kosaken und die Uralkosaken unterworfen.1

Von Wolfgang Akunow

Die meisten modernen Forscher auf dem Gebiet des Kosakentums stim­men darin überein, daß die im Russi­schen Kaiserreich (welches in seinen Grundzügen bis zum Ende ein Stände­staat blieb) lebenden Kosaken gegen An­fang des 20. Jahrhunderts eine Art Mittel­ding zwischen Volk und Stand darstell­ten. Das Bewußtsein ihrer eigenen ethni­schen Identität war noch nicht vollkom­men aus ihrem Gedächtnis gewichen, doch die Kosaken eigneten sich immer mehr die Vorstellung an, vor allem ein besonderer Stand mit spezifischen Rech­ten und Pflichten gegenüber dem Zaren­reich zu sein. Von Moskau und St. Peter­burg aus wurde wiederholt versucht, die Kosaken mal zu einer bloßen Teilstreit­kraft der Zarenwehrmacht bzw. Waffen­gattung der Reichsarmee (Kosaken- Truppen), mal zu einer irregulären Trup­pe in ihrem Bestand, zu einer Art der leichten Reiterei (neben Ulanen und Hu­saren2) bzw. zu einer Kriegerkaste (wie etwa die Sikhs in Britisch-Indien) und schließlich zu einem Stand (neben dem Adels-, Priester-, Kaufmanns-, Bürger­stand und anderen Ständen) zu machen. Es fragt sich jedoch, inwieweit die Kosa­ken als Volk oder Stand im Falle einer li­nearen Weiterentwicklung des Russi­schen Reiches ohne revolutionäre Kata­strophen überhaupt überlebensfähig ge­wesen wären: Drohte ihnen die unver­meidliche Perspektive, auch ohne revolu­tionäre Kataklysmen im Laufe der Zeit in der Gesamtmasse der russischen Reichs­bevölkerung aufzugehen?

Kosaken aus dem Kaukasusgebiet zu Ende des 19. Jahrhunderts.

Die Kosaken im Zarenreich

Obwohl die 200jährige Politik der russi­schen Zaren, die darauf gerichtet war, das eigenständige Volksbewußtsein der Kosaken allmählich auszulöschen und das Kosakenvolk in den Kosakenstand „umzuschmelzen“, bei den Kosaken Un­mut erweckte, spielten die dadurch ge­schaffenen Ständeschranken die Rolle ei­ner gewissen Barriere gegen die Assimi­lierung der nicht besonders zahlreichen Kosaken in die Masse der übrigen Zaren­untertanen. Die sozialwirtschaftliche Entwicklung des großrussischen Staates und die entsprechende rechtliche Gleich­stellung aller Mitglieder seiner Gesell­schaft sollten aber früher oder später alle ständischen Schranken und Unterschie­de abschaffen.
Wenn es also den Kosaken beschieden sein sollte, auch weiterhin als Stand im fortbestehenden großrussischen Zaren­reich zu existieren, wäre im Zuge des Verschwindens aller ständischen Schran­ken auch das Kosakentum als besondere Bevölkerungsgruppe des Zarenreiches unvermeidlich in dessen gesamter Bevöl­kerungsmasse verschwunden. Folglich bot die Abkapselung im Rahmen eines eigenen Standes den Kosaken als Volks­gruppe keine Zukunftschancen. Ihre ein­zige Überlebenschance bestand in der Hinwendung zur Selbstidentifizierung auf ethnischer Basis.

Die Moskauer und St. Petersburger Zarenbehörden waren indessen jahrhun­dertelang eifrig darum bemüht, eben da­gegen geistige und gesetzliche Barrika­den zu errichten. Die kosakischen Stam­meseliten wurden in den Reichsadels­stand erhoben und zu treuen Zarendie­nern gemacht, die mit der nichtkosaki­schen, recht multinationalen großrussi­schen „Adelsnation“ verschmolzen. An­derseits wurde die Kosaken-Selbstver­waltung abgeschafft. Während die Ata­mane (Anführer) vorher von den Kosa­kenversammlungen gewählt und auf das Kosakentum vereidigt worden waren, wurden sie nunmehr durch vom Zaren benannte hohe Militärs ersetzt, die keine geborenen Kosaken waren und diese nur als dem Großreich nützliche Wehrbauern betrachteten und behandelten. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges bil­deten die im Zarenreich lebenden Kosa­ken elf Kosakenheere bzw. Wehrbauern­gebiete mit insgesamt 4.500.000 Einwoh­nern, die zwischen dem Schwarzen Meer und dem Stillen Ozean entlang Rußlands Südgrenzen lagen. Das zahlreichste un­ter den Kosakenheeren war das Gebiet der Donkosaken mit 1.400.000 kosaki­schen (und fast ebensovielen nichtkosa­kischen) Einwohnern. Dazu gehörten au­ßerdem noch 32.000 Kalmücken (ein den Mongolen verwandtes, sich zur lamaisti­schen Form des Buddhismus bekennen­des Volk), die ebenfalls den Kosaken- Erbstatus besaßen. Das zweitstärkste Heer stellte das Gebiet der Kubankosa­ken (1.214.000 Einwohner). Hinzu ka­men die Kosakenheere von Terek (235.000 Einwohner), Astrachan, dem Ural, Orenburg, Sibir(ien), Semiretschje, Sabajkalje (Transbaikal) und Amur sowie das in Aufstellung begriffene Jenissej-Ko­sakenheer. Außerdem war in Jakutien ein 3000 Mann starkes Kosaken-Regiment stationiert.3

Von den elf Kosaken-Heeresgemein­den waren historisch gesehen nur vier – das Don-, das Terek-, das Kuban- und das Ural-Kosakenheer (die sogenannten „älteren Kosakenheere“) – als ethnisch-kulturelle Gruppen im erwähnten Sinn entstanden. Die übrigen, von der Zaren­regierung aus zwangsübersiedelten Ko­saken der älteren Kosakenheere sowie aus Soldaten nichtkosakischer Abstam­mung nach und nach in neu erschlosse­nen Gebieten gebildeten Kosakenheere waren gemischter (kosakisch-nichtkosa­kischer) Abstammung und sollten kor­rekterweise eher als Sozialgruppen auf Kosakenbasis betrachtet werden. Nicht­destotrotz bildeten alle Kosakengemein­den geschlossene Erbkasten. Um Kosak zu sein, mußte man in eine Kosakenfami­lie hineingeboren werden. Nur die Za­renregierung konnte einen Nichtkosaken in den Kosakenstand erheben (ähnlich wie bei der Erhebung in den Adelsstand). Jeder Kosak war zum 18jährigen Kriegsdienst verpflichtet (wobei er nur die ersten drei Jahre kaserniert war). Als Gegenleistung für den Kriegsdienst ge­nossen die Kosaken persönliche und kol­lektive Vorrechte. Jedes Kosakenheer war autonom und hatte ein eigenes Bud­get, woraus die Kosaken ihre Einnahmen bezogen und Steuern entrichteten. Jeder Kosak hatte Anrecht auf ein Grundstück, das je nach Rang, Verdienst und Verant­wortung unterschiedlich groß war. Nichtkosakische Zaren-Untertanen, die in die Kosaken-Stammgebiete einwan­derten (sogenannte „Inogorodnije“, d.h. „Fremdstädter“, welche keinen erblichen Kosakenstatus besaßen), konnten dort kein Land erwerben, sondern mußten es bei Kosaken pachten – was stets für Un­mut sorgte, der mit der steigenden An­zahl dieser Einwanderer immer stärker wurde.
Das erwähnte Interesse der zaristi­schen Regierung am Erhalt der Kosaken erklärte sich u.a. auch daraus, daß ein Kosakenrekrut billiger war als ein Nor­malrekrut. Jeder Kosak erschien zum Waffendienst mit eigenem Reitpferd und eigenem Zaumzeug. Die Kosaken galten als treue Zarendiener und furchtlose Krieger. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs bilde­ten die Kosaken eine ansehnliche Streit­macht.4 Anfangs kamen sie an der Front als leichte Reiterei zum Einsatz. Es stellte sich jedoch sehr bald heraus, daß sich ih­re höchst beweglichen, zur Ermattung des Gegners bestimmten Einheiten nur schlecht für den Stellungskrieg eigneten. Viele Kosaken-Reiterregimenter wurden daher zu Infanterieeinheiten umfunktio­niert und füllten die unendlich langen Schützengräben des Weltkriegs, wo sie sich jedoch nicht minder tapfer schlugen als zu Pferde.

Orenburger Kosaken vor dem Ersten Weltkrieg.

Zwischen Weiß und Rot

Da die Kosaken ihren Treueeid seit alters her dem Zaren (und nicht dem russi­schen Staat als solchem) schworen, loc­kerten sich nach der Entmachtung von Zar Nikolaus II. durch die Februarrevo­lution die Treuebande an Rußland im Be­wußtsein vieler Kosaken immer mehr. Nach dem mit deutscher Hilfe erfolgten bolschewistischen Umsturz 1917 und dem Beginn des Bürgerkriegs in Rußland wandten sich die meisten (obgleich bei weitem nicht alle) Kosaken gegen die Bolschewisten. Es waren ausgerechnet Donkosaken unter ihrem General und späteren Ataman Pjotr Krasnow, die En­de Oktober/Anfang November 1917 ver­geblich versuchten, den vor den Bolsche­wiken aus dem roten Petrograd nach Gatschina geflohenen Ministerpräsiden­ten und Chef der gestürzten liberalde­mokratischen Provisorischen Regierung Rußlands, Alexander Kerenskij, wieder an die Macht zu bringen. Vor allem die Kosakenführer erhofften sich von den antikommunistischen „großrussischen“ Weißen die Wiederherstellung ihrer Au­tonomie, die seitens der autoritär-zentra­listischen und traditionsfeindlichen ro­ten Machthaber nicht zu erhoffen war.

In den Bürgerkriegsjahren 1917–1921 bildeten die Kosaken das Rückgrat und die Hauptstoßkraft aller „weißen“ Regie­rungen und kämpften mutig an allen Fronten gegen die Bolschewiken. Die letzten weißen Truppen, die den Roten erbitterten Widerstand leisteten, waren das Kosakenheer des Atamans Grigorij Semjonow im Transbaikalgebiet sowie die aus Kosaken bestehende Asiatische Reiterdivision des baltendeutschen Ge­neralleutnants Roman Freiherr von Un­gern-Sternberg in der Mongolei. All diese Jahre befanden sich die Kosa­ken jedoch in einer äußerst schwierigen Lage. Ihr Verhältnis zu den großrussisch denkenden weißen Generälen blieb stets gespannt. In ihren traditionellen Sied­lungsgebieten fielen sie jedoch bald der bewaffneten Sowjetaggression zum Op­fer, deren Folgen durch die Feindschaft der nichtkosakischen Einwohner, welche nach ihrem Land und Besitz trachteten, zusätzlich verschärft wurden. Dennoch entstand 1918 im Gebiet des Donkosa­kenheeres der erste unabhängige Kosa­kenstaat mit dem bereits erwähnten Za­rengeneral Krasnow an der Spitze. Ein zweiter Versuch erfolgte im Gebiet des Kubankosakenheeres, dessen Unabhän­gigkeit von der Kuban-Rada (einem Ko­sakenparlament) proklamiert wurde. 1920 schlossen die Don-, Kuban- und Te­rekkosaken einen Dreibund ab. In den Jahren 1917/18 versuchten die antibol­schewistisch gesinnten kaukasischen Bergvölker, eine Föderation mit den Ko­saken zu bilden. Auch die unabhängige Ukraine mit dem zum Hetman (Ataman) gewählten Zarengeneral Pawel Skoro­padskij an der Spitze versuchte (bis Ende 1918 unter dem Schutz der Besatzungs­mächte Deutschland und Österreich-Un­garn), das „freie Kosakentum“ (Wilnoje Kosaztwo) in seiner einstigen Bedeutung wiederherzustellen. Alle diese Kosaken­staaten, die vergeblich auf ihre Anerken­nung seitens der siegreichen Entente- Mächte und sogar die Aufnahme in den Völkerbund hofften, erwiesen sich je­doch als kurzlebig und wurden teils durch die Bolschewiken, teils durch großrussisch-autoritäre weiße Generäle eliminiert. So wurde z.B. der Kuban-Ra­da-Vorsitzende Nikolaj Rjabowol 1919 als „kosakischer Separatist“ von einem großrussischen weißen Offizier erschos­sen. Ein anderes prominentes Kuban-Ra­da-Mitglied, der Priester und Delegierte zur Pariser Friedenskonferenz Alexej Ku­labuchow, der sich um ein Bündnis mit dem antibolschewistischen Medshlis (Parlament) der kaukasischen Bergvölker bemühte, wurde 1919 auf Weisung des Befehlshabers der weißen Streitkräfte Südrußlands, General Anton Denikin, öf­fentlich gehängt.

Während der fluchtartigen Evakuie­rung von Denikins Weißen vom Schwarzmeerhafen Noworossijsk 1920 wurden große Teile der Kosakenverbän­de im Stich gelassen. Die verratenen Ko­saken sahen sich gezwungen, der Roten Armee beizutreten und am Sowjetisch- Polnischen Krieg teilzunehmen, vor­nehmlich in den Reihen der 1. Reiter-Ar­mee des späteren roten Marschalls Sem­jon Budjonnyj (eines im Donkosakenge­biet aufgewachsenen „Fremdstädters“). Im Bürgerkrieg (wie später auch im Zweiten Weltkrieg) gab es allerdings auch andere rote Kosakenverbände. Vor allem weniger bemittelte Kosaken ließen sich durch die bolschewistische Parole „Expropriierung der Expropriateure“ dazu verlocken, sich auf Kosten ihrer wohlhabenderen Standesgenossen zu be­reichern. So kämpften das Rote Kosaken­korps des Donkosaken Filipp Mironow sowie die rote 2. Reiter-Armee des „Fremdstädters“ Boris Dumenko gegen die weißen Kosaken. Die roten Kosaken rebellierten zwar später, wurden jedoch von Lenin- und Trotzki-treuen Rotarmi­sten geschlagen, entwaffnet und dezi­miert, ihre Kommandeure erschossen. Das gleiche Schicksal ereilte auch den Kubankosaken und Befehlshaber der ro­ten 11. Sowjetarmee im Nordkaukasus, Iwan Sorokin, der zuerst den ihm über­gestülpten bolschewistischen revolutio­nären Kriegsrat erschießen ließ, dann je­doch überrumpelt und 1918 als „Konter­revolutionär“ erschossen wurde.
Die allgemeine Niederlage der weißen Armeen bedeutete das endgültige Ende der traditionellen Kosakengemeinden, deren ethnische Eigenart von den Bol­schewisten nie anerkannt wurde. Alle autonomen Kosakenstrukturen wurden mit Rumpf und Stiel ausgerottet, die Ko­saken zuerst „entkosakisiert“, danach zwangskollektiviert und schließlich durch Stalins Terrormaschine dezimiert.5 Kleine Kosaken-Einzelgruppen leisteten jedoch bis in die 1920er und sogar 1930er Jahre in schwer zugänglichen Terek- und Kubangebieten Widerstand. Einige die­ser Guerillakrieger sollen sich bis zum Vorstoß der deutschen Wehrmacht in die traditionellen Kosakengebiete im Som­mer 1942 gehalten haben.

Eine kosakische Kavallerieeinheit während der Attacke.

An deutscher Seite

Am 23. Juni 1941, einen Tag nach Beginn des deutschen Feldzugs im Osten, rief der im deutschen Exil lebende General Pjotr Krasnow, Oberster Ataman der Donkosaken im Russischen Bürgerkrieg (bis 1919, als er durch den deutschfeind­lichen und Entente-freundlichen Gene­ralleutnant Afrikan Bogajewskij abgelöst wurde), die über ganz Europa verstreu­ten weißen Kosaken sowie die im Sowjet­machtbereich verbliebenen Kosaken zur Wiederaufnahme des bewaffneten Kampfes gegen den Bolschewismus an deutscher Seite auf. General Krasnow hatte durch seinen Kampf gegen die Mit­telmächte im Ersten Weltkrieg sowie ge­gen die Sowjets im Russischen Bürger­krieg unter den „weißen“ Kosaken hohes Ansehen erreicht. Daher fand der Aufruf des Atamans sowie anderer Kosakenakti­visten bei vielen Exilkosaken breiten Wi­derhall, die auch andere „weiße“ Exilrus­sen zur Wiederaufnahme ihres Kampfes gegen die Roten ermunterten, welche ihn als „Zweiten Russischen Bürgerkrieg“ betrachteten.

So schlug General Michail Skorodu­mow, Chef der Russischen Vertrauens­stelle im deutsch besetzten Serbien, we­nige Tage nach Krasnows Appell deut­schen Besatzungsbehörden vor, aus „weißen“ Emigranten eine russische Freiwilligendivision für den Ostfrontein­satz aufzustellen. Skorodumow wurde deutscherseits die Aufstellung einer be­waffneten Schutzgruppe genehmigt, um die in Serbien wohnhaften russischen Emigrantenfamilien vor dem Terror der roten Tito-Partisanen zu beschützen. Im Kriegsverlauf wurde im Rahmen des russischen Balkan-Schutzkorps, das En­de 1942 in die deutsche Wehrmacht über­nommen wurde, ein Kosaken-Freiwilli­genregiment unter dem Kommando des weißen Bürgerkriegsveteranen General Viktor Sboroswkij aufgestellt. Dieses 1. Kosaken-Regiment erhielt gegen Ende 1944 mehr als 80 % aller an die Balkan­korpskämpfer verliehenen Kriegsaus­zeichnungen. Außer dem 1. Kosaken-Re­giment, dessen Angehörige sich zwar als Kosaken, jedoch zugleich auch als anti­bolschewistische „großrussische“ Patri­oten betrachteten, bestand im Schutz­korpsrahmen auch einte 380 Mann starke „Freikosaken-Kompanie“, deren Freiwil­lige sich nicht als Russen, sondern als Angehörige einer selbständigen kosaki­schen Nation betrachteten und nicht für die Wiederherstellung des vorrevolutio­nären großrussischen (Zaren-)Reiches, sondern für den Aufbau eines unabhän­gigen Staates „Kasakia“ („Kosakien“) mit deutscher Hilfe ins Feld zogen. Sol­che „Kosakisten“ („Kasakijzy“) bildeten einen nicht unwesentlichen Teil der anti­bolschewistischen Exilkosaken. Auch die Kosakengeneräle Krasnow, Schkuro u.a., die vor Kriegsbeginn eher großrussisch-zaristisch agierten und agitierten, ten­dierten im Kriegsverlauf allmählich in Richtung dieses Kosaken-Autonomismus und später -Separatismus.6

Nachkommen der Goten

Im Dezember 1942 erklärte das deutsche Reichsministerium für die besetzten Ost­gebiete unter dem ehemaligen russischen Untertanen Alfred Rosenberg die Kosa­ken offiziell zu Nachkommen des altger­manischen Stammes der Goten. Aus die­sem Grund wurden die Kosaken für würdig erklärt, eigene Streitkräfte zur Bekämpfung des Bolschewismus an deutscher Seite aufzustellen sowie in Zu­kunft einen eigenen Staat unter groß­deutschem Protektorat zu bilden. Der unmittelbare Anlaß war wohl die Ver­schlechterung der Lage am Südflügel der deutschen Front sowie der Wunsch, ein sicheres, freundliches Hinterland zu ha­ben. Was aber waren die historischen Gründe für diese Erklärung? Im 3./4. Jhd. n.Ch. lebten in der Schwarzmeersteppe die Westgoten (Wisigoten) und Ostgoten (Ostrogoten). Die Westgoten beherrsch­ten den Raum zwischen der Donau und dem Unterlauf des Dnjepr, die Ostgoten jenen östlich des Dnjepr-Unterlaufs. Die Ostgrenze ihres Siedlungsraumes ist nicht genau bekannt, dazu gehörte je­doch sicherlich das Einzugsgebiet des Asowschen Meeres. Folglich besiedelten die Ostgoten auch einen Teil des späteren Donkosakengebietes. Interessanterweise waren unter den Kosaken schon lange Vorstellungen verbreitet, wonach sie von den Goten abstammten. So begründete z. B. der ukrainische Kosaken-Hetman Iwan Masepa während des Nordischen Krieges 1709 seinen Entschluß, von Peter dem Großen abzufallen und sich mit dem Schwedenkönig Karl XII. zu ver­bünden, mit dem Hinweis auf die wohl­bekannte Abstammung der Kosaken von den alten Goten, so daß der Übertritt auf die Seite Karls, der ja offiziell den Titel „König der Schweden, Goten und Van­dalen“ trug, nicht als „Verrat“ gelten konnte.

Auch in deutschen Wissenschaftler­kreisen dominierte noch vor Rosenbergs Erklärung die Ansicht, die Kosaken seien ein ursprünglich germanisches Misch­volk, das den im Zuge der Völkerwande­rung ins Schwarzmeergebiet ausgewan­derten Goten entstamme, die sich dann mit ebenfalls ausgewanderten Teilen der Sachsen sowie mit den nomadisierenden iranischen Saken (Skythen) vermischt und den Grundstock der späteren Kosa­ken gebildet haben sollen. Diese Mei­nung erscheint dem Verfasser des vorlie­genden Artikels zumindest beachtens­wert.7 Nicht von ungefähr besteht im Wortschatz der Donkosaken das der rus­sischen Sprache in all ihren Mundarten fehlende Verb „gutarit“ (reden, spre­chen), welches ganz eindeutig auf den Stammesnamen der alten Goten (guts, gutans) zurückzuführen ist. Außerdem wurde Rosenbergs Doktrin mit der Tatsache begründet, daß wäh­rend des Siebenjährigen Krieges Saporo­ger Kosaken (Vorfahren der Kubankosa­ken) auf Seiten Friedrichs des Großen gegen Rußland gekämpft hatten, deren traditionelle Vorrechte und Freiheiten durch die russische Regierung vernichtet wurden. In guter Erinnerung behielten die Deutschen auch das Kriegsjahr 1918, als sie General Krasnows Donkosaken bei der Bekämpfung des Bolschewismus unterstützten.

Helmuth v. Pannwitz im Ersten Weltkrieg.

Der „Zweite“ Russische Bürgerkrieg

Seit 1941 traten die mit der Sowjetmacht unzufriedenen Kosaken erneut auf den Plan. Am 22. August 1941 trat der sowje­tische Major Iwan Kononow (der seine Kosakenabstammung vor den Sowjets zu verheimlichen verstand und so den Re­pressalien entkommen konnte) mit sei­nem Schützenregiment 436 auf deutsche Seite über. Kononow wurde eine Art „Kosaken-Wlassow“, bevor Sowjetgene­ral Andrej Wlassow in deutscher Gefan­genschaft mit der Aufstellung seiner Rus­sischen Befreiungsarmee ROA begann. Kononow erhielt von den Deutschen die Genehmigung, Kosakenstämmige in rus­sischen Kriegsgefangenenlagern für den Freiwilligendienst anzuwerben.

Ab 19. Dezember 1941 stand das Kosakenre­giment 120 mit 77 Offizieren und 1799 Freiwilligen „halblegal“ im Dienst der deutschen Wehrmacht. Erst im April 1942, im Vorfeld der Kaukasusoffensive, genehmigte Adolf Hitler offiziell die Exi­stenz von Kosakeneinheiten im Bestand der Wehrmacht. Nach dem Einmarsch ins Nordkaukasusgebiet begann endlich das deutsche Experiment mit kosaki­schen Regierungsbehörden, kosakischer Ortsverwaltung und Kosakenpolizei. Im Dezember 1942 folgte dann Rosenbergs bereits erwähnte Erklärung über die Ko­saken als Gotennachkommen.

Helmuth von Pannwitz

Der wohl bekannteste an deutscher Seite kämpfende Kosakenverband war das XIV./XV. Kosaken-Kavallerie-Korps der deutschen Wehrmacht, das auf der Basis der 1. Kosaken-Kavallerie-Division ent­stand. Ihr Kommandeur war der deut­sche Generalleutnant Helmuth v. Pann­witz. Er wurde am 14. Oktober 1898 auf der Domäne Botzanowitz im oberschlesi­schen Kreis Rosenberg geboren. In un­mittelbarer Nähe des elterlichen Guts­hauses bildete der kleine Fluß Lißwarthe die Grenze zum kaiserlichen Rußland. Die Kindheit des späteren Kosakenbe­fehlshabers war geprägt von Kontakten zu einer auf der russischen Flußseite lie­genden Grenzkosakenabteilung, die den Jungen mit ihren Reiter- und Säbelvor­führungen begeisterte.8 Im Ersten Welt­krieg erhielt er das EK II und I. Nach Kriegsende folgte der Einsatz in ver­schiedenen Freikorps zum Schutz der deutschen Ostgrenze und gegen Sparta­kus.

Helmuth v. Pannwitz mit seinen Kosaken im Zweiten Weltkrieg.

Um mit Helmut Möller, Veteran des Kosaken-Kavallerie-Korps v. Pannwitz, zu sprechen: „Genauso wie mit uns die Kosaken Seite an Seite (gegen die Bol­schewisten im Zweiten Weltkrieg – W.A.) kämpften, haben unsere Väter in den Freikorps 1918–1923 gegen die Spartaki­sten gekämpft und uns somit vor einem kommunistischen System bewahrt. Sie haben nicht für Hitler-Deutschland, son­dern gegen das bolschewistische System gekämpft. Sie wollten freie Bürger in ih­rem Vaterland sein […] So kämpfte v. Pannwitz an der Seite Ehrhardts in Berlin und Oberschlesien, mein Vater beim Stahlhelm Franz Seldtes. Diese Männer führten einen Heldenkampf und verhin­derten, daß die Weltrevolution von der Roten Armee nach Deutschland getragen wurde. Zusammen mit der Reichswehr hatten sie 1923 die Ordnung wiederher­gestellt und einen Umsturz verhindert und somit die Demokratie verteidigt.“ Nachdem v. Pannwitz beim Reiterre­giment 7 in Breslau mehrere Reserve­übungen geleistet hatte, wurde er 1935 als Rittmeister und Schwadronchef im Reiterregiment 2 in Angerburg reakti­viert. Seine weitere militärische Lauf­bahn führte den inzwischen zum Major beförderten v. Pannwitz 1938, nach er­folgtem Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich, zum frisch aufgestellten Kavallerieregiment 11 nach Stockerau unweit Wien. Bei Kriegsbeginn zog er als Kommandeur der neugebildeten Divisi­onsaufklärungsabteilung 45 nach Polen, wo er sich die Wiederholungsspangen des Eisernen Kreuzes verdiente.

Bereits zu Beginn des Feldzuges gegen die Sowjetunion stellte der künftige Fel­dataman aller Kosakenheere abermals seine Tapferkeit und Umsicht unter Be­weis, so daß ihm am 4. September 1941 das Ritterkreuz verliehen wurde. Sein Führungsstil war von der Maxime ge­prägt, möglichst große Erfolge mit mög­lichst geringen Verlusten herbeizufüh­ren. Im November 1941 mußte er das Kommando über seine Vorausabtei­lung wegen eines Ischias­leidens abgeben und wur­de Anfang 1942 zur Ausar­beitung von Vorschriften für die Schnelle Truppe ins OKH versetzt. Diese Zeit nutzte der im April 1942 zum Oberst beförderte v. Pannwitz, um seinen Wunschtraum von einer eigenständigen Kosakeneinheit zu verwirklichen. Die Kosaken waren ja bis zum Ende ihres „ersten“ Bürgerkriegs gegen die Sowjets eine Kerntruppe der „weißen“ Streitkräfte gewesen, weswe­gen sie unter der Sowjetmacht grausam verfolgt, dezimiert, verbannt und ausge­hungert wurden. Daher wurde der Ein­marsch der deutschen Truppen in die Kosakengebiete an Don, Kuban, Terek und Wolga von sehr vielen dort verblie­benen Kosaken (und Nichtkosaken) als Befreiung empfunden. Nicht wenige Ko­saken (und Nichtkosaken) waren bereit, in den Reihen der deutschen Wehrmacht gegen die bolschewistischen Unterdrüc­ker zu kämpfen. Sie waren weder „Na­zis“ noch „Faschisten“, sondern hofften, dadurch ihre Eigenständigkeit erringen zu können. Von Pannwitz, dem bereits seit seiner Jugend im deutsch-russischen Grenzgebiet das Wesen der Kosaken gut vertraut war, erkannte (gleich anderen weitsichtigen deutschen Offizieren und Generalen) die großen Möglichkeiten, die sich daraus ergaben. Gegen den Wi­derstand des Reichsführers-SS Heinrich Himmler, zu dessen Rassenwahnideen diese Vorstellungen nicht paßten (ob­wohl er später, viel zu spät, infolge der Kriegsereignisse umden­ken mußte), erhielt v. Pannwitz im September 1942 den Auftrag, sich im Kosakengebiet über die Aufstellung größerer Ko­saken-Freiwilligenverbän­de zu informieren. Tatkräf­tige Unterstützung erhielt er dabei von den Generä­len Ernst Köstring, Kurt Zeitzler und Ewald v. Kleist.9

Mit dem deutschen Rückzug im Osten Anfang 1943 zogen Tausende Kosaken, ja ganze Kosaken­siedlungen, mit Familien, Pferd und Wa­gen in Richtung Westen. Gleichzeitig wurden in der deutschen Führung Pläne zur Aufstellung einer ganzen berittenen Kosakendivision entworfen. Im März 1943 wurde in Mielau mit der 1. Kosa­ken-Kavallerie-Division bzw. 1. Kosa­ken-Division der erste kosakische Groß­verband des deutschen Heeres aufge­stellt. Zur Führung dieser Division war keiner besser geeignet als der im Juni 1943 zum Generalmajor beförderte v. Pannwitz, der das Vertrauen seiner Kosa­ken wie des deutschen Rahmenpersonals sehr schnell gewann.

Hehlmuth v. Pannwitz mit dem von ihm adoptierten Zögling der Jungkosakenschule Boris Nabokow.

Hermann Möller schrieb in seinen Er­innerungen: „Wir kämpften Seite an Seite mit den Kosaken, der Bolschewismus hatte ihnen alles genommen. Sie wurden aus ihren Dörfern vertrieben. Vater er­schossen, Mutter starb den Hungertod. Sehr viele von ihnen hatten vorher in si­birischer Verbannung gelebt, und nun waren sie den Kommissaren des MWD10 Stalins hoffnungslos ausgeliefert. Die Kosaken lebten vor der kommunisti­schen Machtergreifung in ihren Dörfern in einer Art militärischer Selbstverwal­tung. Der Stamm der 6. Schwadron Ku­ban 4 (des Kuban-Kosaken-Reiterregi­ments 4 in der 1. Kosaken-Kavallerie-Di­vision sowie im späteren Kosaken-Kaval­lerie-Korps v. Pannwitz, wo Hermann Möller diente – W.A.) bestand aus Kämp­fern, die fast alle aus einem und demsel­ben Dorf stammten.11 Sie suchten den Kampf gegen dieses barbarische System. Wie grauenhaft es wirklich war, haben wir selbst nach unserer Auslieferung durch die Engländer als Gefangene in Si­birien erfahren müssen …“ Nach dem deutschen Rückzug im Osten folgten den abziehenden Deutschen ganze Trecks von Flüchtlingen, die ihre Kosakensied­lungen mit Hab, Gut, Frau und Kind ver­ließen, um den Sowjets zu entkommen, von denen sie als „Kollaborateure“ nichts Gutes zu erwarten hatten.12

Im Herbst 1943 wurde Pannwitz’ Ko­saken-Großverband in den Balkanraum verlegt. Das Einsatzgebiet der Kosaken wurde das mit Deutschland verbündete Kroatien, wo sie die Tito-Partisanen er­folgreich bekämpften und es gegen Kriegsende, nach dem jähen Frontwechsel der vorherigen Verbünde­ten des Deutschen Reiches Rumänien und Bulgarien, sogar mit vordringenden Truppen der roten Sowjet­armee aufnahmen. Im Ja­nuar 1945 wurde der in­zwischen zum General­leutnant ernannte deut­sche Kosakenbefehlshaber (dem vor allem der Ober­ste Donkosaken-Ataman General Pjotr Krasnow, der Kubankosaken-Heere­sataman Wjatscheslaw Naumenko und der Kubankosakengeneral Andrej Schku­ro als Inspiratoren und Berater beistan­den) vom Allkosaken-Ring (Wsekasat­schij Krug, d.h. „Kongreß“) in Virovitica zum „Obersten Feldataman aller Kosa­kenheere“ gewählt. Die Stellung eines Atamans aller Kosaken hatte im kaiserli­chen Rußland seit 1835 der Kronprinz in­negehabt. Nun aber wurde mit General­leutnant v. Pannwitz erstmalig in der ge­samten Geschichte des Kosakentums ein deutscher Offizier mit dieser höchsten Kosakenwürde bekleidet. Durch diese Wahl kam die ganze Größe der ihm von seinen Kosaken entgegengebrachten Ver­ehrung zum Ausdruck. Seit dem 1. Fe­bruar 1945 unterstand dem derart ausge­zeichneten v. Pannwitz als Kommandie­rendem General das in der Aufstellung begriffenen XIV. (kurz danach XV.) Kosa­ken-Kavallerie-Korps mit zwei beritte­nen Divisionen und einer Plastun- (Infanterie-)Brigade (die bis zur 3. Divisi­on aufgestockt werden mußte, wozu es jedoch wegen der Kriegsereignisse nicht kommen sollte).

Pannwitzs Kosakeneskorte (Konvoi) in Paradeuniform.

Es wurde lange (und wird immer noch) über die angebliche Zugehörigkeit des XV. Kosaken-Kavallerie-Korps zur Waffen-SS spekuliert. Derartige Behaup­tungen findet man auch heutzutage ziemlich oft nicht nur in Medienberich­ten, Zeitungs- und Magazinartikeln, son­dern sogar in Fachbüchern und Lexika (auch im deutschsprachigen Raum). In­dessen liegen dem deutschen Bundesar­chiv/Militärarchiv in Freiburg eindeutige Informationen über die Zugehörigkeit des XV. Kosaken-Kavallerie-Korps nicht zur Waffen-SS, sondern zum deutschen Heer (REICHSHEER, unter RH 71 im Ar­chivbestand) vor. Diese Unterlagen kön­nen von jedem an der Geschichte des XV. Kosaken-Kavallerie-Korps Interes­sierten eingesehen werden. Gleiches gilt für die dort vorliegenden persönlichen Aussagen (Eidesstattliche Erklärungen etc.).13

Im Unterschied zu Angehöri­gen anderer vornehmlich aus ehemaligen Sowjetbürgern beste­henden, an deutscher Seite kämp­fenden Ostfreiwilligenverbände, deren Waffen-SS-Zugehörigkeit als unbestritten gilt, wie z.B. der russischen Waffen-SS-Divisionen 29 „RONA“ (russische Nr. 1, auch als Brigade bzw. Division Kaminski oder „Russische Volks­befreiungsarmee“ bekannt) und 30 (russische bzw. weißrutheni­sche oder weißrussische Nr. 2), des „Osttürkischen Waffenver­bands der SS“, der Russischen SS-Briga­de „Drushina“, des Russischen SS-Regi­ments „Warjag“ („Waräger“), der Nord­kaukasischen und Armenischen Legio­nen der Waffen-SS u.a.m., wurden die Pannwitz-Kosaken nie aus Waffen-SS-Beständen besoldet, bewaffnet, ausgerü­stet und verpflegt. Sie wurden nicht in den Waffen-SS-Listen geführt. Die KKK-Kosaken trugen keine SS-Uniformen, sondern nur ihre eigenen kosakischen, russisch-zaristischen, bzw. die der deut­schen Wehrmacht.

Mit Frauen und Kindern waren die Kosaken nach Österreich geflohen und wurden von den Engländern in den Genozid geschickt.
Kosake nimmt sein Pferd als Deckung im Gefecht.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs lag v. Pannwitzs‘ stark angegriffene, je­doch noch gut 20.000 Mann umfassende Kosakeneinheit (die er im letzten Augen­blick den KONR-Streitkräften zurechnen ließ) am Südufer der Drau. Da der Kosa­kenführer wußte, was seinen Kosaken im Falle ihrer Gefangennahme durch die So­wjets bevorstand, versuchte er, das be­reits von den englischen Truppen besetz­te österreichische Kärnten zu erreichen, wo er am 9. Mai auf die 11. britische Pan­zerdivision traf. Am 13. Mai kapitulierte v. Pannwitz nach Verhandlungen mit dem Kommando der 8. britischen Armee bei Völkermarkt in Kärnten. Vor der Ent­waffnung ließ er in Anwesenheit engli­scher Offiziere zum letzten Mal zu Klän­gen des Prinz-Eugen-Marsches (Marsch des XV. KKK) seine Kosaken hoch zu Pferde an sich vorbeiziehen, um sie schließlich offiziell ihre Waffen den Bri­ten übergeben zu lassen. In den folgen­den Tagen eilte v. Pannwitz von Lager zu Lager, um seinen Kosaken beizustehen und ihre Interessen bei den britischen Militärbehörden zu vertreten. Noch am 24. Mai 1945 erhielt der deutsche General und Kosaken-Feldataman von den Briten die feste Zusicherung, daß die Kosaken nicht an die Sowjets übergeben werden würden.

Auslieferung und Vernichtung der Ko­saken

Es sollte sich bald her­ausstellen, wie „gentle­man-like“ dieses briti­sche Ehrenwort einge­löst werden sollte. Ei­nen Tag zuvor hatten die Engländer nämlich mit den Sowjets ein Übereinkommen zur „Repatriierung“, also zur Auslieferung, ge­troffen. Die englischen Bewacher begannen am 27. Mai 1945 entge­gen der getroffenen Vereinbarung und un­ter offensichtlicher Verletzung der Be­stimmungen der Genfer Konvention mit der Umzingelung der einzelnen Kosa­ kenlager und dem gewaltsamen Abtrans­port der gefangenen Kosaken (von denen viele mitten aus dem christlich-orthodo­xen Gottesdienst brutal herausgegriffen wurden) nach Graz, wo die Verzweifel­ten unter Anwendung gröbster Gewalt an die Bolschewisten ausgeliefert wur­den. Viele Kosaken wurden sofort auf dem Gelände des nahegelegenen Hüt­tenwerks erschossen. Zur gleichen Zeit wurden bei Lienz rund 20.000 Kosaken der von den Generälen Andrej Schkuro, Pjotr Krasnow und Timofej Domanow befehligten Ersatzformationen (XV. KKK-Kosakenreserve) sowie des Kosaken-Feldlagers (Kasatschij Stan), die sich samt Frau, Kind, Hab und Gut aus den ihnen zugewiesenen norditalieni­schen Siedlungsgebieten ge­rettet hatten, und fast ebenso viele Zivilisten, die bei Kriegsende in Norditalien la­gen, wo ihnen gemäß einem deutsch-italienischen Regie­rungsabkommen neue Sied­lungsgebiete gewährt wur­den, von den Briten an die Sowjets ausgeliefert (nicht viel anders wurden die ge­flüchteten Kosaken von den Amerikanern in Bayern be­handelt). Auch dort spielten sich erschütternde Szenen ab. Viele Kosaken und ihre Frauen und Kin­der zogen den Freitod dem bevorstehen­den Sowjetterror vor und stürzten sich zu Hunderten in die Drau. Noch vorher wurden die Kosakengeneräle und Offi­ziere mit Ataman Krasnow an der Spitze von den Briten zu einer angeblichen La­gebesprechung nach Judenburg gelockt, wo sie entwaffnet und den Bolschewi­sten übergeben wurden (einschließlich des mit dem britischen Bath-Orden de­korierten Kosakengenerals und somit englischen Ritters Sir Andrej Schkuro). Dieses Unrecht stellt einen Schandfleck in der Geschichte der britischen Armee dar. Als deutscher Staatsbürger entging General v. Pannwitz der Auslieferung an die Bolschewisten und landete in einem Kriegsgefangenenlager. Als Ehrenmann zog er es jedoch vor, bei seiner Kosaken­truppe zu bleiben. Das deutsche Rah­menpersonal wurde von ihm vor die freie Wahl gestellt, folgte jedoch größten­teils seinem geliebten Kommandeur.
Im Sommer 1945 wurden sowohl die kosakischen als auch die meisten deut­schen überlebenden Soldaten des Kosa­ken-Kavallerie-Korps von den Sowjets nach dem Ural sowie nach Workuta in Sibirien abtransportiert, wo sehr viele von ihnen umkamen. Von den rund 1000 Angehörigen des deutschen Rah­menpersonals des XV. KKK überlebten nur 250 die sowjetische Kriegsgefangen­schaft. Generalleutnant v. Pannwitz wurde zusammen mit anderen Kosakengenera­len ins berüchtigte Moskauer Lubjanka- Gefängnis gebracht. Das Militärkollegi­um des Obersten Gerichts der UdSSR be­fand ihn sowie fünf weitere Kosakenge­neräle (Pjotr Krasnow, dessen Neffen Semjon Krasnow, Andrej Schkuro, Sultan Keletsch-Girej, Timofej Domanow) der „Spionage-, Diversions- und Terrorakti­vitäten gegen die Sowjetunion“ für schuldig und verurteilte alle „Staatsver­räter“ (obwohl die Angeklagten außer Domanow nie sowjetische Staatsbürger gewesen waren) zum Tode durch den Strang.
Der Kosakenveteran Sergej von Spakowsky, ehem. Rittmeister des Kosa­ken-Reiter-Regiments 2 im XV. KKK, führt aus: „Generalleutnant Helmuth von Pannwitz stand an maßgeblicher Stelle im letzten Krieg als Kommandie­render General des XV Kosaken-Kavalle­rie-Kavallerie-Korps und von den Kosa­ken zu Beginn des Jahres 1945 auf dem All-Kosaken-Kongreß zu Virovitica zum Obersten Feldataman (Hauptführer) al­ler Kosaken-Heere gewählt. Da er für dieses Ziel starb, deswegen gilt für ihn das Bibelwort: ‚Ist aber unsere Stunde ge­kommen, so wollen wir ritterlich sterben um unserer Brüder willen und unsere Ehre nicht lassen zu Schanden werden’. Am 16. Januar 1947 wurde an General von Pannwitz das Urteil eines sowjeti­schen Militärgerichts vollstreckt, aber in unseren Herzen bleibt er unsterblich. Sei­ne ehemaligen Kameraden werden ihn nie vergessen und immer ehren.
Buenos Aires 1973.“
 14

Durch diese Eigenschaften und durch sein tiefes Verständnis für das kosakische Wesen gewann er die Herzen seiner Ko­saken, die ihn liebevoll „Batka Pannwitz“ („Papa Pannwitz“), „nasch Panko“ („un­ser Panko“, eine schmeichelnde Verball­hornung von „Pannwitz“) und „Bat­juschka General“ („Vätercher General“) nannten und denen er selbst bis zum To­de treu ergeben blieb. So wie dieser Ko­saken-Ritter ohne Furcht und Tadel zu Beginn seines Lebens Freundschaft mit den Grenzkosaken geschlossen hatte, so starb er nun den Opfertod für die deutsch-kosakische Soldatenkamerad­schaft. Die „weißen“ Kosaken aber hat­ten sich als selbständiger Faktor der Weltgeschichte anscheinend für immer abgemeldet.

Nachspiel oder Neubeginn?

1991 erließ der Oberste Sowjet Rußlands ein auch heute noch gültiges Gesetz „Über die Rehabilitierung der Repressa­lien unterzogenen Völker“, worin auch die Kosaken speziell als „Volk“ erwähnt wurden. 1992 folgte eine Verordnung „Über die Rehabilitierung des Kosaken­tums“ (worin die Kosaken wiederum als „Volk“ figurierten). Auch wurde von den Regierungen Rußlands und Weißruß­lands nach 1991 versucht, das Kosaken­tum in Form von speziellen polizeiähnli­chen und Armee-Einheiten sowie Grenz­truppen unter Staatsaufsicht wiederzu­beleben, doch ohne nennenswerten Er­folg. Auf diese vagen Versuche kann im Rahmen dieses Artikels nicht näher ein­gegangen werden; sie haben mit dem Unabhängigkeitsstreben der Kosaken wenig zu tun, weil sie dabei de facto als Teil des russischen Volkes betrachtet werden. Kürzlich verkündete die Verei­nigung der Kosakenorganisationen Ruß­lands, das „Gesellschaftliche Allkosaken- Zentrum“ (WOZ), die Wiederherstellung der von der russisch-orthodoxen Kirche unabhängigen autokephalen Orthodo­xen Apostolischen Kosaken-Kirche (KPAZ). Der in Moskau durchgeführte KPAZ-Gründungskongreß fand am 30. November 2018, St.-Andreas-Ge­denktag, statt. Das WOZ betrachtet den Apostel Andreas als Täufer der im Kau­kasus- und Schwarzmeergebiet wohn­haften Vorahnen des Kosakenvolkes. Ihm zufolge bestand die auf die alten Go­ten zurückgehende selbständige Kosa­kenkirche bis zum 18. Jahrhundert, als Peter I. und Katharina II. die Souveräni­tät des Kosakenvolkes eliminierten. Der WOZ-Richter K. Kosubskij erklärte der Zeitung „NGR“ gegenüber, der von der RPZ gebannte Kosaken-Hetman Iwan Masepa sei für die Kosakenkirche ein Held. Es bestünden auch Gründe für die Heiligsprechung des ukrainischen Kosa­ken-Hetmans Bogdan Chmelnizkij sowie des Patriarchen der Kroatischen Ortho­doxen Kirche Hermogenes Maximow (ehemaliger Erzpriester von P.N. Kras­nows Armee). Das WOZ bestehe auf der Rehabilitierung der Kosaken-Atamane G.M. Semjonow, G.A. Wdowenko, P.N. und S.N. Krasnow, A.G. Schkuro, H. v. Pannwitz’ und anderer Kosakenhelden. Es hoffe auf den Erhalt der KPZ-Autoke­phalie nach ukrainischem Beispiel des Ökumenischen Patriarchen Bartho­lomäus von Konstantinopel. Dem WOZ zufolge besteht „der Grundstock der ukrainischen Bevölkerung aus ethni­schen Kosaken […]. Die Kosakenkirche mischt sich jedoch in die ukrainischen kirchlichen Angelegenheiten nicht ein. Der Wiederbelebungsprozeß der Kosa­kenkirche startete auf dem Territorium der Russischen Föderation, wo die kirch­liche Situation der ukrainischen nicht vergleichbar ist“. Vielleicht ist das letzte Kapitel in der Geschichte des kosaki­schen Volkes doch noch nicht geschrie­ben.

Bis heute findet jährlich im Juni eine Gedenkfeier am Kosakenfriedhof von Lienz statt.

Anmerkungen

1  So beschreibt z.B. das Kosaken-Lexikon (Bd. 2, Cleveland 1966) die Kosaken als eine Anfang u.Z. als Ergebnis genetischer Verbindungen zwischen turanischen Stämmen des Skythenvolkes Kos-Saka (bzw. Kas-Saka) mit den im Einzugsgebiet des Asowschen Meeres lebenden Slawo-Meoto-Kaisaren sowie Asen (Alanen) und Tanaiten (Donzen) entstandene Völkerschaft. Sie wurden vom antiken Geographen Strabo zu Christi Lebzeiten als Kossaken bezeichnet usw. Danach kamen auch andere Völker hinzu, die zum Kosaken-Genpool ihren Beitrag leisteten. Es gab später zwar auch Flüchtlinge aus Polen-Litauen sowie aus Moskowien, die jedoch nicht „ins Blaue“ flüchteten, sondern von den bereits seit alters her bestehenden und alle Völkerstürme überdauernden Kosakengemeinden aufgenommen wurden, bis sich ein Erb-Kosakentum herausgebildet hatte, das sich vor Neunankömmlingen abzuschirmen begann. Diese Erbkosaken dienten gegen Waffen-, Pulver- und Getreidelieferungen als Grenzer zur Abwehr vor allem krimtatarischer Angriffe auf Polen-Litauen und Moskowien, mischten sich jedoch in Zeiten von Staatswirren in die Angelegenheiten beider Reiche ein (zuweilen auch im Bündnis mit den Krimtataren). Versuche der polnisch-litauischen Regierung, ihre Kosaken (die um das Saporoger Gebiet am Dnjepr geballt waren), gewaltsam zu unterwerfen, schlugen letzten Endes fehl. Die Moskowiter (später: russischen) Zaren waren erfolgreicher.

2  Daher die (gescheiterte) Versuche in einigen Ländern (Preußen, England) eigene Kosakentruppen zu bilden.

3  Zeitweise gab es Kosaken auch auf der Halbinsel Kamtschatka.

4  Die elf Kosaken-Heere stellten 164 Kosaken-Regimenter, 54 Artillerie-Batterien, 30 Infanterie-Bataillone und 119 einzelne Hundertschaften bzw. Sotnien (Reitereinheiten von 120 Mann zu Friedens- und 135 Mann zu Kriegszeiten). Neben diesen Armeeverbänden bestanden im Rahmen der Zarengarde besondere kosakische Eliteeinheiten: das Kaiserliche Kosaken-Regiment, das Ataman-Regiment, das Kombinierte Kosaken-Regiment, die Leibgarde-Donkosaken-Batterie der Reitenden Garde-Artillerie-Brigade, die Kaiserliche Eskorte (zwei Kuban- und zwei Terekkosaken-Hundertschaften).

5  Die Opferzahlen variieren sehr, je nach politischen Sympathien der Forscher. Dem russischen Historiker Leonid Reschetnikow zufolge wurden während der sogenannten „Entkosakisierung“ über eine Million Kosaken vernichtet. 1926 verblieben im Dongebiet höchstens 45 % der ehemaligen Kosakenbevölkerung, in anderen „Heeres“-Gebieten nicht mehr als 25 %, im Gebiet des Uralheeres kaum 10 % (die Uralkosaken verließen ihr Gebiet fluchtartig im Versuch, den Bolschewiken zu entkommen). Während der Zwangskollektivierung („Entkulakisierung“, von „Kulak“=„Großbauer“, der „als Klasse“ ausgerottet werden sollte) wurden 1930/31 mindestens 300.000 Kosaken aus verschiedenen „Heeres“-Gebieten, in erster Linie aus dem Uralgebiet und aus dem Nordkaukasus, enteignet, verhaftet und meistens danach hingerichtet bzw. verbannt. Besonders hart betroffen waren Kosaken im Alter von über 50 Jahren als Hüter kosakischer Volkstradition.

6  An der Ostfront kämpften an deutscher Seite Anfang 1943 folgende Kosakeneinheiten:

I) im Operationsgebiet der Heeresgruppe A:

die Kosakenregimenter „Platow“ und „Kuban“, das 1. und das 2. Kosaken-Korps bei der 97. Jäger-Division;

II) im Operationsgebiet der Heeresgruppe Süd: Kosaken-Regiment Jungschultz, III (Kosaken-)Abteilung des Sicherungs-Regiments 57, Kosaken-Abteilungen 213, 403, I/444, II/444, I/454, II/454, Kosaken-Bataillone 557 (Don), 558 (Kuban), Kosaken-Ausbildungs-Bataillon, Kosaken-Korps (mot.) beim 3. Panzerkorps, Kosaken-Korps 404, Kosaken-Batterie 553;

III) im Operationsgebiet der Heeresgruppe Nord: Kosaken-Schwadron 655;

IV) im Operationsgebiet der Heeresgruppe Mitte: Kosaken-Abteilungen 433, 600, 622, 623, Kosaken-Bataillone 622, 623, 624, 625, 631, 1. und 2. Kosaken-Kompanien 137, Kosaken-Korps 638.

7  Im Januar 1944 erschien in Deutschland im SS-Leitheft Nr. 1/1944 der Artikel „Die Kosaken. Germanische Spuren im Osten“, der gegen die Meinung russischer Historiker über die Ostgoten im Schwarzmeerraum polemisierte: „Die Geschichte der Russen ist oft lückenhaft, weil ihre Geschichtsschreiber an die Befehle und Weisungen entweder der zaristischen Herrscher oder der sowjetischen Machthaber gebunden waren. So behaupten russische Geschichtslehrer, die Ostgoten seien nach dem Tode des Ermannerich (Ermannerich war der letzte Heerkönig der Goten vor dem Hunnensturm – W.A.) nach dem Westen abgezogen. Von den drei nachfolgenden Schlachten der Goten und Kolcher gegen die Hunnen im Kolcherlande ist ihnen nichts bekannt. Tatsache ist, daß ein großer Teil der Goten noch weiter im Raume des nördlichen Kaukasus und im Kaukasus verblieben. Sie waren jetzt so geschwächt, daß sie keinen eigenen Staat mehr gründeten. Eine Aufzeichnung der Kolcher besagt, daß ein Gote später in dem Gebiete des Kolcherlandes Bischof der orthodoxen Kirche war. Auch Melanchthon berichtet, daß ihm Gewährsmänner erzählt haben, daß die Türken bei der Einnahme der Krim in der Nähe von Kolchis ein Gotien finden. Er berichtet weiter, daß die Bewohner dieses Landes eine germanische Sprache sprechen. Damit ist wohl bewiesen, daß die Goten nach dem Tode Ermannerichs nur zum geringen Teil nach dem Westen gezogen sind“ usw. Warägische Wikinger haben das Kiewer Reich gegründet. Sie gründeten wahrscheinlich im Jahr 1000 das Fürstentum Tmutarakan am Schwarzen Meer. Die gleichen Normannen kamen dann auch ins Byzantinische Reich. Wir erfahren über den Fürsten Mstislaw von Tmutarakan, daß er 1022 die Kosochen (Kosaken) unterwarf. die sich dann mit den Einwohnern Tmutarakans vermischten. Zur gleichen Zeit entstand in diesem Gebiet östlich des Schwarzen Meeres das Reich der Chazaren. In ausgedehnten Gebieten, wo mongoloide Völker des Ostens gegen Arier des Westens kämpften, begegneten sich Vertreter der nordischen und der dinarischen Rasse. Russische Historiker glaubten, alle Spuren germanischer Völker (Bastarner, Skiren, Rugier, Goten, Normannen) seien verloren. Dem war jedoch nicht so. Im 11. Jahrhundert erscheinen im Saporoger und im Dongebiet Kosaken. Wer deren Vorfahren waren, ist bis heute nicht bekannt. Obwohl russische Historiker Verschiedenes behaupten (mal halten sie die Kosaken für reine Slawen, mal für Nachkommen von Hunnen oder Petschenegen), deuten äußere Rassenmerkmale eindeutig darauf hin, daß es sich bei den Kosaken um ein Mischprodukt nordischer und dinarischer Völkerschaften handelt. Es ist ganz offensichtlich, daß sich Reste der in den Steppen verlorenen germanischen Völkerschaften mit Slawen und anderen arischen sowie auch kaukasischen Völkerschaften vermischten. Daraus entstand die Gruppe kriegerischer Kosochen (später als Kosaken bezeichnet). Diese Zusammenfassung veranschaulicht kurz und bündig die rassisch-historische Konzeption, so die Kosaken mit den Goten in Verbindung gebracht wurden. So wurden die Goten nicht zu den alleinigen Vorfahren der Kosaken erklärt, die immerhin als Mischvolk, wenn auch mit starkem germanischen Bluteinschlag, bezeichnet werden. Allerdings waren 1944, als der Artikel erschien, alle Kosakengebiete bereits an die Sowjets verloren.

8  Sein militärischer Weg begann bereits 1910, als der Zwölfjährige Zögling der niederschlesischen Kadettenanstalt Wahlstatt wurde, von wo er Ostern 1914 in die preußische Hauptkadettenanstalt Lichterfelde wechselte. Als im August der Erste Weltkrieg ausbrach, war die Begeisterung des Jungen so stark, daß sein Vater ihm trotz seiner Jugend die Erlaubnis zum Eintritt ins Heer geben mußte. An seinem 16. Geburtstag rückte er als Fahnenjunker zur Ersatzschwadron des Ulanenregiments Kaiser Alexander III. von Rußland (Westpr.) Nr. 1 in Lüben ein. Wegen hervorragender Bewährung vor dem Feinde wurde Fähnrich v. Pannwitz bereits im März 1915 zum Leutnant befördert. Im Anschluß an seine Teilnahme an der Sommerschlacht 1916 erhielt er im Folgejahr in den Karpaten das Eiserne Kreuz I. Klasse und kam schließlich zur Quartiermeisterabteilung der 14. Armee. Im März 1920 mußte v. Pannwitz wegen einer schweren Verwundung den Abschied als aktiver Offizier nehmen. In der Folgezeit war er in Polen tätig (u.a. als Gutsverwalter der Fürstin Radziwill), bis ihn die Liebe zum Offiziersberuf im Sommer 1933 wieder ins deutsche Reichsgebiet zurückführte.

9  Während v. Pannwitz im deutsch besetzten Kaukasus umherreiste, kam es zu einem sowjetischen Vorstoß in der Kalmückensteppe, dem keine eigenen Truppen entgegenstanden, weswegen er den Auftrag erhielt, einen Kampfverband aus Etappenangehörigen aufzustellen. Mit dieser bunt zusammengewürfelten Truppe gelang es v. Pannwitz als geborener Führernatur, eine gesamte sowjetische Kavalleriedivision zu vernichten. Für seine außergewöhnliche und entscheidende Tat erhielt er am 23. Dezember 1942 das 167. Eichenlaub zum Ritterkreuz sowie den höchsten rumänischen Militär-Orden Michaels des Tapferen (Ordinul Mihaj Viteazul).

10  MWD (Ministerstwo Wnutrennich Del), Ministerium für Innere Angelegenheiten, spätere Bezeichnung für das berüchtigte sowjetische NKWD (Narodnyj Komissariat Wnutrennich Del), Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten.

11  Zu einem beachtlichen Teil bestanden die „weißen“ Kosakenverbände des Zweiten Weltkriegs aus übergelaufenen Rotarmisten und sowjetischen Kriegsgefangenen (die zwar nicht alle kosakischer Abstammung waren, sich jedoch gern zum Kosakentum bekannten).

12  Von Josef Stalin stammt der Spruch, es seien alle in deutsche Gefangenschaft geratenen Rotarmisten „Verräter“. Die in den deutsch besetzten Gebieten verbliebene (auch nichtkosakische) Bevölkerung wurde pauschal der „Kollaboration“ verdächtigt.

13  Sieghard v. Pannwitz, General Helmuth v. Pannwitzs Sohn, schrieb dazu bereits im November 1994 folgendes: „Das XV. Kosaken-Kavallerie-Korps sowie die vormalige 1. Kosakendivision stand unter dem Befehl meines Vaters, des Generalleutnants Helmuth v. Pannwitz, und hat vom ersten Tag seiner Aufstellung Mitte 1943 bis zur Kapitulation 1945 ausschließlich der Wehrmacht angehört. Es gab allerdings Bestrebungen von Hitler und Himmler, das K.K.K. in die Waffen-SS zu überführen. Aus Gründen der historischen Wahrheit möchte ich im folgenden, unter Nennung von entsprechenden Quellen darlegen, warum anders lautende Berichte falsch sind und nicht der Wahrheit entsprechen. Ursprung für falsche Behauptungen mag ein Fernschreiben des Oberkommando des Heeres sein, in dem folgende Anweisung gegeben wurde:

Fernschreiben vom 16.10.1944

des OKH / GenStdH/Org. Abt. Nr. II/35661 / 44 geh., welches sich auf den Befehl des OKW / WFSt / Op (H) / Südost Nr. 06248/44 bezieht und folgendes besagt:

1. Mit Bezug wird befohlen:

a) Die 1. Kos.-Division ist ab sofort zur Aufstellung eines SS-Kosaken-Korps in die Waffen-SS zu überführen;

b) Einzelheiten regelt OB Südost.

Auf dem Stammblatt für die 1. Kosaken-Division, angelegt durch Verfügung AHA Ia VI Nr. 16790/43 geh. V. 8.5.43, befindet sich weiter folgender Vermerk:

Gemäß SS-Führungshauptamt, Amt II OrgAbt. Ia/II Nr. 4080/44 gK vom 4.11.44 (AHA 8938/44 gK) in die Waffen-SS überführt.

Diese Befehle sind niemals zur Ausführung gekommen. Juristisch gesehen ist dieser Befehl „eine auf die Zukunft gerichtete Weisung“. Damit wird ausgedrückt, daß ein Befehl allein noch kein Beweis für dessen tatsächliche Ausführung ist.

In seinem Buch „Der Freiwillige“ (3/1970) stellt auch der ehemalige General der Waffen-SS und Chef des SS-Hauptamtes Berger fest, daß der Übernahmeerlaß noch nicht die Übernahme des Kosaken-Kavallerie-Korps in die Waffen-SS bedeutet hat.

Dieser Auffassung ist auch das OKW gewesen, insbesondere nachdem man sich der Tatsache bewußt geworden war, daß die überwiegende Mehrheit der befragten Offiziere nicht bereit war, Versetzungsanträge zur Waffen-SS, nach Ziff. IIc des besagten OKH-Befehls vom 16.10.44, zu stellen. Offensichtlich hat auch die SS-Führung daraufhin von der Durchsetzung dieses Übernahmebefehls abgesehen.

Die Tatsache, daß die 1. Kos.Div. beziehungsweise das daraus hervorgegangene XV.Kos.Kav.Korps, immer Truppenteil der Wehrmacht war, wird auch eindeutig durch die Passagen im Kriegstagebuch des OKW aus dem fraglichen Zeitraum bestätigt.

Bis Kriegsende werden die Kosaken immer ohne SS-Zusatz genannt, wogegen die Verbände der Waffen-SS als solche stets benannt werden.

Zum Beispiel:

*1 x im Herbst 1944 als 1. Kos.Div.

Im Lagebuch des OKW (Südosten) vom 3.1. bis 17.4.45

*21 x als Kosaken bzw. Kosakenraum

*2 x als Kosakenbrigade

*1 x als 1. Kos.Brigade

*1 x als 2. Kos.Brigade

*2 x als Kosakendivision

*10 x als 1. Kos.Div. und

*2 x als 2. Kos.Div.

Ab 8.2.45 3 x als Kosaken-Korps

Ab 3.3.45 3 x als XV. Kosaken-Kavallerie-Korps.

Weiter gibt es Eintragungen im Kriegstagebuch des OKW, Bd. IV, Teilband II, S. 1313:

Am 17.2. (1945) befanden sich folgende Verbände des Heeres in der Neuaufstellung bzw. Umgliederung:

8 Divisionen 33. Welle [ …]

Ferner waren in der Umgliederung bzw. Auffrischung begriffen […]

Neu aufgestellt wurden: 2. Kosakendivision (Aufstellungsende 15.5.)

Unter dem 3.3.45 befindet sich folgende Eintragung im Kriegstagebuch:

Durch Teilung der 1. Kosaken-Division wurde die 1. und die 2. Kosaken-Division unter dem XV. Kosaken-Kavallerie-Korps gebildet.

Am 15.4.45 heißt es darin weiter: Die 1. Kosaken-Division hat sich gut geschlagen.

Weiterhin möchte ich einige Auszüge aus der vorliegenden schematischen Kriegsgliederung anführen:

*16.09.44 1. Kos.Div. beim LXIX. Korps z.b.V.

*26.11.44 1. Kos.Div. beim LXIX. Korps z.b.V.

*01.03.45 1. Kos.Div. beim LXIX. Korps z.b.V.

*01.03.45 2. Kos.Div. in Kroatien

*30.04.45 XV. Kos.Kav.Korps mit 1. und 2. Kos.Div. und 11. Lw.-Feld.Div.

Das OKW hat die Kosaken-Division und ab März 1945 das XV. Kosaken-Kavallerie-Korps nachweislich als Heeresverband der Wehrmacht geführt, was auch den Tatsachen entsprach.

Dem Kameradschaftsverband des KKKs liegt ein Schreiben des Militärischen Bundesarchivs in Freiburg vom 19.4.1984 vor, in dem bestätigt wird, daß ‚zwar die organisatorische Absicht der Überführung vom Heer in die Waffen-SS bestanden hat, aber in der Praxis nicht durchgeführt wurde’.

Es ist auch notwendig zu erwähnen, daß Hunderte der noch lebenden ehemaligen Soldaten des KKKs beeiden können, was ich dargelegt habe. Entsprechende eidesstattliche Erklärungen, Tagebücher, Soldbücher, Beförderungsurkunden und Unterlagen kann ich jederzeit vorlegen.“

„DIE ZEIT“ hat mit Ausgabe vom 4. August 1995 einen Bericht veröffentlicht, in dem es um das Schicksal des Generals und Kosaken-Feldatamans Helmuth v. Pannwitz nach seiner Auslieferung an die Sowjetunion in Moskau ging. Darin wurden Gespräche mit führenden Offizieren im ehemaligen KGB-Zentralarchiv beschrieben, die bestätigten, daß H. v. Pannwitz niemals SS-General war und daß sein Kosaken-Kavallerie-Korps auch niemals Teil der Waffen-SS war. Bei anderslautenden Mitteilungen aus der früheren UdSSR habe es sich ausschließlich um sowjetische Kriegspropaganda gehandelt, wie noch in H. v. Pannwitzs Todesurteil ausgeführt worden sei.

Im Schreiben von Dr. Horst Bieber, Chef vom Dienst der erwähnten Wochenzeitung für Politik, Wirtschaft, Handel und Kultur „DIE ZEIT“, vom 1. Dezember 1995 an den damaligen Vorsitzenden der Kameradschaft des XV. Kosaken-Kavallerie-Korps Dieter Klawonn hieß es u.a.: „Richtig ist, daß das Kosaken-Kavallerie-Korps nicht in Rußland (als Großverband – W.A.) eingesetzt und nicht der SS unterstellt war.“

14  Der Text von Spakowskys Laudatio wird von uns in seiner Originalfassung inklusive grammatikalischer und Rechtschreibfehler angeführt. Als Nichtdeutscher sprach Rittmeister Sergej v. Spakowsky zwar fließend Deutsch, schrieb jedoch nicht ganz fehlerfrei.

 
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